Turmbau zu B.

Im Augenblick sieht es so aus, als würde der moderne Turmbau zu Babel erhebliche Risse bekommen. Die Einen rennen wie im Schock herum und versuchen die Risse ein wenig zu kitten, die anderen tun so, als würde alles so bleiben wie bisher. Es lief doch alles so gut. Der Mensch hatte alles im Griff … – auch darin war und ist er Weltmeister: das Schlimme zu vertuschen. Und Menschen, die auf die Krankheit des Menschen, seine kranke Seele verwiesen, wurden verspottet in dicken Büchern und vielschwätzigen Zeitschriften. Das wird sich nicht ändern, auch dann nicht, wenn der Turm einstürzen sollte, erst recht nicht, wenn er nur ein wenig wanken sollte. Hoffentlich werden dennoch ein wenig mehr Menschen nachdenklich – denn bisher wurden alle Babeltürme, Symbole menschlicher Arroganz, zerstört – oder sehen wir noch irgendeinen in der Weltgeschichte herumstehen? Oft wissen wir gar nicht mal mehr, dass die herumliegenden Trümmer von einem solchen Arroganz-Turm herstammen.      

Nationalsozialismus/Kommunismus als Religion 2

(Fortsetzung vom 28.10.) Ich zitiere aus dem genannten Buch von Ryklin: „Die Partei, die in Rußland mit dem Oktoberumsturz an die Macht kam, war eine Partei von Atheisten. Ihre Führer brüsteten sich damit, daß sie nicht nur nicht an Gott glaubten, sondern dank der Marxschen Einsicht den Klassencharakter der Religion und ihren Zusammenhang mit den Interessen der ausbeutenden Klassen wissenschaftlich begriffen hätten. In einer Gesellschaft mit vergesellschafteten Produktionsmitteln sollte die Religion nach einer kurzen Übergangsperiode, `Diktatur des Proletariats´ genannt, absterben; sobald die Entfremdung verschwände, würden die sozialen Beziehungen transparent werden, und an Religion würde schlicht kein Bedarf mehr bestehen.“ (13) (Fortsetzung folgt.)

Glaube und Gesundheit 1

Es gibt eine Untersuchung, die das Wirken des Gebets ergründen soll. Drei Gebetsgruppen beten für 1200 Patienten. 600 Patienten wissen das, 600 Patienten wissen das nicht. Das Ergebnis: das Gebet hat keinen Einfluss auf die Gesundheit. Nun ist diese Untersuchung recht witzig. Stellen wir uns vor, alle wären gesund geworden – Folge wäre nicht, dass die Menschen auf die Knie fallen würden, um Gott zu danken. Es wäre ein wissenschaftliches Gerenne losgegangen: Die Macht der betenden Psyche müsste untersucht werden! Denn Gott gibt es ja wissenschaftlich gesehen gar nicht. Das Beunruhigende: Manchen der 600 Menschen, die von dem Gebet wussten, ging es schlechter. Wie das? Man vermutet, dass diese dachten: Wenn ich schon für das Gebet ausgesucht worden bin, wie schlecht muss es mir da erst gehen! Und das zeigt mir wiederum: Auf diese Weise kann Glaube nicht gemessen werden, weil er sozial ausgerichtet ist. Der Glaube ist immer ein Paket vielfältiger sozialer Beziehung. Und diese Beziehung auf einen Aspekt zu reduzieren, muss schief gehen. Denn wenn Glaubende füreinander beten, dann denken sie ja nicht: Wie schlecht muss es mir gehen, dass der andere für mich betet, sondern: Schön, dann stehen wir gemeinsam vor Gott und schauen mal kurz auf mich – nur als Beispiel. 

Nationalsozialismus/Kommunismus als Religion 1

Zur Zeit lese ich von Michail Ryklin: Kommunismus als Religion. Die Intellektuelen und die Oktoberrevolution, Insel-Verlag, Frankfurt 2008.

Mit der Frage wieweit der Nationalsozialismus Religion ist, habe ich mich mal intensiv beschäftigt – und weiß um die Einwände. Es kommt unter anderem darauf an wie man Religion definiert. Was mir jetzt jedoch wichtig ist: Die atheistischen Systeme, die Religionen als Konkurrenz ansehen und -vor allem das Christentum – bekämpfen, übernehmen doch viele religiöse Elemente. Sie versuchen die Herzen und Hirne der Menschen zu erobern, sie gottfrei und ideologievoll zu gestalten, die Topoi zu besetzen: Verehrungen/Märtyrer, Gottesdienste/Liturgien, Tempel, Priester/Hohepriester, Feiertage, Lieder, Texte und und und in ihrem Sinne neu zu gestalten. (Fortsetzung folgt.)

Bedeutung von Religion

www.pro-medienmagazin.de zu einer Untersuchung: >Die Befragung zeigt auch, dass hochreligiöse Menschen in besonderem Maße von der Ehrfurcht vor dem Leben und der Natur und der Achtung vor der Menschenwürde geprägt sind. Wer hingegen gott- und religionslos lebt, so die Studie, lege deutlich weniger Wert auf Natur und Menschenwürde, Verlässlichkeit und Toleranz. Diese Werte, so Opaschowski, seien aber der soziale Kitt, der unsere Gesellschaft in Zukunft zusammenhalte. „Es muss daher ein fundamentales Interesse von Gesellschaft und Politik sein, dass Religion auch im traditionellen Sinne weiter gepflegt und im Alltag gelebt wird, damit die Humanität nicht verkümmert oder stirbt“, schließt er. Ohne Religion seien Kultur und sozialer Zusammenhalt einer Gesellschaft auf Dauer gefährdet.<

Was sollen wir dazu sagen? Nicht nur Nasos, Kommus und andere Atheisten, Humanisten usw. usw. finden das sicherlich gar nicht gut. In dieser Kürze gesagt finde ich es auch nicht gut. Denn auch der religiöse Mensch ist Mensch mit all seinen Macken gegen Natur und Menschenwürde. Über seine Intoleranz – darüber könnte ich auch Lieder singen – vielleicht singe ich sie einmal. Aber sagen wir mal: So grundsätzlich liegt auch in dieser Aussage ein Körnchen Richtigkeit, weil beim Glaubenden – zumindest im christlichen Glauben – der Maßstab außerhalb seiner selbst liegt: in der Liebe Gottes, die in Jesus Christus sichtbar wird. Und wenn er sich dann anders benimmt als der Maßstab es vorgibt, hat er keine Legitimation. Anders der Mensch, der seinen Maßstab in sich selbst oder seiner Ideologie usw. liegen hat. Was er tut, das ist immer richtig.     

Schönheit 5

(Fortsetzung aus dem genannten Artikel vom 25.10.) „`Nicht-Schön´ ist dann entweder alles, was Gott nicht zugehört, und dazu zählt, was Menschen normalerweise für schön halten (zum Beispiel in der Kunst). Oder es wird eine stufenweise Schönheit angenommen: Je näher Menschliches an das Göttliche rührt, desto `schöner´ ist es. Aus dieser Perspektive gesehen, ist alle weltliche Schönheit als Teil der Schöpfung zeichenhafter Hinweis auf die Schönheit Gottes. Von hier aus ist dann auch ein Ideal der menschlichen Kunst als schön zu würdigen.“

Noch Fragen zur Schönheit? Oh, ja! – Aber bitte: selbst beantworten! Trotz aller Ärgernisse, Traurigkeiten, trotz allem Unerträglichen: Der Tag wird schöner, wenn er sich von der Schönheit Gottes einfärben lässt. 

Türkei-Folter

Man spricht von Guantanamo – aber Folter ist nicht weit weg, sozusagen: Europa-nah: www.dw-world.de/dw/article/0,,3721955,00.html?maca=de-swissinfo_europa-3015-xml-mrss. Wie Menschenrechte im Iran mit Füßen getreten werden, wird auf der Seite von www.igfm.de erschreckend deutlich. Vom Iran kennt man es eigentlich nicht anders. Aber dass auch Ägypten immer mehr abrutscht, ist schmerzlich. Obgleich: Von den Menschenrechten her gesehen, war dieses Land sowieso schon nicht paradiesisch.

Wie krank ist eigentlich die Gesellschaft in Mittelafrika! Geplagt vom Geisterglauben, geknechtet von scheusslichen Ängsten, die in grausamste Taten einmünden – selbst in Tansania. Schamanische Furien ausgestattet mit westlichen Waffen – was für ein Leiden, zum Beispiel im Kongo! Die Massaker von Ruanda sind wohl nur die Spitze eines Eisbergs gewesen. Alle schauen auf den Despoten Mugabe und auf den Sudan – und wer schaut auf die anderen, die noch schlimmer sind, obgleich man kaum glauben mag, dass das wirklich geht? Und wie ist es mit den Kreidefressern in Kenia? Ich bewundere jeden – nicht, der die Lage schönredet – aber jeden, der in diesem Meer von Grausamkeiten versucht, Tröpfchen an Menschlichkeit einzubringen. Ich denke, wir hören so selten etwas von Afrika, weil man dann kaum mehr gut schlafen könnte, ohne von Albträumen geplagt zu werden. Wie Leid es mir tut, zu hören, dass auch Ostindien immer mehr in diese Barbarei verfällt. Jeder, der sich ein wenig mit hinduistischen Religionen beschäftigt hat, weiß freilich, wie sehr Grausamkeiten unter der Oberfläche vieler dieser Religionen rumoren.    

Nachtrag: Zu Afrika soeben gesehen, dass auch Kewil darüber schreibt: www.fact-fiction.net.  

Mohammed + Frauen

In der letzten Woche habe ich im Blog kurz auf Mohammed und Frauen verwiesen. Am Abend hörte ich im Fernsehen etwas über das neue Buch über Aisha, der Lieblingsfrau des Mohammed. Dieses Buch hat schon vor Erscheinen ein ziemlich heftiges Schicksal. Was man sich denken kann, wenn man die muslimische Szene ein wenig kennt. Eine Frau schreibt ein solches Buch …? Nun, darauf kommt es mir jetzt nicht an. Die Autorin sieht sich zu Unrecht angegriffen, weil sie dargestellt habe, dass Mohammed in seiner Zeit Frauen ja mehr Rechte gegeben habe usw. Nun, sicher kann man das so pauschal nicht sagen, weil in der Zeit Mohammeds die Gesellschaft gerade dort unten sehr zerrissen war (Naturreligionen, Judentum, Christentum) und auch Byzanz (Konstantinopel) nicht zu übergehen ist – vor allem aber auch seine erste Frau zu beachten ist. Ich vermute fast (laienpsychologisierend), dass seine erste Frau ihn unter der Fuchtel hatte, und er dann nach ihrem Tod andere Wege suchte und Frauen andere Rollen zuteilte. Aber die Frage stellt sich heute: Nehmen wir mal großzügig an, dass Mohammed zu seiner Zeit Frauen mehr Rechte gegeben hat – was sagen diese Worte Mohammeds denn noch heute? Geben sie Frauen heute auch noch mehr Rechte? Um diese Frage beantworten zu können, ein Tipp: Koran und Hadithen (soweit greifbar) selber mal lesen. Die Augen gehen einem über. Vor allem: Ich mag Aisha (nicht das Buch, das kenne ich nicht) – was sie so aus dem Leben des Propheten berichtet, ist manchmal herzerfrischend. Heute dürfte sie das wohl auch nicht mehr schreiben.

Zum Sonntag 12

Ich wünsche Segen allen, die offen sind für alles Schöne auf der Welt.

Ich wünsche Segen allen, die trotz Machenschaften des Menschen auch dessen Schönheit  sehen können.

Ich wünsche Segen allen, die angesichts des Dunklen, Krankhaften, angesichts all der Todesspuren verzagt und müde geworden sind – damit sie nicht verzagen und verzweifeln.

Ich wünsche Segen allen, die sich auf dem stürmischen Meer des Lebens und der Welt geborgen wissen – weil sie IHM gehören: Markus-Evangelium 4,35-41. 

Dr. Wolfgang Fenske – Anschrift s. auf  www.wolfgangfenske.de

Schönheit 4

(Fortsetzung vom 24.10.) Nach all der Schönheit – ich weiß, dass es auch Nicht-Schönes gibt. Auch das kann in die Seele dringen, es kann verletzen. Die Schönheit Gottes füllt seine Werke, doch sehen wir immer nur ein Zerrbild. Jedes Geschaffene ist vom anderen unterschieden, doch hat jedes einzelne Wesen und Ding ein wenig Anteil an der Schönheit Gottes – so sieht es der Weise Jesus Sirach (Kap. 42) – aber der Mensch kann seinen Anteil an Schönheit immer stärker dezimieren.

Kehren wir zurück zur Frage nach der Schönheit Gottes. Ich habe mal einen Artikel „Ästhetik“ geschrieben (Der Glaube der Christen. Ein ökumenisches Wörterbuch S.10.) Gottes „Reden und Handeln sind schön – seine Liebe, seine Menschwerdung, die Erhebung des Menschen. Damit ist ein Staunen über den einzigartigen Gott gegeben, das in der biblischen Sprache von der `Herrlichkeit Gottes´ seine Wurzeln hat … das Erkennen der `Schönheit´ Gottes hat jedoch seinen Ursprung nicht in sinnlicher Wahrnehmung, sondern ist durch das Wirken Gottes selbst gegeben. So können für Glaubende auch ambivalente Aspekte zur `Schönheit´ Gottes gehören (zum Beispiel das Kreuz und die unnahbare Herrlichkeit Gottes).“ (Fortsetzung folgt.)