„Mehr Mitmachkirche“

Ein toller Artikel in Publik-Forum von Markus Dobstadt. Er ist 1A. Er ist Spitze! Er ist fulminantes – Klischee! Ein wunderbar zusammengwürfeltes Konglomerat an Vorurteilen: http://www.publik-forum.de/Rat-Tat/mehr-mitmachkirche Allein schon der erste Absatz „Die Gesellschaft wandelt sich rasant“ ist – nun ja… Ich bin kein Katholik, die Pfarrer sind bei uns verheiratet. Aber allein dieser Satz: Die Gesellschaft „akzeptiert … keine Priester mehr, die sich als exklusive Mittler zu Gott verstehen und dabei von den wirklichen Nöten der Menschen keinen blassen Schimmer haben“ ist unverständlich. Was ist das für eine Aussage? Die ist vollkommen Gaga. Das ist doch egal, was die Gesellschaft akzeptiert. Damit kann man doch in theologischen Fragen nicht argumentieren! Dann: Welche Gesellschaft? Die in Hessen? In Bayern? Evangelische und Katholische und Atheisten? In Südamerika, Afrika, China…? Was heißt das, dass Priester keine Ahnung von den Nöten der Menschen haben? Was ist das für ein arrogantes Gedösels – der Schreiber hat Ahnung von den Nöten der Menschen, nur weil er vermutlich verheiratet ist? Und wenn er nicht verheiratet sein sollte, läuft das unter dem Thema: Der Kreter sagte, alle Kreter lügen (Alle Unverheirateten haben keine Ahnung, ich bin unverheiratet und habe – Ahnung?). Nun, in dem Artikel laufen die vorangehenden Texte der Reihe noch einmal Revue. Es gibt unterschiedliche Ansätze, Versuche, Kirche darzustellen. „Eines ist allen Interviewten gemeinsam: Sie fordern eine Kirche, die näher bei den Menschen ist, die Nächstenliebe zeigt und nicht belehrt, die Menschen in ihrer Suche ernst nimmt und nicht fix und fertige Antworten präsentiert…“.

Näher bei den Menschen? Kirche ist bei den Kranken, Sterbenden, sie ist bei Menschen in Not unterschiedlichster Art, ich erinnere an Caritas und Diakonie, ich erinnere an die vielen, vielen Aktionen vor Ort, die von den Menschen gestaltet werden, die eben Kirche sind, erinnere an die Priester und Ordensleute, die sich weltweit für alle möglichen Hilfsbedürftigen nicht nur einsetzen, sondern sich für sie aufreiben.

Eine Kirche, die nicht belehrt? Wow. Ich sage Euch nichts von Jesus Christus, von Gott, von Ethik der Christen – macht doch was Ihr wollt, liebe Leute, glaubt, was Ihr wollt, denkt Euch, was Ihr wollt – Kirche liebt alles!

Eine Kirche, die Sucher ernst nimmt und nicht Antworten präsentiert? Neulich auf der Straße – fiktiv: Wo ist hier die Wilhelm-Leuschner-Straße? Da sagte ich: Lieber Mann, ich nehme Sie bei Ihrer Suche ganz ernst. Darum werde ich Ihnen keine fertige Antwort präsentieren!

Im nächsten Satz heißt es: „Gemeinschaftserlebnisse oder spirituelle Erfahrungen können Sinn stiften.“ Wieder ein herzhaftes: Wow! Die Kommunisten marschieren – welch Gemeinschaftssinn, die Nationalsozialisten dröhnen, welche Gemeinschaftssinn! – Gemeinschaftssinn ist doch kein Wert an sich! Spirituelle Erfahrungen sind doch keine Werte an sich! Da hat einer spirituelle Glücksgefühle, wenn er seine Heilsteine berührt, der andere, wenn er sein Kuscheltier sieht, der dritte, wenn er heilige Steine aufsucht. Was ist das? Was hat das mit Kirche zu tun?

Man kann die Hierarchie kritisieren, man kann und muss Institutionen kritisieren – aber Kritik muss Hand und Fuß haben, damit sie ernst genommen werden kann – und das hat dieser Artikel nicht. Man kann sich nicht einfach auf irgendwelche Gefühligkeiten berufen, seien es eigene, seien es die anderer. Ich fühle es: Man muss heiraten – also ist Zölibat schlecht. Das ist doch nichts. Denn diese Aussage zeigt vollkommene Ahnungslosigkeit von der tiefenpsychologischen Bedeutung des zölibatären Lebens in allen wichtigen Religionen. Man kann nicht einfach Missbrauchsbeispiele heranziehen, um eine Institution zu zerstören, weil jeder sieht, dass es überall schwarze Schafe gibt, üble Menschen – und gerade die Institution ist langsam aber sicher entstanden, um dem vollkommenen Chaos der frühen Kirche einen Riegel vorzuschieben – und so versuchen sogar charismatische Gemeinden zurzeit ein paar Kriterien zu erstellen, weil sie merken, dass Scharlatane im Namen Jesu Christi unterwegs sind. Man darf es sich nicht zu einfach machen – wenn man ernst genommen werden will. Wahrscheinlich soll der Artikel auch nur ein paar Gleichgesinnten Honig um den Bart schmieren.

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Eine Antwort auf „„Mehr Mitmachkirche““

  1. Danke für die wunderbare Demaskierung eines dieser publik-forum-Texte. Ich hatte mich da vor ca 10 jahren mal engagiert. Seither WEISS ich, daß die nur geistigen „Müll“ produzieren. Gutmenschliches zum Quadrat. Und konsequenterweise lese ich NICHTS mehr aus dieser Richtung (außer soeben). Diese Zerschmetterung eines scheinbar wohlklingenden, in Wirklichkeit nahe beim Schwachsinn angesiedelten Textes – TUT EINFACH NUR GUT !!! DANKE !!!

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