Corona + Kinder + CoronaDemos + Justinianische Pest

Über 230 Jahre mussten die Menschen des 6.-8. Jahrhunderts mit wahrscheinlich Pest-Wellen leben. Sie kamen, sie gingen, sie kamen, sie gingen. Sehr viele Menschen fielen diesen zum Opfer. Leben mit dem Sterben, leben mit dem Tod. Das ist wichtig zu lernen – und unser christlicher Glaube lehrt, damit klug umzugehen. Ebenso wichtig ist es, sich Sterben und Tod nicht willenlos auszuliefern, sondern wie Jesus zeigte, sich dagegen zu wehren, dagegen anzukämpfen. Dazu gehören Mut und Klugheit.

Wir leben in einer Corona-Zeit und wissen noch nicht so recht, was das eigentlich letztlich für Folgen haben wird. Manches zeichnet sich schon ab – und es verspricht nichts Gutes. Vor allem auch zweierlei: Mutige Menschen, die dagegen angehen, Menschen, die unklug handeln und sie zu leichtfertig nehmen.

Leider sind auch Kinder davor nicht gefeit: https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/superspreader-steckte-hunderte-kinder-in-amerikanischem-sommercamp-an-16885420.html

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Was die Auflösung der Corona-Demos betrifft: Ich finde diese Demos kurios – aber auch die Auflösung. Die Antirassismus-Demos hat man nicht aufgelöst – aber die Corona-Demos? Verstehe ich nur den klugen Sinn dahinter nicht? Sind manche Demos politisch gewollt, manche nicht? Darf das irgendjemand einfach so entscheiden?

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Dass die Corona-Zahlen steigen – hängt das nicht mit der vermehrten Testung zusammen? Ist es nicht – zumindest lautete es mal so – gut, wenn viele Corona positiv sind, weil sich dann eine gewisse natürliche Abwehr bildet – wie gut sie dann auch immer ist? Fragen über Fragen…

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Gott und Geschichte

Für die alten Griechen und Römer machten Menschen Geschichte. Götter wurden integriert, aber die Macher waren Menschen.

Für die Schreiber des Volkes Israel und die Propheten machen auch Menschen Geschichte, aber Gott funkte immer wieder herein, nahm, wenn es sein musste, das Heft selbst in die Hand.

Für uns heute sind die alten Heiden die Vorbilder: Mensch macht Geschichte. Wir haben auch als Christen Angst vor der alttestamentlichen Sicht. Warum? Sie wurde zu oft von falschen Propheten vereinnahmt, auch gut meinende Menschen irrten sich. Sie sahen Gott wirken, doch war er es nicht.

Doch das Problem gab es auch schon im Alten Testament: Wer deutet die Gegenwart richtig? Der Prophet Gottes oder der falsche Prophet? Die Lösung war, soweit ich sehe nie: Gott macht keine Geschichte – da Menschen sich irren können. Die Frage ist: Wen hat Gott berufen, die Geschichte richtig zu deuten?

Und so gab es auch zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus Christen, die die Zeit schon richtig gedeutet haben, gesehen haben, wo alles hinauslaufen wird. Sie wurden missachtet, weil man aus der Zeit heraus lieber den falschen Propheten nachlief. Und dann kam, was die wahren Propheten schon angesprochen hatten: Die wahre Niederlage. Eben, wie Heinrich Vogel sah: Gott lässt sich nicht spotten. (https://blog.wolfgangfenske.de/2020/07/15/kirche-und-staat-3/)

Und dann? Dann sagte man, das könne man so nicht sehen, das habe mit Gott nichts zu tun, lassen wir Gott aus dem Spiel der Geschichte, Männer machen Geschichte und seit ein paar Jahren dürfen auch Frauen mitspielen. Aber Gott?

Und so machen Männer und Frauen Geschichte. Und Glaubende sehen noch immer Gott in ihr wirken. Aber: Pssst, nicht weitersagen, man könnte sich blamieren.

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Äußere und innere Emigration

Interessant ist es zu beobachten, dass es nach 1945 eine Auseinandersetzung gab, die zunächst die einen für sich entschieden haben.

Und zwar flohen manche während der Zeit des Nationalsozialismus, nicht, weil sie Juden waren, sondern Repressionen fürchteten, wie Heinrich Mann, und andere gingen, warum auch immer, wie Thomas Mann.

Manche blieben.

Nach 1945 wurde denjenigen, die geblieben sind, vorgeworfen, dass sie keine Märtyrer geworden sind, dass sie die Politik der Nationalsozialisten nicht geändert haben. Daraus folgt: Sie waren Mitläufer. Diese Sicht äußerer Emigranten wurde dann vor allem von den inländischen Nachgeborenen aufgegriffen, die alles besser gemacht hätten, wenn sie nur schon gelebt hätten. Alte, die geblieben waren, wurden stigmatisiert – und versanken in der Vergangenheit.

Manche sehen es heute realistischer. Deutlich ist, dass viele von denen, die geblieben sind, nationaler dachten. Sie erhofften sich von Hitler eine nationale Stärkung. Diese bedeutet aus christlicher Sicht eine ethische Verbesserung, also eine Christianisierung der Gesellschaft, aus linker Sicht eine emanzipatorische Veränderung der Gesellschaft.

Es kam, wie wir wissen, alles anders. Aber das sagt nichts über die Qualität dessen aus, was die inneren Emigranten zu leisten imstande waren. Probleme hatten die äußeren Emigranten wie die inneren Emigranten. Die einen mussten zusehen, wie sie im Ausland überleben können, die anderen mussten zusehen, wie sie im Inland überleben können.

Und das ist also dann wieder typisch menschlich: Wir sind die Besseren, sagten die äußeren Emigranten, als alles vorbei war. Die Menschen, die geblieben waren, sagten von den Gebliebenen: Die sind welche von uns, die wissen Bescheid und haben mit gelitten.

Und die Nachgeborenen? Sie sagen: Mit gelitten? Selbst dran Schuld. Hättet ihr nicht mit gemacht, hättet ihr auch nicht mit gelitten. Und: Wenn wir damals gelebt hätten, wäre das alles nicht passiert, wir hätten alles Übel durchschaut – die besten sind wir.

Interessanter Weise traf der Vorwurf nicht alle Gebliebenen. Manche konnten irgendwie ganz schnell irgendwie so aussehen, als seien sie äußere Emigranten gewesen. Aber das ist dann ein neues Thema.

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Deutsche Christen – ein Liederbuch

Deutsche Christen werden die Christen genannt, die der Bewegung des Nationalsozialismus offen gegenüberstanden, sie unterstützt haben. Ich hatte sie neulich schon angesprochen: https://blog.wolfgangfenske.de/2020/07/16/es-geht-nicht-um-theologie-es-geht-um-den-menschen/ . Aber auch die Deutschen Christen waren keine Einheitsgruppe. Es gab unterschiedlichste Schattierungen, die auch in den Jahren nach 1933 immer wieder variierte.

Das hatte unterschiedliche Gründe, so zum Beispiel hatte sich jeder das unter der neuen christlich-völkischen, christlich-nationalsozialistischen Bewegung vorgestellt, was ihm lieb war. Manche dachten: endlich mal christlicher Glaube modern, logisch, aufgeklärt, damit zusammen hängt: endlich die Kirche gelöst vom Judentum, dazu gehört: der Staat erkennt uns an als wichtige Kraft in der Volksgemeinschaft… Man hat endlich ein „Glaubens“-Ziel: nicht der Einsatz für Jesus Christus, sondern: die Volksgemeinschaft…

Als manche dann merkten, dass nicht ihre Träume erfüllt wurden, nahmen sie auf unterschiedliche Art Abstand. Auf säkularer Ebene vergleichbar zum Beispiel mit dem Schriftsteller Gottfried Benn http://gedichte.wolfgangfenske.de/gottfried-benn-1886-1956/. Er dachte sich den Nationalsozialismus anders, als er dann kam. Und so wich die anfängliche Begeisterung einer Ablehnung.

Es gab also unterschiedliche Varianten. Wenn wir von deutschen Christen allgemein hören und lesen, dann werden Extreme zitiert. Tischgebete an Hitler, Abendgebete mit entsprechendem Duktus. Aber sie waren nicht alle so extrem.

Mir liegt ein Liederheft vor, das wohl den Deutschen Christen zuzuordnen ist, weil der Herausgeber sich als Teil der nationalsozialistischen Bewegung sieht: Christliche Kampflieder der Deutschen, herausgegeben von Ernst Sommer – allerdings aus dem Jahr 1933. Also aus der Anfangszeit, als noch die unterschiedlichsten Richtungen miteinander rangen.

Dieses Liederbuch ist schon optisch auffällig dadurch, dass es für die Texte keine Verfasserangaben gibt. Die Texte sind aber im Wesentlichen aus christlicher Tradition entnommen worden, vor allem aus der Zeit der Reformation, in der die Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche dominant war und dann aus der Zeit des 30 jährigen Krieges. Warum keine Namen genannt werden, erschließe ich mir aus dem Vorwort. Das Volk ist eine Einheit, die „Schöpfer dieser Dichtungen“ waren „christlich-evangelisch, politisch-kriegerisch und volk-gebunden“. „Ein Zeugnis dieses Geistes, der heute in uns Nationalsozialisten wieder lebendig geworden ist, soll dieses Heft sein.“ Das heißt: Nicht das Individuum zählt, sondern der Geist, der die Generation der christlichen Nationalsozialisten mit dem Geist der christlichen Dichter des Volkes vereint. Nicht der Geist Gottes steht im Zentrum, aber das dürften die wenigsten damals wahrgenommen haben. Und so ist auch nicht der Herausgeber, der allerdings genannt wird, derjenige, der die Lieder gesammelt hat, sondern „Die Junge Mannschaft Deutschlands… hat sich dieses Liederbuch geschaffen, um auch im Liede ihrer Haltung Ausdruck zu geben, die fromm und kriegerisch ist wie die der Landsknechte im Mittelalter.“ Was „kriegerisch“ und „fromm“ bedeutet, wird auch sofort erläutert: „Kriegerisch sein heißt: um den politischen Auftrag der deutschen Nation, die Aufgabe des Reiches, wissen und ihn bekennen; und fromm sein heißt: sich für ihn im Gehorsam gegen den Befehl Gottes einsetzen.“

Kurz zum Herausgeber: Ernst Sommer stammt aus der (Finkensteiner) Singbewegung und wollte mit den Liedern die dem Nationalsozialismus zugewandten Jugendlichen missionieren – und noch weiter: den gesamten Nationalsozialismus wollte er zu den protestantischen Wurzeln des 16. und 17. Jahrhunderts zurückführen: „Aber auch unsere Lieder sind nicht minder vollendete Zeugnisse dieses selben Geistes, der der heroischen Größe unserer gewaltigen Zeit so nahe verwandt ist und immer wieder in der Geschichte des Reiches durchbricht und die Welt erschüttert.“ So ist das Liederheft „ein Dank an die Kameraden, die in den vergangenen Jahren den schweren Kampf um das Reich und das Evangelium mitgekämpft haben“ – Kampf um das Reich Gottes? Das „Dritte Reich“? Das Wort Reich hat beide Konnotationen.

Hier mag nun auch die oben genannte Formulierung auffallen: „gegen den Befehl Gottes“. Das hieß damals etwas anderes als heute. Das hieß „in Aufnahme des Befehls Gottes“. Dennoch möchte ich das im heutigen Sinn aufgreifen, denn es ist ein erschreckendes Liederheft insofern, dass es Gott gegen sich selbst anruft. Das sei ausgeführt.

In diesen Liedern wird sehr intensiv ein Feind in den Blick gerückt, unter dem die Christen leiden. Wer der Feind in der Reformationszeit und dem 30 jährigen Krieg war, das ist klar. Doch wer war dieser Feind in der Zeit von 1933? In Liedern der Bekennenden Kirche ist das auch klar: Hitler und seine Steigbügelhalter, unter anderem die Deutschen Christen sind dieser Feind. Die Deutschen Christen könnten den Feind in den säkular/atheistischen Gruppen der Nationalsozialisten gesehen haben oder auch in den Vertretern der Deutschen Glaubensbewegung, oder aber: jeder konnte als Feind den einlesen, den er wollte. Kampflieder benötigen einen Feind. Letztlich aber wunderte man sich in einer Rezension auch darüber: Diese alten Lieder „sind Lieder einer kämpfenden und leidenden Kirche, die um ihre unlösliche Verbundenheit mit ihrem Volk gerade dann weiß, wenn sie die Reinheit ihrer Verkündigung unerbittlich gegen Menschenlehre und in Verfolgung wahrt. Wir haben heute die Kirche nicht, die sich dieses Heft ohne weiteres zu eigen machen könnte.“ https://zs.thulb.uni-jena.de/receive/jportal_jparticle_00317891

Das Lied vermutlich aus der Reformationszeit (Seite 15): „Wacht auf, ihr werten Deutschen, es ist euch wahrlich not!“ spricht aus, dass Gott Hunger, Krieg und Tod bringen wird, wenn die Deutschen nicht umkehren. „Gott hat euch hoch begabet / vor vielen Völkern schon, / daß ihr bei euch rein habet / sein Evangelion“, so lautet es in der zweiten Strophe. Die dritte Strophe spricht aus, was geschieht, wenn sich die Deutschen nicht dem Evangelium zuwenden, und Buße tun: „mit Krieg und großen Streichen (sc. Schlägen), / mit Krankheit, Seuch und Tod, / mit Hunger und dergleichen / uns bringen in Jammer und Not.“ Die vierte und letzte Strophe, die in dem Heft zitiert wird, fordert nun dazu auf, Buße zu tun, an Gottes Sohn zu glauben, böse Taten zu unterlassen. Aus der Sicht der Nachgeborenen haben gerade die Christen, die den Nationalsozialismus förderten, sich gegen die Lehre Jesu Christi verhalten, haben das Böse gefördert – also sichtbar am vernichtenden Krieg, der dann über Deutschland gekommen ist, so die logische Schlussfolgerung des Liedes. Und das ist erstaunlich und gleichzeitig erschreckend: Wie schwer ist es für Menschen in der geschichtlichen Situation zu erkennen, wer falsche Lehren verbreitet. Ich denke, dass das Vorwort den Schlüssel, wie gesehen, dazu bietet, wenn es den Geist Gottes durch einen anderen Geist ersetzt. Aber solche Feinheiten können viele nicht durchschauen. Sie bleiben kleben an den frommen Worten, merken aber nicht, weil sie in der Zeit stehen, dass diese frommen Worte verführen, merken nicht, wes Geistes Kind sie sind.

Es sei auch auf das Lied „Ich bin ein Soldat wohlgemut“ eingegangen. Es ist von Hartmann Schenck aus dem 17. Jahrhundert. Vier Strophen werden zitiert, vier Strophen werden ausgelassen. Welche Strophen werden ausgelassen? Unter anderem Strophe 3: „Ach, großer Schutzherr Israel, / Du Vater aller Güte, / Ach, süßester Immanuel, / Mich doch auch heut´ behüte“. Dieses Liederbuch beinhaltet noch alttestamentliche Begriffe, aber das könnte für die Verfasser zu weit gegangen sein, dass Gott als „Schutzherr“ von Israel bezeichnet wird. Der Soldat von Schenck bittet Gott: „Dass ich betrübe nicht die Leut, / Noch ihnen mög zufügen / Viel Herzeleid, / Das mit der Zeit / Mir bringet großes Grämen, / Darob ich mich / Ganz schimpfiglich / Möcht´ dermaleinst schämen“. Schenck will mit dem Lied Soldaten ethisch erziehen. Geht das dem Herausgeber Sommer zu weit? Sein Ziel ist es, man solle als Soldat tapfer sein, auch wenn andere Angst haben und vielleicht sogar desertieren, solle man heldenhaft kämpfen – darum wird eine entsprechende Auswahl getroffen. Zudem widerspräche das das positive Bild vom Landsknecht. Von daher versteht es sich auch, dass die Strophe 7 weggelassen wird, die das Schlimme ausspricht – und darum nicht sehr Kampf motivierend ist: „Sollt aber wo gefangen ich, / Gequetscht, verwundet werden, / Bekommen irgends einen Stich / Und fallen zu der Erden“. was deutlich wird: Mit diesen Kampfliedern wird 1933 schon der Krieg vorbereitet.

Andererseits haben wir einen prophetischen Blick in der Aufnahme eines Liedes von Johann Rist: „Sichers Deutschland, schläfst du noch? / Ach wie nah ist dir dein Joch, / das dich hart wird drücken / und dein Antlitz dürr und bleich / jämmerlich ersticken. / Wach auf, du deutsches Reich! / Wach auf, du deutsches Reich!“ Weg gelassen wurden zwei Strophen, die es auch in sich haben: „Tolles Teutschland deiner Ruh´ / Eilet Krieg und Aufruhr zu … Alle Kreaturen gleich / Kommen dich zu straffen… Volles Teutschland große Noht / Wird dich martern auff den Tod…“.

Leider habe ich über den Herausgeber kaum etwas in Erfahrung gebracht. Wie hat er die weiteren Jahre bis 1945 beurteilt?

Fazit:

Dieses Liederbuch eines Christen, der sich als Nationalsozialist bezeichnet, hatte das Ziel, den Nationalsozialismus zu christianisieren bzw. den Ansatz der Ideologie, den der Herausgeber als christlich ansah, gegen andere, z.B. säkulare Strömungen, zu unterstützen. Das war, wie wir nun wissen, ein äußerst naives Unterfangen zudem eine Verkennung des real existierenden Nationalsozialismus.

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Nationalsozialismus als junge Bewegung + Karfreitags-Tänze

Der Nationalsozialismus sah sich als eine junge Aufbruchsbewegung – als Aufbruchsbewegung der Jungen – gegen alte Männer:

Eine Kampagne gegen Juden im „Reichseinheitsgesangbuch lief auf der vierten Tagung der „Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Gesangbuchreform“ im Juni 1933. Es gab zwar noch eine kontroverse Diskussion zwischen den im Vorstand noch vertretenen Älteren, die in der bürgerlichen Welt der Vorkriegszeit verhaftet waren, und der jungen Generation, die sich der neuen Bewegung hingeben wollte, doch letztlich wurde der Reichsbund für evangelische Kirchenmusik gegründet, der nach der Wahl Ludwig Müllers zum Reichsbischof im Reichsverband für die evangelische Kirchenmusik aufging.“

https://eal.terbuyken.net/Lied_NS-Zeit.pdf (9)

Hitler war, als er 1921 die NSDAP übernommen hat, 32 Jahre alt. Goebbels, Bormann, Himmler, Röhm waren 1933 um die 30; Heß, Rosenberg, Darré, Göring wie Hitler um die 40. Lenin war etwas älter: 1917 war er 47 Jahre alt – allerdings hatte er schon 1903 eine eigene Gruppe gegründet. Trotzky war 1917 Mitte 30, Maos politische Karriere begann, salopp gesagt auch, als er ca. 30 Jahre alt war, ebenso Castro.

Entsprechend waren (auch) Jugendliche begeistert von den Ideologien. So sahen zum Beispiel auch Hans und Sophie Scholl den Nationalsozialismus als eine emanzipatorische Aufbruchsbewegung, bevor sie durch den Glauben erkannten, dass das nicht stimmt. Brechts kommunistische Ära begann auch ungefähr mit 30. Entsprechend werden die Alten immer als Bremser angesehen – es sei denn, sie machen mit.

Alte wie Junge, Junge wie Alte, Männer wie Frauen, Frauen wie Männer können furchtbar in die Irre laufen. Weder Jugend noch Alter schützen vor politischer – und manchmal gefährlicher – Dummheit.

Nur, um das auch noch der Gerechtigkeit halber hinzuzufügen: Auch viele junge Menschen hielten den Verführungen stand.

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Es ist interessant, was der Dichter Siegbert Stehmann (* geb. 1912, gest. 1945) in seinem Tagebuch im April 1939 schreibt: „Die Zeit, die die Karfreitagsstille diesmal verächtlich durchbricht – das Radio brachte Revuemärsche -, wird vom Ernst (sc. der politischen Lage) überwältigt.“ Der gegenwärtige Kampf gegen Karfreitag – ist also wirklich nicht modern.

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Handeln im Nationalsozialismus

Manche werfen den Alten vor, dass sie nicht gegen die nationalsozialistische Ideologie intensiv eingetreten sind.

Das wäre natürlich ehrenhaft – aber ich kann verstehen, dass sie es kaum getan haben.

Allein schon heute, wenn man alles mögliche sagen darf – kann man wirklich etwas verändern? Nur dann, wenn man sehr intensiv vernetzt ist. Diese Vernetzung heute findet vor allem mit den technischen Hilfsmitteln statt, unterstützt von den emotional engagierten Medien.

Das fiel alles weg. Wenn man sich wirklich überlegt, wie wäre ich damals vorgegangen – vorausgesetzt, man hat ein wenig Ahnung von der Zeit – und die scheinen viele nicht zu haben – welche Möglichkeiten hätte ich als normaler Alltagsmensch wirklich gehabt?

Der normale Mensch musste zusehen, wie er seine Familie und sich ernährt – stärker noch als heute, es gab kein Hartz IV. Er war mobil sehr eingeschränkt. Zudem: Wenn ich so an mich in der Gegenwart denke: Ich habe eigentlich kaum Lust, all die Verrücktheiten der Gegenwart zu kommentieren, dagegen zu argumentieren, mich dagegen wirklich mit allen Mitteln zu engagieren.

Es gab vernetzte Gruppen – da sind vor allem die Sozialisten/Kommunisten zu nennen und die Kirchen. In der Zeit, konnte sich aber keiner so richtig sicher sein: ist der International-Sozialist nicht nun doch National-Sozialist geworden? Bei den Kirchen ist, vor allem bei der evangelischen Kirche deutlich geworden, wie viele bei den national(sozialistisch) orientierten Deutschen Christen mitgemacht haben – wie schwer es war, sich als Gegengruppe zu vernetzen. Das dauert seine Zeit – und bis es soweit war, hatte sich der propagandistisch und äußerst emotionale agitierende Nationalsozialismus vielfach schon in Herzen und Hirne etabliert. Das nicht zuletzt auch sehr aggressiv und drohend.

Selbst in politisch verantwortlicher Position waren den Menschen doch so ziemlich die Hände gebunden. So sei an Albrecht Haushofer gedacht, der stark in der Außenpolitik tätig war – aber letztlich doch nichts ausrichten konnte (s. http://gedichte.wolfgangfenske.de/haushofer/). Das ist kein Vorwurf, es ist auch nicht verwunderlich. Die nationalsozialistische Ideologie wie auch die kommunistische verlangen den ganzen Menschen – und haben ihn vielfach bekommen: Menschen waren vom Ungeist begeistert. Von daher Denunzianten usw. usw. waren ein großes Problem für diejenigen, die versucht haben widerständig zu sein.

Ein alter Mann sagte einmal, er habe bei einem Straßenbahnwagen, der an der Hauptmaschine drangehängt war, als er abends alleine darin fuhr, als Protest gegen die Zustände der Zeit alle Glühbirnen kaputt gemacht. Kleine Sabotage-Akte… – er selbst sah sie als sinnlos an. Aber er wollte irgendwas tun.

Wer sich heute nicht für Menschenrechte einsetzt – sollte vor allem mit Vorwürfen an die damalige Generation sehr sparsam sein.

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Nachdem ich das geschrieben habe, kam mir folgender Text vor Augen, in dem man vieles lesen kann, was man sonst nicht so leicht findet. Ein guter Text: https://www.hf.uni-koeln.de/data/musikeume/File/Oppositionelles%20Lied/Thurmair%20Lohmann.pdf

Es ist doch immer wieder ärgerlich, wie leichtfertig manche Kritiker agieren und agitieren – und das dann auch in Wikipedia aufgenommen wird. Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Thurmair

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Es gibt für manche Zeitgenossen nur schwarz-weiß. Darin sind sie den Ideologen nicht unähnlich. Ich finde auch in dieser Hinsicht das Buch von Heinrich Grüber: Erinnerungen aus sieben Jahrzehnten interessant. Grüber versuchte während der Zeit des Nationalsozialismus Menschen die Flucht ins Ausland zu ermöglichen. Er hatte manche Ansprechpartner im System, die ihm halfen. Man kann diesen Systemstabilisierung vorwerfen und was sonst alles noch. Aber eine realistische Beurteilung sollte sich doch so langsam durchsetzen – entgegen einer Sicht Nachgeborener, die sich verbal-heldenhaft zu profilieren sucht.

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Auseinandersetzung um Achille Mbembe + Auseinandersetzung China und Australien

Auseinandersetzung um Achille Mbembe: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/antisemitismus-debatte-um-den-philosoph-achille-mbembe-16761907.html

Wer behandelt werden will wie jeder andere Mensch, der muss Kritik aushalten. Wer ernst genommen werden will, muss sich nicht wundern, wenn man ihn ernst nimmt.

Es wäre schön, wenn die Auseinandersetzung zu einem Umdenken führen würde, statt zu üblen Apologien.

(Nachtrag: 19.05.2020: https://www.spiegel.de/kultur/achille-mbembe-offener-brief-an-angela-merkel-und-frank-walter-steinmeier-a-a89da29a-7616-43bc-9e3d-654bcf0a557b und: https://www.spiegel.de/kultur/antisemitismus-vorwuerfe-gegen-achille-mbembe-wichtige-debatte-falscher-anlass-a-cbf9b44c-b510-40a2-a82d-5340eaad08de )

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China ist sauer auf Australien und will darum die Gerste verteuern. https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/china-erhoeht-den-druck-auf-das-aufmuepfige-australien-16762869.html

Ich in meinem laienhaften Denken würde folgendes überlegen: Was würde China in einem solchen Fall machen? Andere Märkte erschließen. Also, liebe Australier: Es warten sicher sehr, sehr viele Menschen auf eure Gerste. Wer die Gerste nicht ehrt, ist der Gerste nicht wert.

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