
4.6.3 Begegnung mit Jesus in Christus-Erfahrungen
Immer wieder gibt es Christus-Erfahrungen vieler Menschen weltweit: Jesus Christus ist ihnen zum Beispiel in einer Art Traum erschienen. Das gilt vor allem für Menschen, die noch keine oder geringe christliche Prägung hatten. Aber nicht nur. Auch das hat im Neuen Testament seine Grundlage (z.B.: 1. Korinther 9,1: ich habe den Herrn „gesehen“). Ebenso gibt es heftige emotionale Alltagserfahrungen der Gegenwart Jesu Christi. Weil wir Menschen psychisch ganz besondere Wesen sind und Wahrnehmungen nicht immer eindeutig sind, lautet im Neuen Testament der Rat: „Prüft alles, das Gute behaltet.“ (1. Thess. 5,21) Das heißt, nicht alles, was als Jesuserfahrung ausgesprochen wird, muss eine solche sein. Christus-Erfahrungen sind ernst zu nehmen – aber zu prüfen. An den Folgen, an der Nächstenliebe ist erkennbar, wer der war, dem der Mensch begegnet ist (Paulus im Galaterbrief 5: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Selbstbeherrschung…). Was macht also diese Christus-Erfahrung mit dem Menschen? Mit Visionen, mystischen Erfahrungen, Transzendenzerfahrungen hat sich der Theologe Rahner beschäftigt. Ebenso der Theologe Hans Urs von Balthasar. Er betonte, dass zu beachten sei, dass die Christus-Erfahrungen, die Christusoffenbarungen keinen neuen Christus hervorbringen können, sondern auf der Basis des in der Kirche offenbarten Christus stehen.
4.7 Betonung Jesu in Verbindung mit dem (Heiligen) Geist
Philosophen konnten in dem Menschen Jesus den „absoluten Geist“ und den Weltgeist wiederfinden, den Geist, der alles durchdringt, der alles erhält (vgl. Johannes-Evangelium: „Logos“) und zu sich selbst findet (Hegel). In Christus verbindet sich der Geist Gottes mit der Realität des Menschen und seiner Geschichte. Dadurch ist der Geist Gottes nicht etwas Abstraktes, sondern in der Geschichte erfahrbar (Schelling). Unabhängig davon sieht der Theologe und Pädagoge Schleiermacher: In Christus ist das Gottesbewusstsein einzigartig verwirklicht. Dieser Geist Gottes, der in Jesus Christus wirkt, lässt den Menschen in seinem tiefsten Wesen erkennen, dass er von Gott grundsätzlich abhängig ist. Der Geist ist aber nicht individualistisch gedacht, sondern stiftet Gemeinschaft zwischen Menschen. Der Geist ist also nicht der ferne Gott, sondern wird als gegenwärtige Wirksamkeit Gottes durch Christus im Bewusstsein des Menschen und in der Gemeinde erkennbar.
Dieser göttliche Geist ist auch in anderen Kulturen und Religionen wirksam, wie gegenwärtig mit philosophischem Hintergrund betont wird. Diese Sicht wird auch mit dem Buddhismus verknüpft: In Jesus Christus wurde die kosmische Seele (Buddha) inkarniert (was bedeutsam ist für diejenigen, die philosophisch-theologisch intensiv den interreligiösen Dialog betreiben, z.B. Hick).
Und auch hier muss noch intensiver auf das Thema eingegangen werden, weil die charismatischen Kirchen diejenigen sind, die weltweit am stärksten wachsen. Der Geist Gottes, der im Glaubensleben massiv auch körperlich erfahren wird, ist nicht losgelöst von Christus zu erfahren. Der Geist Christi ist es, der zur Geisttaufe führt. Auch das hat seine Wurzeln im Neuen Testament. Paulus kennt diese hoch-pneumatische Erfahrung, die frühen Gemeinden kennen sie. Paulus versucht sie in einen gewissen Rahmen zu bringen, damit sie sich nicht als allgemeine Weltgeisterfahrung interpretiert wird, sondern mit Christus verbunden bleibt. Jesus Christus ist durch die Geistgabe als Wundertäter und Befreier erfahrbar, der Menschen auch mit prophetischen Gaben begabt. Der mit seinem Geist kräftig wirkende Jesus Christus wird betont, der Christus, der Menschen mit ihrem ganzen Wesen ergreift („Power Religion“: Packer, Fee, Yong). Als das Gefühl vertiefende Medium dient nicht selten die Musik und Rhetorik.
(aus: https://evangelische-religion.de/ReligionNeu/christologie-die-bedeutung-jesu/)
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