Bewegungen + SPD: säkular-humanistisch

Bewegungen, die locker sind, in die sich jeder einmischen kann, haben ein großes Problem: Idioten (= negativ konnotierte „Eigensinnige“), die versuchen, die Bewegungen zu unterwandern. Das gilt, wie ich das sehe, für die Identitären, gilt für die Gelbwesten – wird wohl auch den Schüler*innen-Umweltdemos so gehen.

Dagegen hilft nur eine strenge Hierarchie innerhalb der Gruppen – aber wer will die schon?

Dieses Problem haben übrigens auch große hierarchisch strukturierte Organisationen/Institutionen: Kirchen, Parteien, Gewerkschaften… – es gibt immer irgendwelche Leute, die unangenehm bis kriminell idiotisch (im oben genannten Sinn) aktiv sind. Aber in diesen fallen sie nicht so sehr auf, weil sie eher Minderheiten sind. Es sei denn, man hat ein mediales Interesse an ihnen.

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Interessant, dass es innerhalb der SPD keinen säkularen Arbeitskreis geben darf: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/atheisten-duerfen-keinen-arbeitskreis-in-der-spd-gruenden-16096047.html

Dass er sich nicht humanistisch nennen darf, kann ich ja noch verstehen, weil das die Usurpation eines neutralen Begriffs bedeutet, denn viele gehören Humanisten an, ohne atheistisch/säkular zu sein (Erasmus, Herder…). Eine Usurpation, die viele säkulare und atheistische Gruppen für sich in Anspruch nehmen, aber dennoch ein propagandistisches Geschmäckle hat: Man schmückt sich mit fremden Federn.

Leider gibt der oben genannte Artikel nichts her, was die Begründung betrifft, außer, dass es juristisch nicht geht. Warum nicht?

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Kopftuch + Antisemitismus + Diskussion: Atheist/Christ

Zum Hijab-Tag neulich eine kritische Stimme: https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/02/01/das-kopftuch-verhindert-die-integration-unserer-muslimischen-kinder/

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Antisemitismus in den Schulen – wird vielfach nur im Kontext mit dem Nationalsozialismus angesprochen: https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/02/01/forscher-besorgt-ueber-antisemitismus-an-deutschen-schulen/

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Ein Atheist und ein Christ diskutierten: https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/02/01/dietz-und-kahl-diskutieren-ueber-plausibilitaet-des-glaubens/

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Gefährliche Religion

Christliche Religion ist gefährlich, denken manche Menschen, die das Befreiende des christlichen Glaubens nicht kennen.

Weil christliche Religion gefährlich ist, muss sie aus der Öffentlichkeit möglichst raus gehalten werden.

Damit wird die wichtige religiöse Neutralität des Staates – der religiös neutral zu sein hat – zu einem säkular-gesellschaftlichen Zwang umgeprägt, der mit dem freien demokratischen Staat nichts zu tun hat.

Das säkulare Umfeld verbreitet Angst und lehrt manche Christen das Fürchten. Es verhindert damit nicht nur die Freiheit der Religion, sondern auch das Befreiende des christlichen Glaubens wahrzunehmen.

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Christen in Deutschland

Interessante Zahlen – vor allem die Unterscheidung zwischen praktizierenden und nicht praktizierenden Christen: https://www.welt.de/politik/deutschland/article176794385/Studie-zu-religioeser-Einstellung-Christen-lehnen-Muslime-eher-ab-als-Nichtglaeubige.html

Ca. 71% identifizieren sich in unserem Land mit dem „Christentum“ – 49% üben den Glauben nicht aus, 22% ja. Knapp 25% sehen sich als nicht religiös an. Ich finde diese Zahlen insofern auch sehr interessant, weil es hier nicht nur um Westdeutschland geht, sondern um Deutschland. Die bisherige Frage nach der konfessionellen Bindung, die ich neulich im Blog hatte, zeigt somit ein falsches Bild. Richtiger ist nicht die Frage nach der Konfession, sondern die nach dem religiösen Zugehörigkeitsgefühl. Allerdings werden diejenigen, die sich nicht dem Christentum zugehörig fühlen, als Konfessionslose bezeichnet – was irreführend ist. (Wobei auch hier gesagt werden muss: Es handelt sich um eine Studie.)

Übrigens entspricht das auch meiner Erfahrung, ich habe das wiederholt geschrieben, dass etwa 70% derer, die aus der Kirche ausgetreten sind, bei Beerdigungen religiöse Bezüge haben wollen (in einem westlichen Bundesland).

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Faktencheck als Meinungsmache + Gerichte überlasten

Interessant finde ich das, was hier passiert: Früher wurde die Meinung eines anderen mit einer Gegenmeinung pariert. Heute nennt man die Gegenmeinung nicht mehr Meinung, sondern: Faktencheck. Man tut nicht einmal mehr so, als sei man neutral – man kaschiert Subjektivität durch Vorspiegelung einer Art Objektivität. Wie lange fallen die Leute darauf rein? Diese Gedanken kamen mir im Kontext dieses Themas, wobei es mir nicht um das Thema geht, sondern um die Beobachtung, Faktenchecks politisch einzusetzen: https://www.focus.de/politik/deutschland/alexander-dobrindt-csu-mann-wirft-abschiebe-gegnern-kampf-gegen-rechtsstaat-vor_id_8918350.html

Recht ist Recht – auch für Zugereiste. Die Politik hat die Aufgabe, die Verhältnisse zu schaffen, damit Recht auch durchgesetzt werden kann. Das nicht dadurch, dass man Recht beugt. Aber:

War nicht vor ein paar Wochen einmal in den Medien, dass gezielt versucht wird, die Gerichte zu überrennen, damit sie sozusagen nicht mehr in der Lage sind, Recht zu sprechen, somit gesagt wird: Schaffen wir dies und jenes ab, da es sowieso nur die Gerichte verstopft? Dobrindt wird das noch im Kopf haben: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2018-05/abschiebung-alexander-dobrindt-csu-rechtsstaat-asyl-fluechtling-saboteur

Ähnliche Argumentation gibt es zum Thema Schwarzfahren, Legalisierung von Drogen, auch Ladendiebstahl? usw. Von daher weiß ich nicht so recht, ob die Verteidiger der Verteidiger sich über den Tisch ziehen lassen oder selbst involviert sind. Wenn es selbständige Journalisten und Redaktionsstuben gibt, wird das Thema sicher auch einmal aus verschiedenen Blickwinkeln recherchiert werden.

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So finde ich zum Beispiel interessant, dass in Zeit-online so ein Beitrag erscheint: https://www.zeit.de/gesellschaft/2018-05/islam-kopftuch-verbot-schulen-frauen-maedchen

Was viele – so wie Dilara – am Anfang aber nicht sehen: Das Tragen eines Kopftuchs ist eine weitreichende Entscheidung, gerade in einer so polarisiertenGesellschaft wie der unseren. Frauen, die sich für ein Kopftuch entscheiden, sind Diskriminierungen und Aggressionen ausgesetzt. Ein Kopftuch anzulegen ist nicht leicht. Doch es wieder abzulegen ist fast unmöglich…. Dilara legt das Kopftuch ab. Der Ehemann lässt sich nicht scheiden. Dafür kritisiert Dilaras Umfeld sie: Sie habe eine große Sünde begangen. Sie sei ihrem nefs erlegen. Heute sagt Dilara, es sei in der muslimischen Community viel schlimmer, das Kopftuch abzulegen, als nie eins getragen zu haben.

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Hier finden wir das übliche Schema: Wenn schon Verbot, dann müssen alle religiösen Aspekte verboten werden. https://www.zeit.de/gesellschaft/2018-04/kopftuchdebatte-frankreich-schulen-religioese-symbole/komplettansicht

Diese Diskussion finde ich im Grunde spannender, weil sozusagen Zugereiste dazu verwendet werden, von antireligiösen Gruppen oder Individuen verwendet werden, um ihren Kampf gegen das Religiöse zu begründen. Hier wird das Beispiel Frankreich herangezogen. https://www.zeit.de/gesellschaft/2018-04/kopftuchdebatte-frankreich-schulen-religioese-symbole/komplettansicht

Sonderbarerweise wird in dem Beitrag das Kopftuchverbot mit dem Christentum begründet – um dann zu sagen: Aber in der Grenzsicherung ist man dann wieder nicht christlich. Begründet man allgemein das Kopftuchverbot christlich? Hier sind ganz andere Kräfte am Wirken – eben: Gleichberechtigung der Frau…; und Realpolitik, die auf die Bevölkerung Rücksicht nimmt – ist nur christlich begründet? In dem Beitrag werden unzulässig einfach alle möglichen Dinge miteinander vermischt. Gehört zur Taktik.

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Kreuz oder Nichtkreuz

Diskussion um die Frage, ob ein Richter das Kreuz abhängen soll, wenn Migranten angeklagt wurden: https://www.idea.de/gesellschaft/detail/das-kreuz-gehoert-zu-deutschland-wie-loecher-zum-schweizer-kaese-104024.html

Der muslimische Angeklagte sagte: Es sei ihm egal, ob Kreuz oder nicht. Das entspricht auch meinen Beobachtungen: Es sind nicht Muslime, die sich am Kreuz stoßen. Die streng Gläubigen nicht, weil sie wissen, dass sie in einem Land voller Ungläubiger leben müssen und die freieren Muslime nicht, weil es ihnen egal ist bzw. meinen, dass Christen zu ihrem Glauben stehen sollten wie sie es auch selbst tun. Vielleicht gibt es ein paar Muslime, die sich – warum auch immer – provoziert fühlen, aber allgemein ist das, soweit ich das beobachte, nicht.

Muslime können vorgeschoben werden, damit man als Nichtgläubiger eine Begründung hat, christliche Glaubenssymbole zu entfernen. Das hingegen habe ich schon häufiger beobachtet und auch im Blog benannt. Das ist heftig abzulehnen, weil das auf Muslime ein schlechtes Licht wirft, also manche sich auf Kosten von Muslimen weltanschaulich profilieren wollen.

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Fragen an Atheisten

Ein paar Fragen. Aus christlicher Sicht nicht ganz korrekt – interessiert mich als normaler, wacher Bürger:

A

Religionen gibt es wohl, seit man den Menschen irgendwie beobachten kann. Man schließt daraus, dass sich Religion durchgesetzt hat, weil es dem Menschen evolutionäre Vorteile bot: Er konnte sich besser in der Welt verorten, wurde psychisch stabiler und bekam soziale Hilfen – Gemeinschaft stabilisierend… Religionen wandelten sich mit der Menschheit, mit den Bedürfnissen der Menschheit: Religionen passten sich der Weiterentwicklung an – Menschen passten sich den Religionen an. Nun kommt innerhalb kurzer Zeit – menschheitsgeschichtlich gesehen – eine kleine Gruppe und sagt: Man benötige keine Religionen mehr, weil der Mensch nur noch seinen Verstand gebrauchen solle. Was das bedeutet, wird dann zeitgemäß definiert. Damit zusammen hängt der Versuch, den „Feind“ verbal zu destruieren: Religionen seien schlecht, würden nur schaden, würden zu Kriegen führen, sind Zeitverschwendung… – bei alten Atheisten (denen des 20. Jahrhunderts – nicht den großen des 19. Jahrhunderts) ist der Spott, den sie über Religionen ausgießen, groß. Man könnte ja auch einfach nur sagen, wie man seit einigen Jahrhunderten sagt: Religion hört sowieso bald auf. Und dann wie Jona gemütlich unter dem Baum warten, bis sie sich aufgelöst haben.

Aber: Der Mensch ist im Grunde der gleiche geblieben. Er ist aggressiv – und demütig, er liebt und hasst, er strebt nach Macht und Unterwerfung, er leidet und erlebt Glück… Woher nehmen die Atheisten, die ich soeben geschildert habe, die Zuversicht, dass ihre Forderungen überhaupt einen Schimmer realistischen Denkens an sich haben? Die wissenschaftlichen und technischen Erfolge können es nicht sein, die sie von der religiösen Tradition zu lösen versuchen, denn der Mensch ist mehr als Technik und Wissenschaft. Ist dieser atheistische Versuch der Moderne einfach nur ein großes Experiment: Folgen offen?

B

Die frommen Atheisten sind schon weiter: Der Mensch hat (mit Feuerbach und Marx) Religion erschaffen. Religionen haben gute und schlechte Seiten. Also der Mensch schafft die guten und schlechten Seiten der Religionen. Deren Forderung: der Mensch müsse die guten Aspekte der Religionen übernehmen, ohne allerdings selbst religiös zu werden. Zum Beispiel Gebet gerichtet an eine nicht existente höhere Macht stabilisiert die Psyche, pseudoreligiöse – auch liturgische Zusammenkünfte fördern das Zusammenleben… Diese haben aus meiner Sicht mehr Realismus als diejenigen, die Religion vollkommen ablehnen, weil sie Wissenschaft und Technik mit den sozialen Realitäten verbinden. (Zum Beispiel auch die alten Freireligiösen – die sich zwar immer wieder zerstritten und gespalten haben – und auch nie so wirklich die Herzen und Köpfe der Menschen erobern konnten.)

C

Die nächste Frage in diesem Zusammenhang: Religiöse Menschen haben mehr Kinder. Zumindest ist das der Stand meines Wissens. (Ich lasse mich gerne von neueren Untersuchungen, wenn es die denn gibt, vom Gegenteil überzeugen.) Werden allein von daher nicht schon immer die religiösen Menschen die nicht religiösen Menschen dominieren? Was die Kinder betrifft: Das heißt: Deutsche haben zum Beispiel weniger Kinder, weil sie weniger religiös sind. Sie nehmen ab. Aber damit das Land nicht bevölkerungsmäßig ausstirbt, müssen Menschen aus religiösen Gemeinschaften aufgenommen werden. Wer wird auf längere Sicht dominieren? Oder will man in Zukunft immer fragen: Religiös – Nichtreligiös? Und die Nichtreligiösen werden ins Land gelassen? Nur ein Tipp für die Gesellschaftsplaner.

D

Soweit ich vernommen habe, zeigen Untersuchungen, dass Kinder eher religiös denken als nichtreligiös. Kurz gesagt: animistisch – nicht christlich. Man muss also aus dem Menschen eher die Religion austreiben als sie in die Menschen hineintreiben. Darum soll Bildung verwendet werden, dass man dem Menschen sagt: Was du denkst und fühlst ist falsch – Religiöses ist Unsinn. Und so ist man ja auch stolz darauf, dass manche gebildete Menschen eben nicht religiös sind. Wenn dann doch welche religiös sind, sind sie so eine Art Unfall – die Bildung hat nicht so ganz geklappt oder die Psyche… Wie dem auch sei: Je gebildeter Menschen sind, desto areligiöser werden sie, so die Hoffnung. Wird an dieser Stelle dann Bildung nicht ideologisch verwendet? Zumal das ja auch so nicht stimmt – womit wir beim nächsten Punkt sind.

E

Nur am Rande: der Mensch denkt sich irgendwas aus, das für ihn richtig ist. Und dann meint er, das müsse nun auf alle Menschen übertragen werden. Das ist für mich der Beginn der Ideologie. Und so denken sich ein paar Menschen  aus, dass der Mensch areligiös zu sein hat. Damit das aber durchgesetzt werden soll, muss man möglichst früh die Kinder den Religiösen bzw. allen wegnehmen, weil ja jeder traditionell orientierte Mensch [ideologisch unsicher] in Gefahr geraten kann, die Kinder nicht so erziehen zu können, wie es die ideologische Elite gerne hätte. Von daher sind Kinder das beliebte Ziel – das sah man am Nationalsozialismus wie am Kommunismus – ich denke an Dawkins. Dass auch Religionen ideologisch agieren können, ist klar. Aber inzwischen sind sie in unseren Gesellschaften so sehr differenziert, dass diese Gefahr kaum mehr – zumindest zurzeit – bestehen dürfte.

F

Der nächste Punkt:  Es ist ja in unserem Land nicht so, dass Menschen, die sich von den christlichen Konfessionen abwenden, sich dem Atheismus zukehren, sondern Individual-Religionen – das heißt: esoterischen Welterklärungen. In diesen finden sie dann die Stabilisierung, die sonst die Religionen gegeben haben. Zeigt unsere Gesellschaft nicht, dass die Abwendung von den christlichen Konfessionen nicht dazu führt, dass man nicht atheistisch denkt, sondern dass man esoterisch denkt – also nach esoterischer Eigendefinition kurz gesagt: Verstand und Kosmos usw. in Übereinstimmung bringt? Zeigt das nicht wiederum, dass diese esoterischen Pseudo-Religionen wie die Versuche der frommen Atheisten den Menschen gerechter werden als die der Ratio-Atheisten? Womit wir wieder bei der ersten Frage wären.

G

Christen haben eine lange Geschichte. Und da gibt es nichts zu beschönigen – aber man muss sich auch nicht verstecken. Salopp gesagt: Auch Christen sind Menschen. Die Diskussion wird uns noch begleiten. Aber auch Atheisten haben sich in der kurzen Geschichte nicht besonders menschenfreundlich eingeführt. Es sei denn, man weist die „bösen“ Atheisten den Christen zu, weil diese im christlichen Kulturraum aufgewachsen sind, und das Christentum seine bösen Einflüsse auf sie auswirken ließ, und die guten Atheisten sind im Grunde „vom Himmel gefallen“, ganz autark, selbständig, haben sich von den religiösen Kontaminationen gereinigt, rein gehalten.

Eine Frage, die sich daran auch anschließt: Gibt es eigentlich Untersuchungen darüber, wieweit auch Nichtglaubende im Christentum Macht hatten – allerdings eben Glauben vortäuschend? Das wird sich vermutlich kaum mehr erhellen lassen. Manchmal sagt man ja, dass Menschen, die sich als besonders gefährdet im Glauben sehen, diese Gefährdung dadurch auszugleichen suchen, dass sie besonders gegen Gegner vorgehen.

Au weia – ist der Mensch kompliziert!

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Kein Atheisten Weltkongress + Neuer KI Gott + Religion ist politisch + Weihnachtsmarkt und Lichtermarkt + Säkulare Spaltpilze

Der Atheisten-Weltkongress 2018 wurde abgesagt: Mangelnde Teilnahme: https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2017/11/17/atheisten-kongress-abgesagt-aus-mangel-an-interesse/

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Oh, Feuerbach – schau, was sie machen, obwohl du so weise gesprochen hast: https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2017/11/16/us-unternehmer-erfindet-ki-gott/

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Religion ist politisch – so richtig Khorchide. Auch der Islam – aber das sei nicht mit Islamismus gleichzusetzen: https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2017/11/20/religion-hat-politischen-auftrag/

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Die Umbenennung von Weihnachtsmarkt in Lichtermarkt liegt nicht in Muslimen begründet. Es ist der Versuch der Säkularen, sich endlich durchzusetzen – und dazu wird eben der Islam verwendet. Der Islam wird benutzt, um der eigenen Weltanschauung Raum zu verschaffen. Das empfinde ich seit Jahren als perfide. Das treibt auch einen Spaltpilz in die Gesellschaft, ohne dass Muslime etwas dafür können. https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2017/11/24/muslima-umbenennung-von-weihnachtsmaerkten-absurd/

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Diskussion um Gott

Dieser Text steht auch unter: http://blog.wolfgangfenske.de/2017/11/18/erkenntnis-2/#comment-202293

Ich habe ihn hier noch einmal angeführt, um die Diskussion durch farbliche Markierung leichter lesbar zu machen.

Das, was wir unter der Frage nach Gott und Religion diskutieren, ist im Grunde eine Frage des Menschenbildes. Welches Bild haben wir vom Menschen. Wie erkennt der Mensch. Was kann er wahrnehmen. Ich denke, religiöse Menschen haben vieles mit dem Künstler gemeinsam: Weltwahrnehmung in Dimensionen, die man nicht messen kann.
Wenn wir das Gedicht von Rilke (Liebeslied) nehmen:
Wie soll ich meine Seele halten,
dass sie nicht an deine rührt?
Was soll das? Seele gibt es nicht. Es wurde kein entsprechendes Organ gefunden… Von daher kann Seele auch nicht an andere Seelen rühren usw.
Menschen versuchen etwas auszusprechen, Sprache zu sprengen – für das, was sie empfinden. Und das versucht auch die religiöse Sprache. Wir Menschen empfinden etwas, nehmen es wahr (nicht alle – freilich) etwas, vor dem sie im Grunde kapitulieren müssten, weil es nicht aussprechbar – somit nicht denkbar? – ist. Dennoch versuchen sie es. Und das ist dann eben der Mythos aus religiöser Perspektive: Etwas, das man wahrgenommen hat, was man aber nicht wirklich aussprechen kann, dann mit Hilfe von unzureichenden Worten, die evtl. Emotionen auslösen können, damit meine Seele die des anderen berühren kann und er selbst zu diesem Finden dessen kommt, was ich wahrnehme. Es geht darum, dass an dieser Stelle eine unterschiedliches Menschenbild bzw. Weltbild zum Tragen kommt.
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Wenn ich Hiob und Paulus angesprochen habe: Es geht darum, dass Sie geschrieben haben, dass das Thema Erkenntnis eine der Philosophie sei. Mit Paulus wollte ich sagen: Das ist zu kurz gegriffen. Ob eine starre Trennung von Theologie und Philosophie angemessen ist, auch darüber lässt sich diskutieren. Beiden geht es um Wahrnehmung von Menschen und Welt – und das Metaphysische gehört dazu, auch wenn sich bei dem Begriff „Metaphysik“ nicht nur bei manchen Christen die Fußnägel kringeln, sondern auch bei Philosophen. Aber nichts desto trotz: Wir sind bei der Frage: Was leistet Sprache, was definieren wir wie… – und da gibt es naturgemäß massive Differenzen und somit Diskussionen.

„Im Neuen Testament spricht Paulus auch von Stufen der Erkenntnis im christlichen Bereich.“
Nun, ich denke, wir sollten hier zwischen (objektiver) Erkenntnis und vermeintlicher Erkenntnis – also Illusion – unterscheiden. Eine „christliche“ Erkenntnis kann es nur geben, wenn das Christentum – wieder einmal – den Anspruch erhebt, im alleinigen Besitz der Wahrheit zu sein! Doch dafür gibt es außerhalb der reinen Behauptung durch das Christentum nicht den geringsten Beleg.

WF: Inzwischen versuchen auch andere den Anspruch zu erheben, im Besitz der Wahrheit zu sein. Ich liebe Xenophanes – ich glaube ich schrieb es schon: Wenn einer die Wahrheit hat, dann weiß niemand, ob es die Wahrheit ist. Aber, auch wenn jeder das weiß, beharrt er auf seinen Standpunkt – und diskutiert, wenn er weltoffen ist, denn vielleicht erfährt er Neues, sodass er seinen Standpunkt revidieren muss. Aber so lange das nicht passiert, so lange sein Weltbild mit seinen Erfahrungen, seinem Denken kompatibel ist, so lange wird er diesen nicht verlassen, evtl. modifizieren. Was heißt: „außerhalb der reinen Behauptung“ – wie soll man Erfahrungen auf dieser Ebene des Religiösen vermitteln, unabhängig von Sprache, unabhängig von seinen Taten? Christen haben Geduld: Vielleicht kommt die Gotteserkenntnis ja doch noch. Wenn man sich offen hält für Gotteserfahrung und nicht blockiert, dann wird man sie machen – und dann? Dann ist der christliche Glaube eben auch Teil des jeweiligen Menschen, der diese gemacht hat. So real, wie sie für den Glaubenden immer real gewesen ist. Man kann mit Hilfe unserer heutigen, alles säkularisierenden Sicht sagen: alles psychisch bedingt. Aber hier muss ich die Katze aus dem Sack lassen: Für mich ist der Mensch mehr als ein Wesen, das in irgendwelche vermeintlich objektive Schublädchen gesteckt werden kann.

„Und er [Paulus] spricht davon, dass Gott in das Herz Regeln des Zusammenlebens hineingeschrieben hat.“
Auch diese vermeintliche Erkenntnis ist längst überholt. Kooperation bis hin zum Altruismus ist eine notwendige Voraussetzung für die Menschwerdung, d. h., ohne diese Eigenschaften hätten unsere affenähnlichen Vorfahren nie die Möglichkeit gehabt, sich weiter zu entwickeln. Darüber hinaus findet sich diese Regel bereits im sonstigen Tierreich praktisch bei allen Säugetierarten, die in Gruppen zusammenleben und jagen. Einfach deshalb, weil es anders gar nicht geht.

WF: Ein kleiner Unterschied zwischen Mensch und Tier: Ich weiß, auch beim Menschen gibt es Spontan-Handler – aber der Mensch hat die Fähigkeit sein Handeln zu reflektieren und sich zu fragen: Macht es Sinn, sich zu opfern? Und diese selbstbewusste Selbstaufgabe für andere – haben Sie das auch schon im Tierreich entdeckt? Ich bin in diesem Thema nicht so sehr bewandert – würde mich wirklich interessieren.

„Wenn wir uns die Philosophie anschauen, da wo es um die Frage der Erkenntnis geht, sprechen auch nicht alle mit einer Stimme – selbst Rationalisten sind sich nicht einig.“
Und doch ist diese Einigkeit größer als jemals zuvor. Weil nämlich die Kriterien für objektive Erkenntnis – nicht zuletzt von Karl Popper – fein säuberlich herausgearbeitet worden sind. Dahinter kann niemand, der in der Philosophie ernst genommen werden will, mehr zurückfallen.
Dank der evolutionären Erkenntnistheorie wissen wir heute ziemlich genau, wo objektive Erkenntnis möglich ist und wo uns unsere Sinne beim Erkenntnisprozess Streiche spielen können.
„es wimmelt nur so von religiösen Erkenntnissen. Aber spricht das gegen die Existenz Gottes?“
Wenn sich zwei „Erkenntnisse“ inhaltlich widersprechen, so ist notwendigerweise mindestens eine davon falsch.

WF: Genau, darum sagt ja auch jeder: Ich habe Recht. Aber auch hier muss ich Paulus ansprechen: Prüfet alles, das Gute behaltet – das heißt, auch in anderen Religionen und Weltanschauungen kann aufgrund meines christlichen Maßstabs Gutes erkannt und übernommen werden. Christen sind ja auch in gewisser Weise eine Art Staubsauger-Religion: Nippen an Philosophien (Stoa, Platon…) usw. – eben weil sie davon ausgehen, dass Gott eine Ahnung seiner selbst in die Menschen gelegt hat (Herz mag ich gar nicht mehr sagen, weil es eben als Organ nicht mehr metaphorisch verwendet werden kann?) Und: Wie geschrieben: Menschen haben diese Ahnung aus ihrer jeweiligen Kurzsichtigkeit (kann ich das metaphorisch noch sagen?) verfremdet. Anders gesagt: Gott hat den Menschen Freiheit geschenkt (Metapher?) – und so wendet er sich auch gegen Gott.
Popper in Ehren – aber meinen Sie, dass wir mit Popper im Grunde am Ende der Erkenntnis dessen, was objektive Erkenntnis ist, angelangt sind? Geschichte hält sicher noch so manche überraschende Erkenntnis für uns Menschen bereit. (Das deuten Sie im Schluss-Satz unten auch an.)

Die Nicht-Existenz „Gottes“ ist nicht beweisbar, jedenfalls so lange nicht, bis der bis hierher vage Begriff inhaltlich schärfer ausformuliert ist.

WF: Ich weiß nicht, ob ich mich wiederhole. Aber aus christlicher Perspektive kann Gott nicht beweisbar sein – denn wenn er beweisbar wäre, wäre der Mensch nicht mehr frei zu glauben. Das mag man als Ausflucht sehen: Wenn man als Christ keine Antwort mehr hat, dann reagiert man eben so, dass da keiner mehr irgendwo angreifen kann. Kurz: Wischiwaschi. Aber: Das ist die Logik christlicher Religion.

Je spezifischer eine Gottesvorstellung, desto leichter ist sie widerlegbar. Vielfach schon allein mit einer rein logischen Begründung (z. B. dass ein Gott gleichzeitig allwissend und allmächtig sein kann), mindestens aber ebenso häufig durch Überprüfung an der Realität („“Gott“ hilft den Seinen“ kann statistisch problemlos ad absurdum geführt werden).

WF: Auch hier aus christlicher Perspektive: Wischiwaschi: Jesus sagt den Seinen, dass er bei ihnen ist. Und er hilft aus christlichem Glauben heraus gesehen auch. Nur: Hilfe heißt nicht „retten“ – so sagt Jesus ja auch den Tod durch Verfolgung an. Das widerspricht dem, was man aus gut bürgerlichen Kreisen unter Hilfe und Rettung versteht. Aber auch hier befinden wir uns auf einer anderen Ebene. Wir bürgerlichen Menschen – Sie haben das ja auch mit Blick auf Reichtum angekreidet – interpretieren Jesus so, wie er uns lieb ist. Und dazu gehört eben auch: Er hilft aus aller Not – er gibt Erfolg (Erfolgschristentum) – der Gerechte kann nicht leiden… Aber Jesus selbst ist ja ein Beispiel dafür, dass das nicht hinhaut. An dieser Stelle bin ich auch Kritiker unseres bürgerlichen Christentums. Das hat dann eben auch zur Folge, dass die Theodizee-Frage dazu führen kann, dass sich Menschen von dem bürgerlichen Notretter-Gott abwenden, weil sie merken, das stimmt ja gar nicht. Gott ist vielfach anders, als wir es uns so ausdenken.

Und was die Worte „allmächtig“ und „allwissend“ betrifft – aus christlicher Perspektive sind diese Worte zu definieren. Und die Definition kann nicht von der griechischen Mythologie herkommen: Zeus… – sondern: Von Gott her muss man sehen, was allwissend und allmächtig usw. ist. Unsere Sprache ist begrenzt. Wir übernehmen Sprache – und irgendwann merken wir: Sie trifft nicht den geglaubten Sachverhalt. Wie lange hat es gedauert, bis man die Trinität oder das Verhältnis Gott-Mensch in Jesus Christus formulieren konnte. Und was ist dann diese Formulierung? Treffend – aber aus Sicht der säkularen Logik: Wischiwaschi. Das erinnert mich übrigens an die Versuche das zu formulieren, was unendliche Endlichkeit („All“ bedeutet). (Manche Christen versuchen eben die Begriffe Allmächtig usw. ganz aus dem christlichen Vokabular zu streichen. Aber das ist, denke ich, der Versuch, Gott objektivierend den Kritikern anzupassen.

Jede Religion verwickelt sich notwendigerweise in Widersprüche, da sie mit einer hypothetischen Entität umgeht, die losgelöst von der Realität gedacht werden müsste, von den Religionen aus durchsichtigen Motiven heraus aber in diese hineingezerrt wird. „Gottes“ Wirken in dieser Welt ist nicht nur nicht feststellbar, sondern anhand konkreter Ereignisse widerlegbar. Spätestens der 1. November 1755 hat die Illusion eines christlichen Gottes, der die Geschicke der Menschen beeinflusst, ein für alle Mal widerlegt und es ist ein leichtes, für jeden anderen konkret gedachten Gott einen entsprechenden Gegenbeweis zu liefern.

WF: Wir haben Gottesbilder – die Gottesbilder werden widerlegt. Aus meiner Perspektive ist das genau anders herum: Man versucht die Welt von Gott zu lösen – und nicht Gott in die Welt hereinzuzerren. Was nun? Zwei Weltbilder. Man ringt darum, dem jeweils anderen zu verdeutlichen, was gemeint ist. Ich habe die schlechteren Karten – zumindest ihrer Weltanschauung gegenüber – weil Chrstentums-Kritiker etwas verlangen, was ich aus genannten Gründen nicht liefern kann. Und hier haben religiöse Menschen welcher Religion auch immer Gemeinsamkeiten: Man muss nicht viel über Gott / Macht diskutieren, denn er ist real. Das wäre wie wenn einer versucht, die Sonne wegzudiskutieren, weil er sie nicht sehen kann.
Mit dem Judentum und dem Christentum und dem Islam haben wir es bekanntlich mit Offenbarungsreligionen zu tun: Gott muss sich dem Menschen zeigen, sich wahrnehmen lassen usw. (Mohammed hat diese Tradition auf seine Art aufgegriffen.) Das heißt: Gott selbst bricht in die Welt der Menschen hinein – Menschen nehmen ihn voller Schrecken wahr. (Aus dem Grund heißt es vielfach in biblischen Texten: Fürchtet euch nicht… – weil Menschen angesichts des hereinbrechenden Göttlichen in ihre kleine, verobjektivierte Welt in Panik geraten…)

Noch einmal: je „realer“ eine Gottesvorstellung formuliert wird, desto eher erweist sie sich als unhaltbar.
„freu dich freundlich darüber
mit den anderen Menschen,
die anderes erkennen und denken.“
Guter Ansatz, leider mit einem kleinen Denkfehler: „erkennen“ kann letztendlich nur intersubjektiv stattfinden. Nur wenn sich viele Menschen über einen Sachverhalt der Wirklichkeit austauschen und zu der selben Aussage darüber gelangen, kann man von Erkenntnis reden, die allerdings immer noch falsch sein kann (siehe Newtons Theorie der Gravitation).

WF: Diese letzte Ausflucht ist gut: Denn die Religiösen sind sich einig in der Frage der Existenz Gottes, einer Macht usw. Wissenschaft geht durch Irrtum hindurch usw. Und was sagt uns das? Und das formulieren Sie sehr schön:

Zu bejahen ist aber auf alle Fälle, dass man andere Menschen nicht für das verachtet, was sie denken und als richtige „Erkenntnis“ annehmen. Ich halte es da mit Goethe: „Es irrt der Mensch, solang er strebt.“ Zumindest kritisieren aber muss man die Zeitgenossen, die in ihrem Streben nach objektiver (ich vermeide bewusst das Wort „wahre“) Erkenntnis nachlassen oder es ganz aufgeben. Alles Wissen ist vorläufig und kann jederzeit durch eine höhere Erkenntnisstufe bereichert werden.<

*

Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit, dann würde ich auch auf den anderen Text eingegangen sein. Kommt noch. Ich hoffe, am Wochenende. Dann werde ich vermutlich auch die neuen Beiträge wieder hier einordnen: blog-diskussionen.wolfgangfenske.de

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