Je näher die vollständige Eroberung von Aleppo kommt, desto mehr geraten europäische Regierungschefs und somit auch Medien als Echo der Politik (und Politik als Echo der Medien) in Panik. Warum?
Was die UN und deren Berichte betrifft: Ich hoffe, dass Guterres Ordnung in diesen Laden bringt, vor allem politische Unabhängigkeit. So lange die UN nach der Pfeife einiger Staaten tanzt, wird es nichts damit.
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Unsere Politik und Medien putschen die hierher geflüchteten Syrer auf, um sie gegen Assad einzunehmen – dadurch verhindern sie einen Wiederaufbau des Landes.
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Neulich habe ich einen Artikel von Sydow kritisiert, weil er Russen und Syrern vorgeworfen hatte, sie würden gar nicht wirklich gegen die IS kämpfen. Ich schrieb daraufhin, dass die syrische Armee am Ende sei http://blog.wolfgangfenske.de/2016/12/10/syrien-wir-haben-es-zerstoert-nigeria-missbrauchte-maedchen-niederlande/ :
Russen und Assad sollen kein Interesse an der Zerschlagung des IS haben? Das ist wieder eine neue Sau, die durch die Medien getrieben wird. Vielleicht sollte ein Schreibtischschreiber beachten, dass ein Vielfronten-Krieg schwer ist? Zudem haben die Syrer ja kaum noch Militär. Zudem: Was passiert wohl, wenn die Rebellen, die von der USA und dem Westen unterstützt werden, mit freiem Geleit aus Aleppo abziehen? Gegen wen werden sie wohl kämpfen? Gegen die IS? Nö. Sie sind ja eh kaum auseinanderzuhalten. Die IS und die anderen Islamisten und Rebellen würden also wieder Unterstützung von den Aleppo-Rebellen bekommen – und dann kann von Sydow wieder sagen: Die IS wurden mehr – weil die Russen und Syrer falsch agieren.
Und was lesen wir jetzt von Sydow? Aleppo wurde erobert von Russen und Assad-Truppen, aber (triumphalistisch?) Syrien noch lange nicht, denn die Armee sei zu geschwächt: http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-und-assads-regime-aleppo-erobert-das-land-verloren-a-1125712.html
Und das ebenso auf Spiegel-online: Der Hinweis auf Weihnachten und Aleppo: http://www.spiegel.de/politik/ausland/krieg-in-syrien-kommentar-zur-schlacht-um-aleppo-a-1125737.html
Bald wird es still sein, keine neuen Schreckensnachrichten mehr aus Syrien, und dann können wir wieder so tun, als wüssten wir von nichts, so tun, als sei unsere einzige Sorge, dass Heiligabend dieses Jahr auf einen Samstag fällt, das ist nämlich furchtbar ungünstig. An all das andere da draußen denken wir einfach nicht mehr. Sonst könnte man doch unmöglich Weihnachten feiern.
Auch ich hatte neulich von Weihnachten geschrieben, in der Hoffnung, dass Aleppo bis Weihnachten befreit sein werde von den Islamisten und Rebellen – damit endlich Frieden einkehren könne für die Bevölkerung. Natürlich nicht Frieden in ganz Syrien, im Irak und all die anderen Gebiete, die von Islamisten beherrscht werden, in denen Menschen, Muslime wie Nichtmuslime bedrängt und geknechtet werden. Aber zumindest Menschen in Aleppo können aufatmen – und ich hoffe sehr, dass der Westen nun massiv Hilfsgüter nach Aleppo schickt, damit die Menschen es warm haben, etwas zu essen und Medikamente haben. Sie können Equipment hinschicken: Bagger, Lastwagen, ThW… Nicht mehr gehindert durch die Islamisten und anderen Rebellen.
Jetzt kann die UN zeigen, was sie alles an Nahrungsmitteln gesammelt hat, denn sie beklagte ja noch vor kurzem, dass sie diese nicht verteilen könne. Jetzt kann sie es. Jetzt können Hollande und Merkel, die noch gestern Abend beklagt haben, dass Russen und Syrische Armee Aleppo befreien, zeigen, dass sie alle Menschen, die endlich befreit wurden, mit allem, was sie so dringend benötigen, unterstützen.
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Ich hatte sie neulich im Blog erwähnt, die mutige Frau, die in Saudi Arabien ohne Kopfbedeckung zu sehen war. Nun wurde sie verhaftet: http://journalistenwatch.com/cms/saudi-arabien-ohne-schleier-direkt-ins-gefaengnis/
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Der Sacharow-Preis des EU-Parlaments wurde an Jesidinnen verliehen, die Schreckliches durchmachen mussten – wie so viele Leidensgenossinnen und Menschen des Volkes insgesamt. Und werden die Finanziers der IS, diejenigen, die sie groß werden ließen, auch zur Rechenschaft gezogen werden? https://www.tagesschau.de/ausland/sacharow-preis-jesidinnen-103.html
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Kardinal Marx meint, so die Überschrift: „Aus Tempelberg-Auftritt müssen alle lernen“ http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/marx-aus-tempelberg-auftritt-mussen-alle-lernen
Und dann kommt raus, wer lernen muss: Die Kritiker. Manche Kritiken empfinde er als beleidigend.
Aber in einem Punkt gibt er doch zu bedenken: „Vielleicht hätte man aufgrund der Brisanz auch darauf verzichten sollen, dort hinzugehen.“ Genau. Am 31.10. schrieb ich:
Bedford-Strohm nahm sein Kreuz ab, als er den Tempelberg in Jerusalem besuchte. Das war eine kluge Entscheidung, sonst hätte es vielleicht Tote gegeben – Tote Sicherheitskräfte. Die Frage ist nur: Musste er ihn besuchen, wenn diese Bedingung gestellt wird?
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