Gott in Gedichten (19): Christian Morgenstern

Darlegung vorangegangener Jahrhunderte: http://gedichte.wolfgangfenske.de/

*

Christian Morgenstern (1871-1914)

Er erkrankte früh an Tuberkulose und war häufig krank. Er war Schriftsteller, bekannt im Wesentlichen wegen seiner Texte, in denen er mit Sprache spielt. Er beschäftigte sich mit vielen Schriftstellern und reiste auch darum viel herum. Er war beeinflusst von Nietzsche, dann ab 1909 von der Anthroposophie Steiners.

Das Gedicht „Vice versa“ zeigt die Ferne Gottes an, der den Menschen aus der Ferne beobachtet wie der Mensch einen Hasen. „Die Zirbelkiefer“ hat gelesen, sie habe eine Seele, „von Gottes Allmacht ausgeheckt“ – und „ihr wird ganz fromm zu Sinn.“ Der mit Blick auf Gott spöttische Ton dominiert. Der dramatische Ton dominiert „In Phantas Schloß. Dem Geiste Friedrich Nietzsches“ (1895). Im „Homo Imperator“ schwingt Kritik am Menschen mit, der sich überhöht? „Denn ich, der Mensch, bin deine Seele, / bin dein Herr und Gott, / wie Ich des ganzen Alls / Seele und Gottheit bin“. Warum? Ohne Mensch wird Welt nicht wahrgenommen und verändert. Spannend ist zu sehen, wie sich der Mensch in diesem Gedicht Nietzsche-haft überhöht, weil er sich selbst nur aus seiner eigenen Perspektive sieht. „Zertrümmere Mich: / Das Lied ist aus.“ So endet das Gedicht „Homo Imperator“. Wenn der Mensch nicht mehr ist, ist im Grunde nichts. (Bekanntlich: Gott, wie ihn Juden und Christen bekennen, ist, auch wenn der Mensch nicht mehr ist, denn er war, als es den Menschen noch gar nicht gab. Gott gibt der Schöpfung Sinn – nicht der sie wahrnehmende Mensch.) Die „Kosmologie“ stellt das finstere Licht des Wirkens des Teufels (Lucifer) dar. Gepriesen wird im Hohelied die Macht der Liebe – sie ist im Grunde Gott, die dem Menschen ins schimmernde Auge die Gottheit senkt. Gott selbst wird weggeschickt, er ist der Versucher, so in „Die Versuchung“ – „Ich aber stieg, / ein freier, glückseliger Mensch, / singend wieder empor / auf meine herrlichen, / klaren, einsamen Höhen.“ Nietzsche ist also heftig im Blick.

In dem Gedicht „Der einsame Christus“ greift er Jesu Worte an die Jünger auf, die immer wieder im Garten Gethsemane einschlafen. Hier haben wir einen neuen Ton! „Was wißt ihr  / von meiner Liebe / was wißt ihr / vom Schmerz meiner Seele! / O einsam! / einsam! Ich sterbe für euch – / und ihr schlaft! / Ihr schlaft!“ – der Mensch kann Christus nicht wahrnehmen – er ist unfähig, überwunden vom Schlaf, nichts ist mehr sichtbar von dem sich überhöhenden Menschen. Er kritisiert die Glaubenden („Messias-Süchtigen“), weil sie Jesus, „den ersten großen Mann“ nicht verstanden haben. Wie Jesus Christus möchte in der „Ersehnte(n) Verwandlung“ jeder „Große“ Brot und Wein werden – wieder ein Seitenblick zu Nietzsche. Ihm träumte, „Das Auge Gottes“ – und alles Treiben des Menschen war ihm offenbar. Da wünschte er sich vor Grausen den Tod. Wieder wird der sich selbst überhöhende Mensch abgelehnt. In der „Botschaft des Kaisers Julian an sein Volk“ geht es darum, die Christen zu stören und zerstören: „Denn die Zeit ist um, / da das Kreuz geragt, / der neue Mensch reckt seine Hand.“ Womit er Bestrebungen des 19. Jahrhunderts aufgreift – und vielleicht auch seine eigene Intention von 1895. In „Alles gut, weil alles Gott“ meint, er, Gott sei das Schauerlichste und Heiligste. „Gott ist nichts Vollendetes, Gott ringt / unaufhörlich um sich selbst als Ziel.“ (Zitiert nach Morgenstern, Zeit und Ewigkeit, Insel 1942) Damit ist auch der Autor im Blick: Er ringt selbst um Gott – er ist noch nicht am Ziel.

In der Gedichtsammlung, an der Morgenstern noch kurz vor seinem Tod arbeitete: „Wir fanden einen Pfad“ (1914) ändert sich der Klang. Der Autor hebt in einem Gebet sein blutloses Herz zum Abendmahl Christi, damit er es wieder fülle: „O füll es neu bis an den Rand / mit Deines Blutes Rosenbrand“ – das Gedicht schließt als Anrede an Christus: „DU bist!“ In dem darauf folgenden Hymnus schildert er, wie Menschen das „Himmels-Licht“ verlassen, es in Wirklichkeit aber nicht können, weil es sie – ob sie es wollen oder nicht – bestimmt.

Sieh nicht, was andre tun, /
der andern sind so viel, /
du kommst nur in ein Spiel, /
das nimmermehr wird ruhn. /
Geh einfach Gottes Pfad, /
laß nichts sonst Führer sein, /
so gehst du recht und grad, /
und gingst du ganz allein.

Wenn der Mensch „in Eitelkeit / er nicht ganz versunken / und vom Wein der Zeit / nicht bis oben trunken“ kann er das Göttlich-Wahre erfahren. Wir sehen eine Wandlung in der Frömmigkeit von Morgenstern. Der sich überhöhende Mensch, der Mensch, der die Grenzen sprengen möchte, sprengt sie letztlich nicht aus sich selbst heraus. Er bleibt innerweltlich. Er sprengt die Grenzen erst dann, wenn er sich an Gott bindet.

Gott in Gedichten (18): Karl Wolfskehl

Weitere Darlegungen: http://gedichte.wolfgangfenske.de/

*

Karl Wolfskehl (1869-1948)

Er war Schriftsteller und Übersetzer und gehörte dem Stefan George-Kreis an und war ein enger Anhänger des „Meisters“. Ab den 30er Jahren beschäftigte er sich als Jude intensiver mit seinem jüdischen Glauben, er suchte Rückhalt in dem Beständigen, im Glauben, wie „Die Stimme spricht“ deutlich werden lässt. Das heißt aber nicht, dass er nicht schon früher seine jüdische Tradition in Gedichten verarbeitet hat, so in „An den alten Wassern„. Zudem war er im Zionismus engagiert. Aber in den späteren Gedichten versuchte er, den jüdischen Glauben stärker als eine eigene bedeutsame Größe hervorzuheben. Was ihm dann auch Kritik von assimilierten Juden einbrachte. Aber in „An den alten Wassern“ klingt schon „Die Stimme spricht“ an. 1933 floh er, nachdem er überall abgewiesen worden war und auch kaum Rückhalt bei Freunden gefunden hatte, in die Schweiz, 1934 nach Italien, 1938 nach Neuseeland.

Leider war mir „INRI oder Die vier Tafeln“ nicht zugänglich. In diesen Texten soll er sein Verhältnis zu dem Juden Jesus von Nazareth dargelegt haben. Diese Texte sind auch erst nach seinem Tod, 1960, erschienen. Ebenso wurde „Hiob oder die vier Spiegel“ nach seinem Tod, 1950, veröffentlicht. Weil er bis in die Nachkriegszeit hinein kaum rezipiert wurde, soll er an dieser Stelle stärker im Fokus stehen. Zitiert werden die Gedichte nach: Friedrich Voit (Hg): Karl Wolfskehl. Späte Dichtungen, Wallstein 2009) Das Nachwort sei sehr empfohlen.

Viele seiner späten Gedichte in „Die Stimme spricht“ (1934) sind eine Art Dialoggedichte. Das heißt, der Mensch – der Autor als Prophet – spricht und Gott reagiert – wobei nicht immer deutlich wird, wie Wolfskehl in „Deinem Herzen warm und traut“ als Stimme Gottes verdeutlicht: „Hab ich heimlich eingetaut / Dein Mein neu Gedicht.“ Es geht um Gotteswort im Menschen – wie die Propheten sagten: So spricht Gott – damit sprachen nicht sie, sondern Gott durch sie mit den Worten des jeweiligen prophezeienden Individuums. Aber damit der Mensch Prophet werden kann, damit das Volk wieder Gottes Volk werden kann, muss Gott den Menschen und das Volk erst bereiten. Bereiten bedeutet, durch Leiden und Schmerzen läutern: „Aus deiner Seele schäl Ich dich, / Aus taubem Geröll und Moder. / Wider sich selber wähl Ich dich, / Läutre dich im Geloder.“ Gott macht das jedoch erst, nachdem der Beter gebetet hat: „Herr! Ich will zurück zu Deinem Wort.“ Der Autor greift mit seinem eigenen Leiden das Leiden seines Volkes auf und „Die Stimme“ tröstet in: „Herr, lasse mich nicht fallen“: „In Meinem Angesicht. / Du bist, ja, denn Ich Bin! / Du zogst ins Land, / Ich zog dich hin, / Ich liess dich nimmer fallen.“ Er ist sich aber unsicher, ob es wirklich Gott ist, der durch ihn spricht und er fragt in „Er wartet“: „Bist du der letzte Ferge, bist / Weltwürger du´s, der arger List / Liegt grinsend im Verstecke?“ Die Antwort der Stimme ist spannend: „Ich bin der Tod drin Leben kreisst, / Der Endiger, der Sich verheisst, / Der Tagstrahl der dich wecke / Und wartet.

Wunderschön wird dann in „Schechina“ die Anwesenheit Gottes in der Welt besungen; aufgegriffen in „Am Seder zu sagen“ wird die Geschichte des Volkes als Lösung von Gott dargelegt und die Antwort Gottes: „Immer wieder doch, immer wieder / Steigen auf zum Himmel eure Lieder, / Immer wieder such Ich das zerstreute / Israel, nie wird’s der Andern Beute!

Das Gedicht „Die Wand“ aus der Perspektive nach der Schoah / dem Holocaust zu lesen ist schwer: „Wo ihr nur hindrängt, steht als schwarze Wand / Der Erde Stahlgeweid getürmt zum Himmel, / Blind macht sie jeden Blick, würgt allen Hauch, … Jeder Schritt gebiert dich, jedem Schrei entsteigst du / Kälter immer in Flammen unsres Wehs.“ Früher war alles gut. „… dann brach die Zeit / Auseinander…“ In den folgenden Gedichten – alles schon vor der Schoah geschrieben – begründet die Stimme, warum das Leiden notwendig ist. Wie die alttestamentlichen Propheten warnten erklingt es neu im 20. Jahrhundert. Das Volk soll ganz allein Gott gehören, sich Gott allein zuwenden: „Drum reiss Ich dich von allem los. / Heut stehst du vor Mir öd und bloss. / Heut hab Ich dich allein!“ Es wird die Heilung folgen, die Erneuerung. Aber – und das ist heftiger: „Euch muss Leid sein, eh´r dürft ihr nicht glauben“ („Die Stimme zum Boten“). Gott ist der, der alles in der Hand hat: „Die Rede ist wahr. Denn ICH BIN DER ICH BIN. / Bald verstatt Ich, gewähr Ich Glauben.“ Man muss bereit sein, sich durch Gott von allem lösen zu lassen („Kann ich überwinden?“). Auf diesem schweren Weg heim – auf diesem Auszug, nicht aus Ägypten, sondern allen Zeiten der Verfolgung, denen das jüdische Volk ausgeliefert ist („Ewiger Auszug“)  – ist Gott anwesend – und das beschreibt Wolfskehl in vielen weiteren Gedichten (z.B.: „Ich trags mit euch“) – und sie tragen es selbst („Kalon bekawod namir“), sie gehen unter dem Segen der Alten („Vor Ausfahrt / Die Alten“). Das Gedicht „Traure nicht!“ schließt: „Er hält dich in den Flammenhänden: / Wies dich entzündet, dich durchbraust! / Leuchtend entsteigst du seinen Bränden, / Schwebst heiligen Sangs ob den Geländen: / Frei bist du Seele, gottbehaust.

Gottes Wort muss man stehen lassen, auch wenn es einem nicht gefällt („Gottes Wort über alle Ewigkeit“). Das Gedicht „ER ER ER“ hat zwei Einleitungssätze: „ER ist nicht alles, sondern: alles ist nicht ER. Das Absolute ist die vollkommene Exemption.“ Damit kann das Gedicht „Schechina“ nicht mehr im pantheistischen Sinn missverstanden werden.

Laut Michael Landmann (Figuren um Stefan George, Bd. 2, 1988) gehörte „Die Stimme spricht“ zum Reisegepäck der fliehenden Juden. Ob die „Theologie nach Auschwitz“ auch Wolfskehl berücksichtigt hat? Das zu untersuchen wäre spannend. Ich vermute eher nicht, weil man dann doch zu sehr in dem eigenen leichthinnig eingeschränkten Denken kreiste: Einen solchen Gott will ich nicht. Wolfskehl hat versucht, dem Gott, den wir Menschen nicht wollen, eine Stimme zu geben.

Datenschutzerklärung: https://www.wolfgangfenske.de/

Gott in Gedichten (17): Else Lasker-Schüler

Eine Gesamtdarstellung finden Sie hier: http://gedichte.wolfgangfenske.de/

*

Else Lasker-Schüler (1869-1945) sehe ich als eine der ganz großen Wortkünstlerinnen an. Sie konnte auch malen und hat Worte mit Bildern zusammengeführt – aber auch mit Worten fein gemalt. Sie stand mit manchen Größen der damaligen Zeit in Kontakt, besonders auch mit dem Maler Franz Marc. Als Jüdin floh sie nach Angriffen schon 1933 in die Schweiz, wurde jedoch an ihrer Berufsausübung behindert, besuchte hin und wieder Israel und konnte 1939 nicht wieder zurück und blieb dort, fühlte sich allerdings fern von Freunden dort nicht wohl. Zudem beschäftigte sie die schwere Zeit, die Juden sowohl in Deutschland als auch in Palästina unter britischer Hoheit erleben mussten. Sie bekam einmal wegen ihrer Exzentrizität Schwierigkeiten, aber auch, weil sie deutsch sprach. 1944 erkrankte sie, starb 1945. Die Gedichte werden zitiert nach: Sämtliche Gedichte, hg.v. F. Kemp, Kösel Verlag München 3. Auflage 1984.

Hinter dem Link verbirgt sich ein sehr schöner Text von Else Lasker-Schüler zu ihrem Glauben. Das, was sie hier schreibt, wird in den Gedichten freilich so nicht deutlich: http://www.deutsche-liebeslyrik.de/else_lasker_schuler_seite/lasker_schuler_prosa5.htm In den Gedichten spricht sie anders von Gott. In beiden Textgattungen spricht sie persönlich, bekennend. Aber wie unterschiedlich kann ein und derselbe Mensch Gott bekennen. Das Wunder des Wortes. In dem Gedicht über Georg Trakl schrieb sie: „Und bereiteten Gott von Mund zu Mund. / Im Anfang war das Wort.

In ihrem letzten von ihr veröffentlichtem Gedichtband „Mein blaues Klavier“ (1943) finden wir viele Gedichte, die Gott beschreiben: „Gott tröstet mich“ („Die Verscheuchte“), Gott weint, weil die einst türkise Erde grau geworden ist („Ergraut kommt seine kleine Welt zurück“), die heilige Liebe, die Menschen blind zertraten, ist Gottes Ebenbild („Ich liege wo am Wegrand“); sie sagt „Nur in der Offenbarung ist der Weg zu ihm nicht weit“ („Abendzeit“). Sie schwebt die Welten all hinan – in dem Gedicht „Hingabe“ – doch was macht in diesem Gedicht der Mann? Ist es ein Liebeslied – während der Mann auf ihr liegt, gehen ihre Gedanken Welten hinan, sie denkt an Grundsätzliches, über Leben und Sterben – und dass sie alle Bilder, die sie sich von irgendwas gemacht hat, verloren hat? Ein Liebeslied? Hingabe an den Mann? Kaum anzunehmen. Und so geht es mit vielen Gedichten. Gott wird erwähnt, aber es ist sehr schwer, genau zu sagen, was sie meint. Er ist Teil des Lebens  wie er ein Teil nur des Gedichtes ist (vgl. zu Ricarda Huch, Theodor Storm). Es wird deutlich: Man muss diese Gedichte ganz lesen. Zitate geben im Grunde kaum Relevantes wieder.

Das Liebesgedicht „Ich weiß“ ist da schon eindeutiger: „Mein Odem schwebt über Gottes Fluß – / ich setze leise meinen Fuß / Auf den Pfad zum ewigen Heime.“ Auch „Mein Herz ruht müde“. In diesem heißt es wunderschön: „Ich habe meines Lebens Schlußakkord vollbracht – / Bin still verschieden – wie es Gott in mir erdacht: / Ein Psalm erlösender – damit die Welt ihn übe.“ >Ich habe<!?

In anderen Gedichten hören wir sie anders Gott wahrnehmen: In „Verstreute Gedichte“ sucht sie Gott – und zerschellt an ihm, wandte sich von ihm ab, denn Gott hat sie versucht. Oder in „O Gott“  ruft sie aus: „Könnte ich einmal Gottes Hand fassen“ … „O Gott, o Gott, wie weit bin ich von dir!

Auch im Nachlass gibt es kleine Kostbarkeiten: „Gott übersieht die kleinste Kerze nicht“ darüber sinnt sie am Sabbatabend nach. Oder sie fragt sich: Wie kann ihre Klage Gott berühren? Die Menschen leiden so viel – darum schweigt sie mit ihrer Klage zu Gott – denn, so kann man ergänzen: Wenn er diesen Menschen nicht hilft, dann mich auch nicht, Klagen nützen nichts.  In „Gott hör…“ findet ihre Klage jedoch Worte und sie legt ihre Seele in Gottes Hände: „Nimm sie still in deine Hände….. / Damit sie leuchtend in dir ende.“ (Gebet)

In diesen Gedichten begegnet uns Licht und leuchten, Klang und Lied, Odem und schweben… – es sind viele zarte Gedichte, die wir in den Sammlungen finden – auch im Zusammenhang mit Gott. In den „Hebräischen Balladen“ heißt es:

Meine erste Blüte Blut sehnte sich nach dir, /
So komme doch, /
Du süßer Gott, /
Du Gespiele Gott, /
deines Tores Gold schmilzt an meiner Sehnsucht
.“ („Zebaoth“)

Datenschutzerklärung: https://www.wolfgangfenske.de/ ; http://blumenwieserich.tumblr.com/

Gedicht-HipHop

Sind eigentlich Gedicht-HipHops erlaubt? Vielleicht steht der Begriff HipHop auch unter irgendwelchen Zwangs-Schützen. Nennen wir sie darum GHs. Sind also GHs erlaubt?

Seltsam im Frühling zu wandern
grün sprießen Busch und Stein
jeder sieht den andern
munteres Fröhlich sein

Schon wieder das Ersehnte
der Rausch der Rosen Du
der Sommer steht und weht
den jungen Vögeln zu

Nur mal so hingetippt. Eine veränderte Mischung aus Hesse: https://hhesse.de/gedichte/im-nebel/
und Benn: https://www.deutschelyrik.de/astern.html

Zwei Herbstgedichte verfrühlingt.

Datenschutzerklärung: https://www.wolfgangfenske.de/ ; http://blumenwieserich.tumblr.com/

Gott in Gedichten (19. Jh.) (14)

Die weiteren Jahrhunderte sind hier zu finden: http://gedichte.wolfgangfenske.de/

Nikolaus Lenau (1802-1850)

studierte unter anderem Medizin. Melancholie bestimmte sein Leben nach dem Tod der Mutter. Durch Erbschaft war er finanziell unabhängig, machte sich einen Namen als Schriftsteller, reiste in die USA. Als er wieder nach Europa kam, war er inzwischen bekannter geworden. Mit ca. 42 Jahren bekam er einen Schlaganfall und verfiel geistig.

Lenau beschreibt in seinem Text „Die Waldkapelle “, wie er eine Kapelle besucht, sich seine Gedanken macht und plötzlich ein Irrer erscheint: „»Herr Gott! wir loben dich – ha, ha, ha, ha!« / Nun schweigt er still, der grause Gottverächter, / Und donnernd ruft er nun: »Allelujah!« / Und überdonnernd folgt sein Hohngelächter. // Da stürzt er mir vorbei, voll scheuer Hast, / Das wirre Haar von bleicher Wange streifend, / Die Augen wild bewegt und ohne Rast, / Irrlichter, in der Nacht des Wahnsinns schweifend.“ Ein paar Strophen weiter fragt er: „Was hat, o Schicksal, dieser Mensch getan, / Daß mit des Wahnsinns bangen Finsternissen / Du ihm verschüttet hast die Lebensbahn, / Aus seiner Seele seinen Gott gerissen?“ Und, was hat aus seiner Seele Gott gerissen? Die Geliebte, sie hat ewige Treue geschworen, ist aber dann doch bei einem anderen gelandet.

In dem Gedicht „Das Kreuz“ sieht er ein Kreuz ohne Körper des gekreuzigten Christus und fragt sich: „Soll ich dafür den Gram, in tausend Zügen / Rings ausgebreitet, in ein Bildnis kleiden? / Soll die Natur ich und ihr Todesleiden / Dort an des Kreuzes leere Stätte fügen?“ Diese Kälte und Einsamkeit, die das Gedicht ausstrahlt, gibt auch das Gedicht Einsamkeit wieder, von der die letzte Strophe heißt: „Lieblos und ohne Gott! der Weg ist schaurig, / Der Zugwind in den Gassen kalt; und du? – / Die ganze Welt ist zum Verzweifeln traurig.“ Das Kreuz ist aber auch in einem anderen Sinn für Lenau bedeutsam. Im Gedicht Kruzifix heißt es: „Hält der Mensch die Blicke himmelwärts / Und die Arme liebend ausgebreitet, / Um die Welt zu drücken an sein Herz, / Hat er sich zur Kreuzigung bereitet. // Solche Lieb ist selten auf der Erde; / Daß ihr Bild die Welt nicht ganz verläßt, / Hielt am Kreuz die Menschheit eilig fest, / Jesus, deine liebende Gebärde!

Er weiß sein unruhiges Herz zu beruhigen: Wie Christus in Stürmen das Boot schützte, so kann das Herz ruhig sein, denn „So ruht in dir der Herr der Welten.

Ferdinand Freiligrath (1810-1876)

Er war revolutionär gestimmt, lebte vielfach auf der „Flucht“ – das gab sich dann und er wurde national-patriotisch.

Er bedauert in „Die Bilderbibel“: „O Zeit, du bist vergangen! / Ein Mährchen scheinst du mir! / Der Bilderbibel Prangen, / Das gläub’ge Aug‘ dafür, / Die theuren Eltern beide, / Der stillzufriedne Sinn, / Der Kindheit Lust und Freude – / Alles dahin, dahin!“ Aber ein Funken Glauben scheint noch vorhanden zu sein. So formuliert er in: „Am Baum der Menschheit drängt sich Blüt´ an Blüte“. Menschen kommen und gehen: „Ein ewig Kommen und ein ewig Gehen, / Und nun und nimmer träger Stillestand! / Wir sehn sie auf, wir sehn sie nieder wehen – / Und ihre Lose ruhn in Gottes Hand!

Emanuel Geibel (1815-1884)

War ein zu seiner Zeit sehr bekannter Dichter. Seine späten Gedichte lassen erkennen, wie sehr er Naturgefühl mit christlicher Religion vermischte. So heißt es im „Sonntagsmorgen im Walde“: „Von fernen Türmen kommt Geläut geflossen / Und mischt sich in der Schöpfung Opferrauch, / Und im gelinden Säuseln ausgegossen / Empfind‘ und atm‘ ich reinsten Lebenshauch; / Ich fühl’s, ich hab‘ ein Heiligtum betreten, / Und all mein Wesen wird ein wortlos Beten. / Da spielt vom Geist, der einst in Feuerzungen / Herabfuhr, auch um meine Stirn ein Wehn; / Voll Ehrfurcht lern‘ ich, was mir fremd geklungen, / Als zeitlich Kleid des Ewigen verstehn! / Gedank‘ und Andacht sind in eins verschlungen / Wie Farben, die im reinen Licht vergehn, / Und meiner Brust ist jener Gottesfrieden, / Der kein Bekenntnis hat noch braucht, beschieden.“ Ähnlich in seinem Gedicht „Morgenwanderung“. Dort heißt es in der zweiten Strophe:
Die ganze Welt ist wie ein Buch,
Darin uns aufgeschrieben
In bunten Zeilen manch ein Spruch,
Wie Gott uns treu geblieben;
Wald und Blumen nah und fern
Und der helle Morgenstern
Sind Zeugen von seinem Lieben.

Geibel findet in gewisser Weise Gott in seiner Naturstimmung. So heißt es auch in „Stille der Nacht„, die er auf einer Wanderung erlebt: „Der letzte leise Schmerz und Spott, / Verschwindet aus des Herzens Grund; / Es ist, als tät der alte Gott / Mir endlich seinen Namen kund.“ Er mischt sich – wie Ansätze zeigen – seine eigene Religion. Ob ihm bewusst war, was er mit diesem folgenden Gedicht anspricht? Im Alten Testament stellt Gott sich Mose so vor: Ich bin, der ich bin. Und der Autor formuliert: „ Ich bin, der ich bin, / Und lernt‘ ich von vielen: / Nach eigensten Zielen / Stand immer mein Sinn.

Traditionell klingt es in dem Gedicht Hoffnung: Er beschreibt die Grauen des Winters. Zuletzt heißt es: „Und wenn dir oft auch bangt und graut, / Als sei die Höll auf Erden, / Nur unverzagt auf Gott vertraut! / Es muss doch Frühling werden.“ Traditionell – oder im Sinne des zuvor Genannten?

Theodor Storm (1817-1888)

Storm war Jurist und Schriftsteller. Novellen haben ihn bis heute berühmt gemacht. In seiner Zeit kümmert man sich um Angelegenheiten des Bildungsbürgers.

Er hat, soweit ich sehe, hier und da einmal etwas anheimelndes über den Kinderglauben geschrieben (z.B. Weihnachtslied von 1845), wendet sich mit Grausen ab vom Kreuz (Crucifixus). In Herrgottskinder beschreibt er, dass Gott alle Tiere liebt – Menschen aber arbeiten müssen, weil sie mündig sind. Interessant im Zusammenhang meines Themas ist der Text: Schließe mir die Augen beide.Schließe mir die Augen beide / Mit den lieben Händen zu! / Geht doch alles, was ich leide, / Unter deiner Hand zur Ruh. // Und wie leise sich der Schmerz / Well‘ um Welle schlafen leget, / Wie der letzte Schlag sich reget, / Füllest du mein ganzes Herz.“ Es ist vermutlich ein Liebesgedicht, entstanden im Jahr der Hochzeit. Gleichzeitig sprengt es das, was es auf Liebe begrenzt: Beide Augen schließt man von Menschen, wenn sie gestorben sind. Auch die Formulierungen in der zweiten Strophe weisen darauf hin. Vielleicht haben wir hier schon das, was auch in der Gegenwart zu finden ist: Es werden Lieder gedichtet, die Glaubende auf Gott beziehen können und Nichtglaubende auf Menschen. Ob das auch zu der Zeit von Storm schon üblich war, kann ich nicht sagen. Allein vom Text her betrachtet liegt es nahe, ihn auch auf das Sterben und auf Gott zu beziehen.

Datenschutzerklärung: https://www.wolfgangfenske.de/ ; http://blumenwieserich.tumblr.com/

Gott in Gedichten (19. Jh.) (13)

Zitate, wenn nicht anders angegeben, kommen aus: zeno.org. Ausführliche Darlegung seit dem 1. Jahrhundert: http://gedichte.wolfgangfenske.de

*

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nehmen die großen Dichter und die religiösen Gedichte stark ab – und verändern sich. Man kann Friedrich Nietzsche (1844-1900) nennen, der mit Blick auf Gott eine ganz eigene Position einnimmt, aber spannende religiöse Gedichte geschrieben hat. Das bekannteste dürfte sein: „Dem unbekannten Gotte“ –(https://gedichte.xbib.de/Nietzsche_gedicht_Dem+unbekannten+Gotte.htm) in dem er ein Wort aus der Apostelgeschichte (17,16ff.) aufnimmt: „Ich will dich kennen, Unbekannter, / du tief in meine Seele Greifender, / mein Leben wie ein Sturm Durchschweifender, / du Unfaßbarer, mir Verwandter! / Ich will dich kennen, selbst dir dienen.“ In „Ecce Homo“ greift Nietzsche einen Satz auf, den Pilatus zu Jesus sagt. Passend zu Nietzsche s. https://evangelische-religion.de/ReligionNeu/gott/kritik-der-religionskritik/

Ebenso ist Heinrich Heine (1797-1856) zu nennen, der wohl auch eher ein distanziertes Verhältnis zu Gott hatte, aber vielleicht am Ende seines Lebens den Weg fand (Nachwort zum Romanzero) – allerdings wird das in Gedichten nicht deutlich.

Was aber deutlich wird: Wir haben viele Dichter, die weniger bekannt sind, dafür aber sind manche ihrer Lieder bekannt geworden. Das war auch in den Jahrhunderten zuvor der Fall – allerdings stehen sie im Schatten der großen Dichter, auch wenn ihre Lieder zum Teil äußerst berühmt sind, als Beispiel sei das Lied „Stille Nacht, Heilige Nacht“ genannt, von Joseph Mohr (1792-1848) geschrieben – aber er steht im Schatten der in dieser Darlegung genannten „großen“ Schriftsteller. Oder genannt sei noch der Priester Christoph von Schmid (1768-1854) – wer kennt den Namen? Und: Wer kennt nicht sein Lied: „Ihr Kinderlein kommet“? Wer kennt den Pfarrer Wilhelm Hey (1789-1854)? Wer kennt nicht die Lieder: „Alle Jahre wieder“, oder: „Wie fröhlich bin ich aufgewacht“, oder: „Weißt du, wieviel Sternlein stehen“ (EG 511)? Wer kennt: Cornelius Friedrich Adolf Krummacher (1824-1884)? Bekannt ist sein Lied: „Stern, auf den ich schaue“ (EG 407).

Im Folgenden werde ich abweichend vom bisherigen Duktus einzelne Autoren zu Wort kommen lassen, die zeigen, wie ambivalent das Thema Glauben bzw. Gott im 18./19. Jahrhundert thematisiert wird. Vielfach überwiegt – nicht nur in Glaubensfragen – ein spöttischer Ton. Darf die Vermutung geäußert werden, dass der spöttische Blick auf vieles, für vieles blind machte?

Franz Grillparzer (1791-1872)

Grillparzer war bedeutsamer Schriftsteller Österreichs. Sein Gottesbild wird in dem Gedicht „Der wahre Glaube“ deutlich: „Er heiße Jupiter, heiß Allah; / Bet Ormuzd, bet Osiris an / Und sei ein Christ, sei ein Braman, / Verehr den Wischnu, den Jehovah! / / Doch nur erfülle deine Pflichten! – / Tu jeder Gutes, was er kann, / Und hat er recht und brav getan: / So wird Gott jenseits gnädig richten.“ Er gibt im Grunde damit die Sicht wieder, die heute gang und gäbe ist: Egal, welche Religion – Hauptsache, Religiöse verhalten sich gemäß den Vorgaben der Zeit. Ethik dominiert, bestimmt, was als sozial richtig und als Wahrheit angesehen wird. Allerdings fehlt in seinem Vater unser, soweit ich sehe, jeglicher Spott. Kritik übt er an gottlose Gottsucher.

Gustav Schwab (1792-1850)

War Pfarrer und sein berühmtestes Werk ist die Herausgabe der „Sagen des klassischen Altertums“. Er hat gerne gepredigt, aber seine Gedichte lassen kaum seine Frömmigkeit erkennen. In seinem Gedicht „Christus und die Vernunft“ wird deutlich, wie er beide zusammenführt. Das Motto: Vernünftig, christlich. Es sei spekulativ gesagt: Entsprechend waren wahrscheinlich auch seine Predigten. Seine Texte können recht launisch sein – was er mit seinem Zeitgenossen Heinrich Heine gemeinsam hat, wenn auch unterschiedliche Grade erkennbar sind. Dazu nur ein Beispiel: „Dank, Vater! dir für Leid und Lust / Und was du mir gegeben. / Laß mich, wie dieses liebe Heut, / Mein Morgen auch erleben. / Erfüll‘ mir keinen thör’gen Wunsch, / Das Gute laß nicht säumen. / Und was du mir nicht geben kannst, / Ei, davon laß mich träumen!“ Ernsthafter formuliert er angesichts der Pieta („Maria mit dem toten Jesus auf dem Schoos“) als Worte der Maria: „Und mitten doch in allem Weh und Leide, / In deinen Schmerzensanblick tief verloren, / Quillt mir ein sanftes Licht in meinem Herzen. Es faßt mich eine mütterliche Freude, / Mir wird, als hätt‘ ich dich in süßen Schmerzen / Jetzt eben erst für’s Heil der Welt geboren.“ Maria hat Jesus als Menschen geboren und als er gestorben war, wurde ihr bewusst, dass er ihn wegen des Heils der Welt geboren hat.

Zu dem oben genannten „Dank, Vater“-Gedicht sei Friedrich de la Motte-Fouqé (1777-1843) genannt, der ein ähnliches traditioneller formuliert: „Viel kann mißlingen, was wir säten / Auf irdschem Rund, / Was stets gelingt, das ist ein Beten / Aus Herzensgrund. / Denn möcht auch Gott nicht so es lenken, / Wie dirs gefiel: / Er wird dafür dir andres schenken / Und Schönres viel.

Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

Er hat als Hochschullehrer der Germanistik und der niederländischen Philologie starke Impulse gegeben. Bekannt ist er als Autor des Deutschlandliedes. Wegen seiner liberalen Haltung ist er in Ungnade gefallen und er floh in Deutschland von Ort zu Ort. Am Ende wurde er rehabilitiert, ohne allerdings wieder als Hochschullehrer eingesetzt zu werden.

Abend wird es wieder:  über Wald und Feld“. In dem Text lautet die letzte Strophe: „So in deinem Streben / bist, mein Herz, auch du: / Gott nur kann dir geben / wahre Abendruh“ – sonderbarerweise finden wir es nicht mehr im neue Evangelischen Gesangbuch. Weniger bekannt ist das Lied: „Warum hat Gott der Herr geschmücket“. Dessen Inhalt: Er fragt, warum hat Gott die Sternenwelt und die Blumen so herrlich geschmückt? Das wissen wir Menschen nicht. Warum haben die Fürsten sich mit Sternen geschmückt, das weiß selbst Gott nicht. Man merkt hieran, dass Gott auf ganz neue Weise in die Texte eingebracht wird. Ähnlich satirisch-kritisch z.B.: „Sprecht nicht von Christenthum!“ Aber auch wie bei Arndt wird Gott national-politisch eingebunden (z.B. „Ja, immer Friede mit dem Guten“). Das zuerst genannte Lied „Abend wird es wieder“ hat er im Kontext von Gedichten formuliert, in dem er sich mit Volksliedern beschäftigt hat. Es war ihm persönlich sehr wichtig, weil es ihn selbst auch danach im Leben tröstete. Diese Sicht finde ich interessant, denn sie zeigt, dass nicht spöttelnder Intellekt und Intelligenz den Menschen hilfreich sein müssen, sondern gerade das Kindliche.

Datenschutzerklärung: https://www.wolfgangfenske.de/ ; http://blumenwieserich.tumblr.com/

Gott im Gedicht (18./19. Jh) (11)

Gedichte ab dem 1. Jahrhundert: http://gedichte.wolfgangfenske.de/19-jh/

*

Joseph von Eichendorff (1788-1857)

Er studierte Jura und nahm als junger Mann an dem Befreiungskampf gegen Napoleon Teil. Er war nachher im Staats- und Kirchendienst tätig. Da er 1843 eine Lungenentzündung bekommen hatte, ging er ein Jahr später in den Ruhestand und lebte seit dieser Zeit an verschiedenen Orten. 1857 starb er an einer Lungenentzündung. Er ist einer der bedeutendsten Schriftsteller Deutschlands, viele seiner Texte wurden vielfach vertont, sie haben nicht nur Bildungskreise erobert, sondern wurden auch vielen im Volk bekannt. Er ist der Heimweh-Dichter, er hat Sehnsucht nach der himmlischen Heimat. Allerdings sind die Texte nicht wegen des christlichen Bekenntnisses so wichtig geworden, sondern wegen der Verschmelzung von Natur-Gefühl mit dem Glauben – einem Glauben, in dem man, wenn man von dem Gesamtwerk absieht, sich selbst hineinlesen kann. Er hat den Glauben nicht vorgeschrieben, nicht dogmatisch vertreten, sondern emotional mit dem Naturgefühl verflochten.

Die folgenden Zitate wurden Eichendorff, Sämtliche Gedichte, Insel 2001, entnommen.

Es gibt eine Fülle von Gedichten, in denen Eichendorff Gott anspricht. Von daher liegt ihm aller Pantheismus fern: Gott ist ihm ein Du. Allerdings spricht er häufig nicht direkt von Gott, sondern die Welt selbst lässt alle Aspekte des Glaubens durchscheinen. Zum Beispiel in dem Gedicht: „Komm, Trost der Welt, du stille Nacht“: Der Fischer singt ein Abendlied zum Lob Gottes im stillen Hafen. Dann bricht der Text, man schaut nicht mehr auf den Fischer im Abendhafen, der Mensch wird in ein anderes Gefühlsbild hineingezogen: „Die Welt hat mich vergessen, / Da tratst du wunderbar zu mir, / Wenn ich beim Waldesrauschen hier / gedankenvoll gesessen.“ Dann wird man in die Seele des Dichters hineingezogen: Der Tag hat ihn müde gemacht, es dunkelt, er will ausruhen von Lust und Not „Bis daß das ew´ge Morgenrot / Den stillen Wald durchfunkelt“. Die Erdennacht löst sich in das Morgenrot der Ewigkeit Gottes auf. Wer ist das „Du“? Wer das „Du“ ist, sieht jeder in seinem ihm eigenen Gefühl real werden, während es für Eichendorff sicher Gott ist. Ebenso ist das Morgenrot mit eigenen Morgenrot-Erfahrungen zu füllen, es wird Tag, es wird Licht, der Mensch freut sich. Aber wenn man sämtliche Gedichte Eichendorffs liest, dann ist es das Morgenrot mit Gottes Welt zu verbinden. In „Das Alter“ wird nicht das Morgenrot mit Gottes Welt verbunden, sondern der ewige Frühling: „Ans Fenster klopft ein Bot´ mit frohen Mienen, / Du trittst erstaunt heraus – und kehrst nicht wieder, / Denn endlich kommt der Lenz, der nimmer endet.

Auch er wendet sich gegen radikal aufklärerische Bestrebungen seiner Zeit: „Das Reich des Glaubens ist geendet, / Zerstört die alte Herrlichkeit, / die Schönheit weinend abgewendet, / So Götterlos ist unsre Zeit.“ (andere Textüberlieferung: „So gnadenlos ist unsre Zeit“.) Doch: „Der Dichter kann nicht mit verarmen; / Wenn alles um ihn her zerfällt, / Hebt ihn ein göttliches Erbarmen, / Der Dichter ist das Herz der Welt.“ Einige Strophen weiter: „Den lieben Gott laß in dir walten, / Aus frischer Brust nur treulich sing´, / Was wahr an dir, wird sich gestalten, / Das andre ist erbärmlich Ding.“ („An die Dichter„) Erbärmlich sind nicht die Dichter, „Die nicht schillern und nicht göthen… / Segelnd frisch auf eig´nen Böten.“ („Toast„) Und so nimmt er auf´s Korn, dass man ihm vorwirft, in seinen Gedichten dies und das nicht zu tun, anderes wieder zu tun. Darauf reagiert er: „Wem der Herr den Kranz gewunden, / Wird nach alle dem nicht fragen, / Sondern muß, wie er´s befunden, / Auf die eig´ne Weise sagen“ („Entgegnung„). Entsprechend kritisiert er auch machthungrige und von sich eingenommene Menschen: „Genug gemeistert nun die Weltgeschichte! / Die Sterne, die durch alle Zeiten tagen, / Ihr wolltet sie mit frecher Hand zerschlagen / Und Jeder leuchten mit dem eignen Lichte.“ Doch „Der Herr der Weltgeschichte“ hat andere Gedanken als sie und geht dazwischen. Wenn der Mensch um sich selbst dreht, „Gewohnheit, Glauben, Sitt´ und Recht“ zerschlägt, dann muss er Gott werden – oder endet teuflisch. Da ein Mensch nicht Gott werden kann, auch wenn er es dann, wie Nietzsche, versucht, so ist für Eichendorff das Ende also klar.

Gott ist das Thema – es sind nicht die Götter wie bei anderen zeitgenössischen Dichtern. Die Götter sind – am Beispiel der Venus – nur Größen, die das widerspiegeln, was im Menschen ist. Sie werden zwar angerufen, sie werden in Dichtungen eingebracht, sind aber Metaphern für Stimmungen, Gefühle usw. des Menschen. Sie führen den Menschen auf sich selbst und haben dadurch Macht, den Menschen von Gott wegzuführen. Die Götter sehen Jesus „Der schönste Gott von allen“, sterben – fliehen dann und sind Gott ferne. („Der Götter Irrfahrt„) Aber: Gott ist nicht das Thema, wie in bisherigen Gedichten. Gott wird häufig nicht direkt erwähnt. Er ist das Ziel der Sehnsucht, Ziel des Gefühls, wie es auch das berühmte Gedicht „Die Mondnacht“ ausspricht: „Und meine Seele spannte /
Weit ihre Flügel aus, / Flog durch die stillen Lande, / Als flöge sie nach Haus.

Gebete, die direkt Gott ansprechen, formuliert er auch:
Was ich wollte, liegt zerschlagen, /
Herr, ich lasse ja das Klagen, /
Und das Herz ist still. /
Nun aber gib auch Kraft, zu tragen, /
Was ich nicht will!
Von daher werden Aussagen, er sei im Grunde pantheistisch gesinnt, dem Autor nicht gerecht.

Laß eh´s zu spät, von dem verlornen Leben; /
Gott wartet deiner noch, in seinen Armen, /
Da find´st du, was die Welt nicht kennt, Erbarmen
.“
(Mahnung: „Was blieb dir nun nach allen Müh und Plagen?

Friedrich Rückert (1788-1866)

Im neuen Gesangbuch finden wir einen Text von ihm: „Dein König kommt in niedern Hüllen“ (EG 14). Die folgenden Gedichte werden nach zeno.org zitiert. Rückert war Orientalist und beschreibt viele altehrwürdige Besonderheiten, so die Pyramiden. Aber sie sind alte Todesdenkmäler – anders Bethlehem und Golgatha: Diese beiden Orte haben mit Leben zu tun. Oder: Die Kaaba steht im Mond – muss aber der Sonne weichen. Trotz dieser Besonderheit der Orte Bethlehem und Golgatha, ist etwas anderes wichtig, das beschreibt er in der letzten Strophe: „O Herz, was hilft es, daß du knieest / An seiner Wieg‘ im fremden Land? / Was hilft es, daß du staunend siehest / Das Grab, aus dem er längst erstand? / Daß er in dir geboren werde / Und daß du sterbest dieser Erde, / Und lebest ihm, nur dieses ja / Ist Bethlehem und Golgatha.

In dem folgenden Gedicht, ein Gebet, bittet er: „Herr! die Schönheit dieser Erde, / Gib, daß sie die Sehkraft wecke / Meines Auges, nicht ihm werde / Eine Blindheits-Zauberdecke. // Jeden Blumenstrahl der Auen / Laß der Seele dazu dienen, / Neu gekräftigt aufzuschauen / Dorthin, wo die Sonn‘ erschienen.“ Dieses Gedicht lässt ihn darum bitten, dass man nicht allein die Schönheit der Schöpfung wahrnimmt, sondern hinter die Schönheit den Schöpfer erkennen möge. Und so verbindet er auch ganz eng irdische Liebe mit der Liebe Gottes: „Ich weiß, daß mich der Himmel liebt, / Weil du mich liebst, mein Leben! / Daß er mir meine Schuld vergibt, / Weil er dich mir gegeben. // Ja, weil du schwörst, daß ohne mich / Kein Glück dir könne lachen, / Muß, um zu machen glücklich dich, / Der Herr mich glücklich machen.“ Die Schönheit der Natur wird auch von Nichtchristen wahrgenommen – aber die Augen werden bedeckt von der „Blindheits-Zauberdecke“, wenn man nicht weiter schaut. Das gilt auch für die Liebe. Hinter der Liebe ist mehr zu entdecken als das Vordergründige. An dieser Stelle könnten noch zahlreiche texte von Rückert genannt werden (z.B. „Herr, deine Welt ist schön„).

Auch Gedichte mit Blick auf das Leben Jesu entstammen seiner Feder. Er dichtete nicht nur mit Blick auf das Kirchenjahr das oben genannte Adventsgedicht „Dein König kommt in niedern Hüllen“, er schrieb auch ein Passionsgedicht: „Baum des Lebens„. Dieses endet: „Es zimmerte die blinde Welt aus ihm / Das Kreuz und schlug ihr Heil daran mit Hohn. / Da trug der Baum des Lebens blut’ge Frucht, / Daß, wer sie koste, Leben sei sein Lohn. / O Freimund, sieh! der Baum des Lebens wächst, / Ausbreitend sich, je mehr ihm Stürme drohn. / Die ganze Welt ruh‘ unter seinem Schirm! / Die halbe ruht in seinem Schatten schon.“ Wie in dem Bethlehem/Golgatha-Gedicht erkennt man hieran die Weitläufigkeit seines Denkens. Er denkt nicht in nationalen Kategorien (obgleich er in „Geharnischte Sonette“ zum Kampf gegen  Napoleons Besatzung aufrief – auch mit religiöser Begründung), sondern stärker international. So wenig wie er eng nach den Vorgaben der Nationalen denkt, so wenig denkt er auch nach den Vorgaben der Aufgeklärten seiner Zeit: „Verstand ist vom Verstehn, Vernunft ist vom Vernehmen; / Die beiden brauchen sich nicht ihres Stamms zu schämen. / Verstanden haben zwar ist mehr als bloß vernommen, / Ein unverstandenes Vernommnes kann nicht frommen. / Doch kann der Mensch verstehn nur, was er recht vernahm, / Was ihm von außen her, was ihm von oben kam.“ Und dieses, was von außen her kam, die Welt Gottes, verändert alles:
Hauch Gottes, Poesie, o komm, mich anzuhauchen, /
In deinen Rosenduft die kalte Welt zu tauchen /
Was du anlächelst, lacht, was du anblickest, glänzt; /
Die Eng‘ erweitert sich, und Weites wird / begrenzt. /
Durch dich ist ewig, was im Augenblick geschwunden, /
Was ich gelebt, gedacht, genossen und empfunden.

Grenzen des Sichtbaren, Grenzen des Verstandes werden durch den Glauben überwunden.

Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848)

Sie wuchs in einer Familie auf, in der Bildung auch für Mädchen groß geschrieben wurde. Sie selbst war lebenslang kränkelnd und wurde wegen ihrer körperlichen Einschränkungen eng an die Familie gebunden. Sie komponierte und musizierte neben dem Schreiben. Bekannt wurde sie mit der Ballade: Der Knabe im Moor wie auch mit der Novelle: Die Judenbuche. Kurz: Sie ist die bedeutendste Dichterin des 19. Jahrhunderts in Deutschland. Sie hat viele geistliche Gedichte geschrieben. Diese wurden posthum veröffentlicht. Während ihrer Lebenszeit wurden, soweit ich das wahrnehme, Gedichte veröffentlicht, die wenig religiöse Bezüge haben. Aber in dem Gedicht „Mein Beruf“ schreibt sie zu Beginn: „Bei der Geburt bin ich geladen, / Mein Recht soweit der Himmel tagt, / Und meine Macht von Gottes Gnaden. “ Und wiederholt in dem genannten Gedicht: „So rief die Zeit, so ward mein Amt / Von Gottes Gnaden mir gegeben, / So mein Beruf mir angestammt, / Im frischen Mut, im warmen Leben„.

Warum sie die christlichen Texte nicht selbst veröffentlicht hat, entzieht sich meiner Kenntnisse. Ich kann mir aber vorstellen, dass ihr diese zu persönlich waren. Sie hat sie ihrer Mutter gewidmet und in diesen dichtet sie zu Bibeltexten des Kirchenjahres Gedichte, die vielfach ihre Glaubensauseinandersetzungen wiedergeben. Sie nimmt die ernsten Worte der Bibel, in denen von Gottes Zorn und Gericht gesprochen wird, sehr ernst. Sie geht nicht einfach an ihnen vorbei, wie man es gegenwärtig gern tut. In diesen Gedichten, die meditative Bibeltextauslegungen sind, bezieht sie jeden Bibeltext auf sich selbst. Darum wird sie hin und her gerissen vom Verstand und dem Glauben: „Ach Gott, wie wird mein Herz so schwer, / Gepreßt vom dämmernden Verstande!“ („Am zehnten Sonntag nach Pfingsten“) Sie erkennt ihre Kleinheit – gleichzeitig erkennt sie, dass Gott sie in seiner Gnade und Liebe groß macht. Wie groß Gott sie macht, kann sie  erst in ihrer Kleinheit erkennen. Sie kann aber dennoch nicht glauben, sie kann Gott nur lieben („in Liebe glaub´ ich, liebewund“) und sie weiß, dass Gott in seiner Gnade ihr Lieben annimmt: „Ja, ich will auf Jesu Worte bauen, / Seh ich gleich nicht ihn, und nur die Nacht, / Fest nur, fest in Demut und Vertrauen, / Seele mein, mit deiner ganzen Macht.“ („Als der Herr in Sidons Land gekommen“); oder: „ist denn der Glaube nur ein Gotteshauch? / Hast du nicht tief in unsre Brust gesäet / Mit deinem eignen Blut die Liebe auch?“ (Am Pfingstmontage) Der Glaube muss von Gott selbst gegeben werden: „Ich weiß es, daß von mir nicht stammt / Was mich so freudig muß durchzittern; / Ein Strahl ist es, den du entflammt, / Ein Traum, den Starren zu erschüttern. / O fahre fort, o rühr mich an, / O brich den Todesschlaf, und dann, / Dann werd´ ich Morgenlüfte wittern.“ („Am siebzehnten Sonntag nach Pfingsten“). Aber auch sie selbst hat dazu beigetragen, dass sie nicht von Gott entfremdet wurde: „So höret denn, was mich geschützt / Vor gänzlichem Verlorengehn: / Daß ich Unglauben nicht benützt / Des Frevels Banner zu erhöhn“ („Am fünfundzwanzigsten Sonntage nach Pfingsten“). Aber sicher fühlt sie sich nicht im Glauben und versetzt sich am Pfingsttag in die Nachfolger Jesu hinein: „Wo bleibt er? Wo nur? Stund´ an Stund´, / Minute will sich reihen an Minuten. / Wo bleibt er denn? –  und schweigt der Mund: / Die Seele spricht es unter leisem Bluten“ – und dann wird der verheißene Gottesgeist auf die Menschen gelegt. Aber: „O Licht, o Tröster, bist du, ach! / Nur jener Zeit, nur jener Schar verkündet? / Nicht uns, nicht überall, wo wach / Und trostesbar sich eine Seele findet?“ 

Die Autorin ringt um ihren Glauben. Es ist ein Ringen um das Verhältnis von Verstand und Glauben, um Emotion gegen Emotion, sie weiß um Gott, aber spürt ihn nicht, spürt Gott, aber versteht ihn nicht.

Datenschutzerklärung: https://www.wolfgangfenske.de/

Gott im Gedicht (10) (18.-19. Jh)

Ernst Moritz Arndt hatte ich vor kurzem im Blog thematisiert. Weitere seit dem 1. Jahrhundert s. http://gedichte.wolfgangfenske.de/

*

Friedrich Hölderlin (1770-1843)

Hölderlin – er ist kompliziert. Für ihn benötige ich mehr Zeit. Erst einmal ein paar Anmerkungen:

Hölderlin ist in einem frommem Elternhaus aufgewachsen. Er studierte Theologie. Diese war sehr rational ausgerichtet. Jesus Christus blieb ein Wesen der Vergangenheit, die Theologie war dogmatisch überladen, kurz: Christus war nicht lebendig. So wandte er sich ganz im Duktus seiner Zeit den antiken Göttern zu. Mit diesen konnte er seine Phantasie, Emotion und Natur verbinden. Doch ab 1801 wurde ihm Jesus Christus wieder lebendiger, weil diese mythischen spielerischen Phantasiemächte ihm keine Basis gaben, so Alois Winklhofer: Hölderlin und Christus. Entsprechend wurde Jesus Christus für Hölderlin immer lebendiger. Winklhofer formulierte in einer Rede 1946: „In den verflossenen Jahren (sc. des Nationalsozialismus) kam die Bedeutsamkeit dieser Frage (sc. zum Verhältnis Hölderlins zu Christus) sowohl durch ihre gewissenhafte und eingehende Behandlung von seiten berufener Hölderlin-Kenner wie durch ihre Ignorierung seitens jener zum Ausdruck, die die Großen unseres Geisteslebens nur ungern in der Gesellschaft Christi sahen.“ (5) Abgesehen von denen, die Hölderlins Christus-Zuwendung dem späteren Wahnsinn zuschrieben, war Hölderlin auf dem Weg zu Christus, der Wahnsinn, der ihn umnachtete war schneller. So lässt sich eine Entwicklung erkennen, zunächst vom Gedicht zum 72. Geburtstag seiner Großmutter, über „Brot und Wein“, in dem die Götter mit den Farben Jesu gemalt wurden, und „Versöhnender“ hin zu Der Einzige und Patmos. Christus sprengt den griechischen Götter-Mythos, Christus wird ihm immer größer, freilich erkennt er, dass er als weltlicher Sänger Christus nicht gerecht werden kann.

Für Hölderlin spielt Jesus begegnet die Jünger auf dem Weg nach Emmaus eine Rolle. In diesem text wird deutlich, dass der Auferstehungsglaube ein Prozess ist. Auf diesem Weg sieht sich wohl auch Hölderlin. Das Problem der späten Gedichte liegt nicht darin, dass Christus nicht immer deutlicher erkennbar wird. Es liegt darin, die Texte in ihrem gesamten Kontext zu interpretieren.

Novalis / Georg Philipp Friedrich von Hardenberg (1772-1801)

Novalis lebte nur kurz. Er hatte eine gute Kindheit, gute Ausbildung, war beruflich erfolgreich. Er hatte aber wohl zeitlebens mit seiner Lunge Schwierigkeiten. Er starb möglicherweise an Tuberkulose, so wird vermutet, die er sich bei der Pflege des kranken Friedrich Schiller geholt hatte, der 1804 daran gestorben ist.

Hymnen an die Nacht 5: „Getrost, das Leben schreitet / Zum ewgen Leben hin, / Von innrer Glut geweitet / Verklärt sich unser Sinn. / Die Sternwelt wird zerfließen / Zum goldnen Lebenswein, / Wir werden sie genießen / Und lichte Sterne seyn. // Die Lieb´ ist frey gegeben, / Und keine Trennung mehr. / Es wogt das volle Leben / Wie ein unendlich Meer. / Nur Eine Nacht der Wonne – / Ein ewiges Gedicht – / Und unser aller Sonne / Ist Gottes Angesicht.“ Auch die 6. Hymne schließt mit dem Ausblick auf das Sein nach dem Sterben: „Hinunter zu der süßen Braut, /
Zu Jesus, dem Geliebten – /
getrost, die Abenddämmrung graut /
Den Liebenden, Betrübten. /
Ein Traum bricht unsre Banden los /
Und senkt uns in des Vaters Schooß.
– „in des Vaters Schooß“ – zu Beginn sprach er noch davon: „Hinunter in der Erde Schooß“ – es wandelt sich die Vorstellung in dem Gedicht. Grenzen werden aufgehoben. Vorstellungen verändern sich im Glauben.

Novalis geistliche Lieder sprechen, wie gesehen, die große Liebe zu Christus aus – und das im Kontrast zu manchen, die sich für aufgeklärt hielten: „Wenn alle untreu werden, / So bleib´ ich dir doch treu“. So erkannte in den Aufgeklärten: Menschen werden Jesus gegenüber untreu, aber die Liebe Jesu bleibt. Novalis schaut hoffnungsfroh in die Zukunft: „Einst schauen meine Brüder / Auch wieder himmelwärts, / Und sinken liebend nieder, / Und fallen dir ans Herz.“ (1878: 151) Diese große Liebe zu Christus spricht auch das Gedicht aus: „Was wär ich ohne dich gewesen?“ – und er beschreibt, welche Bedeutung Jesus Christus für den Beter Novalis hat, der in dem Gedicht an Tieck eine Offenbarung beschreibt. Es wird gesagt, dass für Novalis Christus aber auch die Geliebte Mittler sein könne. Das ist der Versuch, Novalis säkularisiert schmackhaft zu machen. Die verstorbene Geliebte hat in der 3. Hymne eine große Bedeutung – aber im Traum. Der Traum, in dem ihm die Geliebte erschien, veränderte seine Weltsicht. Wenn man die Christustexte anschaut, so haben sie weitreichendere Bedeutung.

Ich habe in meiner Gedicht-Darlegungen immer wieder hervorgehoben, dass Grenzen im Glauben überwunden werden. Gerade das ist bei Novalis besonders ausgeprägt. Er versuchte Poesie und Wissenschaft zusammenzuführen, Philosophie und Transzendenz – die Nacht als Übergang zum Tag, Tod zum Leben – letztlich alles zusammenzuführen zu einer großen Harmonie. Diese wird auch in „Wenige wissen / Das geheimniß der Liebe“ ausgesprochen, in dem Text, in dem Abendmahl und Liebe ganz eng verwoben werden. Und das hat er dann nicht nur in Gedichten darzustellen versucht, sondern auch in „Die Christenheit oder Europa“. Zudem versuchte er Wunder und Naturgesetze zusammenzuführen, im Blüthenstaub: „12. Wunder stehn mit naturgesetzlichen Wirkungen in Wechsel: sie beschränken einander gegenseitig, und machen zusammen ein Ganzes aus. Sie sind vereinigt, indem sie sich gegenseitig aufheben. Kein Wunder ohne Naturbegebenheit und umgekehrt.“ http://www.zeno.org/Literatur/M/Novalis/Fragmentensammlung/Bl%C3%BCthenstaub

Heinrich von Kleist (1777-1811)

Kleist versuchte literarisch zum Beispiel mit Novellen und Erzählungen, die gesellschaftliche Probleme ansprachen, Fuß zu fassen, zum Teil verhinderte das die Zensur. Er hatte verschiedene Krisen zu bewältigen, die ihn herumreisen ließen – aber auch dazu führten, sich stärker patriotisch zu engagieren. Zuletzt beging er mit einer erkrankten Begleiterin Suizid.

Kleist hat, soweit ich sehe, kaum etwas zum Thema Gott und Glauben geschrieben. Mir ist das Gedicht begegnet: „Der höhere Frieden“. In ihm heißt es in der zweiten der drei Strophen, wenn Menschen Krieg und Zwietracht säen, „Denk ich, können sie doch mir nichts rauben, / Nicht den Frieden, der sich selbst bewährt, / Nicht die Unschuld, nicht an Gott den Glauben, / Der dem Hasse, wie dem Schrecken wehrt“. Der „Engel am Grab des Herrn“ lehrt Jünger, „daß sie allen Erdenvölkern lehren, / Und tun also, wie er getan´: und schwand“. Das, was Jesus lehrt, wird hier im Mund eines Engels wiedergegeben – allerdings mit Schwergewicht auf die Tat. Der Engel ist fort, Jesus ist gestorben – es bleibt die Tat. Die Betonung der menschlichen Tat war es auch, die Kleist stark kirchenkritisch schreiben ließ, wie gleich unten zu sehen. In einem der Gedichte „Zwei Legenden nach Hans Sachs“ schreibt er in „Gleich und ungleich“: Jesus führt zwei Menschen zusammen – eine fleißige Frau und einen faulen Mann, damit die Frau nicht hochmütig wird und der Mann besser – so kommen beide in den Himmel. Ähnlich der Text „Der Welt Lauf“ – da plagt Jesus die Menschen, damit sie das Heil erlangen.

Eine Anmerkung: Im „Erdbeben von Chili“ zeugt ein Liebespaar unehrenhaft ein Kind. Das wird entdeckt. Die Mutter wird zum Tod verurteilt und der Vater ist im Gefängnis, dort betet er zur Mutter Gottes, weil allein sie retten könne. Die frommen Menschen jedoch wollen dem Schauspiel der Vollstreckung beiwohnen – dem Schauspiel der Rache Gottes. Ein Erdbeben, „die zerstörende Gewalt der Natur“ bricht aus. Das Todesurteil wird somit nicht vollstreckt und der Vater kommt frei: „Er senkte sich so tief, daß seine Stirn den Boden berührte, Gott für seine wunderbare Errettung zu danken“. Sie suchen und finden einander „ein Wunder des Himmels“. Sie danken Maria, und fühlen sich wie im Paradies – vor allem auch, als sie die Solidarität bestimmter Menschen wahrnahmen und von ihren großen Taten hörten. Am nächsten Tag wollen sie in einem Dankgottesdienst mit anderen Überlebenden Gott danken. Dort wird jedoch über die Amoral der Menschen gepredigt, die Schuld am Erdbeben sein sollen, die schuldigen Menschen werden dem „Fürsten der Hölle“ übergeben. Die Menge erkennt die beiden und meint, das Erdbeben wäre Strafe Gottes wegen ihres Vergehens – und verhält sich wie eine Höllenhorde, eine „satanische Rotte“, sie erschlagen einen Säugling an der Kirchenmauer – die Liebenden werden gelyncht. In diesem Text nimmt Kleist Stellung zum Thema der Theodizee, zur Frage nach der Gerechtigkeit Gottes. Ich deute das so: Gott rettet die beiden Liebenden, so sehen sie selbst es – doch der Mob, der in die Kirche kommt, um Gott zu danken, verhält sich unchristlich, das heißt höllisch, satanisch. Das Thema der Anthropodizee wird intensiv thematisiert. Es geht, wie das Gedicht oben sagte, darum, wie Jesus zu handeln, wie es die Äbtissin tut, die gegen eine solche Bestrafung der jungen Mutter ist.

Clemens Brentano (1778-1842) (EG: 509)

Brentano war zeitlebens unterwegs – in Dörfern, in Berufen, in Studienfächern, im Versuch, Frauen zu heiraten. Nichtmilitärischer Patriotismus und Antijudaismus wuchsen. Er begann eine religiöse Heimat zu finden. Er hatte schon 1817 Gedichte von Friedrich Spee herausgegeben und beschäftigte sich unter anderem mit der „Nachfolge Christi“ von Thomas von Kempis. Aber letztlich fand er als Katholik Glaubensheimat in den Gedichten der protestantischen Schriftstellerin Luise Hensel. Ihre Texte sind, so empfand er es, der Schlüssel Gottes zu seinem Herzen. Sie ist, wie andere, die es mit Brentano zu tun hatte, später katholisch geworden. Unter anderem schrieb er auch ein Werk, in dem er das Verhältnis von Dichtung und Religion reflektierte. Zuletzt ist Religion das Einzige, was für ihn zählte – aufgrund der Begegnung mit der Nonne Anna Katharina Emmerick, deren Visionen er verarbeitend aufzeichnete. Nach ihrem Tod gründet er mit anderen ein Armenhospital und Vereine, war also in der katholischen Sozialbewegung aktiv. Entsprechend liegen von ihm zahlreiche Gedichte vor, die seinen Glauben widerspiegeln – zum Teil wahre Schätze, die hier leider kaum gewürdigt werden können. Auf wenige sei hingewiesen. Es sei noch angemerkt, dass auch versucht wird, Brentano zu säkularisieren, indem man seine religiösen Texte relativiert. Nach seinem – ich nenne es mal spöttisch so –  religiösen Sündenfall schreibt er nur noch Erbauunsgedichte. Die folgenden Gedichte wurden nach zeno.org zitiert. Im neuen Evangelischen Gesangbuch finden wir nur ein Lied: „Kein Tierlein ist auf Erden dir, / lieber Gott zu klein. / Du ließest alle werden / und alle sind sie dein.“ (509) Brentano hat es 1815 gedichtet – 1837 hat der Pfarrer Albert Knapp (s. 19. Jh.) den ersten Tierschutzverein Deutschlands gegründet. Berühmt wurde Brentano vor allem mit dem von Achim von Arnim herausgegebenen: „Des Knaben Wunderhorn„.

Das Gedicht „Frühlingsschrei eines Knechtes aus der Tiefe“ beginnt: „Meister, ohne dein Erbarmen / Muß im Abgrund ich verzagen, / Willst du nicht mit starken Armen / Wieder mich zum Lichte tragen.“ Jesus selbst muss dem Menschen helfen, weil der Mensch ihm nichts geben kann – der Mensch ist Empfangender: „Daß des Lichtes Quelle wieder / rein und heilig in mir flute, / Träufle einen Tropfen nieder, Jesus! nur von deinem Blute!“ Er ist durch die Wüste gezogen – die Lebenswüste, der Gang ist hart – „Das Ziel, ich fühl´ es gekommen, / Ich rufe zum sinkenden Stern: / Der Herr hat gegeben, genommen, / Gelobt sei der Name des Herrn“ – er ergibt sich Gott, damit ist das Leben in der Lebenswüste beendet. In dem Gedicht „Liebster Hirte denkst du nicht“ fragt er Christus, der ihn an sich gebunden hat, warum er leiden muss. Dann sieht er Christus in den Leidenden: „Wenn ich diese Wunden pflege / Und den Balsam in sie lege, / Seh´ ich deine Wunden glühn, / Die wie Rosen mir erblühn.

Er bittet um den Frieden Gottes („Der Du von dem Himmel bist“):
Der Du von dem Himmel bist,
Alles Leiden endlich stillest, /
Den, der doppelt elend ist, /
Doppelt mit Erquickung füllest: /
Ach ich bin so müd, so müde;
Was soll aller Schmerz und Lust? /
Gottesfriede – /
Komm, o komm in meine Brust.

Luise Hensel (1798-1876)

Luise Hensel ist Tochter eines Pfarrers und konvertierte 1818 zum Katholizismus. Sie wurde vor allem aufgrund ihrer religiösen Texte bekannt. Zu den berühmtesten gehört: „Müde bin ich, geh zur Ruh“ (EG 484). 1861 blickt sie auf dieses Jugendlied zurück und schreibt: „>Müde bin ich, geh‘ zur Ruh,´</ Sang ich in der Jugend Tagen. / >Schließe beide Augen zu!´</ Wird nun bald der Tod mir sagen. / Herr, mein Gott! das walte Du!

Sie war Gesellschafterin und wurde vielfach als Erzieherin von Mädchen engagiert. Drei von ihnen wurden sogar Gründerinnen von karitativen Orden. Ebenso war sie zeitweise selbst karitativ tätig und pflegte auch die Nonne Anna Katharina Emmerick. Sie hat sehr viele Gedichte mit religiösem Bezug geschrieben. In ihnen ringt sie vielfach darum, die Welt Gottes in dieses irdische Leben hineintragen zu können. In diesem Bemühen wird die Welt vielfach als eine beschrieben, die im Gegensatz zur Welt Gottes vergänglich ist. Ihr Bemühen wird sehr schön in dem Gedicht „Selbsterforschung am Abend“ deutlich: „Du hast die Stimme mir gegeben, / Daß ich Dich preisen soll, mein Hort! / Und Andern auch das Herz erheben / Durch frommes und einfält’ges Wort. / Weh‘ mir, wenn ich zurücke zähle, / Was ich Unnützes heut gesagt! / O richte nicht, bis in der Seele / Der Wahrheit reiner Morgen tagt!

Die Jesus-Minne, Liebeslieder, die Jesus im Blick haben, begegnen bei ihr. Sie hat auch ein Gelübde der Jungfräulichkeit abgelegt, und damit so manchen Mann deprimiert, zum Beispiel auch Clemens Brentano. Zum Beispiel in „Jesu Herz“, aber auch „Wen ich liebe“: „Du süßer, lieber Jesus Christ, / Wie schäm‘ ich mich vor Dir, / Daß noch so lau mein Herz Dir ist; / Gieb Liebe, Liebe mir! // Gieb Liebe, Liebe bis zum Tod, / Gieb Eifer mir und Muth! / Mit Dir geh‘ ich durch Schmerz und Noth, / Mit Dir durch Flamm‘ und Fluth. // Mit Dir – o wundersüßes Wort! / Mit Dir – o Seligkeit! / Nun Zagen fort! Nun Zweifel fort: / Mir hilft der Herr im Streit.“ In „Sursum Corda“ heißt es:
Stille, stille! Herr, Dein Wille,
Der geschehe auch an mir!
Amen, Amen! und Dein Namen
Sei gepriesen dort und hier!

An Luise Hensel wird deutlich, dass auch Gott an Grenzen stößt: Menschen haben ihren freien Willen, Gott abzulehnen, obgleich er mit Wort und Tat verkündigt wird. Und deutlich wird an vielen dieser Dichterinnen und Dichter dieser Zeit, dass die Zeit des vordergründigen und weltimmanenten Rationalismus nicht allein die Menschen prägte, sondern auch tiefer Glaube. Die Fokussierung auf innerweltliche Aspekte wird durch den Glauben durchbrochen.

Datenschutzerklärung: https://www.wolfgangfenske.de/

Gott im Gedicht (8) (18.-19. Jh)

Ich habe eine neue Seite erstellt. Die Jahrhunderte vorher kann man hier nachlesen: http://gedichte.wolfgangfenske.de/

Christian Friedrich Daniel Schubart (1739-1791)

Er war Organist, Journalist, Komponist und Dichter – und hatte keinen Respekt vor dem Adel und vor Geistlichen. Häufig wurde er des Ortes verwiesen, seine Schriften wurden verboten, er kritisierte den Verkauf von Menschen als Söldner, hat die Mätresse eines Landesfürsten diffamiert und wurde darum entführt und in den Kerker geworfen. Obgleich viele Größen für ihn eintraten, wurde er – zum Teil nach Isolationshaft – erst 10 Jahre später wieder freigelassen. Evtl. wurde er, nachdem er wieder rehabilitiert war, Scheintod auch lebendig begraben. Für mich ist er eine Art Johannes der Täufer im 18. Jahrhundert. Er war beliebt in unteren Schichten – aber eben auch in Dichterkreisen – aber die Oberen regten sich über ihn auf. Er regte Schiller zu seinem Werk Die Räuber an und das Forellenquintett, wurde von Schubert mit Melodie versehen. Was ihn hat durchhalten lassen, dürften manche Gedichte durchschimmern lassen. Vor allem auch das Morgenlied eines Gefangenen:
So weiß ich, Gott im Himmel gibt /
Mir Armen wieder Muth, /
Denn er, der die Verlassnen liebt, /
Ist mir Verlassnem gut. //
Und so im Namen Jesu tret´/
Ich auf die Dornenbahn, /
Und glaub´, und hoff´, und les´ und bet´, /
Und sing´, so gut ich kann.

Schubart hat Psalmen in die Gegenwart transformiert, das Vaterunser  im Gedicht erklärt, aber auch eigenständige Glaubenslieder geschrieben. So „Alles ist euer, o Worte des ewigen Lebens! / Fühl´ sie, Vertrauter des Mittlers, voll heiliges Bebens! / Alles ist dein! / Irdischen Menschen allein / Tönen die Worte vergebens.“ In der vorletzten Strophe heißt es: „Bist du oft elend, verlassen und krank und gefangen, / Triefen dir Zähren des Kummers von blässeren Wangen. / Droben im Licht, / Freu´ dich, da triefen sie nicht! / Dort ist das Alte vergangen.“ (1878: 473). An seine Frau schreibt er aus der Haft, als er dachte, er würde aufgrund einer Krankheit sterben: „Mein Jammer soll dein Herz nicht quälen, / Nur Gott und mir sei er bekannt, / Im Himmel will ich dir erzählen / Das Elend, das ich überstand.“ Er ist sich gewiss, dass Gott ihm verziehen hat. Er segnet sie und gesteht ihr seine Liebe. Es handelt sich um Gedichte authentischer Theodizee. Ganz eindrucksvoll ist auch das Gedicht „Erstickter Preisgesang“. Er will dem Schöpfer singen – wie die Vögel – „Der Gesang erstickt im Munde, / Wandelt sich und wird Geheul.“ Er beschreibt seinen Kerker: „Gott! Ach Gott! Ich stürze nieder, / Und mein Lied verstummt vor dir.“ Wie ein Vogel – morgens singt er – am Tag wird er getötet. (Zitat: Weimer)

In seinem Neujahrswunsch beklagt er: „Christen gibt es, die sich scheun zu sagen, / Daß sie Christus, daß sie Gottes sind“. Viele Menschen beschreibt er: „Schöpfer! Vater, ach erbarm dich ihrer, / Sieh dies Wimmeln deiner Kinder an; Alle brauchen Hülfe; sei ihr Führer / Auf des Lebens dornenvoller Bahn.“

An Schubart wird deutlich, dass die Grenzen des Kerkers durch den Glauben durchbrochen werden können. Grenzen, die Menschen setzen, Erniedrigungen, die Menschen einem zufügen, sind im Glauben überwindbar.

Matthias Claudius (1740-1815)

Von Matthias Claudius, dem Dichter und Journalisten, der immer klamm war, stammen viele kostbare kleine Texte – aber auch größere, so das als inoffizielle Hymne der Deutschen bezeichnete Lied: „Der Mond ist aufgegangen“ (EG 482). Ebenso: „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land“ (EG 508), ursprünglich hieß es „Das Bauernlied“ – über dem hier der Werdegang beschrieben wird: https://de.wikipedia.org/wiki/Wir_pfl%C3%BCgen_und_wir_streuen . Berühmt wurde auch sein Gedicht „´s ist Krieg!“ https://de.wikipedia.org/wiki/Kriegslied_(Matthias_Claudius)

Manches wurde vertont, zum Beispiel die Motette. Das Halleluja dominiert auch in dem „Osterlied“: „Hallelujah! Das Grab ist leer! / Gerettet ist die Welt, / Das Leben ist des Todes Herr! / Erstanden ist der Held.“ An seine Frau Rebecca schreibt er zur Silbernen Hochzeit: „Und drücke fröhlich Dich, mit voller Liebe, / Vor Gottes Antlitz an mein Herz.“ Auch hier: Die leichte Glaubensfröhlichkeit dominiert, obgleich er in dem Lied auch vom blutenden Herzen spricht. In den Alltag holt Claudius Gott hinein, so schreibt er im „Motetto zum ersten Zahn„: „Der Zahn soll Alexander heißen. / Du liebes Kind! Gott halt´ ihn Dir gesund.“ Er lehrt auch ein Lied „Täglich zu singen“ und beginnt: „Ich danke Gott und freue mich / Wie´s Kind zur Weihnachtsgabe, / daß ich bin, bin! Und daß ich dich, / Schön menschlich Antlitz! Habe“ und schließt: „Gott gebe mir nur jeden Tag, / So viel ich darf zum Leben. / Er gibt´s dem Sperling auf dem Dach; / Wie sollt´ er´s mir nicht geben.

Johann Caspar Lavater (1741-1801)

Lavater war Theologe und Schriftsteller. Mit vielen Größen seiner Zeit stand er in Kontakt, persönlich kannten sie sich oder über Briefwechsel. Wenn man seine 15 Texte im Gesangbuch von 1834 ansieht – im Evangelischen Gesangbuch unserer Zeit ist er nicht mehr angeführt – dann dominiert Ethik: Gebote sind ihm wichtig, wichtig ist es, die Pflicht zu tun. „Der frohe Morgen weckt mich wieder, / und ladet mich zur Arbeit ein“ (763). Er ist stark „dualistisch“: Glück des Himmels contra Glück der Erde, ich als Sünder – Gott in seiner Gnade, diese Zeit contra Ewigkeit. Manchmal ist die Sprache auch sehr hart und schonungslos: „Weiche Grabesschrecken, weiche! / Freu´ des Todes dich, mein Herz! / Liegt sie da die kalte Leiche, / weggeweint ist jeder Schmerz, / und der Thränen Quell versiegt, / wenn der Staub bei´m Staube liegt.“ (843) Für Christen spielt der Tod letztlich keine Rolle – und das wird ganz hart formuliert, damit der Mensch wirklich erkennt und sich zu seinem Guten hin ändert. Und neutestamentliche Stellen zur Auferstehung gibt sein Lied „Die Auferstehung. Erstes Osterlied“ zusammengefasst wieder. Der Auferstandene sagt seinen Jüngern: „Seht mich, Freunde, die ihr bebt! / Jauchzet! Euer Jesus lebt!

Aber das ewige Leben bei Gott will erkämpft sein: „O wie oft hab´ ich geweinet, / schmerzlich meinen Fall bereut, / gläubig mich mit dir vereinet, / und mich deiner Huld gefreut.“ Der Grund für diesen Dualismus: Gott gibt mir in Jesus Christus alles – also muss auch ich ihm alles geben. Wenn das gelingt, dann hat der Mensch Ruhe, Frieden, Licht und Wonne (581) – kurz: Er tut sich nicht nur Gutes, er tut sich das Beste – seine Liebe zu sich selbst zeigt sich, indem er sich Gott zuwendet.

Gott selbst muss im Menschen Glauben wecken, das vertieft er in dem Text: „Durst nach Erlösung“: „Freyheit dürstet meine Seele / Aus dem Netz der Leidenschaft! / Wer, wer giebet meiner Seele / Freyheit? Leben? Sieg und Kraft? / Wer dem bangen Herzen Ruh´? / Jesus Christus, wer als Du?“ Aber der Lebensschmerz kann groß sein, die Tränen fließen heftig – darum ruft er zu: „Muthig! Muthig! Bald errungen ist das Ziel von jeder Pein! / bald ist jeder Schmerz verschlungen von der Freude, frei zu sein, / frei von Sorgen und Gefahren, / die mir oft so drückend waren. / Unaussprechlich, ewig liebt er, der uns durch Leiden übt.“ (534) Sehr seelsorgerlich dichtet er seinen Text: „Stärkung in tiefer Dunkelheit.“ Die Mystik, seine Ergriffenheit von Gott, wird im „Mitternachts-Lied“ deutlich:
Vater! Still an dich zu denken, /
O wie das das Herz erfreut! /
Geist und Herz in dich zu senken, /
Höchste Menschen-Seeligkeit! /
Dich empfinden, dich genießen, /
O der unaussprechlich süßen, /
Unaussprechlich nahen Lust! /
Anerkannt in jeder Brust!

In vielen dieser Texte greift Lavater Begriffe auf, die in der Zeit wichtig waren: Pflicht erinnert an Kant, Tränen erinnern an Klopstock, der Pietismus kommt durch – Lavater war (eine Selbstverständlichkeit) ganz Kind seiner Zeit. Aber er war christliches Kind. Und in dem folgenden Lied ist er es auch in der Auseinandersetzung mit Goethe/Schiller. Goethe und Lavater waren einen längeren Zeitraum miteinander befreundet. Trennend war der vertiefte Christus-Glaube Lavaters und sein Versuch, Menschen zur christlichen Einheitsreligion zu bekehren. Goethe/Schiller erkannten Gott nicht, sondern das Göttliche, eine das Gefühl ergreifende Macht in der Natur/im Menschen – eine Gefühls-Religion war es, die sie verkündeten. Dazu schreibt Lavater: „Gott, deiner Werke jedes ist / von dir uns Pfand und Siegel; / das kleinste ruft uns, daß du bist, / und ist von dir ein Spiegel. / Ein jeder Punkt in der Natur / trägt deiner weisen Allmacht Spur, / ist Ausfluß deiner Güte. // Ein jeder Zeitpunkt, jeder Ort, / ist Offenbarung deiner, / und dennoch fand dich, ohne Wort / von dir, der Menschen keiner.“ Er schließt: „Anbetung, Dank dir für dies Licht, / dem alle Schatten weichen! / Nein, was nur Menschenweisheit spricht, / kann deinem Wort nicht gleichen. / Anbetung, Dank dir, daß du kamst, / die Binde von dem Aug´ uns nahmst, / dich, Vater, zu erkennen.“ Und darum spricht er in einem Danklied (577) aus, dass er Mensch ist und: „Dich kann ich in der Schöpfung finden, / mich deiner großen Werke freu´n, / mich inniger mit dir verbinden, / mein Herz, mein Leben, Gott! Dir weih´n.“ Der Mensch, der Gottes Wunder in der Natur erkennt, erkennt, um sich ganz Gott zu unterstellen: „Für jede nützliche Erfahrung, für Alles, was belehren kann, / für Unterricht der Offenbarung / bet´ ich belebt von Dank, dich an.

Anders als Große seiner Zeit, die mit ihrem Denken in der Schöpfung stecken bleiben, kann Lavater auch den Schöpfer sehen. Die Natur spiegelt den Schöpfer wider. Der glaubende Mensch ist frei. Nicht nur in dieser Hinsicht, sondern auch in Fragen des Leidens und des Todes. Sich in Gott versenken bedeutet, man tut sich als Mensch das beste, das man sich tun kann.

Johann Gottfried Herder (1744-1803)

Herder, einer der ganz Großen des klassischen Weimar, war Theologe, hat der Kultur- und Sprachwissenschaft, somit auch der Philosophie, sehr starke Impulse gegeben. Es ist hier – wie bei anderen auch – nicht der Ort, das umfangreiche Werk auch nur annähernd darzulegen. Eine intensive Beschäftigung mit Herder lohnt sich sehr. Er hat vieles angedacht, vorgedacht, was Nachgeborene dann entfaltet und vertieft haben. In das Evangelische Gesangbuch hat ein Text Zugang gefunden: „Du Morgenstern, du Licht vom Licht“, in dem Jesus besungen wird (74).

Herder hat ein spannendes Gedicht über die Menschenseele, dem „Siegel Gottes“, geschrieben: „Wie Bruder hangt an Bruder, trinken Liebe / Aus ihm, der sich für mich / Zur Seele haucht auf dieser Erdentrübe, / Zu meinem Bilde? – Ich? –“ (Zitat: Kempf). Auch diesen Text muss man als Ganzes lesen. Es wird schon deutlich, dass man hinter die Worte sehen muss, um die Anspielungen auf Gott bzw. Jesus Christus zu verstehen. Herder besingt seinen Genius, aber: „Du einer, mir aus meines Herrn Erbarmen / in diese Wüste mitgeschenkt!“… Den besungenen Genius verdankt er Gott – und ist nicht etwas Schöpferisches im natürlichen Menschen. In seinem Gedicht „Der liebende Schöpfer“ schreibt er, dass Vögel ihren Schöpfer, also Gott, loben. Dann soll auch der Geist erwachen und sehen, was Gott ihm getan habe: „Blüh auf, schwing auf Dich über Luft / Und Sonn´ und Himmelblau.“ Dann spricht er die Größe des Menschen an: „Du, als die Schöpfung lieblicher, / Unendlicher als sie. / Wer ist wie Du? Du bist wie Er. / Der Dir sein Bild verlieh.“ Der Mensch wird in Bezug zu Gott gesetzt, unendlich erhöht – und doch so klein und abhängig: „Fall ´an sein Herz, an seine Brust, / Als Kind in seinen Schooß! / Du bist in Vaters Lieb´ und Lust / Mehr als die Schöpfung groß.“ (1877: 1008) Dass der Mensch nicht nur groß, sondern auch abhängig ist, das haben Menschen wie Feuerbach nicht verstanden. Die „Sehnsucht nach Gott“ ist ebenfalls groß. Auch hier dienen wieder Vögel als Beispiel – der Mensch ist ganz groß, aber er will dennoch über sich hinaus – er will über sich hinaus in die Welt Gottes fliegen ( Text ). Aber: „Wie nenn´ ich Dich Du Unnennbarer?“ – es folgt ein Text in der Tradition der Mystik, transformiert in die Zeit des 18. Jahrhunderts. Anders das Lied : „Wachet, wachet, ruft die Stimme“ in der sehr gesellschaftskritisch dargelegt wird, dass alle schlafen, obgleich Gott Wachende haben möchte: „Falsche Christus und Verräther, / Vernunft-Verführer, Wundertäter / Der Lüge sind das Licht der Welt“… „Schlangen sind der Völker Kronen, / Und Nationen Nationen / Zur Geißel statt der Bruderhand“. Nach der Schilderung der Boshaftigkeit heißt es in der letzten Strophe: „Erlöser, steh bei! / Erneuerer, mach uns neu, / Betend, brünstig, / In Mitternacht, / Wenn nichts mehr wacht! / Wir schlummern, unser Herze wacht!

Der Mensch ist klein – groß wird er allein durch Gott. Das ist die Basis. Auf dieser kann man dann auch als Aufgeklärter über die Größe des Menschen reden – hat aber immer auch im Blick, dass der Mensch in seiner Größe versagt.

Friedrich Adolf Krummacher (1767-1845)

Von Krummacher gibt es im neuen Gesangbuch ein Lied: „Stern auf den ich schaue“ (EG 407). Krummacher hat ein nettes Lied über Bethlehem geschrieben: „Dir kleines Bethlehem, erklang / Des heil´gen Sängers Lobgesang. / Du warst dem Herren angenehm, / Heil dir, du kleines Bethlehem.“ Warum war gerade Bethlehem dem Herrn angenehm? Der Autor blickt zurück auf David und die Vorfahren von David und Jesus: Boas und Ruth, und damit auf: Liebe, Demut, Freude, Trost. Als der „Unaussprechliche“, Jesus, geboren war: „In Duft und Himmelsglanz gehüllt / Lag, wie ein Eden, dein Gefild“. Im Kontrast zu dem kaltblütigen und mächtigen Herodes werden die suchenden „Weisen des Morgenlandes“ besungen. Während dem Herodes das Licht entschwand, er dafür Nacht und Wahn bekam, fanden die Weisen das Licht: „ Heil´ge Wahrheit, / Die nur schauen deine Klarheit, / Die voll Demut dir sich nah´n.“

In dem Gedicht „In der Abendkühle“ beschreibt er einen Spaziergang in der späten Dämmerung. Man fühlt sich einsam, will aber keinen Menschen treffen, denn: „Da ahntest du den himmlischen Begleiter, / Der treu und sanft uns bei der Rechten hält – / Und ruhig zogst du deine Straße weiter.

 Datenschutzerklärung: https://www.wolfgangfenske.de/

Christliche Hymnen, Lieder, Gedichte (6)

Augustinus (354-430)

Von Augustinus haben wir sehr viele Werke überliefert – aber wir haben nur ein Lied, das seinen Gegnern vorwirft, Unfrieden zu stiften. Er ermuntert das Volk jeweils nach ein paar Zeilen – die alphabetisch (A-B-C…) geordnet sind – zu singen: Omnes qui gaudetis pace, modum verum iudicate: Alle, die sich über Frieden freuen, urteilt, was wahr ist. Das Lied schließt: „Wir haben euch, Brüder, vom Frieden gesungen, wenn ihr es vernehmen wollt….“ https://www.augustinus.it/latino/salmo_contro_donato/salmo_contro_donato.htm

Caelius Sedulius (+ um 450)

In seinem ersten Buch über das Passa beschreibt Caelius Sedulius heidnische Werke – und stellt die Frage, warum er anders als die Heiden Gott besingt. Dieser habe ihm Seele und Herz gegeben. Im Weihnachtshymnus beschreibt er Gottes Menschwerdung in Jesus Christus http://hymnarium.de : von der Geburt bis zum Tod und zur Auferstehung – mit Schwerpunkt auf die Wundertätigkeit https://de.wikipedia.org/wiki/A_solis_ortus_cardine :

… Durch Wundertaten beglaubigte er, / dass er Gott zum Vater hat….

Kommt, lasst uns mit wohlklingenden Hymnen / alle singen: Unterworfen / ist die Hölle durch den Triumph Christi, / der als Verkaufter uns losgekauft hat.

Dieses Gedicht ist wohl das erste, das versucht, durchgehend den Reim zu verwenden. Was den zitierten Vers betrifft: Ymnis, venite, dulcibus / omnes canamus subditum / Christi triumpho tartarum, / qui nos redemit venditus. Zudem ist es ein ABC-Gedicht (Abcdarius)

Magnus Felix Ennodius (473-521)

In seinem Pfingstlied (Et hoc supernum munus est) besingt er, dass das Wort Gottes, in dem alle Sprachen vereint sind, Herzen aller Völker erschüttert: „Auf so viel wegen eilt das heil / Der welt zur welt, die widerstrebt.“ http://hymnarium.de Bildhaft beschreibt er den Sieg Jesu über den Tod: Die Kette liegt in Fesseln / die Schlange verschlingt ihr Gift, / die Sanftmut zerschmettert den Stolz,“ das Lamm besiegt den Löwen. (Iam Christus ascendit polum). In Nigrante tectum pallio verbindet er das dunkle Tuch der Nacht und den Schlaf mit Tod und bittet Christus um Schutz vor Untugend und ewigem Untergang.

Venantius Fortunatus (ca. 530-605)

Venantius wurde am Ende eines bewegten Lebens Bischof von Poitiers und wird als Übergang von der Antike zum Mittelalter angesehen. Er war der letzte große Latein-Dichter und war der Größte in dem Reich der Merowinger. Er war literarisch sehr aktiv, schrieb zahlreiche Gedichte (als Dank für seine Gastgeber), Hymnen, Auslegungen zum Vater unser und dem Apostolischen Glaubensbekenntniss und schrieb Biographien über Heilige, so auch über das Leben der Heiligen Radegundis. Venantius kannte diese Frau. Sie war Tochter eines Königs aus Thüringen, Kriegsbeute des Merowingerkönigs Clothar I., zog sich ins Kloster zurück und widmete sich karitativer Arbeit. Sie regte bei Venantius ein Buch über Martin von Tours an. Er schrieb über seine Mosel- und Rheinfahrt. Eines seiner Figurengedichte ist hier zu finden: http://www.signaturen-magazin.de/venantius-fortunatus–figurengedicht.html Ein anderes s.: https://bar.wikipedia.org/wiki/Venantius_Fortunatus

 In O gloriosa virginum besingt er Maria, die es durch die Geburt Jesu ermöglicht habe, dass Menschen wieder in das Sternenzelt hineingehen können. Das Wort ist der Same, den Marias Ohr empfängt und im Herzen gebiert. In Quem terra, pontus, sidera – möglicherweise von Venantius – wird vertieft, dass der, der alles erschaffen hat und erhält, sich in Marias Körper einschloss, um als der von Völkern Ersehnte geboren zu werden. In Pange, lingua (Singe, Zunge) wird besungen, dass Jesus Mensch geworden ist (weint als Kind in der Krippe; gewindelt, zusammengeschnürt, Hände und Füße), das Sterben Jesu den Sieg bedeutete. Der Kreuzestod wird intensiv besungen – indem das Holz, der Baum hervorgehoben wird: Hoher baum, beug deine äste, dehne weit dein kernholz aus Und erweiche so die härte, die dein ursprung dir verlieh, Dass des höchsten königsglieder du gelind am stamme dehnst.“ Das Kreuz ist das Rettungsholz im Schiffbruch der Welt. Es ist Zeichen des Sieges. (Texte: http://hymnarium.de/ ) Auch in Vexilla regis prodeunt wird der Kreuzestod Jesu besungen – sein Leiden bedeutet: Herrschaft – das Kreuz ist kein Todeszeichen der Schande, es ist geschmückt mit Christus – des Königs Purpur https://de.wikipedia.org/wiki/Vexilla_regis : Die Anfangszeilen weisen auf eine Prozession: Die Standarten des Königs gehen voran; / es blitzt des Kreuzes Geheimnis,…

Deutlich wird in diesen Leidenszeiten, in denen die Stämme Europas in Aufruhr waren, dass das Thema „Tod am Kreuz besiegt den Tod“ wichtig geworden ist. Es wird eine große Verehrung Jesu am Kreuz deutlich, weil der Tod als Folge grausamen Sterbens Jesu überwunden wurde. Die Zunge muss aufgefordert werden, dieses unvorstellbare Geheimnis zu besingen: Das Sterben Jesu bringt Leben. Im Kampf wurde der Sieg errungen. Die Grenze des Todes wurde durchbrochen – die Sprache selbst wird dazu verwendet, diesen unfassbaren Durchbruch Wort werden zu lassen.

Venantius wurde übrigens Christ, weil er durch heiliges Öl, dass Martin von Tours geweiht war, vom Augenleiden geheilt wurde. Darum ging er auch, als die Lage in Norditalien sehr turbulent wurde, nach Frankreich.

Romanos Melodos (485-562[?])

Auf diesen berühmten christlichen Sänger der Ostkirche sei nur hingewiesen. https://www.heiligenlexikon.de/BiographienR/Romanos_Melodos.html

Datenschutzerklärunghttps://www.wolfgangfenske.de/http://glaubensdiskussion.wolfgangfenske.de/