Jesus – Jesa – Tier + Anti-Israel – irrlichternde Zombies + God or Not + Glauben in Corona-Zeit entdeckt + Nano-Bibel

Jesus – Jesa – Tier

Aus Jesus wird ein Jesus* – aber ich würde ihn/sie statt dessen: Jesus*a nennen. Klingt doch klasse – oder? Offener geht es nicht.

Es gibt nur ein Problem. Ganz fortschrittliche unter uns sehen, dass Gott in Jesus nicht nur Mensch geworden ist, sondern ein Lebewesen überhaupt. Wie können wir das wiedergeben? Jesus*a*nimal – wenn wir statt der lateinischen Tradition die griechische nehmen: Jesus*a*zoe. Warum zwei Sternchen? Auch unter Tieren wird es mehrere Geschlechter geben https://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/du-lieber-himmel-jetzt-auch-genderstern-fuer-gott-und-jesus-74423634.bild.html

In der Nachfolge Jesu gibt es so viel zu tun. Jede Zeit muss wohl ihre eigenen selbstgemachten Probleme haben.

Anti-Israel – irrlichternde Zombies

Auf schlimmen Abwegen befinden sich manche Institutionen unseres Landes: https://www.welt.de/debatte/kommentare/article222375126/Linker-Antisemitismus-Diese-Repraesentanten-braucht-Deutschland-nicht.html

Warum? Gefüttert vom Staat scheinen sich manche zu wohl zu fühlen. Man möchte ihnen zurufen: Schuster, bleibt bei euren Leisten! Geistert nicht als irrlichternde Zombies durch die Menschheitsgeschichte. Man muss nicht gegen Israel sein, wenn man für Palästinenser ist. Dieses Schwarz-Weiß-Denken sollte in solchen Institutionen verpönt sein.

God or Not

Ein Projekt: Junge Männer, denen der Glaube fremd ist leben ein paar Monaten in einem Priesterseminar: https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2020/12/13/webserie-schickt-medienstudenten-ins-priesterseminar/

Glauben in Corona-Zeit entdeckt

Eine Spiegel-online Autorin hat den Glauben in Corona-Zeit neu entdeckt: https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/12/13/dank-kinderbibel-vorlesen-spiegel-autorin-entdeckt-glauben-neu/

Nano-Bibel

Nano-Bibel – das kleinste Alte Testament / die kleinste hebräische Bibel: https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2020/12/11/schmuck-mit-bibeln-im-nano-format/

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Bibel

Weil die Bibel ein Buch ist, in dem sehr viele Menschen von ihren Erfahrungen mit Gott sprechen, kann sie auch viele Menschen berühren, kann sie im Auftrag Gottes die Herzen und Hirne vieler Menschen erreichen. Wer sich auf einen offenen Dialog mit diesen Menschen und ihren Sichtweisen einlässt – das heißt, sich nicht von vorne herein arrogant über sie erhebt, sie als dumm und dämlich disqualifiziert – kann einen großen Reichtum, einen großen Erfahrungsschatz, der dem Glauben und damit dem Leben dient, erkennen.

Man muss sich allerdings erst einlesen. Sie ist kein Roman, der von Anfang an darauf aus ist, den Leser zu fesseln. Sie ist eine besondere Sammlung, deren Lektüre Konzentration erfordern kann. Für Fortgeschrittene ist die Lektüre mit einem festen Zeitrahmen verbunden – auch mit Gebet. Der Schatz fällt nicht unbedingt einfach so vom Himmel vor die Füße, er will  entdeckt und geborgen werden, mühsam zuweilen. Wenn man sich eingelesen hat, die Bedeutung als Wort Gottes erkannt hat, dann entfaltet sie ihren Wert besonders – Mühe ist dann nicht mehr unbedingt damit verbunden, sondern Freude, Dankbarkeit, Erhebung.

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Noah

Ich wies schon darauf hin, dass die Noah-Geschichte in alten nichtjüdischen Traditionen ihren Ursprung hat. Interessant ist – das vergaß ich zu erwähnen – dass die ursprüngliche „Noah-Geschichte“ einen Kampf zwischen Göttern darstellt. Dieser Kampf zwischen verschiedenen Personen wurde nun dem Ein-Gott-Glauben zugeordnet. Die Bibel nennt keine Kämpfe zwischen den Göttern, die bis in den griechischen Bereich bekannt sind. Und hier liegt vielleicht auch das Spannungsreiche mancher alttestamentlichen Erzählung, die versucht, die Mythen des Götterglaubens mit dem Eingott-Glauben neu zu erzählen.

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Gott in Jesus Christus – Bibelauslegung

So manche biblische Geschichte atmet nicht den Geist Jesu.

Aber man muss sie aus dem Geist Jesu lesen lernen.

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Christen sehen Gott in Jesus Christus. Darum werden alttestamentliche Gottesbilder von Jesus Christus her beurteilt. Sie sind dann manchmal religions-psychologisch zu verstehen, sie sind manchmal als Zerrbild Gottes zu erkennen, auch als Kampf gegen Gott. Gott wird in das Licht der jeweiligen Zeit getaucht – er wird wie die Götter der Völker beschrieben, er wird so dargestellt als einer, der mit den siegreichen Göttern der Völker mithalten muss. Es gibt einen Prozess der Gotteserkenntnis. Gott schält sich immer stärker aus den Verzerrbildern heraus, die der Mensch in seiner beschränkten Erkenntnis von Gott gemacht hat. Und so gibt es wunderbare Lichtblicke in den alttestamentlichen Texten, Lichtblicke, in denen Gottes Geist sichtbar und strahlend wird. Aber das kann man erst dann erkennen, wenn Jesus Christus der Maßstab ist. Eines dieser Lichtblicke ist das Wort des Propheten Jeremia, indem er den Geist Gottes ankündigt, der Gotteserkenntnis wahr werden lässt.

Ich weiß nicht – gab es je eine Zeit im Judentum und auch im Christentum, in der die alttestamentlichen Texte einfach so ohne Kritik, ohne Maßstäbe rezipiert wurden? Wie hart der Talmud zum Teil mit biblischen Texten umgeht! Oder man versuchte die Texte auf unterschiedlichen Ebenen zu verstehen (in der Tradition der Griechen – ich denke da an Philo, an Origenes, an die Auslegung früher Christen…). Kritik an biblischen Texten ist nichts, das Religionskritikern vorbehalten ist – sie ist Teil unserer religiösen Kultur. Der Unterschied ist nur: Glaubende kritisieren mit Gott im Hintergrund – säkulare Religionskritiker tun es ohne Gott. Von daher gibt es eben auch unterschiedliche Folgen – Folgen hermeneutischer Art.

Alle alttestamentlichen und neutestamentlichen Texte sind relevant. Sie sind äußerst relevant. Aber haben eben auch die Funktion zu zeigen, dass der Mensch Sünder ist, dass er sich gegen Gott und Menschen wendet (was nicht zuletzt Luther so gesehen hat). Der Mensch wird nicht glorifiziert – im Gegenteil: das gesamte AT stellt das Volk Gottes als eines dar, das sich gegen Gott sperrt, das seinen Alltag ohne Gott und gegen Gott leben möchte – und das geht dann ja auch im NT und massivst auch im Laufe der Kirchengeschichte weiter. Das geschieht selbst in Texten, in denen Menschen aus ihrer Zeit heraus meinten, Gott einen Gefallen zu tun – und Gott mit ihren eigenen frommen und unfrommen Ansichten identifizierten. Gott bringt sich gegen diesen bewussten und unbewussten Kampf gegen Gott immer wieder ein, korrigierend, fordernd, klärend.

Zuletzt eben durch Jesus Christus. In Jesus Christus.

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Der Blog kann leider erst am Mittwoch wieder weiter bestückt werden.

Hiob und Noah

Es handelt sich mit dem Buch Hiob um ein literarisches Werk. Das Gottesbild, das der Autor zeigt, ist aus gegenwärtiger Perspektive kurios: Er und der Satan (der Verwirrer) wetten – ein Mann muss leiden, viele junge Menschen und andere kommen um. Es ist nicht einmal Zorn im Spiel, wie im babylonischen Hiob. Hier wird aufgegriffen, dass Menschen das Gefühl haben: Gott macht, was er will, der Mensch ist ihm ausgeliefert, aber eben dadurch abgeschwächt (aber letztlich doch verstärkend) verbunden mit dem Satan, der der eigentliche Verwirrer ist. Aber im Buch Hiob selbst ist von diesem kaum mehr die Rede – Gott wird zu recht angesprochen. Aber Gott schweigt – er schweigt unerträglich. Dieses Gefühl des Menschen, Gott bzw. den Göttern ausgeliefert zu sein, wird durch die Wette auf die Spitze getrieben. Gott ist im Grunde auch abhängig vom Satan, er ist abhängig davon, dass ein Mensch trotz des Leidens sich weiter zu ihm bekennt. Am Ende zeigt dieser Gott dann seine Macht, er kann alles – außer eben: Hiob, um ihn in seiner Arroganz unmenschlich zu prüfen, in Ruhe lassen. Dieses Werk ist im Grunde eine Gottes-Kritik, die schärfer ist als jegliche atheistische Kritik, die in der Ablehnung Gottes mündet – und dieses Werk, das eine Art Gegen-Gott-Werk ist, steht in der Bibel. Warum? Der Protagonist hält an Gott fest – gegen diesen undurchsichtig finsteren Wett- und Arroganz-Gott. Dieser Gott spiegelt die Herrscher damaliger Zeit wider – wie es die Thronszene zeigt. Diesem abgehobenen Herrscher wird der an ihm leidende Mensch gegenüber gestellt. Menschen solidarisieren sich mit dem leidenden Menschen – nicht mit diesem Gott, auch wenn der dem Hiob letztlich märchenhaft als Belohnung alles Mögliche wieder schenkt. Das Hiob-Buch rechnet mit einem solchen Gottesbild ab – wagt es aber nicht ganz, da es ein solches dann doch wieder installiert.

Elie Wiesel, der in Ausschwitz leiden musste und Auschwitz überlebt hat, hielt auch an Gott fest. Er schrieb: Selbst wenn Du mich vergisst, mein Gott, wirst Du mich nicht so weit bringen, dass ich Dich vergesse. Wiesel hat eindeutige Gotteserfahrungen gemacht, die er angesichts der folgenden Leiden nicht ignorieren konnte.

Christen halten sich an dem Satz fest, der im Hiob-Buch steht: Ich aber weiß, dass mein Erlöser lebt, diesen sehen sie in Jesus Christus. Hier bleibt ein Nicht-Verstehen Gottes, aber man schaut nicht auf das Nicht-Verstehen, sondern auf den, der in Jesus Christus selbst gelitten hat und anwesend ist. Das erklärt das Leiden nicht. Das hilft im Leiden.

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Ein kurioses Gottesbild liefern auch die Noah-Kapitel: Die Menschen sind böse, Gott will sie bestrafen, erwählt sich den gerechten Noah. Dieser baut ein Schiff. Alles, was darin aufgenommen wird, überlebt – alles andere wird dem Tod durch Ertrinken preisgegeben und dann, als die Flut vorbei ist, bereut Gott sein Tun, sagt, es solle nie wieder geschehen, ebenso darf keiner andere umbringen (Genesis 7-9). Auch diese Geschichte findet ihre Vorlage in einem Babylonischen Werk, dem Gilgamesch Epos. https://de.wikipedia.org/wiki/Arche_Noah

Noah ist ein Gegenbild zu Hiob: Er macht alles klaglos mit, was Gott mit ihm und der Menschheit vorhat. Leiden der Menschen spielt keine Rolle. Anders als zum Beispiel Abraham oder Moses, die sich gegen Gottes Zorn wenden und gegen die Vernichtung der jeweiligen Objekte des Zorns angehen. Gott lässt sich ein wenig besänftigen – aber Noah wendet sich nicht dagegen. Er tut, was ihm gesagt wird. Er ist nicht solidarisch mit den Menschen. Während die Abraham und Mose-Geschichte zeigen: Der solidarische Mensch ist im Grunde besser als der zornige Gott. Auch ein sonderbares Gottesbild.

All diese Geschichten sind jeweils  Ausdruck ihrer Zeit, Menschen erleiden die Bosheit anderer Menschen, Gott leidet an der Bosheit der Menschen – gleichzeitig sollen sie zeigen, dass sich Gott den gerechten Menschen zuwendet – eine Aufforderung, selbst gerecht zu sein. Zudem wird erklärt, warum Gott gegenwärtig nicht die bösen Menschen vernichtet, sie gewähren lässt. Er hatte es schon einmal gewollt, aber dann hat es ihn gereut. Entsprechend haben nun auch Menschen nicht das recht, die bösen Menschen zu vernichten, weil sie meinen, Gottes Stelle einnehmen zu müssen. Und der gerechte Noah? Nach all den schlimmen Erlebnissen baut er sich einen Weinberg, betrinkt sich – und das Schicksal der Bosheit nimmt erneut seinen Lauf. Dem setzt Gott – so das weitere Alte Testament – dann die Erwählung seines Volkes entgegen, das Gebote bekommt, damit es sich vom Bösen abwendet, dem er Propheten sendet, damit sie dem Volk verkünden, wie es sich richtig verhält.

Christen sehen in Jesus Christus Gott wirken: Er nimmt die Schuld auf sich, vergibt, wendet sich Menschen zu. (Aus: https://evangelische-religion.de/hiob.html)

(Fortsetzung folgt.)

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Sklaverei 3 : Weiterführung

Die Frage stellt sich nun mit Blick auf die Bibel. Sie ist Gottes Wort – und kämpft nicht gegen die äußere Sklaverei? Die Bibel hat wichtige Impulse durch innere Befreiung gegeben. Der Mensch ist nicht nur Sklave durch andere Menschen, sondern wird auch durch vieles andere abhängig: Krankheiten, Behinderungen, Ängste, soziale Verhältnisse…. Wie können abhängige Menschen – welcher Art auch immer – wirklich frei werden? Durch den Glauben an Jesus Christus, dadurch, dass man sich in den widrigsten Lebensumständen von Gott geliebt und frei wissen darf.

Aber hätten die Christen nicht intensiver auf die äußere Freiheit hinwirken können? Diese Frage ist schwer zu beantworten, weil die Menschen in all ihren Zeiten Teil der Zeiten sind. Es sind Barrieren in den Köpfen abzubauen, es ist erst einmal deutlich zu werden, dass ein Problem besteht. So denken wir zum Beispiel an uns heute: Warum gibt es noch immer Sklaverei? Warum schaffen wir sie nicht ab? Vor diesem Problem stand auch die kleine christliche Gemeinde, die ihrerseits ja kein Ansehen hatte, weil sie vielfach aus verachteten Sklaven bestanden hat. Wir können einfach nur erschüttert sehen, wie schwer es ist, menschliche/humane Verhältnisse durchzusetzen – bis heute. Vielleicht ein Verstehensversuch: Schaffen wir einmal alle hilfreichen Geräte ab – wie würden wir klar kommen?

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Die Rechts-Ordnung gibt vor, dass es Sklaven gibt. Die Natur gibt vor, dass es Sklaven gibt. Jeder denkende Mensch sieht also ein: Es muss Sklaven geben. Alle Völker, Stämme, die etwas auf sich halten, haben Sklaven. Ohne Sklaven gibt es nur Schwäche und Niedergang.  Sklavenbefreiung bringt Unordnung, Unfrieden, Krieg. (Pax = Vertrag/Ordnung.) Ziel ist Ordnung, also Frieden, das heißt: Es muss Sklaven geben. Jeder, der für die Sklavenbefreiung eintritt, ist gegen Frieden.

So dachte man in der Antike. Dieses Denken muss langsam aber sicher verändert werden. Das geschah durch die christliche Botschaft. Aus heutiger Perspektive zu langsam. Aber… – siehe unten.

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Ich denke, man sollte etwas anderes auch beachten: Vielleicht ist uns heute die körperliche Freiheit wichtiger als sie den Menschen damals war. Sie haben erkannt, dass die äußere Freiheit nicht gegen die Ordnung (von Natur aus…), gegen das Recht erreichbar war – aber die innere Freiheit. Und diese innere Freiheit zu der der christliche Glaube verhalf, vereinte eben Herren und Sklaven und führte dazu, dass wenn man wirklich Jesus Christus gehörte, ein humaner Umgang herrschte. Freiheit von Sünde, von Tod, sich in Widrigkeiten frei zu fühlen ist wichtiger als die äußere Freiheit. Ich weiß nicht, aber vielleicht sollten wir auch das berücksichtigen in der Diskussion – auch wenn es aus unserem Weltbild heraus nicht akzeptabel ist.

Und so dauerte es lange, bis Menschen die innere Freiheit und die äußere Freiheit gleichermaßen wichtig nahmen und durchzusetzen versuchen. Die äußere Freiheit – die war Jesus nicht unwichtig. Er hatte eine ganzheitliche Sicht im Blick.

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Interessant ist nun, dass die Gemeinde so eine Art Parallelwelt aufbauen wollte: In der Gemeinde zählt allein Gottes Wille, seine Vorstellung von einem guten Zusammenleben – außerhalb ist die Welt des Sündenfalls. Aber die Welt der Gemeinde kann in die Welt des Sündenfalls durch die Menschen, die zur Gemeinde gehören, hineinwirken und sie verändern.

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Friede: (a) Innerer Friede – (b) Friede mit Gott – (c) sozialer Friede – (d) Institutioneller Friede. Die Gemeinde bot den Sklaven (a) und (b) an, darüber hinaus (c) aber nur, soweit es das Leben in der Gemeinde betrifft. Außerhalb der Gemeinde gibt es Kampf und schweres Leben. Aber das betraf nicht nur die Sklaven, das betraf alle, die zur Gemeinde gehörten. Ausgrenzung, Verfolgung, körperliche Angriffe, Auseinandersetzungen, Überlebenskämpfe… (d) war niemandem im Blick, da der normale Mensch nichts zum Zusammenleben der Staaten tun konnte und kurzfristig wirklich Einfluss auf die Institutionen hatte.

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Mit Blick auf die Bibel als Gottes Wort im vielfach beschriebenen Sinn und mit Blick auf das Wirken des Heiligen Geistes: Glaube ist Prozess. In der Heiligen Schrift gibt es innovative Ansätze, die sich langsam aber sicher mit den Menschen, die diese erkennen, durchsetzen. Es gibt in ihr auch zeitbegrenzte Verdunkelungen (AT: Sklaven dürfen nur Menschen aus den Völkern sein) – aber gleichzeitig Fortschritte: humane Behandlung von Menschen. Es gibt zeitbegrenzte Einschränkungen, die sich aber über einen langen Zeitraum hinweg als wichtig erwiesen haben (Parallelwelt durchdringt die negative Welt). Heute setzen sich Gruppen für die Sklavenbefreiung ein. Das ist heute auch wichtig, weil in der Nachfolge Jesu (das, was man sich für das Reich Gottes erhofft, jetzt schon durchsetzen) diese Vorgehensweise möglich ist. Allerdings auch nur sehr beschränkt. Denn die Probleme: Wenn man Sklaven freikauft, werden neue gefangen genommen, wenn man sie befreit, muss man sie ernähren, medizinisch betreuen, beschulen, ausbilden – was aber vielfach kaum mehr möglich ist. Die Organisationen benötigen viel Geld, um ihrer wichtigen Arbeit nachzukommen. Und das heute in unserer reichen Zeit. Wie hätte das alles damals gehen sollen?

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Das ist keine Apologie. Das ist eine Aufforderung, sich mehr um diese Arbeit der Organisationen, die sich für die Befreiung von Sklaven einsetzen, zu kümmern.

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Jesaja 7 – Jesus Christus im Alten Testament

In Jesaja 7 steht nichts über Jesus von Nazareth, dem Christus. Im gesamten Alten Testament steht nichts über Jesus von Nazareth.

Jesus ist ein Mensch, der in den Jahren 7.-4. vor Christus geboren wurde und ca. im Jahr 27 zu wirken begann. Seine Wirksamkeit machte auf manche Menschen großen Eindruck.

In der Begegnung mit der Lehre und dem Wirken Jesu haben seine Nachfolgerinnen und Nachfolger während des Lesens alttestamentlicher Texte bzw. in der (Auslegungs)Tradition alttestamentlicher Texte in ihm den erkannt, der im Alten Testament angekündigt worden war.

In der Re-Lektüre – also in einer Zeit, in der sie Jesus kennen lernten, haben sie ihn im Alten Testament wieder erkannt. Nicht im gesamten Alten Testament – sondern nur in den Teilen, die sie mit Jesus Christus verbinden konnten.

Die Voraussetzung dieses Wiedererkennens: Gott, der in Jesus Christus handelte, der handelte auch in der gesamten Geschichte Israels wie auch der Geschichte davor. Und weil es der eine Gott ist, der in Jesus gehandelt hat und handelt, hat Gott auch den Propheten den Blick in die Zeit Jesu ermöglicht. Sie wussten es wohl nicht – aber eben aus der Perspektive der Nachfolger haben sie die einzelnen Hinweise im Alten Testament wiedererkannt und dann wie ein Puzzle zusammengefügt. Es ergab sich ein Gesamtbild: Leben und Lehre Jesu wurden von Gott im AT verheißen, angekündigt.

Die Frage ist: Hat sich Jesus selbst schon im Licht des Alten Testaments erkannt? Ich vermute schon. Er hat damit seinen Nachfolgern vermutlich schon ein Deutungsmuster für sein kurzes Wirken mitgegeben. Letztlich war aber die Erfahrung des vom Tode auferstandenen Jesus Christus für diese Re-Lektüre ausschlaggebend.

Die Frage ist: Haben die Christen sich das alles so ausgedacht? Jüdische Strömungen haben auch schon alttestamentliche Texte messianisch gelesen. Diese wurden dann von Christen aufgenommen und mit dem, was sie von und mit Jesus Christus erfahren hatten, verbunden und als Erfüllung dieser Verheißung erfahren. Das heißt: Ihre Textinterpretation entsprach der Gepflogenheit der Zeit. Von daher war sie für so manchen einleuchtend. Und Textinterpretationen sind vielfach von der jeweiligen Zeit abhängig.

Die weitere Frage ist: Was ist wirkliches Ereignis im Leben Jesu gewesen, das man in alttestamentlichen Texten wiedergefunden hat – oder was hat man aus alttestamentlichen Texten genommen, um das Leben Jesu nachträglich aus dem Licht des Alten Testaments zu interpretieren?

Was wir erkennen: Jesus hat eine sehr große Innovationskraft besessen, er hat neue Perspektiven eröffnet, sein Leben bzw. Texte des Alten Testaments zu verstehen. Gleichzeitig hat man durch das Leben und die Lehre Jesu manche messianisch gedeuteten Texte nicht mehr übernehmen können. Das ist sehr schön an der Kindheitsgeschichte des Lukas erkennbar: Jesus wird als der politische Retter erwartet – doch dann kam Jesus, der Retter, der auf einer anderen Ebene rettete (vgl. die Erwartung der Emmausjünger – und die Korrektur durch den auferstandenen Jesus). Jesus hat aus der Sicht seiner Nachfolgerinnen und Nachfolger manche messianischen Texte und manche Erwartungen erfüllt – manche nicht. Jesus, der als Gottes Sohn geglaubt wurde, hat als diese Autorität auch dazu geführt, selektiv zu lesen, aber auch manche Texte neu zu verstehen. Die, die nicht erfüllt wurden, wurden von Christen aufgrund ihrer Gotteserfahrung – argumentativ – beiseite gedrängt. Jesus Christus ließ das AT im Licht Jesu lesen – das AT ließ Jesus im Licht des AT lesen.

Bei all dem darf man nicht vergessen: Gott als Schöpfer und Erhalter der Welt, als der, der Israel erwählt und begleitet hat – er war im Glauben (nicht nur) der frühen Gemeinde der, der auch in Jesus wirkte und durch seinen Geist in ihnen wirkte.

Umgang mit alten Texten bedeutet auch, eine Art Dialog zu führen. Man versucht sie zu verstehen, zu verstehen, was sie sagen wollten, versucht den Blickwinkel derer einzunehmen, die ihn aussprachen, die ihn verfassten. Man kann das natürlich aus der gegenwärtigen Zeit heraus rationalisieren und sagen: Alles falsch. Und es muss ja auch alles falsch sein, wenn man Gott nicht anerkennt, damit auch nicht anerkennt, dass er durch seinen Geist in Texten und Menschen wirksam ist. Aber damit hat man nicht die Perspektive der Menschen eingenommen, nimmt ihre Erfahrungen und Weltdeutungen nicht ernst, sondern hat seine eigene Meinung – die auch nur eine EintagsfliegenMeinung ist – dominant über sie gelegt, sieht die eigene allein als die wahre Weltdeutung an – würde sie also überschreien. Je nachdem wie man es macht – kommt es dann zur Diskussion zwischen den Weltdeutungen – und die eine oder andere setzt sich mehr oder weniger durch, auch modifiziert durch – oder es kommt zur unversöhnlichen Abgrenzung von den Meinungen anderer.

Ich denke, es ist ein Zeichen der Gelassenheit, die Weltdeutungen anderer einfach stehen lassen zu können – auch wenn ich sie nicht verstehe.

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Bibel 2: Mythos, Bilder der Bibel, Bibel als Wort Gottes, Anwesenheit Gottes in gottloser Welt

Biblische Texte sind – z.B. von Matthäus – für die jeweiligen Adressaten ihrer Zeit geschrieben worden. Sie greifen ihre Fragen auf, sind an die konkreten Adressaten gerichtet.

Diese Texte wurden dann von der Gemeinde verbreitet und schließlich kanonisiert, das heißt: Menschen, die an Gott in Jesus Christus glauben, haben ihren Glauben in diesen Texten wiedergefunden – und das geschah in Glaubenden zu allen Zeiten – und die Texte haben Glauben geweckt.

Glaubende  kontextualisieren die Texte bzw. ergründen deren Relevanz für das eigene Leben. Zwangsläufig kommt es dabei zu unterschiedlichen Interpretationen. Das ist nicht schlecht, sondern fordert zum Dialog auf, ebenso ist das nicht schlecht, weil die Texte eben jeden Menschen in seiner jeweiligen Situation ansprechen. Wir Menschen sind verschieden – und so sprechen die Texte uns auch unterschiedlich an, auch abhängig davon, in welcher Situation wir leben. Sie bestehen nicht einfach aus kalten, rationalistischen Wörter-Geweben oder mathematischen Formeln. Darum sind Gebet, Meditation usw. eine Möglichkeit, sich ihnen anzunähern und sich ihnen zu öffnen. Mit Empathie für den Text / Autor / Leser versteht man mehr, weil man dann in einen Dialog eintreten kann – und sich nicht dominant über den Text erhebt.

An dieser Stelle noch ein Hinweis zu Mythos. Der Mythos ist Welt-Erklärung aber er ist in einer Zeit, die den Mythos als Mythos erkennt, nicht passé. Nehmen wir die Schöpfungsgeschichte: Es geht in dem Schöpfungslied Genesis 1 nicht nur um die sieben Tage der Schöpfung, die den siebten Tag – den Sabbat – begründen sollen, sondern in einer Zeit des Chaos (Babylonische Gefangenschaft?) sagt der Text: Schöpfung ist in seiner Grundlage gut. In einer Zeit der Entwürdigung wird gesagt: Der Mensch ist Ebenbild Gottes – jeder Mensch hat gleiche Würde. In einer Zeit des Zweifels an Menschen wird gesagt: Die Welt ist kein Zufall, sie ist von Gott gewollt. Und das bleibt, auch wenn ich aus der jeweils neuen Perspektive den Mythos anders verstehe. Texte sprechen mich in meiner Tiefe an, wenn ich mich darauf einlasse, auf sie höre, sie ernst nehme. (Damit gehe ich auf die psychologisch orientierte Exegese ein.) Darin unterscheiden sie sich von möglichst einfachen Alltags-Texten. Man muss sich ja auch in Gedichte einlesen, in philosophische oder wissenschaftliche Texte – aber anders als die letztgenannten Texte erreichen sie meine Psyche auf einer anderen Ebene. (Wobei die alten philosophischen Texte sehr viele Bilder einweben. Einprägsam sind Bilder auch in zeitgenössischen Philosophien. Sie bleiben hängen – mehr als das ganze philosophische Gebäude drumherum.) Sie sind nicht nur rational zu erfassen. Die Bilder biblischer Texte wirken. Gott spricht durch Träume, Gottes Mächte sind als Boten anwesend, Bilder der Angst werden aufgegriffen und aufgelöst – sie wirken auf tieferer Ebene als die Ratio. (Allerdings können sich auch Bilder der Angst festsetzen – wenn man sie aus dem Kontext isoliert.) Und so sind für die Psyche der Menschen gerade die Texte wichtig, die Wunder, Träume… ansprechen, also Texte, die dem Historiker nur historisch wichtig erscheinen aber aus der gegenwärtigen rationalen Perspektive als unrealistisch beiseite geschoben werden. Das Unbewusste, das angesprochen wird, ist vielfach relevanter als das, was durch das Bewusstsein gefiltert wird. Wenn man das erkannt hat, dann erkennt man auch, an welchen Stellen Texte gefährlich werden können. Das muss man erkennen und auf die Ebene des Bewusstseins heben. Aber nicht alles, was den Menschen auf der unbewussten Ebene anspricht, ist gefährlich. Im Gegenteil: Gerade das, was wir im NT lesen – was wir unter diesem Vorzeichen im AT lesen, kann äußerst wichtig sein für die Lebensbewältigung: Geborgenheit, Freiheit, Kraft zu widerstehen…

Und so sind die biblischen Texte vielfältig: Man nimmt auch als Leser Rollen ein: Gleichnisse, Wunder fordern dazu auf, Stellung zu nehmen. Alles auf der Ebene des Unbewussten. Diese Texte kann man auf die rationale Ebene heben, kann sie reflektieren, um dann bewusst Antwort zu geben. Aber all das ersetzt nicht ihre Tiefenwirkung.

Als menschliches Wesen verdanke ich nicht mich selbst. Ich verdanke mich biologisch den Eltern. Aber ich verdanke mich auch – ausgehend von der engeren Familie – psychisch den Menschen um mich herum, ich nehme ihre Aussprache, ihre Verhaltensweisen auf, sie prägen mich auch unbewusst… Ich bin Empfangender und so erfahre ich mich auch als Bibelleser: als Empfangenden der Liebe Gottes. Des Gottes, der befreit, der Wegweisung gibt, der mich zurechtweist… – der mich mich selbst schenkt. Ich erfahre ihn aber auch als einen, der sich mir in seiner Freiheit entziehen kann und dem ich mich in meiner Freiheit entziehen kann. Beides sind schmerzhafte Lebensvorgänge. So sind die Jesus-Texte mehr als nur Texte: Sie sagen, dass Gott anwesend ist. Durch sie bricht Gott in meine Welt ein, in der Gott abwesend ist. Nicht jeder Text muss sich mir als Wort Gottes erweisen, outen, sondern in dem Einbruch Gottes in meine Welt durch die Texte kann mir ein bestimmter Text zu Gottes Wort werden. Bibel allgemein als Gottes Wort zu bezeichnen, ist abstrakt, losgelöst von meinem Leben. Aber die Texte können Gott mit meinem Alltag verweben. (Von der Bibel pauschal als Wort Gottes zu sprechen ist insofern berechtigt, als die Kirche – also die Menge von glaubenden Individuen jeweils unterschiedliche Texte bzw. in unterschiedlichen Lebensabschnitten Texte als ein solches erfahren.) So werden die Texte zu Texten die nicht mehr in sich verwoben sind sondern Gott einweben und auch mich einweben. Wenn ich es denn zulasse.

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