Anonym + Zensur

Eine Gesellschaft besteht aus unterschiedlichsten Gruppen. Eine Allerweltsweisheit. Doch das scheint manchen nicht zu passen. Es gibt rechte und linke Gruppen, es gibt Erneuerer und Traditionalisten, es gibt Konservative und Progressive, es gibt Menschen, die lieber viel schlafen und solche, die Party machen und es gibt Menschen, die lieber zu Hause sind und solche, die ständig auf Achse sind. Es gibt lustige, laut lachende und stille, in sich gekehrte Menschen… Das sind alles – wie gesagt – Allerweltsweisheiten. Nur: Wenn das Allerweltsweisheiten sind, warum versuchen einige alle über einen Kamm zu scheren? Warum versuchen einige, andere Meinungen zu verhindern? Es gibt angesichts der oben genannten Unterschiede und Miriarden dazwischen Streit. Was ist daran schlecht? Streit als solcher ist notwendig, damit die Gesellschaft ihren Weg findet. Statt Streit, offener und munterer Schlagabtausch, scheint sich das Denunziantentum medial durchzusetzen. Man streitet nicht mehr, jeder Streit wird dämonisiert – statt dessen: man denunziert, emotionalisiert gegen irgendwelche Menschen, die einem nicht passen.

Nun bietet das Internet die Möglichkeit, anonym zu denunzieren, anonym andere fertig zu machen, unter falschen Namen über andere herzufallen. Wenn man dagegen ist, gegen diese Anonymisierungen – redet man da der Zensur das Wort? Ich denke nein, denn ich bin ein Mensch, der sagt: Jeder soll zu dem stehen, was er sagt, er soll das, was er sagt, auch ver-antworten. Und wer dazu nicht in der Lage ist, der soll zumindest aufpassen, welche Worte er wählt, dass er eben nicht über Andersdenkende herfällt – möglichst noch mit anderen wie eine blutgierige Hundemeute. Das sind Verhaltensweisen die wir bei anderen Kulturen ablehnen – und die sollten in unserer Kultur keinen Eingang finden. Wenn 10 über einen wehrlosen körperlich herfallen – was in letzter Zeit vermehrt zu lesen ist – dann ist das abscheulich. Übel ist auch, wenn 10 Anonyme über einen Menschen verbal herfallen.

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