Gebet

Beten verändert den Menschen. Gott ist keine Wunscherfüllungsmacht. Gott ist eine eigenständige Kraft, die einen eigenen Willen hat. Wenn unser kleiner Dickkopf auf Gottes Willen stößt, dann kann es sein, dass der Dickkopf frustriert wird. Auch dann, wenn es wirklich um ernsthafte, schwere Bitten geht, ist Gott keine Wunscherfüllungsmacht, sondern es geht darum, uns zu verändern. Es geht darum, dass wir unseren Willen dem Willen Gottes anpassen. Es geht darum, dass wir uns mit Gottes Willen synchronisieren.

Das Gebet lässt keinen kalt. Wenn es nicht erhört wird, ist man enttäuscht – wenn es erhört wird, ist man dankbar. Das Gebet ist etwas, das unser ganzes Wesen in Beschlag nimmt – von daher kann es uns so furchtbar frustriert zurücklassen. Das vor allem auch dann, wenn unsere ganze Liebe zu Gott in dem Gebet, unser ganzes Vertrauen zu Gott in dem Gebet Wort wird.

Doch wenn das Gebet nicht erhört wird, werden wir gottgemäßer. Gott synchronisiert uns. Menschen wollen diese Synchronisierung nicht – darum wenden sie sich enttäuscht von Gott ab und sagen: Es gibt dich nicht. Sie wollen – und das ist für jeden Menschen sehr verständlich – lieber einen Wunscherfüllungsgott.

Wer im Gebet lebt, wendet sich jedoch immer stärker von einem ersehnten Wunscherfüllungsgott ab – und wird immer dankbarer für die Synchronisierung mit dem Willen Gottes. Bald ist Gründonnerstag. Im Gethsemanegebet Jesu heißt es: Vater, lass diesen Kelch an mir vorübergehen – aber nicht mein Wille, dein Wille geschehe.

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