Acclamation – Bashing

Etwas, das ich nicht mag, ist, wenn alle über einen herfallen – oder alle vor einem niederfallen und ihm die Füße küssen. Und das gilt für alle Menschen. Es fehlt mir im Augenblick bei vielen zu sehr die politische Distanz. Der Kopf ist ausgeschaltet und das Gefühl regiert. Da, wo allein das Gefühl regiert, ist auch ein irrationaler Umschlag möglich, nicht korrigiert durch den Kopf. (Schnell werden „Hosianna-Rufe“ von „Kreuzigt-ihn-Rufen“ verdrängt.) Und Gefühl ist schnell zum Klingen zu bringen. Rhetoriker wissen wie das geht – auf Knopfdruck. Nur dann, wenn man den Kopf einschaltet, kann man klar genug sein, der puren Rhetorik nicht auf den Leim zu gehen. God bless America. Übrigens: Die Freude über einen neuen Herrscher steckt in uns Menschen wohl drin. Denn das kennt man schon aus der Antike.   

PS: Neulich wurde im Fernsehen gesagt, dass die USA nie weniger Ansehen in der Welt hatten als unter Bush. Wie schnell ist Carter vergessen und das Gelächter und Kopfschütteln über Clinton. Heute sprechen sie alle nur noch in Ehrfurcht von ihnen. Da hat Bush also in ein paar Jahren auch noch Chancen.

Neue Weltordnung

In letzter Zeit liest man gehäuft von Bestrebungen, eine neue Weltordnung einzuführen, eine neue Weltwirtschaft, sogar von Weltregierung ist die Rede – und vom Weltretter. Dass in einer Zeit, in der alles am Wanken ist, diese Träume so sehr sprießen, ist verständlich. Vor allem, wenn man selbst die kleinsten wichtigen Dinge nicht mehr hinbekommt. Aber kommen diese Herrschaften nicht mal auf die Idee, dass sowas auch ein Albtraum sein kann? Sicher wäre es schön, wenn das Recht in aller Welt an unserem Rechtsverstädnis angeglichen werden könnte (hallo, Scharia-Freunde, seid gegrüßt!) – aber sieht da irgendein vernünftig denkender Politiker eine Chance? Wenn selbst die grundlegensten Menschenrechte ständig ausgehebelt werden? Nun, man möchte sagen: träumt weiter – aber diese Träume sind teuer, sehr teuer. Vor allem werden sie teuer, weil sich keiner mehr irgendwelchen diktatorischen Spinnern entziehen kann. Alles wird verkabelt, wird durchleuchtet, wird fotographiert, PC-gerecht gepresst, jeder bekommt eine Nummer, ist überprüfbar, jede Bewegung, jede Handlung – noch kann man sich dem entziehen – aber kann das wirklich ein schöner Traum sein, sowas weltweit durchzusetzen? Insofern ist das einzig Schöne – wie gehabt: die Arroganz-Babel-Türme werden immer zum Einsturz gebracht. Und was sagen wir zu Obama, der vor der Wahl gesagt hat: Lasst uns die Welt verändern! – Hoffen wir, es war Wahlkampfgetöse (frei nach Müntefering: Man darf Politiker nach der Wahl nicht an dem messen, was sie vor der Wahl gesagt haben) und nicht Allmachtsphantasie.  

Nachtrag: Ein Bericht über Sklaverei in der Gegenwart – selbst das konnte noch nicht verändert werden:

www.cicero.de/97.php?ress_id=15&item=3124

Jesus – Sohn Gottes

Was bedeutet das, wenn Christen sagen, dass Jesus Gottes Sohn ist? Im Neuen Testament (NT) gibt es dazu unterschiedliche Vorstellungen. Diese haben aber eines gemeinsam: Das NT zeigt, dass Gott sich in Jesus von Nazareth wiederfindet, sich mit ihm identifiziert, durch ihn spricht und handelt. Und zwar in einer unzertrennbaren Einheit, in einer einmaligen Einheit. Das hat mit Zeugung nichts zu tun. Jesus ist also nicht Sohn Gottes in der Weise, wie Zeus Söhne und Töchter hatte, gezeugt mit Menschentöchtern. Auch die handfesten hinduistischen Vorstellungen stehen nicht dahinter. Sondern: Gott, der Schöpfer, erschafft sich durch seinen Heiligen Geist in Maria als den Menschen Jesus von Nazareth. Nun, man mag das glauben oder nicht. Da sind sich Mohammed und so genannte Aufgeklärte einig – wenn man so will: mit Mohammeds Allah einig. Das abzulehnen bedeutet jedoch nicht größere Objektivität und Klugheit, sondern dahinter steht nur ein anderes Menschen- und Weltbild. Wenn Jesus Christus in dieser Weise hervorzuheben ist, dann hat auch er das letzte Wort, ist er Maßstab und Vorbild. Mohammed konnte das nicht stehen lassen, da ja sonst sein Wort nicht über alles stehen würde; der so genannte Aufgeklärte kann das nicht stehen lassen, weil er sich ja sonst an einem außer ihm liegenden Maßstab orientieren müsste. Hier stoßen Weltbilder aufeinander. Es geht nicht nur um die eigenartigen Vorstellungen der Christen. Man könnte ja sagen: Sollen die glauben, was sie wollen und wir Moslems und Aufgeklärte glauben, was wir wollen. An dieser Frage entscheidet sich eben alles – bis hin zur Ethik, der Einsatz für Menschen usw.      

Allah

Allah ist Synonym für Gott. Christen wie Moslems verwenden „Allah“. Schon vorislamisch wurde „Allah“ zum Beispiel auch von Christen verwendet. In Malaysia wurde zu Beginn des Jahres die Verwendung von Allah durch Christen als Bezeichnung für Gott untersagt. Wir in Europa tun uns damit leichter, weil Allah eigentlich als Bezeichnung für den Gott, den Mohammed verkündet, gilt. Daher können wir auch einfacher sagen, worin die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Gott, den Jesus „Vater“ nennt, und Allah, den Mohammed als Inspirator seiner Worte ansieht, liegen. Wenn Europäer die Bezeichnung „Allah“ in christlichen Gottesdiensten einführen wollen, haben sie natürlich sachlich Recht, weil eben Allah = Gott bedeutet. Weil jedoch die damit verbundenen Gottesbilder so unterschiedlich sind, ist damit nichts gewonnen, außer eben verbale Angleichung. Dieser Gleichsetzung muss zumindest in Europa ein intensiver Religionsdialog vorausgehen, bei dem man sich auf das Gottesbild geeinigt hat. Da aber weder Christen von Jesus Christus absehen können, noch Moslems von Mohammed, bleibt das wohl eine Angelegenheit des St. Nimmerleintages. Und wie schon gesagt: Vom Gottesbild ist auch das Menschenbild sowie die gesamte Ethik abhängig.   

Islam + Ethik

taz.de vom 2.9.2003; Islamwissenschaftler Ralph Ghadban:

>Wollen Sie damit sagen, dass es im Islam keine Ethik gibt? Streng genommen ja. Der Islam ist wie das Judentum eine Gesetzesreligion. Das ethische Verhalten besteht in der Befolgung des göttlichen Gesetzes, im Islam als Scharia bekannt. Das Christentum ist eine Gewissensreligion, der Mensch ist vor seinem Gewissen und Gott verantwortlich. Das irdische Gesetz wird von den moralischen Prinzipien inspiriert.

Ist im Islam von Bartstutzen bis BH-Tragen nicht alles ethisch gefärbt? Ja, das islamische Recht erhebt den Anspruch, alles zu regeln. Selbst Fragen, die mit Moral nichts zu tun haben. Aber neben der Scharia finden wir einen Bereich der Religion, der die Beziehung des Menschen zu seinem Gott darstellt und von Gewissen und moralischen Werten geleitet ist. Er kollidiert oft mit der Scharia. Dieser Bereich wurde nicht zu einem selbstständigen ethischen System entwickelt. Eine Wissenschaft der Moral, eine Ethik finden wir im Islam und der islamischen Kultur nicht. Die Islamreformer wollen diesen Mangel beseitigen.<

Soweit ich sehe, ist das äußerst knapp dargelegt, aber vom Grundsatz her akzeptabel. Eines scheint mir jedoch nicht genannt worden zu sein: Sure 3,110 „Ihr seid die beste Gemeinschaft, die für die Menschen entstand. Ihr heißt was Recht ist und verbietet das Unrechte und glaubt an Allah.“ Mohammed spricht ganz konkret seine Gefährten an, aber jeder Muslim versteht sich als Teil dieser Gemeinschaft. Und die Gemeinschaft sagt, was Recht und Unrecht ist. Nicht der Einzelne. Und darum geraten auch Konvertiten immer in Konflikt. Sie sehen sich von Gott als geliebte Individuen, die das Recht haben, sich Gott zuzuwenden bzw. liberale/atheistische ehemalige Moslems sehen ihr individuelles Recht darin, sich von Allah abwenden zu können. Während die muslimische Umgebung dem Individuum dieses Recht nicht zugesteht, sondern als Gemeinschaft von Allah akzeptiert wird. Wie die europäisch denkenden Muslime das Dilemma lösen wollen, bleibt spannend zu beobachten. Das nicht zuletzt auch darum, weil ja unser westliches System darauf beruht, dass der Einzelne Rechte hat. Übrigens National-sozialismus und Kommunismus haben diese Individualisierung auch nicht so gerne gesehen: Alle tanzen nach einer Musik – wehe, einer tanzt aus der Reihe.

Bringt sie zum Schweigen

Jeder wird mit Meinungen anderer konfrontiert, die er nicht gerne hört. Manche kommen in Diskussionen, die in kleinen Gruppen stattfinden, damit nicht klar und posaunen ihre Meinung lautstark und mit Dominanzgehabe hinaus. Das ist so und wird auch so bleiben. Nur hört man in den letzten Jahren verstärkt davon, dass vor allem linke Gruppen sich darin hervortun, die Meinungen anderer im öffentlichen Raum nicht nur zu stören, sondern die Äußerung sogar zu verhindern suchen. Und das mit massiv gewalttätigem Auftreten – und was mir schon als Schüler aufgefallen ist – immer wenn Kommunisten mitdemonstrierten, gab es Lärm und krach. Das ist eine wunderbare Charaktereigenschaft: viel Lärm machen, soviel, dass Menschen mit anderer Meinung ihr eigenes Wort nicht mehr verstehen können. Dadurch wird jeder friedliebende Mensch eingeschüchtert – wer mag sich schon mit Krawallschachteln anlegen? Da aber Kommunisten ein – sagen wir – gestörtes Verhältnis zur Demokratie haben, zur Meinungsvielfalt, ist es für unseren Staat nicht ungefährlich, wenn man den Schreihälsen den Raum lässt, den sie sich auf Kosten anderer Meinungen einfordern.

PS: Gedenkstätten kommunistischer Gewalt werden immer weiter verdrängt. Im Mitteilungsblatt der igfm heißt es: „Die Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft … wirbt für ein repräsentatives, alle Opfer des Kommunismus in Deutschland und Europa … integrierendes Mahnmahl an einem repräsentativen, von der Öffentlichkeit einsehbaren und besuchbaren Ort.“ Mein Tipp: Flughafen Tempelhof. Da würde wohl der rote Wowereit puterrot und das ganze rote Rathaus mit den roten, röter am rötesten Genossen in Bewegung setzen, um das zu verhindern. Oder?

Sie wagte es

Die arme Sophia, Königin von Spanien, sie wagte es zu sagen, was sie dachte. Und sie wagte etwas zu denken, was andere gar nicht mögen. Und dann geht das Geschrei los. Das ist kennzeichnend für manche Gruppen: Wie von Taranteln gestochen springen sie auf. Da gehöre ich doch lieber zu Gruppen, über die alle ablästern dürfen, ohne dass man wie von Sinnen aufspringen muss: Ich bin Hetero, Christ, irgendwas ab 50, also irgendwie sowas wie Grufti und Biedermann, und bin überhaupt ein konservatives Pfui. Ihr lieben Schreier, lassts gut sein. Zuviel Schreien ist kontraproduktiv: Es härtet die Beschrieenen ab.

Denken

Manche haben Angst davor, dass einer sagt, was er denkt, denn dann könnten aufeinmal alle sagen, was sie denken. Und nicht mehr er allein oder seine Gruppe sagen vor und denken vor, was alle sagen dürfen und denken müssen. Tja, nun haben wir den Salat: Der mündige Bürger in Deutschland denkt und sagt was er denkt, im Idealfall. Warum sollte er nur sagen dürfen, was einer vorsagt, und denken, was einer vordenkt? Was für ein Dilemma für unsere kleinen Diktatoren, dass der mündige Bürger einfach nicht versteht, dass er nur denken und sagen darf, was Klein-Diktator selbst und seine Gruppe gesagt und gedacht haben wollen. Auf die mündigen Bürger – mit Gebrüll …

Hoffnungsbuch

Das Neue Testament ist ein Hoffnungsbuch. Es macht Menschen Mut in dem von Übeln geprägten Alltag zu leben. Und zur Zeit der Entstehung des Neuen Testaments ging es nicht nur um vermisste Schlüssel oder sowas, sondern wie heute noch überall in der Welt: um Hunger, Willkür, Rechtlosigkeit, Sklaverei usw. Und auch die Ethik ist eine Hoffnungsethik: In all dem ethischen Chaos gibt es eine Richtung vor: Liebe und Achtung sind dem Nächsten entgegenzubringen. Auch in Fragen der Sexualität darf Ausbeutung keine Rolle spielen. Reichtum darf nicht gehortet werden, sondern muss verantwortlich gehandhabt werden. Hierarchische Gewalt hat seine Grenzen – und muss sich als dienend ansehen usw. Es ist ein Hoffnungsbuch: Gott möchte, dass Menschen nach einer anderen Regel leben als sie es bislang untereinander kennengelernt haben. Und dass es nicht naiv ist, darauf weisen all die Stellen, die davon sprechen, dass Menschen gegen diese neue Lebensweise gewalttätig vorgehen. Aber Gottes Wille/seine Liebe birgt die Menschen, die unter die Räder kommen. Vertröstung? Für den, der Gott nicht kennt/kennen will, sicher. Aber für den, der um Gottes Existenz weiß, nicht.   

Laschet-Typ

Was ist das denn für ein Typ, der Laschet, der den Schriftsteller Giordano als „fundamentalistisch“ und „fast rechts“ bezeichnet, weil der gegen Moscheen usw. ist? Der hat ja ein interessantes Weltbild, nach dem Motto: Willst du nicht für Moscheen sein, bist du mir ein fundamentalistisches und rechtes Irgendwas. Und so einer beeinflusst die politische Landschaft. Wie schrieb mal einer: Kopfschüttel!