Balkan-Türken

Ich kenne einen Bulgaren, der jedesmal erzählt, dass in Bulgarien gesagt werde: „Gott habe Mohammed zugelassen, um die Völker, die Gott ungehorsam sind, mit dem Islam zu bestrafen.“ Bulgaren haben ein recht gespanntes Verhältnis zu den Türken. Nicht nur die Bulgaren – der Balkan überhaupt. Balkan-Türken werden die türkischstämmigen Menschen genannt, die nach der Eroberung des Balkans durch die Osmanen dort zurückgeblieben sind. Im 14. Jahrhundert begannen Türken in den Balkan auszuwandern, damit die eroberten Gebiete beherrscht werden konnten: Soldaten, Beamte, muslimische Missionare… Mancherorts vermischten sich die Eingeborenen mit den Türken in Hülle und Fülle, in Albanien und Bosnien. In anderen Länder hatten die Christen bzw. Völker kein so großes Bedürfnis, sich mit den Besatzern zu mischen: Griechenland, Serbien… — Aber vielleicht sollte ich diesen Teil europäischer Geschichte im Blog mal intensiver behandeln. Wenn es klappt … bis morgen. 

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Mystik

Gestern hatte ich ein paar Worte zur Apokalyptik gesagt. Kommen wir heute zur Mystik. Wir tauchen in eine ganz andere Welt ein. Es geht nicht um den Lauf der Geschichte, nicht um die Vollendung der Geschichte in Gott usw., sondern es geht um das Individuum: die (emotionale) Einswerdung mit Gott, dem Göttlichen, dem Zentrum von allem. Das ist Teil vieler Religionen: Sich versenken, sein Selbst, sein Unterbewusstsein zu erkennen, einswerden mit Brahman, dem Weltgeist, Gleichschwingen mit dem anderen Menschen…  Vielfach wird das mit Drogen erreicht, nicht nur mit Drogen, die dem Körper zugeführt werden (auch im Schamanismus), sondern auch mit körperinhärenten Drogen. Es gibt also Tipps und Tricks, um solch ein emotionales Gefühl zu erlangen. Bekannt ist ja auch der Tanz der Derwische. Ein Stückchen von dem großen Kuchen der Mystik kennt auch die sexuelle Ekstase. Einswerden mit der Natur, Glücksgefühle des Pantheismus, als Glück im Göttlichen zu sein – all das ist (für mich) Teil der Mystik: Der Mensch strebt nach vollkommener Vereinigung.

Für die christliche Mystik war vor allem das Werk von großer Bedeutung, das von einem Dionysios Areopagita stammen soll. Der Name kommt von einem Menschen, den Paulus in Athen getauft hat (Apostelgeschichte 17). Das Werk wurde wohl von einem syrischen Mönch aus dem 5./6. Jahrhundert verfasst und führt viele mystische Traditionen zusammen, Traditionen des Neuplatonismus und von Kirchenvätern. Gregor der Große und Maximus Confessor haben es anerkannt – und so konnte es sein Siegeszug in den Klöstern antreten. Während der Neuplatonismus die Einheit der Seele mit Gott aussprechen konnte, ist für Dionysios jedoch Gott immer auch noch der Unerreichbare, der allerdings durch Reinigung und Erleuchtung erkannt werden kann – allerdings nicht im normalen Sinn „erkannt“ werden kann, sondern im christlich-spirituellen Sinn.

In der christlichen Mystik ist normalerweise Gott = Gott. Der Mensch kann sich nicht zu Gott hin schwingen. Ich kann das tiefe Meer der Mystik auch eines Meister Eckhart (13./14.Jh.) hier nicht ausschöpfen. Ich finde bei seiner Mystik hervorzuheben: Es ist der Liebe der Seele zu Gott, die in der Nachfolge Jesu Christi steht, eine kurzzeitige Einigung mit Gott möglich. Eine schmerzhafte Vereinigung der Seele mit Gott vor dem Beginn der Ewigkeit. Große Mystikerinnen kennt unsere Kultur. Hildegard von Bingen zum Beispiel, die man heute weitgehend aufgrund ihrer Kräuterkunde rezipiert, und viele andere, die die Vereinigung der jungfräulichen Seele mit dem Bräutigam Christus erlebten.

Mystische Traditionen sind überall unter Menschen erkennbar – und gehören mit zu den großartigsten Erlebnissen, die wir Menschen erlangen können. Aus neutestamentlicher Perspektive gibt es über diese Erfahrung hinaus den Glauben an den Heiligen Geist. Das heißt: Gott selbst gibt sich im Heiligen Geist den Menschen, bestimmt ihn und sein Leben. Und das kann mit solchen höchsten emotionalen Erfahrungen (im Neuen Testament „Zungenrede“ genannt) verbunden sein, muss aber nicht: der Heilige Geist äußert sich auch ganz konkret in Taten, die anderen Menschen, die der Gemeinschaft gut tun, in Taten der Liebe. Paulus reflektiert darüber vor allem im ersten Brief an die Korinther im 12.-14. Kapitel. Das bedeutet: Christliche Mystische Erfahrungen können im allgemein menschlichen Erfahrungsbereich liegen – das wird freilich korrigiert: Der Mensch kann den Geist Gottes, kann emotionale Erfahrungen des Geistes nicht herbeiführen, sondern kann diese nur als Geschenk annehmen. Und Menschen, die solche Erfahrungen geschenkt bekommen haben, stehen denen, die solche Erfahrungen nicht geschenkt bekommen haben, in nichts vor. Denn andere lieben zu können, das ist, so Paulus, die höchste Geistesgabe. 

Das bedeutet: Durch die biblisch-christliche Tradition wurden mystische Erfahrungen mit einem neuen Vorzeichen versehen und haben als solche unsere Kultur mit bestimmt. Freilich kommen in den letzten Jahrzehnten andere mystische Traditionen wieder stärker ins Bewusstsein.   

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Kunst 39

Am 15.6. habe ich auf die Gotik verwiesen – heute möchte ich die Romanik ein wenig näher bringen. Sie ging der Gotik voran zum Teil parallel: 750-1250 nach Christus – sie prägt somit unsere Vorstellung vom frühen bis zum hohen Mittelalter, beginnt zeitlich ungefähr mit Karl dem Großen. http://www.die-romanik.de/index.htm.

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Apokalyptik

Die Geschichte hat einen Anfang – hat ein Ziel. Nicht nur der Mensch – alles geht auf ein Ende zu. Es ist nicht nur ein Ende, sondern das Ende, das Gott selbst herbeiführen wird. Uns im Westen kommt diese Vorstellung in der Apokalypse/Offenbarung des Johannes am nächsten. Das viel geliebte und gehasste Buch greift Traditionen auf, die in alltestamentlichen Büchern ihren Niederschlag gefunden haben: so im Buch Daniel. Jesus lebte in dieser Tradition, die frühen Christen insgesamt: Gottes Herrschaft ist nahe herbeigekommen, kehrt um. Durch das Mittelalter hindurch bis in die Gegenwart ist diese Vorstellung vorherrschend. Gott wurde zwar herausgenommen – aber ein Ende haben auch Gottlose im Blick. Nicht die Liebe Gottes steht am Ende, sondern die Katastrophen welcher Art auch immer: Erderwärmung, Erderfrierung, Waldsterben, ersticken im Müll, Atomkatastrophen, Meteore die Dinos den Garaus machten, werden auch uns den Garaus machen, Sonnensterben und Venuskollision, das Jahr 2000… Diese Vorstellung davon, dass alles auf ein Ende zugeht ist in unserer Kultur dominant (wenn die Völuspa – in der Edda – noch germanische Intention beinhaltet, dann kannten auch die alten Germanen die Vorstellung vom Ende). 
Die Vorstellung vom Ende prägt auch die Verhaltensweisen. In jüdischer Apokalyptik ist mit der Vorstellung von einem nahen Ende verbunden: haltet fest an eurem gerechten Leben … in der christlichen Vorstellung: ändert euer Leben, wirkt das, was Gott will … in der Katastrophenapokalyptik dominieren andere Verhaltensänderungen: weniger CO2, kein Atom, Wissenschaft muss es richten, trennt Müll… Und durch die Jahrhunderte hindurch gab es die unterschiedlichsten Bewegungen: Büßerbewegungen, zum Teil Kreuzzüge, religiöse Splittergruppen en masse entstanden (Zeugen Jehovas) – über die Gegenwart muss ich nicht viel sagen. Ein anderes Weltbild vermittelt uns die östliche Tradition, wenn sie das Lebensrad in den Blick rückt. Wie das individuelle Leben ins Rad der Wiedergeburten rückt, so auch das gesellschaftliche Leben. Es wird ein Ende kommen – aber diesem folgt wieder ein Neuanfang. Und das Rad dreht sich und dreht sich unentwegt. (Freilich gibt es, soweit ich mich erinnern kann, auch da Räder, die zum Stillstand kommen…)
Dagegen steht ein anderes Welt- und Geschichtsbild, das eher der Mentalität unserer Zeit entspricht: Es gibt kein Ende – und wenn, dann kommt es eben wie es kommt. Lebe dein Leben, schau nicht aufs Ende, tue dein Bestes, was auch immer es ist.
Mit der Vorstellung vom Ende ist auch die des Anfangs geknüpft: Gott hat erschaffen – damit fing alles an… bzw. es gab einen Urknall – damit fing alles an… Gott wird das Ende sein – die kosmische Katastrophe wird das Ende sein… (wobei kosmische Katastrophen auch die alte Apokalyptik prägen) – jüdisch-christlicher Tradition entspricht es, sich auf dieses von Gott geführte Ende vorzubereiten, um ewig bei Gott sein zu können. Modernes Denken versucht, die Katastrophen zu verhindern – wobei auch dieses Denken im Alten Testament vorbereitet wurde: Gott verhindert nationale Katastrophen,wenn sein Volk wieder den Willen Gottes tut; vom neutestamentlichen Denken wurde stärker die Vorstellung inspiriert: der Mensch muss sich gut verhalten, dann kann er auch eine Art Reich Gottes auf Erden errichten.
Altes Griechisches Denken ist eher anfangslos-endelos (freilich ist auch da das Weltenfeuer bekannt). Aber: Man denkt nicht soviel nach über das Woher und Wohin. Man lebt seinen Alltag, lebt ihn möglichst gut, lebt in den Tag, tut was man kann, damit man zufrieden ist. Es ist das Leben, das ich mir eher von einem Tier vorstelle: Es lebt, es lebt einfach so. Das hat natürlich was Faszinierendes, etwas Beruhigendes. Aber was ist mit dem Menschen, dass er einfach weiter denken will? – Naja, was ist mit manchen Menschen, die einfach weiter denken müssen?

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Naivität

Wenn die Beobachtungen stimmen, die ein Besucher/eine Besucherin bei der Veranstaltung mit dem Großmuftie Ceric wiedergeben, dann zeigt das doch die bodenlose Naivität der Zuhörerinnen und Zuhörer: http://www.pi-news.net/2009/06/grossmufti-ceric-erklaert-die-scharia/#more-65996. Ich zweifle freilich daran, dass er das wirklich gesagt hat und die Leute – für den Fall, dass sie ihn überhaupt verstanden haben – so positiv reagiert haben. Zweifle ich wirklich daran? Nein, ich würde gerne daran zweifeln. Man muss sich da mal jedes Wort im Hirn zergehen lassen, nicht nur das Wort, sondern auch die Taktik. Man kann nur sagen: sich informieren, informieren, informieren. Damit man solchen Panschern nicht auf den Leim geht. Und noch ein Naiver? Ein Taktiker? Ein naiver Taktiker? Diesesmal ein Kardinal, wenn denn diese Info stimmt: http://www.pi-news.net/2009/06/terror-hat-nichts-mit-dem-wahren-islam-zu-tun/#more-65949.

Ich habe nichts gegen politische Auseinandersetzungen mit jeglicher politischen Gruppierung – aber das schlägt dem Fass den Boden aus: Es geht nicht mehr um Auseinandersetzungen, sondern darum, Menschen, die mit politisch Andersdenkenden beruflich zu tun haben, einzuschüchtern, sie wirtschaftlich zu ruinieren – meine Güte, was sind das für Typen: Mit solchen geht unsere Demokratie zugrunde, wenn man sich von diesen einschüchtern lässt. Ich hoffe nur, die Leichlinger sind Manns und Fraus genug, diesem Übel nicht Folge zu leisten: http://www.pro-nrw-online.de/content/view/1141/1/ (gefunden durch Kewil). Sie wollen das bekämpfen, was sie für Übel halten – und verfallen dabei selbstgerecht dem Übel.   

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Türkei

Warum geben sie es nicht einfach zu? Diese Frage stelle ich mir immer wieder. Was ist dabei, ein Unrecht, das die Väter … Urgroßväter begangen haben, zuzugeben? Weil sie die politischen Konsequenzen fürchten? Die gegenwärtige Anerkennung Andersdenkender und -glaubender? Mit ihrer Sturheit stellen sie sich auf eine Stufe mit den verbrecherischen Vorfahren: http://www.kybeline.com/2008/12/09/das-volkermord-vom-pontus-massengraber-in-der-turkei/ .

Was geschah? Als Lektüre sei empfohlen: Franz Werfel – Die vierzig Tage des Musa Dagh: http://de.wikipedia.org/wiki/Die_vierzig_Tage_des_Musa_Dagh

Impressum auf  www.wolfgangfenske.de  +++  http://literarisches.wolfgangfenske.de/10.html   Wer Lügen benutzt, um anderen zu sagen, wie wundervoll er ist, findet an sich wohl nichts Gutes, um Anerkennung ohne Lügen zu erreichen.

Nachtrag: http://www.welt.de/politik/article3917713/Erdrutschsieg-fuer-Ahmadinedschad-in-Iran.html. Soviel zu meinem gestrigen Blogeintrag „Iran“.

Stolpersteine

Ihr Ruhmreichen, die Ihr Euch für Stolpersteine (http://www.stolpersteine.com/) einsetzt – reinigt Ihr (nicht das Fußvolk, Ihr) sie auch von dem Dreck unwissender und unachtsamer Mitbürger? (Eine alte Frage: Wäre es nicht besser, diese an Hauswände oder Laternenmasten anzubringen? Sicher kann man sie dann nicht mehr Stolpersteine nennen – vielleicht Hingucker?)

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Obamas K-Rede

Zu Obamas Kairo-Rede eine kleine Kritik: http://occidentalsoapbox.blogspot.com/2009/06/skeptics-guide-to-president-obamas.html (gefunden über Kybeline) und: http://www.rushlimbaugh.com/home/daily/site_060509/content/01125110.guest.html und weil es so schön ist: Noch ein Text: http://canadafreepress.com/index.php/article/11683 – was wollen uns all diese klugen Menschen sagen? Die Rede O´s in Kairo, die Rede O.s in Deutschland – sind gespickt mit Geschichtsfälschungen. Nun mag mancher Naivling denken: Lass ihn doch Falsches reden – es klingt doch so schön friedlich und harmonisch. Oh Mann, lasst Euch doch nicht Honig auf den Bauch schmieren. (Olala, ich bin ja der Schöpfer eines neuen Sprichwortes!) Und hier auch mal was auf Deutsch: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,628882,00.html. Und zu der immer wieder gemachten Behauptung, dass es in Spanien unter islamischer Herrschaft so wunderbar war: http://www.welt.de/print-welt/article220620/Auf_dem_Weg_zum_Djihad.html – und noch ein Text, der Sand aus den Augen spült?: http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2005-35/artikel-2005-35-das-land-wo-blut-und-honig-floss.html. Und dann noch der sehr lange, aber ausführliche Kommentar zur Rede von Obama – geschrieben von Gudrun Eussner: http://www.eussner.net/artikel_2009-06-06_23-13-57.html Wer diesen letztgenannten Text gelesen hat, versteht so manches aus der Geschichte des Islam. (Diese Texte habe ich nicht aus einem meiner Archive, sondern von anderen fleißigen Leserbriefschreibern von pi übernommen.)

Wer Lügen benutzt, um anderen zu sagen, wie wundervoll sie sind, findet an ihnen wohl nichts Gutes, um das Ziel ohne Lügen zu erreichen.

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Weiter denken

Kewil zeigt, dass man weiter denken muss als die Ideologen: http://fact-fiction.net/?p=2366. Es ist immer wieder deutlich, dass Ideologen auf der einen Seite sagen: Geschichte darf sich nicht wiederholen – und gleichzeitig Geschichte wiederholen, nur unter einer anderen Farbe und unter anderen technischen und gesellschaftlichen Bedingungen.

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Christen-Nichtchristen

Heiße Diskussion auf pi: Unsere Kultur basiert auf Christentum oder nicht… Von allen Seiten ein kräftiges: Was ich sage – stimmt. Und dann wird das noch zu einem Hauptthema, von dem der Kommentator erst neutral daherkommt – doch dann auch die Katze aus dem Sack lässt. Interessante Geschichtsbilder werden da vertreten, einlinige Bilder. Geschichte ist nicht einlinig. Wir stehen nicht allein in griechischer, römischer, jüdischer, christlicher Tradition. Es ist doch immer ein Geben und Nehmen, ein Auswählen und ein Abstoßen. Auch das Christentum ist nicht ein monolithischer Block, der wie die Kaaba vom Himmel gefallen ist. Durch das Christentum wurden alte Traditionen anhand eines Maßstabes gesiebt. Es kommt nicht von ungefähr, dass zum Beispiel Stoiker- und Plato-Fans auch unter den ersten Christen dominant waren usw. usw. Aber diese Christen, die Kirchenväter mit ihrer Basis (ausgewählte Antike + biblische Tradition) – waren für die Ausbildung der Kultur Europas immens wichtig, denn das wurde in den Klosterschulen, in den sich ausbildenden Universitäten gelehrt, untersucht, weitergeführt. Die alten Griechen und Römer wurden zum Teil durch diese Filter weiter tradiert, neu ausgerichtet usw. Dann gab es Bewegungen, die ohne diese Filter die Alten verstehen wollten: Humanisten des Mittelalters; es gab Bewegungen, die den Glauben ohne den Filter der traditionellen mächtigen Kirche verstehen wollten: die Reformation. Es gab ethische Bewegungen, die Mord- und Totschlag nicht duldeten und unter Ritters- und anderen Leuten eine neue Moral durchsetzen wollten, auch hier mit dem Filter: Bibel – man lese nur das Eine oder Andere von Walther von der Vogelweide (z.B. Über alles gelobter Gott/Vil wol gelopter got) – wie in ihm ethische Kämpfe ausgefochten werden zwischen Tradition und neuem Glauben – oder lese Deutsche Sagen… Ohne Reformation und deren Emanzipationsbestrebungen und erreichten Zielen ist die Aufklärung kaum zu denken usw. usw. – das geht alles Hand in Hand, in einander über, kommt vom anderen her. Und dann kommen die Romantiker, die wieder alte germanische Traditionen in all dem Griechisch-Römisch-Christlichen suchen und dazu noch passende Erzählungen erfinden… Immer diese Enge in den Diskussionen. — Natürlich mussten die Aufgeklärten sich von ihrer Tradition distanzieren – wie die 68ger sich von ihrer Tradition getrennt haben. Jede revolutionäre Generation distanziert sich, indem sie die Errungenschaften der Vorfahren schlecht macht. Erst heute kommen wir darauf, wie die Aufgeklärten die Geschichte fälschten (dunkles Mittelalter), um besser dazustehen – alles klar und deutlich und verständlich. Wir sehen, wie die Romantiker heimlich still und leise „Traditionen“ bildeten… Geschichte ist lebendig – und die Verneinung der Bedeutung des Christlichen in unserer Kultur  scheint mir selbst gewählte Blindheit zu sein. 

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