Sie gehört auch in meine Reihe: Menschen, die sich nicht unterkriegen lassen. Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Mary_Slessor und: https://humanists.international/de/2009/12/ und: https://www.bbc.com/news/uk-scotland-tayside-central-30577100 und: https://christianhistoryinstitute.org/dailystory/permalink/mary-slessor-what-is-courage-but-faith-conquering-fear und: https://dacb.org/stories/nigeria/slessor-mary/
Mary Slessor wurde in Schottland in eine arme Arbeiterfamilie hinein geboren. Die Mutter war sehr fromm, der Vater war Alkoholiker. Sie lebten mit vier Geschwistern im Slum, Vater und Brüder starben an einer Lungenentzündung. Mit 11 Jahren arbeitete sie auch in der Spinnerei, in der ihre Eltern arbeiteten und ging auch zur Schule, die der Arbeitgeber zur Verfügung stellte. Mit 14 Jahren arbeitete sie in der Fabrik von 6-18 Uhr mit einer Stunde Pause und besuchte Abendkurse. Bedroht und erniedrigt wurde sie von einer Bande, bis der Anführer ihre Standhaftigkeit bewunderte. Die Mutter bezog eine presbyterianische Missionszeitschrift bzw. eine andere Info: In den Gottesdiensten wurden Missionsbriefe vorgelesen. Das weckte ihr Interesse an ferne Länder. Mary unterrichtete in einer Sonntagsschule, machte mit den armen Kindern Picknicks, war Mitglied eines christlichen Jugendclubs. Wie es in dem Dictionary heißt, lernte sie durch die schwierige Jugend sich den Herausforderungen zu stellen und sie zu meistern. Als der Afrikaforscher und Missionar David Livingstone gestorben war, wollte sie seine Arbeit fortsetzen.
Als sie 28 Jahre alt war, ging sie mit ihrem Cousin, einem Missionar der United Presbyterian Church, nach Westafrika, Südost Nigeria. Sie lernte von der Missionarin Euphemia Sutherland und lernte Efik, die Sprache der Einheimischen, und lebte unter ihnen, aß, was sie aßen, wohnte, wie sie wohnten – was dazu führte, dass sie von ihnen anerkannt war. Nach drei Jahren erkrankte sie an Malaria, ging zur Genesung zurück nach Schottland, genesen, kehrte sie wieder nach Afrika zurück. Dort gab es die Sitte, wenn ein Dorfältester gestorben war, dass Frauen und Sklaven getötet wurden, die ihm im Jenseits dienen sollten. Zudem gab es die Sitte, Zwillingskinder zu töten, weil sie Unglück bringen, sie galten als Fluch. Der Vater galt als Kind des Teufels und die Mutter als große Sünderin. Sie rettete zahlreiche im Busch ausgesetzte Kinder dadurch, dass sie Menschen ausschickte, die sie aufsammelte. Es heißt, dass manche Mission von Babys wimmelte. Missionare wie sie und der König Eyo Honesty II. bekämpften diese Sitte. Eines – vielleicht auch noch drei weitere – der geretteten Kinder adoptierte sie, Janie, nahm sie auch mit nach Schottland. Frauen besuchte sie in ihren Höfen und Kranken half sie, indem sie Medikamente verteilte und auch die Sitte, Verdächtige in einer Art Götterordal zu vergiften, bekämpfte sie. Sie hat wohl auch eine Gruppe maskierter Männer, die alle einschüchterten, dadurch demaskiert, dass sie einem die Maske heruntergerissen hat (erinnerte sie sich dabei an ihre Auseinandersetzung mit der Bande in der Jugendzeit?). Gleichermaßen bekämpfte sie Stammeskriege und Kannibalismus.
Als ihr wieder Malaria zu schaffen machte, ging sie zurück nach Schottland, pflegte ihre erkrankte Mutter und Schwester, hielt Vorträge mit Geschichten aus ihrem Wirkungsbereich. Als sie wieder in Afrika war, starben ihre Mutter und Schwester. Und sie fühlte sich freier, sich ganz auf ihre Arbeit zu konzentrieren. Kurze Zeit war sie auch mit einem 18 Jahre jüngeren Missionar verlobt. Darüber scheint wenig bekannt geworden zu sein.
In Nigeria half sie mit, ein Ausbildungszentrum zu gründen. Nachdem im Norden Nigerias Missionare ermordet worden waren, zog sie 1888 dorthin und lebte dort 15 Jahre. Sie schloss viele Freundschaften, hatte Auseinandersetzungen mit Behörden, lebte ganz einfach. Sie kümmerte sich um missionarische Arbeit, die Verkündigung umfasste, aber auch Streitschlichtung (sie wurde in späteren Jahren als Leiterin des Gerichts eingesetzt), Förderung des Handels, sie kümmerte sich um Bildung und soziale Veränderungen.
(Unter dem oben genannten Link von Humanists International finden wir die Aussage, dass sie nicht in erster Linie Evangelistin gewesen sei, sondern sich auf von mir genannte Tätigkeiten konzentriert habe. Ich vermute freilich, dass der Motor ihrer Aktivitäten in ihrem Glauben lag. Glauben kann nicht von Tätigkeiten getrennt werden. Er ist die Grundlage der Tätigkeit bei vielen Menschen. Auch dann, wenn sie etwas ganz anderes machen: der Glaube gehört zu ihrem Wesen. Besser schreibt der bbc Artikel, dass sie eine neue Art von Missionarin gewesen sei, weil sie unkonventionelle Wege einschlug. Nicht viele Menschen sollen durch ihr Wirken Christen geworden sein, aber sie lernten christliche Moral kennen und als gut anzusehen. Sie soll gesagt haben: Christus sandte mich, die frohe Botschaft zu verkündigen – und er wird Sorge für die Ergebnisse tragen. „Gott und ich sind immer die Mehrheit.“ Wie heißt es in dem Beitrag des Christian History Institutes: Mut ist Glaube, der die Angst besiegt. Zudem wird in dem Humanisten Beitrag Hexerei und Aberglaube mit dem Sklavenhandel verbunden. Das ist absurd.)
Die Malaria setzte sie Jahrzehntelang sehr zu, sodass sie 1915 geschwächt starb – auch das Wissen um den Krieg in Europa hat sie wohl geschwächt. Mit dem Gebet auf den Lippen, einer Efik-Formulierung: O Abasi, sana mi yok – O Gott, erlöse mich / lass mich gehen! ist sie gestorben. Sie wird als Königin von Okoyong bezeichnet und noch immer verehrt.
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Mary Slessor brachte Leben dorthin, wo die Kultur des Todes herrschte. der Tod schreckte sie nicht, darum konnte sie sich in Situationen hineinbegeben, in denen auch andere Missionare sich hineinbegaben, Situationen, die ihr das Leben hätten kosten können, weil die Kultur des Todes sehr dominant war. Die Kraft der Auferstehung Jesu Christi war das Werkzeug, Leben zu bringen bzw. wie sie auch erkannte: Der auferstandene, der lebendige Christus wirkte in ihr. Schlimme Taten von Menschen können Menschen lähmen: die die Kultur durchziehende Tradition, Zwillinge dem Tod auszuliefern, Menschen zu schlachten, damit sie andere im Tod begleiten und andere grausame Riten haben Macht, Menschen resignieren zu lassen. Aber durch die Kraft der Auferstehung hat sie sich diesen entgegengestellt. Sie formulierte in etwa: Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt – aber ich weiß, wer sie bringt.



