Alt-Neu

kätzch

Wenn Altes zusammenbricht, dann entsteht Neues. Das Neue, das entsteht, wird nicht ohne Schmerzen und Leiden kommen. Das wussten schon die alten hebräischen Propheten: Geburtswehen sind Kennzeichen dieser Neugeburt.  Es ist nie zu Ende – es sei denn, Gott hat es gesetzt. Es ist immer Übergang, Umbruch – die Menschheitsgeschichte kennt ständige Übergänge und Umbrüche. Es ist kein Ruhen, es ist ein ständiges Vergehen und Werden, Werden und Vergehen. Völker kommen und gehen. Kulturen kommen und gehen. Menschheitsgeschichte ist nicht Erstarrung, sondern lebendig.

Nur: Wie soll es weitergehen? Die Aufgabe besteht darin, das Alte möglichst dann zu erhalten, wenn es sich als gut erwiesen hat – das Neue nur dann aufzunehmen, wenn es gut zu werden scheint. Und dafür gilt es zu kämpfen – auch wenn man weiß: Es gibt immer wieder Geburtswehen der Gesellschaften, in denen der Schmerz größer ist als die Hoffnung.

Ich für meinen Teil denke, als Gesellschaft sollten wir darüber nachdenken: Was wollen wir? Auch: Was wollen wir behalten, was wollen wir von anderen übernehmen? Freilich wird es nie eine einhellige Meinung geben – aber was ich zum Beispiel nicht möchte ist: Unfreiheit / Knechtschaft, was ich nicht möchte ist eine Erniedrigung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihres Geschlechts, ihrer körperlichen Konstitution, ihrer Meinung; was ich nicht möchte ist, dass der Mensch in seiner Arroganz meint, den Menschen umerziehen zu müssen zu irgendwelchen gewalttätigen, ausgrenzenden, geschlechtslosen Zombies; was ich nicht möchte ist, dass Egoismus, Hedonismus, vor allem der Utilitarismus die Oberhand gewinnen.

Freilich: Wenn eine Gesellschaft darüber nachdenkt, dann setzt das voraus, dass man Bescheid weiß. Und da sehe ich das Problem: Ein großer Teil der Zeitgenossen lebt einfach seine jeweilige Gegenwart, er plappert nach, was andere ihm vorplappern, möglichst knapp, bunt, laut und spannend. Das möchte ich nicht verachten, denn: Was kann es schöneres geben, als seinen kleinen Alltag ohne viel Gedöns leben zu können. Danach dürfte sich der größte Teil der Menschheit sehnen: ohne Kriege, ohne Benachteiligungen, ohne hungern zu müssen, ohne Krankheiten – einfach sein kleines Leben in Ruhe leben zu können – welch ein Reichtum! Aber es gibt viele, die an einem solchen Leben knabbern, es wie Holzwürmer durchziehen, vermorschen lassen möchten. Diesen – auch wenn sie im Verborgenen ihr Unwesen treiben – darf keine Gesellschaft die Hoheit überlassen. Das heißt: Man muss seine Gesellschaft und alles genau beobachten, man muss Bescheid wissen, um solchen Umtrieben begegnen zu können.

Für uns Christen ist klar: Gott leitet uns – in welcher Gesellschaft auch immer wir leben, Gott leitet Menschen, wie auch immer Umbrüche sich gestalten. Für uns Christen ist klar: Es geht darum, die Kultur des Lebens zu fördern. Wo und wann auch immer.

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