Christliche Hymnen, Lieder, Gedichte (7)

Wir kommen nach Nord- und Mitteleuropa. Das Konzil von Tours 813 war wegweisend. Zwar wurde schon vorher in der eigenen Sprache gedichtet, aber das Konzil trennte zwischen Latein als Zeremonialsprache und der romanischen Sprache als Volkssprache bzw. hob die Bedeutung der jeweiligen lokalen Sprachen. Im Folgenden sei auf die alte englische christliche Tradition hingewiesen.

Cædmon ist der erste Dichter der altenglischen Literatur, von dem der Name bekannt ist. Er lebte wohl im 7. Jahrhundert. Neun Zeilen liegen noch vor. In diesen wird Gott als Schöpfer besungen. Aldhelm von Sherborne lebte von 639-709 (?) dichtete allerdings noch auf Latein. Englisches wurde nicht überliefert – obgleich seine altenglischen Lieder noch Jahrhunderte bekannt gewesen sein sollen. Canterbury wurde von ihm zum Zentrum der Bildung ausgebaut. Er soll auch 700 die erste Orgel in England eingeführt haben. Beda Venerabilis lebte von 672-735. Seine Geschichtsschreibung wies neue Wege, er kommentierte biblische Texte, Biographien von Märtyrern und Heiligen und vieles mehr. Zudem hat er den Angelsachsen überhaupt die Schriftsprache schmackhaft gemacht. Von Gedichten ist kaum mehr etwas erhalten. Zitiert sei sein Gebet am Ende seiner Geschichte: »Ich bitte dich, guter Jesus, der du mich wohlwollend die süßen Worte deiner Weisheit schöpfen ließest, laß mich in deiner Güte eines Tages zu dir, Quelle aller Weisheit, gelangen und für immer vor deinem Angesicht verweilen« https://w2.vatican.va/content/benedict-xvi/de/audiences/2009/documents/hf_ben-xvi_aud_20090218.html Sein Totenlied wurde berühmt: Angesichts des Todes ist der klug, der so lange er atmet überlegt, ob er mit seinem Leben Menschen Glück oder Schmerz bereitete. Damit kann er den Weg/das Gericht der Seele nach dem Sterben beeinflussen.

Dream of the Rood (Rood = Kreuz) und Ruthwell Cross

Spannend an dem Gedicht aus dem 8. Jh. (?), das als Vision aufgebaut ist, ist, dass das Kreuzigungsgeschehen aus der Perspektive des Holzes/Kreuzes dargestellt wird. Das Kreuz/Holz und Christus verschwimmen ineinander. Das Kreuz wird geehrt – und es belehrt die Menschen. Ansatzweise haben wir das schon bei Venantius Fortunatus gesehen.

Dem Ruthwell Cross wurden in Runenschrift Zeilen des genannten Textes hinzugefügt: „Krist was on the cross Yet / the brave came there from afar / to their Lord.“ Das reich bebilderte Kreuz wurde lateinisch beschrieben, unter anderem mit: IHS XRS (= Jesus Christus) Richter der Gerechtigkeit. https://de.wikipedia.org/wiki/Kreuz_von_Ruthwell / https://en.wikipedia.org/wiki/Ruthwell_Cross vgl. auch das Bewcastle Cross: https://en.wikipedia.org/wiki/Bewcastle_Cross

Es gibt einige Gedichtsammlungen aus dem 10. Jahrhundert, in denen auch christliche Gedichte vorhanden sind.

  • So das Exeter Book. Wer sich intensiver damit befassen will, sei auf die Adventstexte hingewiesen: https://en.wikipedia.org/wiki/Christ_I und es geht neben weiteren Texten auch um Christi Wiederkommen und um das letzte Gericht: https://en.wikipedia.org/wiki/Christ_III
  • Das Vercelli Book beinhaltet unter anderem die oben genannten Zeilen des Dream of the Rood und „Seele und Leib“-Texte: Das Leben des Leibes auf Erden hat Auswirkungen auf das Leben der Seele nach dem Tod https://en.wikipedia.org/wiki/Soul_and_Body
  • Das Junius Manuskript (mit vielen Illustrationen). In diesem ist vor allem das Gedicht „Christus und Satan“ zu nennen. Satan und seine Genossen beschweren sich bei Christus – es folgen Auferstehung, Höllenfahrt und letztes Gericht – Jesus holt während seiner Höllenfahrt Menschen aus der Hölle, besiegt Satan auf seinem eigenen Gebiet – Versuchung Jesu durch Satan. https://en.wikipedia.org/wiki/Christ_and_Satan
  • Im Norwell Codex finden wir unter anderem neben biographische Fragmente zu Christopherus und ein Gedicht, das die alttestamentliche Schrift Judith übersetzt, das Heldengedicht Beowulf (8. Jh.). Es verbindet nordische Tradition mit christlichen ethischen Ansätzen.

Weder in den Sammlungen noch auch sonst legte man sich Grenzen auf. Welche Art an Literatur – es wurde zusammen gestellt.

Cynewulf

Der Autor lebte möglicherweise im 9. Jahrhundert. Von ihm sind vier Texte überliefert. Zwei seiner Texte sind im Exeter Book zu finden (Juliana, Christ II) und zwei im Vercelli Book (Elene, Fates of the Apostles). Drei dieser Werke behandeln das Leiden Glaubender. Cynewulf hat seinen Namen mit Runen in seine Texte eingefügt, womöglich geht es nicht um Copyright, sondern darum, dass die Leser für ihn beten https://en.wikipedia.org/wiki/Cynewulf .

In Christ II (Himmelfahrt), das er in Anlehnung an einer Predigt von Gregor dem Großen gedichtet hat, heißt es: Menschen sollen die Wahrheit suchen; sie kommt von Christus – Engel, die Jesus empor geleiten, fordern dazu auf, bereit zu sein, wenn Jesus wiederkommen wird. – Mit Jubel steigen sie dann in den Himmel auf – die Menschen sind traurig, weil Jesus weg ist – aber Menschen sollen für alles dankbar sein, was Gott ihnen schenkt, auch für die Chance, erlöst zu werden. – Christus schenkt Menschen Weisheit und Begabung zum Singen. – Als nun Jesus nicht mehr bei den Menschen war, begannen die Herrscher die Nachfolger Jesu zu verfolgen. Aber Jesus wird wiederkommen und der „Frühling“ durchdringt die Erde (Hohelied Salomos 2,8). Dann werden sechs High-Lights genannt: (1) Jesus wurde durch die Jungfrau Maria geboren; (2) er wurde in einem Stall geboren; (3) Christus am Kreuz; (4) Grablegung; (5) Höllenfahrt und Auferstehung; (6) Himmelfahrt. – Menschen müssen sich im Sinne Gottes verhalten, denn Christus wird wiederkommen zu richten in Gerechtigkeit. https://en.wikipedia.org/wiki/Christ_II

Texte (Advent, Ascension, Doomsday): http://www.yorku.ca/inpar/Christ_Kennedy.pdf :

Beginn: „Now eagerly in inward thought and wisely seek, thou man of great renown, with understanding heart, that you mayest know aright how it came to pass when the Almighty God was born in purity, when that He shelter sought at Mary´s hand,… Es endet mit der Darstellung, dass des Menschen Leben eine gefährliche Seefahrt ist: „Then help came unto us that the Spirit-Son of God guided us in the harbour of salvation, and granted us grace… Wherefore let us set our hope upon that haven which heaven´s Lord, in holiness on high, hath opened unto us by His Ascension.“

Alcuin

Alcuin war wie viele andere ein Wanderer zwischen Welten. ca. 730 in England geboren, folgte er 782 dem Ruf Karls des Großen und war auf dem Festland sehr wirksam und einflussreich. Im Jahr 804 starb er in Tours als Abt. Er schrieb zahlreiche Werke (Theologie, Astronomie, Mathematik, Rhetorik und andere) und war, wie seine Briefe zeigen, sehr gut vernetzt.

In seinem Hymnus Te homo laudet singt der Mensch als Ebenbild Gottes mit friedlichem und liebendem Herzen und Geist. Es schließt mit der Bitte, Gott möge „die Münder mit Lob füllen, damit wir immer dich lieben“. Gott loben und Gott lieben hängen eng zusammen.

Alcuin und viele andere in diesen Jahrhunderten zeigten, dass Europa keine heute bekannten Grenzen hatte. Man zog von hier nach da, dann wieder weg. Europa: Grenzen los.

Winchester Tropar

Genannt sei das Winchester-Tropar (980/1050). In diesem werden Singstimmen genannt – es ist für die Erforschung mittelalterlicher Musik sehr wichtig. Die Schwanenklage schließt:

Strömet herbei, ihr / Vogelscharen! / Stimmet mit ein: / „Dem höchsten König / Ewiger Ruhm!“

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Christliche Dichter 2

Christliche Schriftsteller 1: https://blog.wolfgangfenske.de/2019/08/10/christliche-schriftsteller/

In der Beschäftigung mit christlichen Schriftstellern erkennt man dann doch zuweilen, dass man die Texte nicht einfach so in die Gegenwart transportieren kann. Die Sprache ist veraltet, der Stil ist vielfach so, dass man die Ernsthaftigkeit nicht dahinter zu spüren vermag, wenn man nicht in der Sprache der Dichter beheimatet ist.

Was man noch zur Kenntnis nehmen kann, das ist, dass sie in ihrer Zeit vielen Menschen aus dem Herzen gesprochen haben, dass sie diese aufgerichtet haben und deren Leben ein Sinn geben konnten. In einer veränderten Situation, ohne Not, Hunger, Kälte, Krieg kann man das nicht mehr so sehr nachvollziehen. Die Frage stellt sich dann gleichzeitig: Sind wir heute in unserer Situation in der Lage, Entsprechendes zu bewirken?

Aber dennoch gibt es auch so manches, was man einfach wissen sollte, manches, was auch heute manchen noch bereichern dürfte.

Als Beispiel für das Gesagte möchte ich Siegbert Stehmann nennen. Er war ein Mann, der in christlich-bürgerlichem Elternhaus aufgewachsen ist und wurde Pfarrer. Er war in der Bekennende Kirche tätig. Dazu später mehr. In diesem Zusammenhang geht es darum, dass er in den skandinavischen Ländern kämpfen musste und nicht nur an der Brutalität der Kampfhandlungen litt, sondern auch an der Grobschlächtigkeit seiner Kameraden. Er fühlt sich zerbrochen. In diese üble Situation hinein kam die Nachricht, dass das von seiner Frau und ihm sehnlichst erwartete Kind, das in der Zeit des Unfriedens ein Zeichen des Friedens sein sollte, kurz nach der Geburt gestorben ist. In dieser furchtbaren Zeit schreibt er, dass ihm die Gedichtzeilen von Rudolf Alexander Schröder begleiten:

„Wem Gott das Recht der Klage gönnt, / der darf sich kaum beklagen, / weil er ihm mit der Plage gönnt / die Schulter, sie zu tragen. / Doch wo das Herz zu Aschen ward, / die Lippe steinern, – trüber / bedünkt kein Schicksal, zehnmal hart: / Verhüllt euch; geht vorüber!“

Diese Gedichtzeilen wurden Siegbert Stehmann zur Hilfe in sehr schlimmer Zeit. Ich denke, dass vielen von uns heute solche Zeilen eher fremd anmuten, inhaltlich wie sprachlich. Das heißt: Die Zeit geht über solche Texte hinweg. Kann es sein, dass sie einmal wieder für Menschen äußerst wertvoll werden können? Vielleicht. Darum sollte man sie nicht dem Vergessen überlassen. (Informationen von Rudolf Wentorf: Dichter der Kirche. Rudolf Alexander Schröder, Jochen Klepper, Siegbert Stehmann, Brunnen-Verlag 1967, dort auch der zitierte Text: 53)

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Selbstgemachte Probleme + Versagende Schule und Goethe

Solche Probleme sind selbst gemacht. Von wem? https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/hoch-schule/schulartwechsel-von-lehrern-fast-hundertprozentige-ablehnung-16343357.html

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Was passiert, wenn Schule versagt: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/protest-gegen-goethe-garten-in-weimar-voller-klopapier-16344883.html

Oder doch anders herum? Wie gut, dass in der Schule noch der gute alte Herr Goethe eine Rolle spielt, sonst hätten sie niemanden gefunden, den sie mit Rollen hätten traktieren können.

Im Ernst: Goethe war ein Unsympath, wenn es um sein reales Verhältnis zu Frauen ging. Es war eine Frage seiner Psyche. Aber zu bedenken ist, warum der Text samt seiner Melodien wirkungsgeschichtlich so eine Bedeutung hat: Es hilft/half Erfahrungen/Leiden zu artikulieren. Wie der Beitrag schreibt, gibt es eine Unmenge an Interpretationen – und es bleibt zu hoffen, dass im Deutschunterricht, falls es noch thematisiert werden sollte, so besprochen wird, wie es angemessen ist: kritisch, bezogen auf üblem menschlichen Verhalten.

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Grün – beliebteste Koalition + Wahnsinns-Land: Bus angegriffen + Kunstfreiheit?

Wen haben sie da mal wieder befragt: Rot-rot-grün beliebteste Koalition der Deutschen. Oder, besser gefragt: Wer hat das in die Welt gesetzt?

Nicht rot-rot-grün ist die beliebteste Koalition. Grün-grün-grün ist die beliebteste Koalition. https://www.welt.de/politik/deutschland/article194840865/Umfrage-Gruen-Rot-Rot-ist-die-beliebteste-Koalition-der-Deutschen.html?wtmc=socialmedia.twitter.shared.web

Apropos Grün: https://www.spiegel.de/politik/deutschland/die-gruenen-juergen-trittin-plaediert-fuer-ein-buendnis-mit-spd-und-linken-a-

Politisches Traumpaar der Deutschen: Trittin + Kühnert.

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Sie griffen einen Bus an mit Krebspatienten: https://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/demo-gegen-immobilienverband-bus-voller-krebspatienten-attackiert/24435844.html

Sie dachten – was die Sache auch nicht besser macht – sie dachten, es sei ein Bus mit Immobilienvertretern. Das ist Lynchjustiz derer, die meinen, die Guten zu sein und entsprechend das Recht in ihre Hände nehmen: Einschüchterungsrecht.

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Freiheit der Kunst – nicht für manche Künstler https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/was-malt-der-afd-nahe-kuenstler-axel-krause-eigentlich-16227968.html

Früher sagte man: Ohne das richtige Parteibuch hat man keine Chance. Früher? Heute ist es die Gesinnung. Ohne richtige Gesinnung keine Chancen.

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Kunst kein Beiwerk

Die Idee, jedes Bild als ein besonderes Kunstwerk zu würdigen, finde ich gut: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wohnen/haus/wie-kunst-im-wohnraum-die-inneneinrichtung-praegt-16206209.html

Aber kann es wirklich gelingen, dass das Kunstwerk nicht zu einem Beiwerk wird, wenn man es im eigenen Haus hat?

Hat für Otto und Ottilie Normalverbraucher nicht eher ein anderes Projekt mehr Zukunft? Man leiht sich ein Kunstwerk – tauscht es nach einer Weile. Wenn die Wohnung Wohnraum ist und nicht Repräsentationsraum, hat die Tauschvariante wohl mehr Zukunft in unserer schnell-lebigen Zeit. Alles wird schnell ausgetauscht.

War Kunst, wenn sie nicht etwas mitgeteilt hat, nicht immer Beiwerk? In Kirchen war sie wichtig – sie war Verkünderin der Frohen Botschaft. Aber sonst – in den Palästen war sie Zeitvertreib, Tapetenersatz, Verkünder eigener, des Herrschers, Größe. In Museen zeigte das Kunstwerk als Mosaiksteinchen unter anderen Kunstwerken, was Menschen alles schaffen können an Weltwiedergabe, Wiedergabe psychischer Befindlichkeiten… – Kunst eben.

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Kultur: Gut, dass sie nicht in Deutschland wohnt

Gut, dass diese 16jährige nicht in Deutschland wohnt. Sie sagte:

„Meine Kultur ist eines der wichtigsten Dinge in meinem Leben“, sagte sie. Sie wolle auf die Schönheit ihrer Sprache aufmerksam machen und diese mit anderen teilen.

Sie hat ein Beatles-Lied in ihre Sprache übertragen und gesungen. https://www.tagesschau.de/ausland/blackbird-cover-101.html

Würde sie in Deutschland wohnen, bekäme sie mächtigen Ärger. Kultur-Rassismus und so…

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Alles gut – geht um Politik

Gewiss, an den ESC denkt inzwischen niemand mehr, ist also veraltet. Aber nicht aus dieser Perspektive:

Wenn es um Politik und Gesellschaftsveränderung geht, dann ist alles gut – Kunst wird irrelevant? Das sehen wir an diesem Beitrag zu Madonna:
https://www.spiegel.de/kultur/musik/madonna-beim-esc-groesste-zeremonienmeisterin-der-gay-culture-a-1268332.html und auch an diesem zu Game of Thrones deutlich:
https://www.bento.de/tv/game-of-thrones-finale-wer-ueber-die-letzte-staffel-laestert-hat-westeros-nicht-verstanden-

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Googles Ethikrat + Kleist-Kunst

In einen Ethikrat gehören nur Leute, die auch politisch genehm sind, die sonst nur freundliche Funktion irgendwo haben?
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/diginomics/kritik-an-zusammensetzung-google-loest-ki-ethikrat-nach-einer-woche-wieder-auf-16125962.html

Da hat sich eine negativ über Migranten geäußert – und gehört nicht in einen Ethikrat über Künstliche Intelligenz? Einer arbeitet in einer Drohnenfirma – was Bedenken auslöst, weil Militär in Sachen Ethik die Diskussion mithört?

(Nachtrag: EU – KI – Ethik – sieben Punkte Plan
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/kuenstliche-intelligenz/eu-kommission-ethikcheckliste-fuer-die-kuenstliche-intelligenz-16130447.html

Und was macht China? Ist mit die stärkste KI-Macht und dürfte sich kaum um KI-Ethik scheren. (Um das abgeschlagene Europa, das in Sachen KI nichts mehr zu melden hat, schon mal gar nicht.) Hauptsache, man kontrolliert die Bevölkerung:
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/diginomics/china-zieht-mit-schluesseltechnologien-an-den-usa-vorbei-16130131.html )

*

Wie mit den Alten umzugehen ist – oder auch nicht: Kleist in den Händen der Moderne. Kleist? Warum führt man eigentlich noch Kleist auf, wenn man ihn sowieso nicht mag? Hofft man durch den Namen Leute anzulocken – die sonst nicht gekommen wären? Diese Frage stellt sich, wenn man das liest:
https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buehne-und-konzert/necati-oeziri-inszeniert-kleists-verlobung-in-st-domingo-in-zuerich-16126506.html

Darf man etwas Kleist nennen – wenn kein Kleist mehr drin ist? Darum sollte sich einmal die Verbraucherberatung kümmern. Da kauft man ein Glas Orangenmarmelade und hat dann Pflaumenmus drin oder umgekehrt.

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Grotesker Starkult

Der Starkult um Michael Jackson ist geradezu grotesk – nicht nur das Bild von David LaChapelle: http://www.spiegel.de/kultur/musik/michael-jackson-ausstellung-in-bonn-fuehlt-sich-falsch-an-a-1259130.html

Es ist nicht so, wie ich neulich schrieb, dass die Kinder des Nihilismus in der Vergöttlichung von Kommunismus und National(sozial)ismus enden. Auch hier enden sie: im Starkult dieser Art.

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Bad news – good news

Böse Nachrichten sind gute Nachrichten. Warum werden Dantes Höllengeschichten so bevorzugt wahrgenommen (man kann sich auf youtube davon überzeugen) – das, was im Himmel geschieht – sagen wir: – weniger? Die Hölle war schon immer irgendwie interessanter: das Böse, die Qualen, die Folterungen. Bad news – die Hölle, die sich Menschen gegenwärtig gegenseitig bereiten – erregt die Phantasie genauso wie die bad news der Zukunft in den Köpfen der Alten, die angeblich das verbale Ausmalen der Hölle liebten. Wie die Alten sungen – so zwitschern auch die Jungen.

Wer von Dante noch nichts gehört hat: Hier gibt es Infos:

Ich hingegen liebe Good News. Sie sind eine Herausforderung. Sie machen es uns schwerer, sie zu formulieren und wahrzunehmen, sie wahrzunehmen und zu formulieren. Verkünder der bad news sind häufig hysterisch, aggressiv, aktionistisch im Sinne des bayerischen: Gschaftlhubers und deprimierend.

Euangelion/Evangelium/Gute Nachricht – die Good News der Christen seit jeher. Das ist von ganz anderer Qualität.

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Teppiche

Die christlich-orientalische Tradition der Teppichsymbole hat von Armenien ausgehend in bildlichen Darstellungen von frühmittelalterlichen Büchern Eingang gefunden (https://en.wikipedia.org/wiki/Lindisfarne_Gospels ). Die byzantinische Tradition, die Europa geprägt hat, wird nach meinen Beobachtungen häufig nicht genug beachtet. (Das Kreuzmuster in Teppichen ist schon älter, wurde allerdings von den christlichen Armeniern hervorgehoben und auch mit anderen christlichen Symbolen versehen.)

Wie dem auch sei: Könnte es sein, dass die zentralen Kreuzesabbildungen in den Teppichen dann in solche Werke überführt wurden, die ein Kruzifix vor einem Teppichausschnitt zeigen (z.B. Cimbabue: Kruzifix [1260/70]; Meister von S. Francesco: Kruzifix 1272)? (https://www.terredipiero.it/de/da-non-perdere/kirche-san-domenico-und-kruzifix-des-cimabue/)

Die Tradition, Teppiche mit Kreuzmotiven zu zeichnen, wurden von Malern aufgegriffen (z.B. Giotto: Madonna [San Georgia alla Costa]; Kruzifix [San Felice]), oder Jan van Eyck (Die Madonna des Kanonikus van der Paele [1436]), oder: Hans Memling: Die Mystische Vermählung der Hl. Katharina (1479): Zu Füßen der Maria finden wir einen Teppich mit einem Kreuz.

Diese Tradition wurde dann ab dem 15. Jahrhundert unterbrochen und die Künstler kamen durch den vermehrten Kontakt mit islamischer Teppichknüpfkunst dazu, Teppiche als Luxusgegenstände wahrzunehmen: https://de.wikipedia.org/wiki/Orientteppiche_in_der_Renaissancemalerei . In der islamischen Kunst wurden vielfach die Anklänge an das Kreuz – somit an die armenische christliche Tradition – durch neue Muster ersetzt (vgl. Gantzhorn), von daher hat man zum Teil eher auf diese in der damaligen Zeit modernen islamischen Teppiche zurückgegriffen.

In der chinesischen Tradition haben die armenischen Kreuz-Teppiche noch überdauert. Allerdings konnten Kreuzmuster in islamischen Teppichen beibehalten werden, wenn sie nicht der Dekoration, sondern dem Alltagsgebrauch dienten.

Die christlich-armenische Tradition wird im Wikipedia-Artikel zum Thema Orient Teppiche nicht reflektiert. Im Fokus stehen islamische Teppiche.

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Christliche Kunst: Gemälde – Glaube und Künstler

Als der christliche Glaube noch nicht die Kultur Europas prägte, gab es vereinzelte Versuche, bestimmte Abbildungen als Bekenntnis auf den Sarkophagen anzubringen – erkannt von „Eingeweihten“ – also von anderen Christen.

Als der christliche Glaube sich durchzusetzen begann, wurde christliche Kunst von den ausgestalteten Kirchengebäuden geprägt: Wandmalereien, Mosaiken…

Christliche Kunst begleitete in der Frühzeit vielfach Texte. Texte konnten durch die Bilder von denen verstanden werden, die nicht lesen konnten und konnten den emotionalen Zugang zu den Texten intensivieren. Zudem konnte man die Bilder samt Text auch außerhalb von Kirchen verwenden, wie die Evangeliare zeigen.

In den Kirchen waren Bilder von den Texten vielfach gelöst: Glasmalereien und Skulpturen waren durch das Kirchengebäude in einem kontextuellen Zusammenhang gestellt, dienten aber nicht mehr unmittelbar der Wiedergabe von Texten. Durch die Loslösung vom Text ermöglichten sie dann immer stärker einen Zugang zu dem Abgebildeten in seiner Verbindung zu Gott. So konnten sich dann die Kunstwerke aus dem Zusammenhang von Text und Kirchengebäude lösen. Sie blieben aber noch immer im Kontext der sie umgebenden christlichen Kultur eingebettet.

Das christliche Kunstwerk begann als Kunstwerk bedeutsam zu werden. So versuchten sich die Künstler gegenseitig zu übertrumpfen – und die Maler selbst wurden mit den Bildern verbunden. Vorher waren die Maler vielfach unbekannt. In der Neuzeit löst man dann in der Bildinterpretation den Glauben vom Kunstwerk und meint, der Künstler habe nicht geglaubt oder das Kunstwerk sei nicht Ausdruck des Glaubens, sondern man habe nur Geld verdienen wollen und weil die Finanziers Kirchen und christliche Gruppen waren, habe man eben christliche Bilder gemalt.

Das wird aus meiner Sicht dem Künstler nicht gerecht – er hat zumindest sich auch selbst in den Kunstwerken in Verbindung mit seinem Glauben ein Denkmal gesetzt. So erkennen wir bis in die Neuzeit hinein, dass christliche Bilder gemalt werden, weil der Künstler sich und seine Emotion, seine Gesellschaftskritik, seinen Zugang zur Welt mit Hilfe seines christlichen Glaubens ausdrückt. Zudem hat er die Bilder ja so gemalt, dass sie im Betrachter etwas bewirken können.

Und so entstanden äußerst innige Bilder – aber auch abschreckende Bilder – gerade auch unter Aufnahme der Kreuzigung. Ich denke an Gustave Moreau: Er hat Bilder mit unterschiedlichsten Motiven auch aus der Mythologie entnommen. Aber seine Pietá oder sein „Christus der Erlöser“ lassen ihn selbst erkennen in seinem Glauben. Rembrandt sowieso, seine vielfachen Darstellungen des Verlorenen Sohnes – eines Gleichnisses, das auch von Beckmann als Ausdruck seiner eigenen Verlorenheit aufgenommen wurde. Man denke auch an die vielfältige Aufnahme des Ecce Homo Motivs. Leiden der Menschen konnte man sehr eindrücklich auch ohne dieses darstellen, wie zum Beispiel Käthe Kollwitz zeigt. Warum hat man es dann gerade auch mit Jesus verbunden? („Ich will Gott die Ehre geben auch in meiner Arbeit“ [1914])

Bei jedem Künstler ist individuell zu fragen: Inwieweit ist sein Werk Ausdruck seines Glaubens. Denn das Bild wird nur dann richtig verstanden, wenn sein Glaube ernst genommen wird. Es sei denn, man will allein Farbe und Komposition usw. untersuchen, Inhalte sind dann egal. Eine differenzierte Sicht ist angebracht.

Interessant finde ich im Vorwort zu „Der katholische Rubens“ schreibt Willibald Sauerländer, der sich als „aufgeklärten Agnostiker“ einordnet: „Aus guten Gründen vermeiden kunsthistorische Bücher in aller regel konfessionelle Zuordnungen. Nachdem mit der Aufklärung die werke der älteren Kunst ihrem feudalen oder kirchlichen Wurzelgrund entrissen waren, wurden sie alle in das Pantheon der autonomen Kunst entrückt und im Reich der Ästhetik zu ewiger und allgemeiner Gültigkeit erhoben.“

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