Kritik an Kirche (6): HIKS

Weitere Vorwürfe an die Kirchen sind zusammenzufassen unter HIKS: Hexenverbrennung, Inquisition, Kreuzzüge, Sklaverei. Zu den jeweiligen Punkten habe ich im Blog immer wieder schon intensiv etwas geschrieben, von daher hier nur ganz kurz. Im Blog sind die Beiträge über das Suchfeld links unten zu finden.

Hexenverbrennung: Hexen (Frauen, Männer, Kinder) zu verbrennen und zu foltern, ist keine Spezialität der Kirche, sondern ist weltweit zu finden. Warum? Hexen, Magier und ähnliche gelten als die Menschen, die fähig sind, die Welt zu gestalten. Sie können Hunger und gute Ernten kommen lassen, sie können Gesundheit und Epidemien bzw. Krankheiten kommen lassen. Hexen/Magier sind die Macher, sind diejenigen, die Gewalt und Macht haben. Und wenn es schlimm läuft (Hunger, Kälte, Epidemien), dann sind sie diejenigen, die das nicht verhindert haben. Und der Zorn des Volkes entlädt sich auf diese. Und so ist auch in unseren Breiten sichtbar, dass die Hexenverfolgung überwiegend im Übergang von kirchlicher zu staatlicher Rechtsprechung stattgefunden haben (und auch Priester waren unter den Opfern). Das Problem ist, dass Menschen der Kirche diesem Zeitgeist-Horror in manchen Gegenden Vorschub geleistet haben, dass sie mitgemacht und forciert haben. Es handelt sich also um ein gesamtgesellschaftliches Problem, gegen das sich Menschen der Kirche nicht massiver aufgelehnt haben – einige schon, und die sind heute ja auch berühmt, wie in diesem Zusammenhang Spee. Ganz wenige haben sich nicht dem Zeitgeist angepasst, sondern sind mutig gegen diesen Wahn aufgestanden. Zu wenig. Und vor allem auch: Zu wenig, die Macht hatten. Dass das Hexenproblem heute allein den Kirchen in die Schuhe geschoben wird und nicht unseren Vorfahren insgesamt, das hängt wieder mit dem zusammen, was wir schon hatten: Die glorreiche Zeit der Aufklärung wollte sich vom finsteren Mittelalter der Kirchen abgrenzen.

Inquisition: Die Inquisition betraf im Wesentlichen nicht den Normalbürger, sondern Menschen der Kirche, die eine andere Lehre als die offizielle Lehre vertreten haben. Das macht die Sache aus heutiger Sicht freilich nicht besser. Aber aus der damaligern Sicht war es eine Verbesserung der Justiz. Warum? Weil es darauf ankam, nicht mehr nur einen Menschen zu bestrafen, sondern es galt herauszufinden, ob er schuldig oder unschuldig ist – und das eben mit Hilfe von Befragungen. Dass Folter darunter fiel, ist aus heutiger Sicht sehr schlimm, aber die guten Menschen sind damals nicht so vom Himmel gefallen – wie sie es heute tun. Heute sind wir alle rein, freundlich, unschuldig und gut, hegen auch eine solche Gesinnung. Entschuldigt die Ironie. Aber wenn wir manch Grausamkeiten im Untergrund unseres Landes ansehen, und keiner tut etwas dagegen, weil es keiner sehen will, dann kann man nur sarkastisch werden, wenn sich Zeitgenossen über die Vorfahren überheben. Zurück zum Thema: Es galt eben, die Lehre rein zu halten. Warum? Das Gottesbild war sehr stark von dem alten Geist geprägt: Götter strafen – und auch Gott straft, wenn wir uns falsch verhalten oder falschen Lehren Vorschub geben (in der Antike: falsch Opfern, Vorzeichen nicht beachten usw.) mit Pest, Krieg usw. Das neue Testament kam kaum mehr zu Wort. Es war der alte Mensch mit seinem Machtgelüste, seinen Ängsten, seinem Wahn – und das ist bis heute gefährlich, wenn ganze Gruppen irgendeinem Wahn verfallen.

Kreuzzüge: Das oströmische Reich, Byzanz, stand durch die anrennenden muslimischen Armeen unter Druck und bat den Papst um Hilfe. Der Papst hatte keine Armee. Und so musste er die weltlichen Armeen zu Hilfe rufen. Das hätte keinen Erfolg gehabt, wenn er gesagt hätte: Rettet Byzanz, sondern es half, zu sagen: Befreit die heilige Stadt Jerusalem von den Heiden (oder den Ketzern – als die die Muslime angesehen worden waren). Das animierte die Menschen. Warum Jerusalem? Wenn die Heere in den Süden geleitet werden, werden sie ebenfalls von den Grenzen Byzanz abgelenkt. Ein bisschen militärisch taktisch klug haben die Leute damals schon gedacht. Zum anderen hat der Papst noch etwas damit erreicht: Die alten Vöker haben aufsässige junge Männer, die die Gesellschaft durch Raubereien, Vergewaltigungen und Überfallen verunsicherten, auf Schiffe gesetzt und Kolonien gründen lassen. Das konnte der Papst nicht tun, wurde sie aber auf diese Weise los. Man muss auch daran denken, dass es so etwas wie eine Staatsmacht, die das Recht durchsetzt, nicht gab. Der Vorwurf, ohne Religion gäbe es keine Kriege, zeigt nur das Unwissen dessen auf, der das behauptet. Alexander der Große, Perser… – Kriege wegen Religion? Mongolen, Chinesen, Japaner führten Kriege wegen Religion? Römer führten Kriege wegen Religion? Die vielen Stammeskriege überall auf der Welt: wegen Religion? Nationalsozialismus, Kommunismus, Kapitalismus – Kriege wegen Religion? An diesem Vorwurf sieht man besonders deutlich, wie sehr diese Themen dazu verwendet werden, Unwissende gegen Religionen einzunehmen. Natürlich gab es auch Kriege, die religiös begründet wurden, und es gab Kriege wegen der Religion. Aber diese haben nur Teil an der Aggressivität des Menschen. Manche Religionen fördern Kriege, das ist klar und muss hier nicht weiter vertieft werden.

Sklaverei: Sklaverei ist so alt wie die Menschheit. Denn Sklaven haben, bedeutete Reichtum und Macht. Frühe Christen haben Sklaven und Herren auf einer Ebene gesehen, konnten jedoch als die paar Anhänger Jesu gegen Sklaverei nichts unternehmen, weil das als Aufruhr angesehen worden wäre. Ihr Kampf gegen die Sklaverei bestand eben darin, Herren und Sklaven für gleich zu erklären, sie auf eine Ebene zu stellen. Christen kamen an die Macht – es waren Zeiten des Übergangs. Im Mittelalter schon wurde die Sklaverei verboten – freilich dann auch wieder erlaubt, weil die islamischen Sklavenzüge sozusagen diese Rache zur Folge hatten: Wenn die unsere Leute versklaven, versklaven wir sie auch. (Ob es den Leibeigenen besser ging als den Sklaven, ist freilich eine andere Frage.) Sklaverei im großen Stil wurde aber erst dann populär, als es um Wirtschaftsfragen ging. Das hatte mit dem christlichen Glauben nichts zu tun, sondern mit dem Geiz einzelner, die sich dem christlichen Glauben zugerechnet haben und eben dem Machtwillen ganzer Nationen, die christlich waren (z.B. Spanien). Christen waren es dann jedoch, die sich massiv gegen die Sklaverei eingesetzt haben (z.B. Wilberforce). Und wie sieht es heute aus? Pro Familie schuften ca. 20 Menschen als Sklaven, um unseren mitteleuropäischen Wohlstand zu erhalten. Was machen wir dagegen? Wissen es manche überhaupt?

An diesen Themen zeigt sich vielfach: Wenn wir mit dem Finger auf unsere Vorfahren zeigen, zeigen drei Finger zurück. Wir sind nicht unschuldig – und kommende Generationen werden uns bitterböse Vorwürfe machen. Man spricht auch von struktureller Schuld – also Schuld, in die man eingebunden ist, ohne sie direkt wahrzunehmen bzw. gegen die man nur mit äußerster Anstrengung etwas tun kann, weil die Strukturen der Gesellschaftssysteme diese fördern. Das sind wirklich eine Entschuldigungen der Vorfahren. Viele sind schuldig geworden. Auch die Herren der Kirche. Aber wir machen es uns zu leicht, wenn wir einfach auf die anderen zeigen.

Impressum auf www.wolfgangfenske.de  s. auch  www.w-fenske.de/kritik-an-der-kirche.html