Esoterik 6

(Fortsetzung vom 5.2.) Nach diesen Anfängen kamen ab den 60ger Jahren des 20. Jahrhunderts neue Dinge hinzu: So die Sehnsucht nach dem New Age – Wassermannzeitalter. Auch das ist nichts Neues. Schon im Mittelalter erwartete man nach dem Zeitalter des Vaters und des Sohnes das des Geistes. Aber es wurde säkularisiert, und man suchte dieses Wassermannzeitalter, das paradiesische Zustände hervorruft, in der Welt. Wassermannzeitalter, das Zeitalter des Gleichgewichts. Der einzelne Mensch lebt in der Ganzheit, im Gleichgewicht, die ganze Menschheit lebt im Frieden, in der Ganzheit: Let the sun shine … Dann kam das positive Denken hinzu: Um sein Gleichgewicht zu bekommen, solle man in allem positiv denken. Die Bachblüten wurden hoffähig, die kosmischen Strahlen werden in Globulis gefangen und sogar in Apotheken verkauft, Masseure sind Kanäle kosmisch-göttlicher Energien – und alles Mögliche sonst. Und seitdem suchen sich immer mehr Menschen immer neue Dinge aus, um die Menschen, die nach Ganzheit suchen, bei Laune zu halten, die Wirtschaft anzukurbeln, die Esoterik-Messenbesucher mit Neuigkeiten zu beeindrucken. (Fortsetzung folgt.) 

Esoterik 5

(Forstetzung vom 3.2.) In Deutschland spaltete sich Rudolf Steiner von der Theosophischen Gesellschaft ab und gründete die Anthroposophen. Auch er, durchraunt von geheimnisvollen Traditionen, Verbindungen mit Geistern und Meditationstechniken. Die Wandervogelbewegung der Zeit, die Suche nach der geheimnisvollen blauen Blume, die Verschmelzung mit der Natur durch die Sportbewegungen draußen in der Natur, das gesunde Leben durch das Essen von Kelloggs Müsli wurde tatsächlich im Dienst des Gleichgewichts schon im 19. Jahrhundert entwickelt. Der Tanz, die Musik … – nun, der Mensch erkannte sich als ein außergewöhnliches Wesen – und ich vermute: Er musste es, um nicht von Darwins Evolutionstheorie (und den Theorien seiner Vorgänger), laut der der Mensch dem Tier zuzuordnen ist bzw. gar mit den Affen gemeinsame Vorfahren hatte, in die Depression gedrückt zu werden. Da half es nicht mehr, zu sagen: Du, Mensch, du bist Gottes Ebenbild! Der Mensch musste spüren: Ich bin was ganz Besonderes. Ich habe spirituelle Fähigkeiten, Neigungen, Kräfte, Energien, ich kann mit dem Einen verschmelzen. Solche Erfahrungen kann er auch in der christlichen Religion machen. Diese Energien, die der Mensch fand, die hätte er auch schon in Jesus finden können – aber die Theologen und andere hatten in der Zeit ja nichts besseres zu tun, als Jesus diese Kräfte abzusprechen und ihn und die Religion so zu rationalisieren und zu dogmatisieren, dass er bzw. sie nichtssagend wurden. Oder die Verschmelzung mit dem Geist Gottes – durch den Geist Gottes – die frühe Kirche kannte das: das war bei den rational-kühlen Deutschen usw. verpönt. Zwar gibt es Unterschiede zwischen diesen Erfahrungen, aber das muss jetzt nicht thematisiert werden.

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Esoterik 4

(Fortsetzung vom 28.1.) Im 19. Jahrhundert wurde dieses Denken wieder stärker betont. Es schlummerte überall in Europa noch im Untergrund – zumindest soweit wir es, die wir von schriftlichen Zeugnissen abhängig sind, wissen. Ich vermute jedoch, dass die Dörfer und Dörfchen viel stärker von diesem Geisterglauben, dem so genannten Aberglauben (Talismanen, Mächten, Energien in Pflanzen, Steinen, Worten, Sternbilder) geprägt waren, als man so gemeinhin annimmt. Und durch die Technisierung und dem Glauben, dass der Mensch alles in der Hand hält – nicht durch das Christentum – ging diese Frömmigkeit zurück. Bekannt wurde sie im 19. Jahrhundert vor allem wieder durch den Boom, den Spiritisten (Mitte des 19. Jh.) ausgelöst haben: Kontaktaufnahme mit den Seelen der Verstorbenen. Das durchrauschte schon damals den Blätterwald und ergriff die gelangweilte Elite. Dann ist als wichtige Person Helena Blavatsky (geb. Hahn) zu nennen. Eine Deutsch-Russin, die die Theosophische Gesellschaft mitbegründet hat. Blavatsky wollte eine Art Urreligion entdecken, die aus einer Mischung aus Hinduismus, Buddhismus, Magnetismus, Spiritismus, Gnosis und, und, und bestanden haben soll. Alles, was spirituell klang, emotional berührte, gehörte dazu. Und diese Entdeckungen veröffentlichte sie in zahlreichen Schriften. Die philosophische Stimmung der Zeit hat in Teilen des Idealismus diesem auch Vorschub geleistet: Es gibt keinen Person-Gott, sondern einen, der als Macht alles durchströmt. Und nicht zu vergessen: schon vorher die Romantik mit ihrem Suchen des Geheimnisvollen bestimmte. (Fortsetzung folgt.)

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Esoterik 3

(Fortsetzung vom 23.1.) Esoterik ist nicht sehr organisiert, sondern ist von vielfältigen Gruppen bestimmt. Aber was auch immer diese Gruppen jeweils bevorzugen, sie haben Teil an der Suche nach dem, was Ausgleich bewirkt. Sei es Yoga, Reiki, Keltenkulte, Kabbala usw. Und so kann auch in jeder Saison ein neues Thema die Frauenzeitschriften und die Zeitschriften des körperbewussten BioMenschen durchlaufen, weil jeder auf der Suche nach dem ist, was ihm wirklich auch dieses subjektive Gefühl des Gleichgewichts gibt. Jedes Neue ist zunächst hilfreich – aber wird das Neue Alltag, dann lässt auch die Wirkung nach, und man muss neue Balancehilfen finden. — Esoteriker sehen sich in einer langen Tradition, die sie selbst hergestellt haben (wie die Humanisten). In der griechischen Antike gab es die Stoiker und die Mysterienreligionen (z.B. den Demeterkult – nach der Göttin wurde auch eine Biokette benannt). Es gab aus dem ägyptischen Bereich die Hermetik und verbreitet war die Magie. Viele Gruppen wären da zu nennen. In diesen Frömmigkeiten geht es um Leben und Tod, um Licht und Finsternis, um Vereinigung mit der Gottheit. Sie helfen, das spirituelle Gleichgewicht zu finden – und wer es gefunden hat, kann auch auf die Realität einwirken, so einwirken, dass sie den Wünschen angepasst wird. Diese alt-westlichen Kulte wurden über das Mittelalter der Neuzeit vermittelt: Alchimie, Templerorden, Katharer usw. – wichtig auch die Neuplatoniker: Der Urgrund des Seins steht über jeglichem Denken – und das Denken muss aus sich heraustreten, um den Urgrund des Seins erfassen zu können. Es kamen die Rosenkreuzer dazu usw. (Fortsetzung folgt.) 

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Pendeln 3

(Fortsetzung vom 26.1.) Nun, Christen kennen über das, was unter Pendeln 2 gesagt wurde, hinaus noch die grundlegende Voraussetzung für diesen Weg: „Ich sagte zu dem Engel, der an der Pforte des neuen Jahres stand: Gib mir ein Licht, damit ich sicheren Fußes der Ungewissheit entgegen gehen kann!“ Aber er antwortete: „Geh nur in die Dunkelheit, und lege deine Hand in die Hand Gottes; das ist besser as ein Licht und sicherer als ein bekannter Weg.“ (Wort aus dem Chinesischen)

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Pendeln 2

(Fortsetzung vom 24.1.) Pendeln ist also Ausdruck der Einsamkeit des Menschen. Natürlich kann Pendeln auch aus Jux betrieben werden – nur steht der Mensch dann in Gefahr, langsam aber sicher zum Pendler zu werden, weil es anstrengend ist, Entscheidungen zu treffen, weil es anstrengend ist, auf sein Unterbewusstsein zu hören, herauszufinden, was es sagt. Es ist anstrengend, Verantwortung zu übernehmen – und weil alles so anstrengend ist, pendelt man lieber – aus Jux, der immer ernster wird. Es wäre schön, wenn Menschen, die es schwer haben, sich zu entscheiden, andere finden würden, die ihnen helfen, die einfach zuhören – denn im Reden wird so manches klarer. Es gibt aber auch einfache Tipps, deren Darstellung in einem Blog zu weit führen würden. Nur Folgendes: ruhig laut mit sich reden und Für und Wider abwägen, die Argumente übersichtlich aufschreiben, eine Nacht darüber schlafen (ohne weiter darüber nachdenken zu wollen) – sie überprüfen, ergänzen, streichen – und dann einen Zeitpunkt setzen, an dem man diese Sache geklärt haben will. (Fortsetzung folgt.)

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Pendeln

Pendeln ist nicht identisch mit Pendeln. Auch Pendeln muss man mit Hilfe von Büchern – die was kosten – lernen. Man muss lernen, den richtigen Pendel zu nehmen (Bergkristall, Kupfer, usw. – und alle kosten was). Pendeln zeigt eine ganze Menge: Welcher Körperteil krank ist, welches Homöopathische Mittel herangezogen werden soll und vieles mehr. Pendel zeigen aber auch, welche der zahlreichen Angebote zur Meditation usw. in Anspruch genommen werden müssen (Tai Chi, Reiki, Zen-Meditation …), um das innere Gleichgewicht zu finden – und damit erweist es sich als eine Art Meta-Esoterisches Mittel: Das Pendel weiß alles. Alle anderen Handlungen (Meditationen, Massagen, Wellnessangebote …) sind von ihm abhängig – die dazu notwendigen Karten kosten was. Nun weiß derjenige, der seinen Verstand einsetzt, schon, dass der Körper die Pendelbewegungen vorgibt: Was man selbst irgendwie will, das erpendelt man auch (wie ein Kind, das nicht in den Bach radeln will – auf den Bach starrt und darin landet) (Carpenter-Effekt). Aber auch das wurde von cleveren Menschen aufgegriffen: Wie erpendele ich das, was mein Unterbewusstsein wirklich will? Dazu gibt es auch Ratgeber. Oder: Wie kann ich vermeiden, dass ich das erpendele, was mir das Unterbewusstsein vorgibt? Nun: Dazu muss man dann zur erfahrenen Pendlerin gehen, die es den Geistern ermöglicht, wirklich von dem Pendel Besitz zu ergreifen. Der Soziologe Beck hat mal eindrucksvoll dargestellt, dass der heutige Mensch eine Unmenge an Entscheidungen zu treffen hat, Entscheidungen, die in Generationen vorher die Familie getroffen hat bzw. die Tradition vorgegeben hat. Manche Menschen sind mit dieser Entscheidungsflut überfordert. Da ist das Pendeln dann recht hilfreich: (a) ich erkenne das, was ich wirklich will – (b) ich habe eine Autorität, die mein Handeln legitimiert – (c) und eine, die mir die Verantwortung abnimmt. Verantwortung abnimmt?  (Fortsetzung folgt.) 

Esoterik 2

Ying-Yang-Prinzip: Ein Kreis mit einem schwarzen Tropfen und einem weißen Tropfen. Der schwarze Tropfen symbolisiert das Weibliche, die Nacht, Kälte – der weiße Tropfen das Männliche, den Tag, die Wärme. Der Kreis umfängt beide. Beide gehören zusammen, beide sind Teil der Ganzheit. Und „wissenschaftlich“ sichtbar in Tag und Nacht, Ebbe und Flut, Berg und Tal, Sommer und Winter usw. Diese Erfahrung wird „wissenschaftlich“ überhöht – aber sie ist von allen nachvollziehbar. Dort, wo nur das Schwarz regiert, ist es nicht gut, dort, wo nur das Weiß regiert, ist es nicht gut. Beides muss in Ausgewogenheit gebracht werden – erst dann ist es optimal. Dieses Grundprinzip durchdringt die gesamte Esoterik – die freilich in vielen Erscheinungsformen auftritt. Da haben Steine ihren Ort, wie Farben, Blumen und Bäume, Sternbilder und Metalle, Räume und sonstiges aus der Natur. Jedes dieser Elemente hat als Teil der Gesamtenergie bestimmte Energien. Und diese Energien müssen vom Menschen zunutze gemacht werden, um in dem genannten Gleichgewicht zu bleiben. Was welche Wirkung hat, das findet nicht der Einzelne heraus, sondern das ist eine eigene Art esoterische „Wissenschaft“ geworden. Wer weiß schon, dass er als einer, der im Sternbild Widder geboren wurde, aggressiver ist, seine Farbe das Rot ist, mit Eisen, Zypressen und Fichten zu verbinden ist. Um nun zum Ausgleich zu kommen, muss er Kupfer suchen oder Ulmen und Eichen. Das heißt: Das wissen nur die Hohenpriester der Esoterik – und darum auch der Boom an Literatur: Jeder muss das finden, was sein Leben wieder ins Gleichgewicht bringt. (Fortsetzung folgt.)

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Esoterik 1

Esoterik ist auch eine Art Religion – zunächst besser: eine Weltanschauung. Das Weltbild: Die Welt ist eine Einheit, eine Ganzheit. Sie ist durchgeistigt von einer Macht, einer Energie – wenn man so will – nicht vom christlichen Gott, sondern vom Göttlichen. Dieses Göttliche durchdringt Mensch wie Stein, durchdringt die Zeiten, Positives wie Negatives. Das Ziel des Menschen besteht nun darin, alles in ein Gleichklang, in eine Balance zu bringen. Woher weiß ich von dem Göttlichen, davon, dass alles ins Gleichgewicht gebracht werden muss? Die Esoterik hat ihre Grundlage in der subjektiven Erfahrung – aber diese ist geprägt von ausgewählten Traditionen – und die werden von bestimmten Meistern usw. übermittelt: Keiner käme von sich aus auf die Idee, das Ying-Yang-Prinzip zu finden und in eine Weltanschauung einzubinden, wenn es denn nicht entsprechende Traditionen gibt, die dann von „weisen“ Menschen gelehrt werden. Der Anspruch besteht allerdings darin, dass Menschen dieses Prinzip subjektiv erfahren können. Im Grunde ist das Prinzip aller Religionen auch hier wieder zu erkennen: Man fühlt etwas, hat Sehnsucht, einer sagt, wonach man diese Sehnsucht hat, man traut ihm, findet es in sich wieder. Von daher sind all die Selbstabgrenzungen von Religion Scheingefechte. Scheingefechte, die aber einen tieferen Hintergrund haben: Die Behauptung, dass all das nicht Glaubenssache sei, sondern wissenschaftlich begründet. (Fortsetzung folgt.)

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Esoterik

Esoterik hat viele Elemente vor allem von der katholischen Glaubenspraxis übernommen.

Gott macht sich uns durch unsere Sinne bekannt. Wir hören sein Wort – wir sehen das Wort, Symbole (Kreuz) – wir schmecken (Wein/Saft + Brot) – wir riechen (Weihrauch) – wir spüren (Taufwasser, Salbung, Rosenkranz) usw. Und unser ganzes Wesen wird dadurch berührt, dass wir das Wort wie Maria in unseren Herzen bewegen. All das trägt dazu bei, dass unsere Seele berührt wird – von Gott berührt wird. Die Esoterik nimmt auch alle Sinne in Anspruch – es ist jedoch nicht Gottes geheimnisvoller Geist, durch den der Esoteriker sich berühren lässt, sondern es wird alles „wissenschaftlich“, „rational“ verkleidet: Steine durch ihre Chemie, kosmische Kräfte, mineralhaltige Quellen, Energien, die Menschen weitergeben, Düfte heilender Pflanzen usw. kurz – es handelt sich um Interpretationen, die Wirkungen innerweltlich – auch wenn es sich um kosmische Kräfte handelt – hervorrufen und erklären wollen. Das bedeutet, Esoterik ist ein Kind der Aufklärung, nur gefühlvoll angemalt. Sie greift gefühlvolle Elemente auf, die uns bisher Religionen vermittelt haben, um sie für den Menschen ohne den religiösen Hintergrund fruchtbar zu machen.

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