Konservativ

Konservatives wird reduziert auf: Akzeptanz der Atomkraft, gegen Homo-Ehe, gegen Berufsoldaten, gegen Veränderung des dreigliedrigen Schulsystems, gegen Islamunterricht, gegen Gender… usw. usw. Aber es geht doch nicht um diese Dinge, sondern sie sind Ausdruck einer Veränderung des Weltbildes. Atomkraftwerk: Es würde wohl kaum einen geben, der nicht bereit wäre, die Atomenergie sausen zu lassen, wenn wirtschaftlich preiswerte Alternativen vorhanden sein würden. Wir stecken in einem wirtschaftspolitischen Experiment, bei dem sich alles massiv wirtschaftspolitisch verändern könnte: Auch Deutschland lebt nicht allein von Luft und Liebe. Homo-Ehe: Die Menschheitsgeschichte hat Gründe, die Homossexualität unter besonderer Beobachtung zu halten – denn kein Land lebt von Homoerotik, es lebt von Nachkommen. Auch dieses Experiment wird diesem Land teuer zu stehen bekommen – freilich sind damit andere Punkte engstens verbunden: Konservative sind auch gegen die Abtreibung, die ebenfalls dazu beiträgt, dass die Menschen eines Landes unverantwortlich reduziert werden – es sei denn – und da sind wir bei dem nächsten konservativen Weltbild: Man legt Wert darauf, dass es das eigene Volk noch gibt, dass es sich im Chor der Völker noch behaupten kann. Das hat mit Nationalismus nichts zu tun: Es wird überall bedauert, dass Völker, Stämme aussterben – weil es eine Verarmung der Welt bedeutet: Und bei unserem Volk sollte man froh sein, dass es sich selbst auflöst? Konservatives Weltbild hat auch mit dem Thema Ethik zu tun – und zu unserem Weltbild gehört nun einmal, dass jedem Menschen gleichermaßen Würde zukommt – das bedeutet nicht, dass jeder tun und lassen darf, was er mag. Dieses Weltbild wird ausgehebelt durch die Abtreibungen von Kindern, von denen man denkt, sie könnten behindert werden. Dann kommt PID dazu, es wird auf kurz oder lang Sterbehilfe dazu kommen – man kann die Erosion von Werten schon voraussehen – und damit verbunden ein ganz anderes Menschenbild – eines, das nicht unbedingt die Welt besser macht, sondern den Schweinehund im Menschen fördert – damit die Gesellschaft aggressiver macht, sie aber gleichzeitig in ihrem Zusammenhalt schwächt. Zum Konservativen gehört in unserem Land auch die Vorstellung, dass Bürger für die Verteidigung des Landes zuständig sind – keine Söldner, keine Befehlsempfänger irgendwelcher Potentaten. Insofern war der Bürger in Uniform eine gute Voraussetzung, hier die Quadratur des Kreises zu probieren, das von der Politik ohne Not abgestellt wurde.

Das steckt dahinter. Die Veränderungen durch die Kanzlerin und die CDU sind nur Symptome auf dem Weg zu einer vollkommen anderen Welt – das heißt, zu einer vollkommen anderen Gesellschaftsordnung, weil das Menschenbild ein anderes sein wird. Diese mediale Schelte der nicht konservativen Presse, weil die bösen Konservativen für Atomkraftwerke sind, gegen Homo-Ehe, gegen Abtreibung, für die Teilung in Schlaue und Dumme (Schulsystem), für die Ausgrenzung der Muslime (Islamunterricht), gegen Sterbehilfe, für Wehrdienst… – ist eine Verkürzung der Tatsachen aus Propagandazwecken. Wir müssten als Gesellschaft überlegen: Was für eine Welt wollen wir? Was für eine Gesellschaft? Sind manche Wege kurzfristig wunderbar – bedeuten aber längerfristig gesehen großen Schaden für unsere Nachkommen? Dazu benötigt man freilich ein wenig Geschichtskenntnis, man benötigt Empathie mit Blick auf die Menschheitsgenerationen vorher – also konservatives Denken -, man muss über unser Land hinausschauen und sehen: Welche Systeme haben andere Länder, geht es ihnen gut damit? Hilfreich ist nicht der Gedanke: Wir wissen alles besser, wir sind autark, wir können alles besser, wir sind die Champions. Hochmut kommt vor dem Fall. Manche scheinen zu denken: Und wenn, ich muss es ja sowieso nicht mehr miterleben.

Sicher: Was als konservativ bezeichnet wird, muss nicht mit anderen Konservativen kompatibel sein, denn es handelt sich ja nicht um eine Ideologie. Christlich Konservative haben wieder eine andere Weltsicht als National-Konservative usw.

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Eine Antwort auf „Konservativ“

  1. Echolot sagt:
    3.3.2013 bei 19:22
    Wieder einmal gilt WF herzlicher Dank für seine tiefgründenden Gedanken -hier zu dem Terminus “konservativ”, der in unseren Tagen wohl wie selten zuvor missbraucht und wissentlich/willentlich Sachverhalte pervertierend eingesetzt wird. Dass auch dieser Blogbeitrag von vielen, vielen Mitbürgern und Mitbürgerinnen gelesen und bedacht wird, wünscht mit Segenswünschen für die neue Woche das
    Echolot

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