Amalie Sieveking

Amalie Sieveking war fortschrittlicher als unsere Sozialversorgung heute vielfach ist http://frauen-und-reformation.de/?s=bio&id=47 :

Die Frauen sollen in den bedürftigen Familien keine Almosen verteilen, sondern den konkreten Bedarf dokumentieren. Es soll Hilfe zur Selbsthilfe geleistet, Werte vermittelt, Arbeit verschafft und die Ergebnisse schriftlich vorgelegt werden.

Dadurch, dass die Bedürftigen angehalten werden, etwas zu leisten, angehalten werden, sich weiterzubilden, werden sie anerkannt. Ihr Leben wird gewürdigt. Sie tun etwas. Sie werden nicht einfach nur verwaltet. Das ist Fortschritt. Ich vermute, wir in unserer notwendigen Massensozialverwaltung kommen nicht mehr dazu, sie entsprechend menschlich zu gestalten. Das Arbeitsamt versucht das – je nach Mitarbeiterin oder Mitarbeiter. Aber wie können wir es hinbekommen, dass das Ganze individueller abläuft? An dieser Stelle bin ich Pessimist. Man muss natürlich auch einräumen, dass Amalie Sieveking mit Mitstreiterinnen Hilfestellung nur für einen begrenzten Kreis schaffte. Heute werden Millionen versorgt.

Übrigens: Nicht nur den Hilfebedürftigen wurde geholfen, auch den Helfenden selbst.

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Isa Vermehren

Über das Leben von Isa Vermehren: http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/isa-vermehren-nach-kabarett-und-kz-ins-kloster

In diesem Beitrag über das schwere Leben von Isa Vermehren heißt es:

Am Ende eines langen Lebens sah sie ohne Angst, aber eher pessimistisch in die Zukunft. Ihr Glaube an das Gute im Menschen war schon im KZ erschüttert worden, nicht aber ihr Glaube an Gott. Ihren Zuhörern riet sie, sich von der Unruhe des Herzens führen zu lassen. Geduld gehöre aber auch dazu, und das Wichtigste dabei: „für das Ende dürfen wir Hoffnung haben“.

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Lindolfo Weingärtner †

Lindolfo Weingärtner ist 20.3. gestorben (Wikipedia meldet zum Zeitpunkt, zu dem ich das schreibe [28.3.], seinen Tod noch nicht). Er hat viele schöne und wichtige Gedichte, Reflexionen, Kurzgeschichten geschrieben, die den christlichen Glauben mit Fragen des Alltags verbinden. https://de.wikipedia.org/wiki/Lindolfo_Weing%C3%A4rtner

In einem Text, Der lange Atem, heißt es (Lindolfo Weingärtner: Wer gesehen hat, muß schreien, Erlangen 1990):

Wenn die Geschichte der Kirche
von unserem Atem abhinge,
wäre es eine jämmerliche Sache
mit der Christenheit.
Doch sie hängt von Gottes Atem ab,
allein von Gottes Atem.
Und so geschieht das Wunder,
daß an unwahrscheinlichen Orten
plötzlich Leben aufbricht:
in den alten Kirchen Europas,
in der neuen Welt,
auf fernsten Kontinenten und Inseln,
selbst in verschlossenen Räumen,
zu denen nicht Menschen
Türen geöffnet haben.
Die Kirche Jesu Christi lebt
und wird leben,
weil sie Gottes Atem atmet.

Zu Lindolfo Weingärtner: http://lindolfow.com/03.htm

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Theodizee 12

Menschen leiden. Man kann das Leiden aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten: Aus der rationalen Perspektive, aus der authentischen Perspektive.

Rational gibt es die: Alle Lebewesen, die leidensfähig sind müssen leiden – Leiden gehört zur Evolution dazu. Alles zufällig geworden – entsprechend muss der Mensch als leidensfähiges Wesen, das er zufällig geworden ist, eben leiden. Dann gibt es die verschiedenen Aussagen aus religiöser Perspektive. Ich hatte sie genannt.

Dann gibt es die Perspektive: Menschen die Leiden überwunden haben, interpretieren Leiden aus ihrer jeweiligen Perspektive rückblickend – aber als etwas, das überwunden wurde.

Dann gibt es die authentische Theodizee: Menschen, die im Leiden stecken, interpretieren ihr Leiden. Aber auch hier – und das ist meine Intention, mein Schwerpunkt – auch Menschen, die im Leiden stecken interpretieren ihr Leiden nicht starr. Die Interpretationen variieren mit dem Leidensdruck, dem jeweils empfundenen Grad des Leidensdruckes, den Erfahrungen, der sozialen Situation…. Darum kann es die ein und alles und für alle erklärende Antwort nicht geben.

Wie auch immer die Perspektiven sind: Man wird einem anderen Menschen nicht gerecht, wenn man dessen (zeitbedingte) Antwort beckmesserisch analysiert. Man hat ja auch schon mit seinen eigenen versuchen, Antworten zu finden, genug zu tun.

*

An dieser Stelle möchte ich – neben den bisherigen Erfahrungen im Kontext der Weißen Rose – auf die unterschiedlichen Reaktionen – willkürlich ausgewählt – hinweisen:

Samuel Koch: Zwei Leben

Nick Vujicic: Mein Leben ohne Limits

Jennifer Strickland: Bekenntnisse eines Topmodels

Joni Eareckson-Tada: http://www.joniandfriends.org/

Bethany Hamilton: DVD: Soul Surfer. Die wahre Geschichte der Bethany Hamilton

*

Sie blieben nicht in dem Warum, Gott! stecken,
resignierten nicht in dem: Du bist nicht, Gott!,
sondern mit Gott im Rücken handelten sie zum Wohl vieler Menschen.

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Sophies Schwester + Theodizee

Das Buch von Christine Hikel: Sophies Schwester. Inge Scholl und die Weiße Rose, München 2013 müsste eigentlich einen anderen Titel tragen. Es handelt sich nämlich nur am Rande um eine Inge Scholl Biographie. Das Hauptinteresse liegt darin, die Rezeption der Weißen Rose in der Deutschen Gesellschaft auch anhand von Inge Scholl nachzuvollziehen. Und das ist sehr spannend: Wie wurde die Weiße Rose rezipiert, wer hat was warum aufgegriffen, interpretiert, eingeordnet? Ein paar interessante Schlaglichter aus dem ausgezeichneten Buch.

  • Die Weiße Rose ist Teil politischen Widerstandes gewesen? Hatte sie etwas gegen die Nazis – oder doch grundsätzlicher: Wollte sie nicht nur die Nazis bekämpfen, sondern die ganze Gesellschaft auf ein anderes Fundament (christlich, kulturell) stellen, ein Fundament, das die Nazis zerstört hatten? Ihr Tun wurde entsprechend mit Hilfe von Märtyrergeschichten gedeutet. Der christliche Glaube bot dem zerstörten Land, desillusioniert von der Menschen verachtenden Ideologie, neuen Sinn, Verluste konnten bewältigt werden. Von daher wurde diese tragende und weiterführende Sicht der Weißen Rose betont.
  • Zukunftsweisend – Demokratie aufbauend: Die Mitglieder der Weißen Rose traten ein für Menschlichkeit, für die Demokratie, für eine Demokratie, bestimmt von Moral.
  • Weil die Mitglieder der Weißen Rose an Kunst, Literatur, Musik, an der christlichen Tradition großes Interesse hatten, halfen sie dem geschlagenen und ernüchterten Volk an die große Tradition vor der Zeit des Nationalsozialismus anzuknüpfen.
  • Sie halfen, die eigene Biographie Deutscher zu verarbeiten: Ich wusste, warum ich keinen Widerstand leistete – es war zu gefährlich, sieht man an den Mitgliedern der Weißen Rose, wie gefährlich Widerstand war. Gleichzeitig: Sie dienten als gutes Gewissen dafür: Sie sind das gute Deutschland – Deutsche waren nicht nur schlecht.
  • Das Thema Freiheit konnte gegen den Kommunismus, der Ostdeutschland mit eiserner Faust regierte, entgegengestellt werden: Die Weiße Rose ruft auf, für die Freiheit zu kämpfen. Die Freiheit, die in der Bindung an Gott ihre Grundlage hat, muss gestaltet werden.
  • Sie traten ein für die Freiheit der Lehre an den Universitäten.
  • Die Geschichtswissenschaft nahm sich des Themas an – sie weiß mehr als die emotional gebundenen Familienangehörigen, die sich bislang darum gekümmert hatten, das Handeln der Hingerichteten publik zu machen, damit es nicht vergebens war. Kritische Wissenschaft statt Zeugen, statt emotionales Miterleben und damit Wissenschaft statt voreingenommene Interpretation.
  • Traditionell wurden die Mitglieder der Weißen Rose als Menschen gesehen, die zu Opfern wurden, weil sie für etwas eintraten – und in diesem Zeitraum änderte sich das: Sie wurden einfach als Opfer des Nationalsozialismus angesehen. Und das bedeutet: Sie waren nicht die einzigen Opfer des Nationalsozialismus, entsprechend konnten sich viele Deutsche als solche Opfer sehen. Sie haben zwar nicht für etwas gekämpft, waren aber eben – warum auch immer – Opfer. Oder: Sie haben Widerstand geleistet – wie viele Deutsche von sich sagten, dass auch sie auf ihre Weise Widerstand geleistet haben, und sei er noch so unscheinbar gewesen. Das heißt: Die Mitglieder der Weißen Rose waren im Grunde wie ich.
  • Dann: Die Erinnerung an die Weiße Rose konnte keinen Gegenwartsbezug mehr herstellen – also kann man sie vergessen. Sie waren idealistisch – nicht politisch. Und so verzichtete man in den späten 60ger Jahren auf solche Helden: antiquiert, vom 19. Jahrhundert abhängig, religiös. Jetzt zählten Kommunisten, Che Guevara und co. – radikal muss der Widerstand sein, die gesamte kapitalistische Gesellschaft muss umgekrempelt werden.
  • Und dann: Muss der Widerstand radikal sein? Muss die gesamte Gesellschaft umgekrempelt werden? Nein, es geht nun um zivilen Ungehorsam. Die Weiße Rose zeigte zwar keinen zivilen Ungehorsam, zeigte aber, dass sich Bürger nicht alles gefallen lassen dürfen. Damit wird die Zeit der Demonstrationen gegen die Atombewaffnung / Nachrüstung in den Blick genommen.
  • Dann benötigte man die Weiße Rose nicht mehr, man war stolz auf das, was man geleistet hat: Die Erfolgsgeschichte nach 1945 ist wesentlich. Nicht was vor 1945 war – auch nicht der Widerstand.
  • Es wurden viele Originaldokumente herausgegeben: Briefe, Tagebücher usw. – endlich konnte man die Mitglieder der Weiße Rose in ihrer jeweiligen Persönlichkeit studieren. Sie waren keine Heiligen mehr, man holte sie von dem Podest. Sie waren nun Individuen wie du und ich.
  • Entsprechend wurde dann im Zuge der Frauenemanzipation, in den 80ern Sophie Scholl aus der Gruppe der Weißen Rose herausgehoben: Sie wurde zur Identifikationsfigur für andere junge Frauen.

Und das geht bis heute weiter. Man denke nur an die Schwulenbewegung, die Hans Scholl für sich entdeckt hat und ihn entsprechend sexuell einordnen möchte (bis hin zu Zoske, der diesen Aspekt immer wieder aufgreift und andeutet). Wenn ich die Scholls und andere der Weißen Rose als Beispiel dafür angebe, wie Menschen mit der Theodizee-Frage umgehen (alle zusammen [überarbeitet]: http://evangelische-religion.de/theodizee-sophie-scholl.html ) – wo bin ich einzuordnen? Passt das noch in diese Zeit – ist es eher ein Relikt der Nachkriegsdeutung? Ist das Ausdruck unserer Zeit? Es wird unabhängig von meiner Darlegung allerdings immer wieder darauf hingewiesen, dass die christliche Tradition der Scholls in letzter Zeit übersehen wurde (Beuys, Drews). Ich denke, dass erst in ein paar Jahrzehnten deutlich werden dürfte, ob meine Darstellung in die Zeit passte oder eben nicht.

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Paul Schneider

Am 18.9.1939 wurde Paul Schneider durch eine Injektion von Strophanthin getötet. Zu Paul Schneider: http://paulschneider.studio-h-weimar.de/

Paul Schneider ist als der Prediger von Buchenwald bekannt. Als Pfarrer hat er sich dem faschistischen System des Nationalsozialismus nicht gebeugt, auch nicht entmutigt dadurch, dass viele seiner Gemeinde diesem verfallen waren. Ich weise schon einmal darauf hin, da sich im nächsten Jahr der Todestag jährt. Er sollte nicht vergessen werden.

Die Erinnerung an große Menschen darf nicht übersehen lassen, wie viele Menschen versagt haben. Die Erinnerung an große Menschen ist aber wichtig, damit wir als Christen möglichst nicht versagen – das heißt: wie die Weinrebe am Weinstock bleiben, uns von ihm nicht trennen lassen.

Barmer Theologische Erklärung – aus These 1 https://www.ekd.de/Barmer-Theologische-Erklarung-Thesen-11296.htm :

Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.

Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.

 

Kardinal Lehmann und Stephen Hawking sind gestorben

Kardinal Lehmann ist am 11.3.2018 gestorben: http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/mainz/nachrichten-mainz/abschied-nehmen-kardinal-lehmann-in-mainzer-augustinerkirche-aufgebahrt_18588227.htm

Domdekan Prälat Heinz Heckwolf:

Wir danken ihm für das Zeugnis seines Glaubens. Wir danken Gott für das Leben dieses Menschen.“

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Stephen Hawking ist gestorben. Ein bewundernswerter Mensch, weil er nicht aufgegeben hat, weil er unter anderem unermüdlich versucht hat, Welt mathematisch zu errechnen. Er hat aber auch zu manchen gesellschaftspolitischen Fragen Stellung bezogen, z.B.: Künstliche Intelligenz hat Vorzüge – bringt aber auch Gefahren mit sich: Unterdrückung der Menschen durch eine kleine Gruppe. Gefahren der Wissenschaft auch mit Blick auf Atomwaffen.

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Hawking – ich habe ihn im Blog immer wieder einmal kritisiert – der sagte,

die Philosophie ist tot – und munter philosophierte;

der als Naturwissenschaftler mehr wusste als die Naturwissenschaft zu wissen erlaubt.

Ich las als eine Art Nachruf: Hawking hat die Erde verlassen – nicht aber das Universum.  Was hätte er dazu gesagt? Vermutlich: Ich habe die Erde auch nicht verlassen.

Zu Hawking kritisch zum Beispiel auch: https://www.hna.de/welt/mathematiker-john-lennox-gott-erschuf-die-welt-stephen-hawking-ist-unlogisch-zr-909943.html

und: http://science.orf.at/stories/2901117/

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