Christen in Deutschland

Interessante Zahlen – vor allem die Unterscheidung zwischen praktizierenden und nicht praktizierenden Christen: https://www.welt.de/politik/deutschland/article176794385/Studie-zu-religioeser-Einstellung-Christen-lehnen-Muslime-eher-ab-als-Nichtglaeubige.html

Ca. 71% identifizieren sich in unserem Land mit dem „Christentum“ – 49% üben den Glauben nicht aus, 22% ja. Knapp 25% sehen sich als nicht religiös an. Ich finde diese Zahlen insofern auch sehr interessant, weil es hier nicht nur um Westdeutschland geht, sondern um Deutschland. Die bisherige Frage nach der konfessionellen Bindung, die ich neulich im Blog hatte, zeigt somit ein falsches Bild. Richtiger ist nicht die Frage nach der Konfession, sondern die nach dem religiösen Zugehörigkeitsgefühl. Allerdings werden diejenigen, die sich nicht dem Christentum zugehörig fühlen, als Konfessionslose bezeichnet – was irreführend ist. (Wobei auch hier gesagt werden muss: Es handelt sich um eine Studie.)

Übrigens entspricht das auch meiner Erfahrung, ich habe das wiederholt geschrieben, dass etwa 70% derer, die aus der Kirche ausgetreten sind, bei Beerdigungen religiöse Bezüge haben wollen (in einem westlichen Bundesland).

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Christentum ohne Jesus Christus

In dem folgenden Artikel wird deutlich, dass Gruppen, die sich christlich nennen, von Jesus Christus absehen wollen: https://www.christianpost.com/news/why-jesus-is-no-longer-only-way-for-many-american-christians-223601/

Jesus Christus ist ein Stein des Anstoßes. Auf den Begriff „Gott“ kann man sich immer einigen, weil jeder hineininterpretiert, was er will. Aber Jesus Christus ist nicht so einfach willkürlich zu verändern. Von daher ist das die logische Konsequenz derer, die nicht Jesus Christus ins Zentrum stellen, sondern irgendwelche menschlichen Ziele: Glaube an Gott, wer auch immer das ist – ohne Jesus Christus. Ob das wirklich gut gehen kann?

Die Ziele sind gut – aber hinter diesen steht der Mensch. Er wird sich in seinen gut gemeinten Ideologien verheddern. Die Folge wird Intoleranz sein. Das sieht man ja jetzt schon mit Blick auf die Frage der Religionen. So wenig wie das Christentum Christentum sein darf, darf auch der Islam sein, was er ist, oder der Buddhismus oder das Judentum Alle werden mit dem Spinnennetz des vermeintlich Guten überzogen. Unterschiede aushalten – einander trotz Unterschiede achten – miteinander umgehen lernen… – das ist alles nicht mehr drin, wenn eine immer größer werdende Gruppe von Menschen einen abstrakten Gott, der irgendwelchen Maßstäben der Gegenwart entspricht, an alle anlegen. Alle müssen nach diesem Maßstab einer linksliberalen Vernunft gebürstet werden, oder er hat Repressionen zu befürchten.

Ich denke, man sieht diese Auseinandersetzung auch in unserer Kirche dort, wo die Politik, die Gesellschaftspolitik bestimmt, was christlich zu sein hat, was nicht. Es geht nicht mehr um Jesus Christus, es geht nicht mehr um die Bibel – es geht um einen säkular-ethischen Maßstab, der von Jesus hergeleitet wird – aber es geht nicht mehr um Jesus Christus.

Im Namen des Christentums – nicht im Namen Jesu Christi – Kampf gegen Christen. Wäre nicht das erste Mal in der Weltgeschichte.

Übrigens hat Mt 25,31ff. diesen Ansatz: Wer Gutes tut, der wird von Gott anerkannt, unabhängig vom Glauben. Nur: Das ist Gnade – Christen haben aber die Aufgabe, Jesus Christus zu verkündigen und dabei Gutes zu tun.

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Glaube und Vernunft

Glaube und Verstand hängen zusammen. Glaube bedarf des Verstandes. Aber dennoch hat Glaube etwas, das über den so genannten logischen Verstand hinausgeht. Beide gehören zur Vernunft. Denn Vernunft ist mehr als Verstand. Vernunft bezieht Lebenserfahrungen, Weltbilder, Interpretationen des Erfahrenen mit ein. Der Verstand sucht nur das Nachvollziehbare nachzuvollziehen. Gegenüber dem Verstand hat der Glaube also hinausgehende, weiterführende Bedeutung. Er fragt nach dem Woher des Menschen, dem Wohin, dem Sinn des Lebens. Anders gesagt: Warum lebe ich als Mensch? Wie sieht meine Zukunft aus? Wie will ich mein Leben gestalten? Was ist die Grundlage meines Lebens – wer hat sie gesetzt? Ich bin mehr als ein Zufallsprodukt der Natur – das sieht man daran, dass ich strebe, auf Zukunft hin ausgerichtet bin, von der Vergangenheit lernen kann, eingebunden bin in ein frei zu gestaltendes soziales Netzwerk, verletzlich bin, leiden und froh sein kann. Alles ist auf Zufall, auf chemische Reaktionen usw. zu reduzieren? Es gibt wohl keinen Menschen der mit dieser materialistisch-biologistischen Antwort zufrieden ist. Warum? Eine Reduzierung des Weltbildes auf den Verstand ist eine selbstgewählte Engführung, die nicht nur dem Menschen als offenes Wesen widerspricht, sondern auch der Grundlage der Wissenschaft.

Glaube im Verein mit Vernunft bedeutet, dass man zur gesamten Wirklichkeit Zugang hat und nicht nur zu einem Teilaspekt. Warum? Weil der Glaube den Menschen an den zurückbindet, von dem alles ausgegangen ist, der der Ursprung der gesamten Wirklichkeit ist – und der ist: Gott. Es geht dabei jedoch nicht nur um Theorie, sondern auch, dass das eigene Leben an Gott gebunden ist, von ihm her seine Zielsetzung erfährt. (2015)

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Himmelfahrt 2

Es ist schon eigenartig mit unserer Sprache. Sie ist klasse. Mit ihr können wir sehr viel aussprechen. Wir plappern den ganzen Tag, wenn sich die Möglichkeit ergibt, wir können informieren, Gefühle mitteilen, Gerüchte streuen – was wäre der Mensch ohne seine Sprache?

Die Sprache kann zwar viel, aber nicht alles. Woher kommt das? Es fing mit einfachen Begriffen an, Substantive, Verben… – Handfestes war zu Beginn. Dann kamen vermutlich abstrakte Worte hinzu: Liebe, Gerechtigkeit, Würde – doch was ist das? Wie definieren wir das? Das ist unmöglich, darum haben Dichter und Sänger zum Beispiel die Liebe besungen, damit wir eine leichte Ahnung von dem bekommen, was uns so sehr beschäftigt. Philosophen haben die Sprache vorangetrieben, mit deren Hilfe sie heute große Gedankengebäude bauen können. Dennoch machen wir immer wieder die Erfahrung: Sprache versagt. Wir können vieles von dem nicht ausdrücken, was für fühlen, was wir denken, was wir erfahren haben.

Ich sagte: „Gestern habe ich einen wunderschönen Sonnenuntergang gesehen, die Farben knallten so richtig, rot, orange, blau, schwarz, dazu die wunderbaren Wolken…“ – und der Gesprächspartner sagt: Ah, schön, habe ich auch schon mal gesehen. Aber das Fußballspiel…“. Ich habe etwas gefühlt, wollte es mitteilen – aber es erreichte nicht sein Herz.

Und so geht es auch mit Glaubensthemen. Wie wunderbar, wie zart wird die Auferstehung Jesu beschrieben. Es ist etwas Einmaliges passiert – aber wie sagen Menschen es so weiter, dass andere nur annähernd verstehen können, worum es geht? Einer, der tot war – er ist wieder da! Unglaublich, ja! Unaussprechlich, ja! Aber dennoch wahr. Wie sagt man es? Und diese Schwierigkeit haben wir auch mit Blick auf die so genannte Himmelfahrt: Jesus Christus wurde nach seinem Tod erfahren, er war da, spürbar, hörbar, sichtbar – doch dann entzog er sich. Doch wie sagt man das alles weiter? Wie Dichter und Sänger versuchen die Christen das mit Bildern zu beschreiben. Die Bilder variieren, weil es nicht auf das Bild ankommt, sondern auf den Sachverhalt dahinter: Jesus Christus war als Lebendiger nach seinem Sterben unter uns – dann ist er zurückgekehrt in den Bereich Gottes. Dort ist er nun und leitet die Menschen, die sich ihm zuwenden, dass sie die Welt in seinem Sinn zum Guten verändern sollen, mit seiner Nähe, Liebe, seinem Geist und seiner Gegenwart.

Wie viel vorstellbarer klingt es bildhaft: „Während Jesus seine Jünger segnete, entfernte er sich vor ihnen und wurde zum Himmel (= Gottes Welt) emporgehoben. Sie warfen sich vor ihm (! – der ja gar nicht mehr da ist – aber nun überall ist!) auf die Knie. Dann kehrten sie voller Freude nach Jerusalem zurück… und lobten Gott.“ (Lukas 24)

Dass es sich um Bilder handelt, das sehen wir daran, dass selbst Lukas zwei verschiedene Versionen der Himmelfahrt Jesu berichtet. War er so dumm, das nicht gemerkt zu haben? Es ist nicht Dummheit des Lukas, sondern es ist der Versuch, etwas Einmaliges in bildhaften Worten wiederzugeben, damit diejenigen, die die Botschaft hören, zumindest ahnen können, was da los war.

Übrigens: Wir können es uns das heute sogar besser bildhaft vorstellen als die Menschen damals, denn angeregt von der Himmelfahrtsgeschichte haben wir heute Raketen, die in das All hinauffliegen, wir kennen das Beamen aus Filmen und JetPacks. Weil wir das alles kennen, versperrt es vielleicht den Weg zum Verstehen. (2016)

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Atheismus – China und Bibel

China geht wieder repressiv gegen Bibeln vor: http://www.globalchristiannews.org/article/china-blocks-online-bible-sales-in-step-up-of-government-religious-control/

Das Ziel der Partei, der Partei, der Partei, die immer recht hat: Die Bibel zurechtzustutzen: sie soll sozialistischen – also Partei-Ansprüchen – genügen. Kennen wir alles schon. Man hat versucht im Nationalsozialismus die Bibel zu arisieren…

Schön zu wissen: Es wird nicht gelingen. Das wird Menschen verdummen – aber so sind sie nun einmal, die Ideologen. Interessant ist nur: Das kann vollkommen nach hinten losgehen. Denn ich habe gehört, dass viele Christen in China es klasse finden, in Christen einen spiritualisierten Sozialismus zu finden. Wenn nun die Bibel gereinigt wird – und Gott bzw. Jesus Christus nicht gestrichen wird, werden sich noch mehr Chinesen dem – allerdings nun einseitig gereinigten – Christentum zuwenden. Und was ist mit der göttlichen Partei, die immer recht hat? Sie wird von ihnen Gott untergeordnet werden.  Mal sehen, ob das Projekt wirklich vorangetrieben wird.

Der Bibelschmuggel – der kommunistisch ungereinigten Bibel – wird weitergehen und den Hunger der Christen nach Gott und der wahren Bibel stillen.

Die massivsten Repressionen gegen die bösen und dummen Christen, die sich dem wunderbaren sozialistischen Fortschritt versperren, alle Morde, Erziehungslager, Erniedrigungen, Verfolgungen haben nichts genützt. Also muss man als Ideologe neue Wege versuchen. Das zeigt uns China.

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Theodizee 12: Hans Leipelt

Am Beispiel der Mitglieder der Weißen Rose und deren Umfeldes wird in diesen „Theodizee“ Abschnitten dargestellt, dass es nicht die eine Antwort auf die Theodizee-Frage gibt. Es gibt die Antwort, die sich der jeweilige Mensch in einer Situation der Not bzw. seines Lebens erkämpft hat. Der Mensch ist vielfältig – und so gibt Gott auch auf vielfältige Weise Trost und Hilfe, wenn der Mensch für sie offen ist. Diese Hilfe, dieser Trost ist allerdings vielfach nur durch ein Ringen mit Gott zu erlangen, weil der Mensch auch gegen sein Gottesbild kämpft und die Spannung zwischen seinen Wünschen und den realen Grenzen ausfechten muss. Die Abschnitte des Blogs zum Thema wurden hier zusammengeführt: http://evangelische-religion.de/theodizee-sophie-scholl.html

*

Hans Leipelt (*21.7.1921) hat in München studiert als er an das 6. Flugblatt der Weißen Rose gelangt war. Er hat es dann mit Marie-Luise Jahn nach der Hinrichtung von Hans und Sophie Scholl und Christoph Probst mit der Überschrift versehen: „… und ihr Geist lebt trotzdem weiter!“ Sie brachten es nach Hamburg, vervielfältigten und verteilten es dort. Er sammelte zudem mit anderen Geld für die Witwe von Kurt Huber, wurde denunziert, am 8.10.1943 verhaftet, verurteilt und am 29. Januar 1945 hingerichtet. Seine Mutter, Katharina Leipelt, war Jüdin und wandte sich laut Alt dem Christentum zu und war „tiefgläubig“. Auch sie wurde verhaftet und nahm sich – zumindest lautet das offiziell so – das Leben (9.12.1943), nachdem sie erfahren hatte, dass sie nach Auschwitz deportiert werden sollte. Was Hans Leipelt mitgeteilt worden war.
Während seines Gefängnisaufenthaltes hat er sich intensiv dem christlichen Glauben zugewendet. Wie er selbst sah, gab ihm der Gefängnisaufenthalt die Möglichkeit, mit Gott allein zu sein. Das habe er gebraucht. Zu seinem letzten Abendmahl wählte er aus Lukas 21 den Text aus, in dem Jesus spricht:
Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so sehet auf und erhebet eure Häupter, darum daß sich eure Erlösung naht. Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Sehet an den Feigenbaum und alle Bäume: wenn sie jetzt ausschlagen, so sehet ihr’s an ihnen und merket, daß jetzt der Sommer nahe ist. Also auch ihr: wenn ihr dies alles sehet angehen, so wisset, daß das Reich Gottes nahe ist. Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht.

Als Lieblingslied betete er: Die auf der Erde wallen,/die Sterblichen sind Staub… Ich habe es im Internet nicht gefunden. In dem Gesangbuch der Landeskirche Hessen von 1924 wird es noch genannt. Ich werde es hier nicht hineinsetzen – aber nur ein paar Aspekte daraus zum Thema Theodizee nennen: Menschen sterben. Gottes Kinder gehen getrost den Weg in den Tod: „Herr über Tod und Leben, / o dann verlaß mich nicht.“ Die letzten drei Strophen:

Hilf, Todesüberwinder
hilf mir in dieser Angst,
der du zum Heil der Sünder
selbst mit dem Tode rangst;
und wenn des Kampfes Ende
gewaltiger mich faßt,
nimm mich in deine Hände,
den du erlöset hast.

Des Himmels Wonn und Freuden
ermißt kein sterblich Herz;
o Trost für kurzes Leiden,
für kurzen Todesschmerz!
Dem Todesüberwinder,
sei ewig Preis und Dank;
Preist ihm, der für uns Sünder
den Kelch des Todes trank!

Heil denen, die auf Erden
sich schon dem Himmel weihn,
die aufgelöst zu werden,
mit heilger Furcht sich freun!
Bereit, es Gott zu geben,
wenn er, ihr Herr, gebeut,
gehn sie getrost durchs Leben
hin zur Unsterblichkeit.

In dem Buch von Alt finden wir auch den Abschiedsbrief, den Hans Leipelt seiner Schwester Maria (die am 9.11.1943 verhaftet worden war, aber am 14. April 1945 in Bayreuth von der US Armee befreit wurde) geschrieben hat. Daraus folgender Auszug:
Und doch, Liebes, bleibst Du nicht allein zurück. Abgesehen  davon, daß ich gute Menschen weiß, die nach dem Kriege ihr  Möglichstes tun werden, Dich zu finden und Deine Existenz zu  sichern, bleibst Du in der Hand Gottes zurück, in der ich Dich  getrost lasse – hält er uns doch alle in seiner Hand, schützt und  erhält uns, und wo er uns diesen Schutz, diese Erhaltung zu  versagen scheint, muß uns doch auch das, und gerade das, zum  Besten dienen. Dieses Zutrauen zu ihm dürfen, ja müssen wir  haben, auch wenn wir seine Wege einmal nicht verstehen und  vielleicht sogar hart finden. Ich bitte Dich, und werde in diesen  letzten Stunden für Dich darum beten, daß Du Dir dieses Vertrauen zu Gott Dein ganzes Leben lang erhalten möchtest. Sei  meinetwegen nicht traurig, wenn Du kannst, und jedenfalls unbesorgt. Ich fühle im wahrsten Sinne des Wortes göttliche Ruhe  in mir und sterbe ohne Angst in der Hoffnung auf Gottes Vergebung, die mir freilich bitter notwendig ist, bedenke ich, in wie  schwerer Weise ich mich an ihm  versündigt habe.

Literatur:

Marie-Luise Schultze-Jahn: „… und ihr Geist lebt trotzdem weiter!“ Widerstand im Zeichen der Weißen Rose, Metropol Verlag 2003 (Bibliothek der Erinnerung, Hg.v. Wolfgang Benz 10)

Karl Alt: Überschreiten von Grenzen. Strafgefängnis von München-Stadelheim zwischen 1934-1945, Verlag Ökologie&Pädagogik 1994 (Überarbeitete Neuauflage von Karl Alt: Todeskandidaten, 1946)

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Glauben und Frieden

Der Friedensaktivist Jean Goss hat seine Grundlage in der Auferstehung Jesu Christi https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Goss :

»Christus offenbarte sich mir nicht als Idee, Ideologie, Doktrin oder Religion. Er zeigte sich mir als das, was ich kannte: als MENSCH. In Christus  habe ich DEN MENSCHEN getroffen, nach dem ich mich im Innersten Wurzeln  sehnte, den, der alle Menschen ohne Ausnahme liebt – die Guten und die  Schlechten, die Arbeiter und die Bosse, die Gläubigen und die Ungläubigen,  die Ausgebeuteten und ihre Unterdrücker, weil sie alle vom Vater in Liebe geschaffen sind. Dieser Mensch trug einen besonderen Namen: LIEBE. Dieses  Wort wird so mißbraucht, daß es für viele sinnlos ist. Aber für mich hat es ei-  nen ganz präzisen Sinn erhalten: Diese Liebe ist weder sentimental noch romantisch. Sie ist Wahrheit und Gerechtigkeit, nichts anderes. Deshalb ist sie  aktiv, dynamisch und aggressiv – gegen das Böse, das Unrecht, aber niemals  gegen den Menschen! – Sie schafft Leben, ununterbrochen und überall. Das  heißt, diese Liebe verleiht dem Menschen seine volle menschliche und göttliche Dimension. Und schließlich wurde mir klar, daß diese Liebe die einzige Kraft ist, die zu erlösen und zu befreien vermag. Denn sie zahlt den Preis  für den andern, so wie Jesus am Kreuz. Sie läßt sich nicht vom Unrecht  anstecken und setzt es nicht fort, im Gegensatz zu dem, was ich als Soldat getan hatte.«

Während seiner späteren Frau Hildegard Goss-Mayr die Kreuzigung Jesu für ihre Aktivität wichtig wurde https://de.wikipedia.org/wiki/Hildegard_Goss-Mayr :

Es war nicht der Auferstandene, der wie ein Aufblitzen göttlicher Freude  in Jeans Leben fuhr, es war vielmehr das Bild des Gekreuzigten, das langsam  vor mir aufstieg. Wenn die Liebe dieses Gottes, der sich hinschenkt, alles vergossene Blut, allen Verrat, Haß und alle Unterdrückung abzufangen und das  Antlitz des Menschen wieder zu vergöttlichen vermag dann ja dann könnte ich leben! Aber dann müßte ich mich total, mit aller Kraft eines ganzen Lebens in den Dienst dieser befreienden Liebe stellen: hineintreten in den Kampf  gegen Gewalt und Zerstörung aus der Kraft des lebendigen Gottes!

Der Mitbegründer des Internationalen Versöhnungsbundes (1914), Friedrich Siegmund-Schultze  https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Siegmund-Schultze , betonte kurz nach 1945 die Auferstehung:

Daß der Glaube der  ersten Jünger sich ganz auf die Auferstehung Christi gründete, daß die  erste Christenheit den Auferstehungstag als den Herrentag feierte, um  damit die zentrale Tatsache des Christenglaubens zu bezeugen, ist den  frommen Zweiflern unserer Tage nie aufgegangen. Und wie Jesus auf dieser  Erde auferstanden ist, so hat er auch seine Wiederkunft auf dieser Erde  verheißen. Alle, die das verstanden haben, verstehen auch das „Bald“,  das er ausgesprochen hat. Es geht nämlich darum, daß wir ihm den Weg  bereiten.  Alles kommt darauf an, daß Wegbereiter der Wiederkunft Christi, Zeugen  der Auferstehung Christi da sind. Die neue Kreatur in Christus ist die  Urzelle der Regeneration der Menschheit. Die von innen erneuerte Gemein-  schaft ist die Grundlage der neuen Gesellschaft. Neue Menschen schaffen  eine neue Kultur. Der Untergang des Abendlandes kann nur aufgehalten  werden durch einen Aufgang des Christentums. Das bedeutet, daß jeder  Christ aufgerufen ist, seinen Anteil an der Wiedergeburt der Gesellschaft  durch sein persönliches Neuwerden zu leisten.

Für andere ist es wiederum die Lehre Jesu von der Feindesliebe, die sie zur Friedensarbeit motiviert. Auch hier zeigt sich wieder: Der Mensch ist vielfältig und Gott geht auf den Menschen auf vielfältige Weise ein. Wir können ihn auf ein und dieselbe Perspektive reduzieren. Damit werden wir aber weder Gott noch dem Menschen als Ebenbild Gottes gerecht.

*

Hildegard Goss-Mayr: Wie Feinde Freunde werden. Mein Leben mit Jean Goss für Gewaltlosigkeit, Gerechtigkeit und Versöhnung, meinhardt text und design Idstein 1999

Hans Gressel/Heinz Kloppenburg (Hgs): Versöhnung und Friede, Nummer 13/14, 1960. Friedrich Siegmund-Schulte zum 75. Geburtstag am 14. Juni 1960

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Theodizee 11: Kurt Huber

In den letzten Wochen habe ich die Theodizee-Frage (Theodizee 1-10) aus der Perspektive einzelner Mitglieder der Weißen Rose dargestellt. (Z.B.: http://blog.wolfgangfenske.de/2018/03/04/theodizee-10-alexander-schmorell/ ) (Gesamtüberblick: http://evangelische-religion.de/theodizee-sophie-scholl.html ) Hier folgt nun Kurt Huber. Es wird noch Hans Leipelt folgen. Über Willi Graf werde ich nur einige Links bringen können.

Kurt Huber war Philosoph, Psychologe, Musikwissenschaftler – Professor an der Uni München. Als Katholik wurde er argwöhnisch beäugt und als der NSDAP feindlich eingeordnet. Hans Scholl und Alexander Schmorell nahmen Kontakt zu ihm auf und das 5. vor allem aber das 6. Flugblatt der Weißen Rose geht mit auf ihn zurück bzw. wurde maßgeblich von ihm formuliert. Kurt Huber wie auch Alexander Schmorell wurden am 13.7.1943 enthauptet. Die folgenden Angaben stammen aus dem Buch, das Clara Huber, die Frau von Kurt Huber herausgegeben hat: Kurt Huber zum Gedächtnis. „…der Tod… war nicht vergebens“, Nymphenburger Verlagshandlung München 1986. Neben den folgenden privaten Sichtweisen hat er sich zum Beispiel auch intensiv sachlich mit Leibniz und das Christentum in Europa befasst.

Der Gefängnispfarrer schrieb Clara Huber nach der Hinrichtung ihres Mannes: „Es war sein besonderer Stolz, daß er vor dem höchsten Gericht, dem Volksgericht, erklären durfte, daß die von ihm sorgsam beobachtete Entwicklung mit seinem Christentum nicht mehr vereinbart werden konnte. Fortan nahm ihn die Gestalt Christi immer mehr gefangen… Oftmals suchte und fand er Trost und Sicherheit in den heiligen Mysterien unseres Glaubens. Wie auf dem Gebiete der Natur so war ihm auch in der Übernatur alles klar und durchsichtig. Christus war ihm Weg, Wahrheit und Leben geworden.“ „Er hatte den festen Glauben im Herzen, daß sein Tod nur Durchgang zum Leben sei.“ (64)

In einem Auszug aus einem Gedicht von ihm heißt es (55f.):
Was wär der Mensch, wenn ihn
Nicht hart das Böse streifte,
Wenn er, von Leid durchwühlt
Nicht doch zum Guten reifte?
Er wär nicht Mensch, er wär

Ein Spielball der Natur,
Am Bösen lernend fühlt
Er mählich Gottes Spur.

Ihm war gewiss, dass er nach seinem Sterben weiterleben und den Lieben verbunden bleiben würde. So schrieb er auch am 13. Juli 1943:

Herr, o Herr, ich bin bereit,
reis an Deiner Freundeshand
Fröhlich in die Ewigkeit!
Segne unser deutsches Land,
Segne Frau und Kinder mein,
Tröste sie in aller Pein,
Schenk den Liebsten Du hinieden
Deiner Liebe Gottesfrieden!

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Während seines Begräbnisses sangen zwei Angehörige zwei Verse des Liedes: O Haupt voll Blut und Wunden.

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