Buddha 12

Im Laufe des 12.-14. Jahrhunderts hat der Amida-Buddhismus in Japan Fuß gefasst. Diese buddhistische Strömung betont die Gnade des Buddha Amitabha = Amida. Menschen sind von der Gnade des Amida abhängig, sie benötigen nur ein reines Herz, unbedingten Glauben und unermüdliche Anrufung des Buddha Amida. Ein Zweig davon lehnt jegliche Magie ab und betont rechtschaffenes Handeln. Nicht nur uns kommt das irgendwie bekannt vor. Auch die ersten katholischen Missionare sollen sich gewundert haben, dass der Protestantismus schon soweit vorgedrungen war. Da im 7.-11. Jahrhundert das Christentum bis nach China vorgedrungen war, ist der Gedanke, dass hier Einflüsse erkennbar werden, nicht ganz abwegig. Ein großer Unterschied besteht aber darin, dass Buddha Amitabha es Menschen in dieser verkommenen Zeit, in der ein Übergang ins Nirvana nicht möglich ist, die dem Buddha vertrauenden Menschen in einem reinen Land sammelt – und in diesem paradiesischen Zustand können sie die Erwachung erreichen. 

Impressum auf  www.wolfgangfenske.de — Beachte das Stichwort Blumenau – links auf der Legende!

Buddha 11

Im 6. Jahrhundert kamen Buddhismus-Schulen über China nach Japan und trafen auf den Shintoismus. Das bedeutet, sie trafen einen Kult an, der Natur verehrte: Flüsse, Berge usw. und die Ahnen. Im 8.-9. Jahrhundert verbanden sich beide Traditionen. Es bildete sich zum Beispiel die Tendai-Schule, die Soldatenmönche ausbildete – was zu Auseinandersetzungen mit dem Herrschaftsapparat führte. Das ging bis ins 20. Jahrhundert. So mancher Mord, so manche Bedrohung verhalf diesen buddhistisch geprägten Gruppen zu „Anhängern“. Im Westen hat die Soka Gakkai International = Nichiren Shoshu Einfluss bekommen. Zum sanfteren Amida-Buddhismus und disziplinierenden Zen-Buddhismus werden Beiträge folgen. 

Impressum auf  www.wolfgangfenske.de

Buddha 10

(Fortsetzung) Der Dalai Lama, den wir heute kennen, ist also die Wiedergeburt der voran gegangenen Dalai Lamas. Er floh aus dem Tibet, man sagt, mit Hilfe der USA – man bedenke: 1959. Was war mit China 1959: Kommunismus pur. Die Flucht war auch politisches Ereignis und die politische Hofierung des Dalai Lamas ebenso. Da versteht man, dass die Chinesen nicht besonders amused sind, wenn der Dalai Lama als politischer Mönch von Regierungen eingeladen wird. Und man wundert sich, dass mal eine Tat der USA von den Aufgeklärten akzeptiert wird – äh – oder wussten sie davon nichts. Egal: Seitdem findet der Dalai Lama zahlreiche Menschen im Westen, die ihm wohlgesonnen sind, die von seinem Charme und seiner Weisheit bis in professorale Höhen umgarnt werden. Nur selten gibt es Skeptiker wie www.trimondi.de. Solche Stimmen mag man nicht gerne hören, weil der Westen gerne „edle Wilde“ mag, Exoten, die lachen und weise Worte sagen. Lachen ist ein Kennzeichen dieses Dalai Lama – lachen als Antwort auf Fragen, das ist auch eine Idee, auf die man erst kommen muss. — Wenn es zeitlich klappt, werfen wir in dieser Woche noch einen Blick auf den Zenbuddhismus. 

Impressum auf  www.wolfgangfenske.de

Buddha 9

(Fortsetzung vom 27.11.) Nun leben auch tibetanische Mönche nicht meditierend zurückgezogen, sondern haben eine immense gesellschaftliche und politische Funktion. Wichtig wurde der Gelug(pa) Orden. Der Abt bekam im 16. Jh. vom Mongolenherrscher den Titel „Dalai Lama“ – der bedeutet: Weltmeerlehrer, Lama = Guru = der Erhabene. Als Lama wird jeder Mönch angeredet – vergleichbar mit unserem „Hochwürden“. Dieser oberste Abt sah sich als Glied einer Wiedergeburtskette an – wie kann man das? Indem man diesen Titel posthum zwei Vorfahren zuordnet – und schon hat man eine Traditionsreihe. Nun begann man weitere zu suchen, damit die Kette nicht abreißt. Es entstand eine Theokratie – eine witzige Bezeichnung für eine Gruppe, die eben diesen einen Gott nicht so kennt. Aber seis drum, man nennt die Herrschaft so. Während der Dalai Lama die politische Herrschaft inne hatte, hatte der Panchen Lama (Panchen Rinpoche = großes Gelehrtenjuwel – das sind Titel! Da können wir uns als Kirche und Uni-Lehrer noch viel abschauen!) die theologische Herrschaft. Und wie es allen Gruppen geht: der 9.-12. Dalai Lama wurde aufgrund innerreligiöser Auseinandersetzungen umgebracht. Zurzeit lebt der 14. Dalai Lama, der sich als letzten Dalai Lama ansieht – als „kundun“, das heißt: als konkrete irdische Gegenwart eines Boddhisattvas. Und was ist mit dem gegenwärtigen Panchen Lama? Man weiß es nicht, weil die Chinesen ihn entführt haben. Aber nicht faul, ernannten sie einen anderen. Und da dieser beim Ableben des Dalai Lamas dafür sorgt die Reinkarnation des Dalai Lama im neuen Dalai Lama festzustellen, hat der eine große Macht. Doch die Tibeter haben den chinesischen Panchen Lama nicht anerkannt. Auch unsere mittelalterliche Tradition kennt zwei Päpste nebeneinander. Wenn Politik und Macht mitmischen, dann gibt es solche historischen Scherze. Sagt der Dalai Lama deswegen, dass er der letzte sei? Weiß jemand mehr?     

Impressum auf  www.wolfgangfenske.de

Buddha 8

Im Tibet entwickelte sich ein Buddhismus in tantrischer Tradition. Was das bedeutet – kommt später. Die Mönche verbreiteten tantrische Praktiken, Meditationstechniken und Weltbilder. Ein eigener Schriftenkanon wurde entwickelt (Kanjur) – und eine Klosterhierarchie. Daneben gibt es eine unabhängige Tradition, die ihren Hauptmissionar als zweiten Buddha ansieht, der seine Schriften in Höhlen verborgen hat – eine dieser Schriften ist das tibetanische Totenbuch mit seinen Tipps, dem Rad der Wiedergeburt zu entkommen. Allen Richtungen ähnlich ist, dass sie einen Buddha-Keim im Menschen erkennen, der entwickelt werden muss, durch Yoga, Mandalas, Mantras, Kultmusik – unter der Führung eines Lamas. Auf diesen spirituellen Meister muss sich der Schüler konzentrieren, damit er lernt, sein Selbst auszulöschen: Auch wenn der Meister abwesend ist – verlässt man sein Selbst auf ihn hin.  (Fortsetzung folgt.)

Impressum auf  www.wolfgangfenske.de

Buddha 7

(Fortsetzung vom 25.11.) Im 8.-9. Jahrhundert setzte sich der Buddhismus in Tibet durch. Aber nicht der alte Wagen, sondern der neue. Das heißt hier: Buddhistische Ansätze, wie sie in Pakistan entwickelt worden sind (der Diamantene Wagen), wurden mit der schamanistischen Religion, das Bön, verbunden. Geister spielten für diese alte Religion eine große Rolle. Freilich haben buddhistische Dämonenbekämpfer die tibetischen Dämonen bekämpft und besiegt – jetzt spielen sie nur noch als Besiegte eine große Rolle. Hinzu kommen Totenrituale – bekannt geworden ist das tibetanische Totenbuch: Es enthält Tipps, wie man ins Nirwana kommt ohne die Wiedergeburten erleiden zu müssen. Und wie es zum Lama kam – das kommt, wenn ich es schaffe, morgen dran.

Impressum auf  www.wolfgangfenske.de

Buddha 6

(Fortsetzung vom 24.11.) Mit dem Hinweis auf das Christentum habe ich schon vorgegriffen – obwohl: Das weiß keiner so genau. Das Christentum war wohl schon recht früh in Afghanistan und – so wird vermutet – hat dann auch buddhistische Lehren beeinflusst. So die des Boddhisatva. Das heißt, der Boddhisattva war eine Figur, die als Anwärter auf die Erwachung gilt. Dann wurde er eine Figur, die darauf verzichtet, ins Nirwana einzugehen, um andere Menschen zur Erwachung zu führen (vgl. Jesus: Gott – wurde Mensch [Philipperbrief]). Manche sagen, dass auch der Vegetarismus dieser christlichen Gruppe auf buddhistische Gruppen Einfluss hatte – aber soweit ich sehe, kann man aus dieser Zeit nicht viel genaues sagen. Der Buddhismus wurde vom Hinduismus und später vom Islam aus Indien vertrieben. Buddhismus wie Christentum kamen nach China (aber das Christentum in China ist ein anderes Thema). Dort hatte der Buddhismus Fuß fassen können, hatte Klöster gebaut – bis – ja bis diese aufgelöst worden sind – und damit 150.000 Sklaven befreit worden sein sollen. Aber im Tibet spielte er eine große Rolle. (Fortsetzung folgt.)

Impressum auf  www.wolfgangfenske.de

Buddha 5

(Fortsetzung vom 22.11.) Wie es nach seinem Tod weitergegangen ist, wurde schon erwähnt. Der Fürst Ashoka nahm seine Asche, errichtete überall Pilgerstätten für wahre Buddhisten, verkürzte die Lehre des Buddha auf ein paar wesentliche, für seine Herrschaft relevante Aussagen. Unmittelbare Schüler schlugen unterschiedlcihe Richtungen ein: Maudgalyayana verband die Lehre mit Okkultem, Shariputra vereinfachte die Lehre für Laien, Maha Kashyapa liebte Askese und Ordnung. Die Anhänger stritten sich, spalteten sich, prügelten sich und andere. Und damit kam es zum großen Fahrzeug – die Erneuerer – und zum kleinen Fahrzeug – die Alten. Die Alten waren strenger, die Neuen waren offener. Und sie waren so offen, dass sie auch die Religionen anderer Völker aufnehmen konnten. Unser Siddharta-Buddha selbst war wohl eher Philosoph, Götter wurden von ihm nicht besonders bevorzugt. Aber wie es so kommt: Er wurde selbst in den Pantheon erhoben. Und Anhänger lernten vom Christentum: So kann auch von „Lord Buddha“ gesprochen werden. Und dass durch die Jahrtausende „Buddha“ unterschiedlich interpretiert werden konnte, wundert einen nicht wirklich. (Fortsetzung folgt.)  

Impressum auf  www.wolfgangfenske.de

Buddha 4

(Fortsetzung vom 21.11.) Buddha war ein Fürstensohn. Er hieß nicht Buddha. Buddha bedeutet „der Erwachte“ – ist somit ein Ehrentitel. Der Buddha, den wir meinen, hieß „Siddharta“ = der das Ziel erreicht hat; sein weiterer Name war: „Gautama“ – der Name eines Brahmanen. Dann wird er auch „Shakyamuni“ genannt, das heißt: aus dem Geschlecht der Shakya. Er lebte als Fürstensohn, war verheiratet, verließ seine Familie, als er gewahr wurde, dass außerhalb des Palastes so großes Leiden herrschte. Nun suchte er das Leiden zu überwinden. Nicht, indem er als das Leiden bekämpfte, sondern als besonders harter Asket. Er schloss sich nämlich dem Jainismus an. Er „erwachte“, wurde gewahr, dass Askese nicht hilft, das Leiden zu beenden, begann zu essen und zu baden. Was half gegen das Leiden? Sich versenken, um sich vom Negativen zu befreien. Diese Entdeckung verkündete er. Scharte Schüler um sich, gründete wohl Klöster. Mit 80 Jahren starb er an einer Lebensmittelvergiftung – wohl an Eberweich. Nur, was Eberweich ist, darüber streiten sich die Geister. Aß er Fleisch? War es ein Pilz? Auf jeden Fall – er starb. Und er war nur ein Buddha unter weiteren Buddhas – wir erinnern uns: Buddha war eine Ehrenbezeichnung, die auch anderen zuteil wurde.

Impressum auf  www.wolfgangfenske.de

Buddha 3

(Fortsetzung vom 20.11.: ) Nun ist es recht schwer, wissenschaftlich herauszufinden, was Buddha wirklich gesagt und getan hat. Das ist wie mit allen Großen – nur bei Buddha ranken sich noch x-Legenden, x-Seiten mehr als um (zum Beispiel) Jesus. Das nicht allein, weil Buddha 45 Jahre gewirkt hat (Jesus ca. 3 Jahre), sondern auch darum, weil die Worte Buddhas im Gedächtnis geblieben sein sollen, bis sie irgendwann einmal aufgeschrieben wurden. Sein Vetter Ananda soll sich 84.000 Aussprüche Buddhas gemerkt haben. Wir wollen nicht unser kümmerliches Gedächtnis mit dem Gedächntnis solcher Genies vergleichen. Müssen wir auch nicht: Die Worte wurden aufgeschrieben – gingen aber verloren. Der für nachkommende Generationen von Buddhisten relevante Palikanon wurde wohl im 1. Jh.v.Chr. verfasst. Auch wenn man nicht so genau weiß, wann Buddha gelebt hat, 600 v.Chr. oder im 4.Jh.v.Chr. – bleibt doch ein langer Zeitraum zwischen Buddhas Leben und der Aufzeichnung seiner (?) Worte. Doch wenn Buddha wirklich Worte gesagt haben sollte, die im Reclam-Heftchen „Reden des Buddha“ genannt werden, dann kann man sagen: Bescheiden war der Mensch nicht. Nun: Bescheidenheit passt auch nicht so ganz zu einem Fürstensohn.

Impressum auf  www.wolfgangfenske.de