Sünde

Christen wissen viel über Sünde zu sagen – über eigene, über die anderer, über den Menschen als Sünder – das heißt den Menschen als einen, der sich von Gott entfernt hat und dadurch den Menschen schadet. Wir Christen reden nicht einfach so hin vom Menschen als Sünder, sondern darin spiegeln sich Erfahrungen vieler Generationen wieder. In Zeiten wie die unsre, in denen doch alles verhältnismäßig geordnet zugeht – zumindest in großen Teilen unseres Landes – hört man solche Worte gar nicht gern. Sünde wird verharmlost. Man will nicht ein so negatives Menschenbild. Aber unsere Generationen vor uns – und man täusche sich nicht: viele Zeitgenossen auch in unserem Land, haben den Menschen in seiner ganzen Fratze der Sünde kennen gelernt (Frauen, Kinder, Alte, Behinderte, Menschen, die sich nicht wehren können) – wieviel mehr Menschen anderer Länder, mein Blog weist immer wieder in kleinen Bröckchen darauf hin. Der Mensch ist durch und durch Lebensfeindlich eingestellt. Wir sahen an Deutschen Nazikollaborateuren, an Menschenschändern in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens, an Kriegsverbrechen wie dünn die Schicht der Menschlichkeit ist, wie schnell diese zerreißen kann. All unser Stolz über die zivilisatorischen Errungenschaften – ist in einem Nu weggeflogen. Wir könnten es sehen, wenn wir uns nicht ständig wieder selbst betrügen und uns selbst rosarot zeichnen. Wobei mir bewusst ist, dass ein Mensch, der keinen Umgang mit Sünde kennt, sie lieber ignoriert oder zum Zyniker wird. Der Mensch als von Gott und Mensch Entfremdeter ist sich und anderen immer eine Gefahr – Gott kann er zum Glück keine Gefahr sein. (Der Hochmut des Menschen gegenüber Gott wird Gott nicht gefährlich, sondern zeigt nur die Armseligkeit, die Begrenztheit des Hochmütigen.) Und weil wir die Tiefe der Sünde nicht mehr kennen wollen, sind wir ihr hilflos ausgeliefert, wenn sie sich in ihrer Brutalität zeigt. Und diese Hilflosigkeit der Sünde gegenüber kann sich in unterschiedlichen Reaktionen äußern: Wie konnte ein Mensch bloß diese Tat tun, er war doch immer so friedlich? (Können friedliche Menschen nicht Böses tun?) Wer ist dafür verantwortlich? (Warum nicht er selbst?) Warum wurde seine Tat nicht verhindert? (Andere sind Schuld: Polizei… – warum nicht der Täter?) Christen, die den Menschen als Sünder kennen, wissen, dass mitmenschliches Handeln immer mit Mühe der Unmenschlichkeit abgerungen werden muss – vor allem gesellschaftspolitisch gesehen. Der Täter darf nicht vorschnell ent-schuldet werden. Er ist für seine Untat verantwortlich. Er allein. Freilich kann man bei manchen Taten nach der gewalttätigen Struktur der Gesellschaft und ihrer Grundlage fragen, muss sie auch benennen – aber verantwortlich ist zunächst einmal der Täter. Der Mensch hat Sehnsucht nach dem friedlichen Zusammenleben, nach Harmonie, nach Liebe, nach Geborgenheit, nach Gleichgesinntheit. Und diese Sehnsucht muss immer wieder Mühsam in die Tat umgesetzt werden – und man darf sich dabei nicht auf Dauer durch Sünder (und die eigene Sünde) entmutigen lassen. Das gilt auch angesichts „struktureller Schuld“ – aber die bekommen viele ja gar nicht mit, sonst würde der eine oder andere schlaflose Nächte bekommen.

Impressum auf www.wolfgangfenske.de

Schüler-Schwermut

Jeder dritte Schüler sei schwermütig: http://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article13289047/Jeder-dritte-Schueler-schwermuetig-oder-antriebslos.html Einer der Gründe: mangelnde Bewältigungsstrategien von Problemen.

Ich war als Schüler zeitweise auch schwermütig – was ich aber mit der Pubertät in Verbindung brachte. Nachträglich gesehen war für mich die schwermütige Zeit eine sehr fruchtbare Zeit. Emotional lebe ich immer noch ein wenig von ihr.

Impressum auf www.wolfgangfenske.de

Schlechtes Gewissen?

Wenn Ihr ein schlechtes Gewissen habt, fügt Ihr Euch reinigende Schmerzen zu… – so einfach ist das. http://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article12257117/Schmerzen-beruhigen-das-schlechte-Gewissen.html Sicher gibt es das. Menschen fügen sich Schmerzen zu, um den kommenden Schmerzen zu entgehen: im Mittelalter die Bußbewegungen: Man geißelte sich, um die Strafe Gottes zu mildern. oder: Wenn Gott mich schon nicht straft, dann strafe ich mich halt selber. Schiiten strafen sich, weil sie Ali nicht geholfen haben. In Japan begehen Menschen suizid, die sich nicht gesellschaftskonform verhalten haben. Vielfältig sind die selbstverletzenden, autoaggressiven Handlungen – dazu gehört sicher auch, in negativen Situationen zu verharren (ich bin selbst dran Schuld, diesen gewalttätigen Mann geheiratet zu haben – also bleib ich bei ihm…). Vermutlich ist auch Frustessen nicht einfach nur der Versuch, sich selbst etwas Gutes zu tun, wenn andere es schon nicht tun, sondern auch schon mit einer Art Selbstbestrafung verbunden – wenn man das Hirn einschaltet, weiß man ganz genau, dass übermäßiges Frustessen schadet – und man macht dennoch weiter. Aber auch schon Gedanken der Schuld, mit denen Selbsterniedrigungen zusammengehen können, gehören dazu: Das kommt davon…, hättest du nicht das und das gemacht, dann wärest du genauso gut dran wie XY…, – oder gedankliches Verharren in Ereignissen, in denen man versagt hat, usw. Die mittelalterlichen Buß-Christen haben ihr Neues Testament schlecht gekannt, in dem von Vergebung der Schuld die Rede ist. Doch wie geht der nichtchristliche Mensch damit um? Andere Religionen kennen zum Beispiel das Bußopfer. Was opfern Menschen in der Gegenwart, um dem Schuldgefühl zu entfliehen? Schuldgefühle abtöten gehört für mich auch zur Autoaggression: Man verhärtet sich selbst gegenüber, anderen gegenüber wird man arroganter usw. usw. Ich denke, es gehört das Folgende dazu: Akzeptieren, dass man schuldig wird an anderen und an sich selbst – und dann das tun, was Luther rät: Man kann nicht verhindern, dass Vögel um den Kopf flattern – aber dass sie im Haar Nester bauen. Christen können all diese Vögel zu Gott in Jesus Christus schicken. — Nimm die Vögel, Gott – du hast mich befreit. 

Impressum auf www.wolfgangfenske.de  

Wolfgang Fenske

Ich habe amazon angeklickt, weil ich was zu meinen Büchern nachschauen wollte. Und da gibt es neue Hinweise: So wird mein Buch auch dann genannt, wenn es in anderen Werken begegnet. Nur ist dann auch von einem Wolfgang Fenske die Rede, der in der Jungen Freiheit ein Interview gegeben hat. Ich kenne das Interview nicht, weil ich nicht dieser Wolfgang Fenske bin, der da interviewt wurde. Da realisiert sich das Sprichwort: Mitgefangen – mitgehangen. Und dann gibt es noch einen dritten im nicht vorhandenen Bunde: Ein Kollege aus Erlangen, dessen Werke manchmal gute Titel haben. Gelesen habe ich sie leider noch nicht. Vorgenommen habe ich es mir.

Impressum auf  www.wolfgangfenske.de

KZ

Das Wissen um die Konzentrationslager hat mein Menschenbild sehr geprägt. Es hat mir gezeigt, wie dünn die Haut der Zivilisation und Kultur ist, wie schnell Menschen in der Lage sind, diese dünne Haut abzustreifen und ins Unmenschliche abzugleiten. Auch die Wege, die helfen, diese dünne Haut abzustreifen, sind mir deutlicher geworden: Menschen muss gesagt werden: Das nimmt dir die wirtschaftliche Not, der Einsatz für diese Sache macht dich geschichtlich bedeutsam und hebt dich aus dem Alltag heraus, du wirst mir folgen und dabei weder rechts noch links schauen, für dieses Bedeutsame willst du sterben – und dabei andere morden, du gehörst zur Gruppe der künftigen Sieger dazu, Rhetorik ist wirksam mit der dazugehörigen emotionalen Aufputschung. Das genügt freilich nicht. Es muss noch rational aufgezeigt werden, wie notwendig es ist, den anderen zu bekämpfen: er ist ein Feind, er bedroht dich, macht er es nicht öffentlich, dann heimlich, ohne dass du es weißt, er bedroht deine Familie, deinen Stamm… Und damit die Bedrohung abgewendet werden kann, darfst du nicht ausbrechen, müssen die Reihen fest geschlossen werden. Wer ausbricht, ist ein Feind seiner Gruppe, wer Verständnis für den anderen zeigt, ist ein Feind deiner Gruppe – auch wenn er zur Gruppe gehört. Das bedeutet: Es ist nicht nur ein Element aus dieser Sammlung, sondern es gehören diese Elemente und noch einige mehr dazu, die helfen, diese dünne Haut abzustreifen. Das Schlimme ist, dass viele dieser Elemente auch im Gegenteil dazu helfen, eine dickere Haut für die Menschlichkeit zu bekommen. Das wiederum bedeutet: Wenn ein Mensch anderen Menschen deutlich machen kann: Das, was du tust, ist im Grunde menschlich, auch wenn du es nicht sofort merken bzw. einsehen solltest – dann hat er sie gewonnen. Sei es für, sei es gegen die wahre Menschlichkeit. Das ist mir nämlich in meiner Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus aufgefallen: Leute, die sich ihm zuwandten, dachten, sie tun dem Volk bzw. sogar der Menschheit was Gutes, wenn sie der Ideologie folgen. Sie wollten vielfach ja auch nichts Böses, sie dachten, sie setzen sich für eine großartige, gute Sache ein… Und das macht für mich die Gefährlichkeit aller Ideologien – auch ideologischer Religionen – aus: Menschen wird vorgegaukelt, dass man das Gute erreichen kann, indem man bisherige zivilisatorisch gewachsenen Werte aushebelt. Emotionalisierung ist das Eine, das dazu beitragen kann, aber man soll die Ideologen nicht für blöd erklären: Der Verstand spielt eine genauso große Rolle: Argumente für die Unmenschlichkeit gibts zuhauf.

Impressum auf  www.wolfgangfenske.de

Angstgespenster

Wir leben mit Angstgespenstern. Vielleicht nicht immer so deutlich – aber sie können uns immer wieder überfallen. Der Kampf gegen die Angstgespenster geht ein Leben lang – gegen immer neue Arten von Angstgespenstern: Krankheit, Versagen, möglichen Erniedrigungen, Sterben, falschen Entscheidungen… Manchmal dauert der Kampf Jahre, manchmal ist er kurz. Vielfach fühlen wir uns im Kampf allein. Gott, dem wir vertrauen wollen, scheint weit weg zu sein. Hilflos fragen wir unser: Warum? Warum Leiden? Warum Angstgespenster? Warum diese Heimatlosigkeit des Herzens? Nach Hause laufen zu Gott sieht für mich so aus, dass ich mich in den Worten Jesu zu bergen suche. In den Evangelien zu lesen, immer mehr zu lesen, führt dazu, dass wir uns in den Worten von Jesus bergen können. Bergen wir  uns in den Worten Jesu? Jesus, der für uns die Worte Gottes spricht, nimmt uns mit seinen Worten hinein in seine bergende Liebe. Die Erfahrung des verlorenen Sohns (Lukasevangelium 15), der heimgekehrt ist, der sich von Gottes Armen umfangen weiß, muss uns dann über die Worte hinaus nicht fremd bleiben: Gott ist uns nah. Er umgibt uns. 

Impressum auf  www.wolfgangfenske.de 

Appeasement

Eine Leserin fragte mich, wo stehst du eigentlich, was den Islam betrifft. Bist du für oder gegen ihn? Man wird aus deinem Blog nicht schlau. Als Christ der ich als Wolfgang Fenske bin, lehne ich den Islam in seinem Widerspruch gegen christlichen Glauben ab. Warum? Weil er dem christlichen Glauben in wesentlichen Punkten widerspricht. Warum sollte ich jemanden hofieren, der in meinen Augen etwas sagt, das nicht stimmt und sich gegen mich wendet? Das machen andere Gruppen ja auch nicht. Genauso wenig wie ein Atheist den Christen hofiert und ich ihn hofiere, kann man auch nicht erwarten, dass der Islam von mir hofiert wird.

Aber: Das bedeutet nicht, dass ich den Muslim als Menschen ablehne. Er hat seine Religion – und entsprechend verhalte ich mich ihm als Menschen gegenüber – wie auch einem Buddhisten, Hindu, Atheisten gegenüber. Er will leben, lieben, essen, trinken, Kinder zeugen und begleiten, wie jeder Mensch. Ich muss ihm respektvoll begegnen – aber ohne Unterwürfigkeit. Ich bin ein Mensch, der kommunikationsorientiert ist – und auch von anderen verlangt, dass sie offen und ehrlich mit mir kommunizieren. Von daher sind alle Abschottungstendenzen gegen unsere offene Gesellschaft gerichtet. Ebenso alle Tendenzen, Menschenrechte außer Kraft zu setzen. Und dagegen habe ich massiv etwas – und sage es auch. Z.B.: Unsere offene Gesellschaft lacht im Grunde über alle, die eingeschnappt sind, wenn etwas gesagt wird, das ihnen nicht passt. Und daran muss sich jeder gewöhnen, statt ständig zu verlangen, dass man auf seine Gefühligkeit Rücksicht nimmt. Und damit beginnen im Grunde schon die Einschüchterungen der Mitmenschen. Man mag niemanden beleidigen, darum fühlt man sich schuldig, falls sich jemanden beleidigt fühlt. Wenn aber jemand Beleidigtsein als Trick anwendet, um Diskussionen abzuwürgen, dann macht er sich lächerlich. Damit habe ich nur einen gering scheinenden Punkt aufgenommen.

Meine Hoffnung ist – neulich klang es schon an – dass der Islam sich ebenfalls öffnen kann, auf Dauer öffnen kann. Je mehr Kontakte er mit uns hat und wir mit ihm, desto freier, so hoffe ich, werden die engeren Muslime. Freilich ist Eile geboten. Warum? Weil ich sehe, dass die Tendenzen, sich abzuschotten, arrogant die Frömmigkeitsgenossen von anderen Menschen fern zu halten, immer stärker werden. Und darum stehe ich auch den großen Moscheebauten skeptisch bis ablehnend gegenüber. Nicht den kleinen Moscheechen, in denen man sich zum Gebet usw. trifft, sondern den großen, die alles beinhalten, von der Bibliothek bis hin zum Bäcker, von der Schule und dem Kindergarten bis hin zum Kleidermarkt. Diese lehne ich als Mensch dieses Staates mit seiner Gesellschaftsordnung ab, weil sie die Abschottungstendenzen fördern und damit den Staat untergraben. Ich sehe, dass der türkische Staat immer stärker in die Religionspolitik und das alltägliche Leben unseres Landes durch die DITIB eingreift und damit für unser Land unheilvolle Wege geht. Das heißt: Wenn das gelingt, dann sehe ich unsere Gesellschaft als sehr gefährdet an. Im Augenblick kann es noch geändert werden, wenn der Staat sich nur nicht immer solche Extrem-Gesprächspartner aussuchen würde, ihnen nicht mehr Rechte einräumen, sie nicht auch noch finanzieren und Plattformen bieten würde. Liberale Muslime sollten gestärkt werden, nicht die Extremen. Extreme sollten auch in der Türkei bleiben und Lehrer usw. sollten hier ausgebildet werden. Und da sehe ich überhaupt kein Konzept der Politiker. Man angelt sich irgendwelche konservativen islamischen Knochen, die den Mund am weitesten aufreißen und auch vor Drohungen nicht zurückschrecken und versucht mit denen irgendwas auf die Reihe zu bringen. Und das ist für unsere Gesellschaft von größtem Übel.

Ich habe noch die Hoffnung, dass Muslime nicht beleidigt sind, weil man irgendwas über Mohammed und seinen Koran sagt, sondern dass sie beleidigt sind angesichts des Unrechts, das im Namen Allahs begangen wird. Ich zensiere im Blog, ich biete schlimmste Nachrichten gar nicht. Nachrichten, die Untaten im Namen der Scharia nennen. Manchmal könnte sich einem der Magen umdrehen. Das sind Beleidigungen Gottes, der den Menschen als sein Ebenbild erschaffen hat. (Und wenn ich so etwas gelesen habe, bin ich in den Artikeln manchmal recht sarkastisch.) Und ich hoffe sehr, dass Muslime das einmal erkennen und massiv religiös gegen solche Blasphemien in ihren Reihen vorgehen. Es gibt schon manche, die es tun. Und diese geben Hoffnung – auch wenn sie von ihren Genossen stark angefeindet werden und sehr gefährdet sind.

Impressum auf  www.wolfgangfenske.de

Mohammedaner – Muslim

Warum finde ich die Bezeichnung Mohammedaner nicht falsch? Muslime mögen nicht, wenn man sie Mohammedaner nennt, weil sie, so die Begründung, Mohammed nicht anbeten. Ich denke, die Bezeichnung ist nicht falsch, weil sie Mohammed verehren, ihm und seinem Koran/den Hadithen als Leitstern folgen. Das Anbeten ist nicht das Kriterium. Christen heißen ja nicht unbedingt Christen, weil sie Jesus Christus anbeten, sondern ihm nachfolgen. Da wird einfach diese Definition gegeben: Christen beten Christus an, also wollen wir nicht Mohammedaner genannt werden, weil wir nicht Mohammed anbeten. Und wir sollen dieses Kriterium einfach so schlucken?

Aber das ist nicht der eigentliche Grund dafür, dass ich die Bezeichnung nicht falsch finde. Der eigentliche Grund besteht darin, dass Muslim bedeutet: Ein sich Gott Ergebender. Aber ich sehe mich als Christ selbst als einen an, der sich Gott ergeben hat. Und wenn ich den Islam als Gottesoffenbarung ablehne, kann ich den Muslim nicht als einen bezeichnen, der sich Gott ergeben hat. Im Gegenteil: Mohammed hat – so sehe ich es, wenn ich seine Theologie mit den Aussagen von Jesus Christus vergleiche – seine Meinung zu Worten Gottes /Allahs gemacht und sie dadurch hermetisch von Kritik abgeschlossen. Wie würden wir heute einen beurteilen, der irgendetwas sagt – und dann sagt: das darf keiner kritisieren, weil es Wort Gottes ist… – und sollte Mohammed von dieser Kritik ausgeschlossen werden, nur weil er viele Anhänger hat? Das sehe ich als Christ nicht ein.

Ich bin dagegen, dass wir uns einfach Begriffe aufoktroieren lassen sollen oder Definitionen, wenn wir mit ihnen nicht einverstanden sind. Das betrifft auch die vielen Versuche, den Gott, den Jesus Christus und wir als Vater anreden, einfach so vereinnahmen zu lassen, indem man sagt, das ist alles eh ein Gott. Nein, das Gottesbild Mohammeds unterscheidet sich von dem Gott, wie wir ihn durch Jesus Christus und unserem Leben kennen, massivst. Unser Gottesverständnis einfach so dem islamischen oder einem Allerweltsverständnis auszuliefern, so dem Reden von den Abrahamitischen Religionen, das kann ich nicht akzeptieren. Ich empfinde es als im höchsten Maße unehrlich. Und das geht bekanntlich dann nicht allein um Gott, denn mit dem Gottesverständnis ist ja auch das Menschenbild verbunden. Jesus nennt Gott Vater: Und wir können ihm wie einem liebenden Vater begegnen. Mohammed will, dass der Mensch sich Allah unterwirft. Darum auch die Füße küssende Gebetshaltung. Wir stehen unserem Gott stehend, hoch erhobenen Hauptes gegenüber (auch wenn wir ihn neigen sollten). Nicht, weil wir so arrogant sind, sondern weil er es so möchte. Darum können wir in den Spuren Jesu auch nur die Freiheit, die Unversehrtheit des Menschen fordern und fördern und nicht die Unfreiheit, die Erniedrigung von anderen. (Ich weiß: Jetzt denkt so mancher wieder: Und die Kirchen? Ja, die Kirchen haben sich schon häufig verirrt und müssen immer wieder zurückgeholt werden: Reformbestrebungen in den Klöstern, in den Hierarchien, Reformationen… Menschen, auch Kirchen haben die Tendenzen, sich zu verirren. Aber darum auch die ständigen Mahner, die versuchen, die Institution zur Botschaft Jesu zurückzubringen.) Mit dem Gottesbild hängt das Zusammenleben mit den Menschen zusammen. Und von daher bedeutet für mich, unseren Gott anderen Gottesvorstellungen zu opfern, auch die Freiheit und die Liebe des Menschen zu opfern. Und es wäre schön, wenn sich im Dialog dieses Gottesbild, besser: Gott gegen alle menschlichen Widerstände schneller durchsetzen könnte. Auf lange Sicht wird er es sowieso tun.

Impressum auf  www.wolfgangfenske.de

Absurd

Camus konnte irgendwo stehen – und mitten im Trubel das Gefühl haben, dass ihm das Absurde allen menschlichen Treibens überfällt. Ich kann irgendwo stehen – und mitten im Trubel die Frage stellen: All diese Menschen liebt Gott – und mich in ihrer Mitte?  

Impressum auf  www.wolfgangfenske.de