Evolutionäre Erkenntnistheorie

Kant und co. meinen, dass Kategorien von Raum, Zeit, Kausalität a priori gegeben seien – und wir nicht über diese hinauskommen, die Realität hinter diesen nicht erfassen können. Denn: Wir Menschen haben keinen fixen Bezugspunkt, von dem aus alles beurteilt werden kann. Vertreter evolutionärer Erkenntnistheorie sehen hingegen, dass sich diese Wahrnehmung von Raum, Zeit, Kausalität im Laufe der Menschheitsentwicklung entwickelt habe – und es über diese hinaus nichts gebe, sonst hätte sich das auch mit entwickelt. Während Kants Idealismus dem Glauben – wie auch immer er aussieht – Raum lässt, ist er bei den Evolutionären kaum im Blick, auch wenn das Hypothetische der Philosophie betont wird. (Wobei der Glaube als solcher ja auch – in diesem Sinn – evolutionär bedingt sein muss, sonst wäre er nicht da.) Hier bricht wieder die alte Differenz zwischen Idealismus und Realismus  (freilich nicht metaphysischem Realismus) auf. 

Faszinierend finde ich, dass man sprachlich oder visuell „Realitäten“ bilden kann, die es gar nicht gibt: das zeigen Romane, Filme – aber auch philosophische, mathematische Konstrukte können argumentativ einwandfrei sein, nachvollziehbar sein, ohne dass man sie anderweitig überprüfen kann. Erst im Laufe der Zeit können sie (vielleicht) widerlegt oder bestätigt werden. Menschliche Sprache, damit verbunden: menschliches Denken, sind immer wieder bewundernswert. Und trotz allem: Wir können nur in dem Rahmen, den uns Sprache schenkt, denken. Das Denken kann durch die Sprache freilich immer weiter hinausgetrieben werden, in Dimensionen hinein, die vielen verborgen bleiben, obgleich sie die Worte – als Begriff – kennen. Auch denken will gelernt sein, weiterzudenken, sich denkerisch keine Grenzen zu erlauben und sagen: Hier mache ich Schluss. Das erfordert einen gewissen Entdeckergeist – und hier sehe ich eine Aufgabe der Theologie: Anzuspornen, weiter zu denken, nie in dem menschenmöglichen Steckenzubleiben, nicht erlauben, dass Naturwissenschaftler und Philosophen sich zufrieden zurücklehnen und sagen: Wir habens. Die Dimension Gott ist ein ständiger Ansporn, weiterzugehen.

Und weiter: Das, was wir beobachten, ist immer auch abhängig vom Beobachter und dem, wie er es interpretiert. Auch von daher gibt es keinen Fixpunkt. (Vgl. Interpretationismus.) Von hier aus gesehen muss es immer unterschiedliche Philosophien und Theologien geben: Welt- und Gottesbeobachtungen sind abhängig vom Interpreten. Und was geschieht, wenn ich auf Nummer sicher gehen will: Ich glaube nur das, was ich sehe?

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Fragen

Ich glaube nur das, was ich sehe?

Wer ist das „Ich“? – Was sieht das Ich, wie interpretiert es das, was es sieht? – Was bedeutet der Satz eigentlich sprachlich: Was heißt „Glaube“? – Glaube bedeutet zum Beispiel „Vertrauen“. Geht das: Das Ich (wer auch immer das ist) vertraut (was auch immer das ist) dem, was es sieht (was auch immer das ist)? Vertraue ich dem, was ich sehe? Ich sehe zum Beispiel ein gefälschtes Bild, das mein Sohn am PC hergestellt hat. Vertraue ich dem, weil ich es sehe? Wer allem glaubt, was er sieht, der ist eher als Naivling anzusehen. Ist der Satz: „Ich glaube nur das, was ich sehe“ – mehr als ein sprachliches Konstrukt? Macht die Kombination dieser Worte überhaupt Sinn? Wer definiert eigentlich die einzelnen Worte: Ich / glaube / nur / sehen – ist die genannte Kombination eigentlich von der Grammatik her gesehen, ein sinnvoller Satz? Wer will das wiederum sagen, was sinnvoll ist? Stimmt die Aussage überhaupt? Ich glaube nur, was ich sehe? Ich glaube auch, dass morgen die Sonne scheinen wird, obgleich ich die morgige Sonne noch nicht sehen kann – ich vertraue also darauf, weil sie bisher immer geschienen hat. Also ist der Satz interpretationsbedürftig – ich glaube nicht nur das, was ich sehe, sondern aufgrund meiner Erfahrung vielem. Da sagt mir jemand: Er/sie liebe mich – oh weh, kann ich das sehen? Was ist eigentlich Liebe? Ist Liebe Eigennutz? Geht es um mich?

Was will ich damit eigentlich sagen? Gar nichts. Nur dazu beitragen, ein wenig nachzudenken, zu philosophieren.

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Wahrheit

Wir müssen lernen, ohne Wahrheit zu leben, schrieb Nietzsche. Das ist doch eine Wahrheit, die vielen heute wie Schokolade im Mund zerfließt. Dumm ist nur, dass sie diese nichtvorhandene Wahrheit benutzen, um sie anderen, die diesen Satz nicht besonders bewundern, um die Ohren zu schlagen.

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Splitter

Wer die Kirchengeschichte kennt, wundert sich über nichts mehr, das in der gegenwärtigen Geschichte passiert. Man wundert sich höchstens über Gott, dass er so frei ist, das alles zuzulassen.

Der Mensch schätzt Gottes Freiheit nicht.

Den Nicht-Glaubenden kann es ja eigentlich egal sein, ob Christen glauben, sie werden nach ihrem Tod nicht bei Gott sein, also in der Hölle leben – solange Christen nichts dazu beitragen, sie in die Hölle zu befördern. 

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Toleranz

Wenn ich moralisch selbst keinen Halt habe und alles nickend oder stirnrunzelnd zulasse, was da an menschlichem Verhalten kreucht und fleucht, bin ich dann tolerant – oder einfach nur bequem und naiv?

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Gott =

Gott definieren? „Definieren“ = begrenzen. Wer einen Menschen definiert, begrenzt ihn, setzt ihn in sein Schublädchen, um ihn verstehen zu können. Dieser Kerl ist dämlich – das heißt: Man hat ihn begrenzt, indem man ihn in das Schublädchen „dämlich“ steckt. Und da kommt er dann nicht mehr so schnell heraus. Steckt man ihn in das Schublädchen „wow, ist der schlau!“ – dann muss er schon viel tun, um auch da wieder herauskrabbeln zu können. So ist eine Definition Gottes eine Begrenzung Gottes. Sicher, wir benötigen Bilder, wir machen uns ganz automatisch Bilder von Gott bzw. dem Menschen, dem wir begegnen. Die Gott angemessene Haltung ist nicht die, ihn in ein Schublädchen zu stecken, sondern sich für die vielen Gottesbegegnungen offen zu halten. Das heißt freilich nicht, dass Gott alles Mögliche sein kann. Unser eines christliches Schublädchen gibt es nicht: Es gibt nur einen riesen Schrank mit zig Schublädchen: Und wer sich mit Jesus beschäftigt, wird zahlreiche Schublädchen mit Gottesbildern füllen können. Aber Achtung: Man wird nie fertig damit – Gott ist immer wieder überraschend! Aber: Durch und in Jesus kommt man Gott so nah, dass er sich einem immer wieder neu erschließt.

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Angstgespenster

Wir leben mit Angstgespenstern. Vielleicht nicht immer so deutlich – aber sie können uns immer wieder überfallen. Der Kampf gegen die Angstgespenster geht ein Leben lang – gegen immer neue Arten von Angstgespenstern: Krankheit, Versagen, möglichen Erniedrigungen, Sterben, falschen Entscheidungen… Manchmal dauert der Kampf Jahre, manchmal ist er kurz. Vielfach fühlen wir uns im Kampf allein. Gott, dem wir vertrauen wollen, scheint weit weg zu sein. Hilflos fragen wir unser: Warum? Warum Leiden? Warum Angstgespenster? Warum diese Heimatlosigkeit des Herzens? Nach Hause laufen zu Gott sieht für mich so aus, dass ich mich in den Worten Jesu zu bergen suche. In den Evangelien zu lesen, immer mehr zu lesen, führt dazu, dass wir uns in den Worten von Jesus bergen können. Bergen wir  uns in den Worten Jesu? Jesus, der für uns die Worte Gottes spricht, nimmt uns mit seinen Worten hinein in seine bergende Liebe. Die Erfahrung des verlorenen Sohns (Lukasevangelium 15), der heimgekehrt ist, der sich von Gottes Armen umfangen weiß, muss uns dann über die Worte hinaus nicht fremd bleiben: Gott ist uns nah. Er umgibt uns. 

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Falschgeld

Man bekommt einen falschen Fuffziger. Woher weiß man, dass er falsch ist? Man muss ihn sorgfältig prüfen. Es gibt Kriterien, man dreht und wendet ihn, hält ihn gegen das Licht… Aber ein falscher Fuffziger heißt nicht, dass alle Fünfziger falsch sind. Es gibt auch richtige, auch die erkennt man an den Kriterien. Warum sag ich das? In der Bibel steht: Prüfet die Geister… Es gibt auch Christen, die es schwer machen, sie als echt anzusehen. Kriterien stehen im Neuen Testament. Weil es falsche Fuffziger gibt, heißt es lange nicht, dass alle falsch sind. Freilich hinkt das Beispiel ein wenig: Jeder denkt, er sei ein echter. Und darum spielt die Vergebung so eine große Rolle, auch für einen selbst: Vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben denen, die schuldig geworden sind… Aber die Kriterien sollte man schon kennen – nicht um andere beurteilen zu können, sondern um sich selbst ein wenig mit den Augen Gottes ansehen zu können. 

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