Europa-Rede Gaucks

Zur Europa-Rede Gaucks http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Joachim-Gauck/Reden/2013/02/130222-Europa.html ein paar Gedanken:

Er spricht davon, dass wir eine unterschiedliche Wahrnehmung haben: Außerhalb Europas fühlen wir uns als Europäer, in Europa zB als Deutscher, in Deutschland zB als Hamburger. Er sagt, dass identitätsstiftende Bezüge die griechische Antike, die römische Reichsidee, jüdisch-christliche Glaubenstraditionen seien. Und: „Wir Europäer haben keinen Gründungsmythos nach der Art etwa einer Entscheidungsschlacht“… – Meine Frage ist: ist der Sieg über das Nazi-Deutschland, nicht eine Art Gründungs-Anlass? Weiter: Unsere „identitätsstiftende Quelle“ seien Frieden, Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Gleichheit, Menschenrechte, Solidarität. „Unsere europäische Wertegemeinschaft will ein Raum von Freiheit und Toleranz sein. Sie bestraft Fanatiker und Ideologen, die Menschen gegeneinander hetzen, Gewalt predigen und unsere politischen Grundlagen untergraben.“ Und hier stellt sich mir die Frage: Tut sie das? Lässt sie Menschen, die unsere Grundlagen untergraben, nicht zu viel Raum? Und diese Frage stellt sich auch in Bezug zur nächsten Aussage: „Der europäische Wertekanon ist nicht an Ländergrenzen gebunden und er hat über alle nationalen, ethnischen, kulturellen und religiösen Unterschiede hinweg Gültigkeit. Am Beispiel der in Europa lebenden Muslime wird dies deutlich. Sie sind ein selbstverständlicher Teil unseres europäischen Miteinanders geworden. Europäische Identität definiert sich nicht durch negative Abgrenzung vom anderen. Europäische Identität wächst mit dem Miteinander und der Überzeugung der Menschen, die sagen: Wir wollen Teil dieser Gemeinschaft sein, weil wir die gemeinsamen Werte teilen.“ Und diesen Satz finde ich nun doch wieder erstaunlich. Denn das beinhaltet, dass diejenigen, die in Europa leben wollen, die Werte Europas – die zuvor genannt wurden – akzeptieren müssen.

Gauck schließt seine Rede mit Apellen. Bürger sollen sich mehr für Europa engagieren. Ich denke, dass die oben genannten Werte wesentlich sind, aber zu abstrakt. Ich hatte neulich im Blog den Versuch, klassische Stücke aus Europa zu nennen. Wir haben in dieser Hinsicht kulturelle Einheit. Wir könnten Schriftsteller nennen – die das Europa formten, Philosophen, die unser gegenwärtiges Denken prägten. Ein großer Grenzen übergreifende Komplex – allerdings nicht auf Europa bezogen -, sind die Wissenschaft und Kirchen. Wissenschaft – hat sie Europa-Bezüge? Kirchen haben unsere Europa-Kultur sehr stark geprägt (Klöster+Bildung+Gesundheitswesen…). Gibt es auch auf kirchlicher Ebene der Neuzeit gravierende Initiativen? Über die großen Kirchen hinaus seien genannt: Paneuropa-Bewegung http://de.wikipedia.org/wiki/Paneuropa-Union . Weitere Aktionen siehe: http://blog.wolfgangfenske.de/2012/10/13/eu-friedensnobelpreis/

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