Wunder und Chaostheorie

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Gott durchbricht nicht Naturgesetze – sie unterliegen ihm. Und weil sie ihm unterliegen, sind Wunder Zeichen, die auf Gott und seine Wirksamkeit hinweisen. So dachte man vermutlich in biblischer Zeit. Naturgesetze wie wir sie in der Moderne verstehen, waren in der Antike unbekannt. Natürlich wusste man, dass keiner über das Wasser laufen kann – aber warum das keiner kann, das war unbekannt – und so gab es Raum für die Vorstellung, dass es einer doch kann, wenn er in göttlicher Vollmacht wirkt. Sie sahen also Wunder als etwas an, das auf Gott hinweist – ohne diesen Zeichencharakter der Wunder sind Wunder keine Wunder. 

Wer mit Gott rechnet, erkennt auch Wunder. Gott gibt aber – oh Wunder ! – uns Menschen Freiheit, seine Wunder auch anders zu interpretieren: eben innerweltlich. Manches erscheint uns fremd, wenn Gott handelt. Und da wir auch als wissenschaftlich denkende Menschen Fremdes nicht gerne mögen, lehnen wir es erst einmal ab. Manche beäugen es misstrauisch, manche wagen sich näher, manche gehen voller Unverständnis lachend ihrer Wege, manche sagen: Huch, was ist das denn? Das verstehe ich nicht, und sie hoffen, es einmal verstehen zu können, manche bekämpfen es und wollen es nicht wahrhaben, manche erkennen hinter dem Fremden Gott.

Grundsätzlich stellt sich aber die Frage nach dem Weltbild: Ist die Welt lebendig, voller Überraschungen – oder ist sie eine berechenbare Maschine? Wenn wir sagen, die Welt ist lebendig, voller Überraschungen, dann heißt das nicht, dass der Schöpfer der Welt willkürlich und chaotisch ist. Dann heißt das nur, dass wir die Überraschungen noch nicht logisch verstehen. Ich liebe die Chaostheorie: die dynamische Ordnung.

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Eine Frage zu dem Bild: Wie erklärt man sich, dass diese Wasserringe einander durchdringen aber bleiben?

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