Kritik an der Kirche (4): Heuchelei+Erde+Sonne

Neben den Kritiken zu dem Thema Sexualität, die in den vergangenen Tagen angesprochen wurden, gibt es Kritik, dass die Gottesdienstbesucher Heuchler seien: Sie gehen in den Gottesdienst, obwohl sie nicht glauben, sie ziehen sich schick an, nur um den anderen zu zeigen, was sie so haben und um Ansehen zu gewinnen.

An diesem Vorwurf sehen wir, wie lang sich alte Vorwürfe halten können, obgleich sie mit der Realität nichts mehr zu tun haben. Wer heute in unserem Land noch zur Kirche geht, der hat keine Profilierungssucht, sondern sucht neben Hilfestellung für den Alltag auch Gemeinschaft. So manche auch alte Menschen müssen sich von anderen Vorhaltungen machen lassen: Du gehst noch in die Kirche? Hast du am Sonntag nichts Besseres zu tun? Ich weiß nicht, aber es scheint so, dass diese Vorwürfe im Grunde nur der Stabilisierung des eigenen schlechten Gewissens dienen, und begründen sollen, warum man selbst nicht geht – vor allem aber auch andere davon abhalten sollen, in den Gottesdienst zu gehen, denn sonst setzen sie sich auch entsprechenden veralteten und banalen Vorwürfen aus. Darüber hinaus scheinen sie sich dem Mainstream anzupassen – also Mitläufertum zu sein – heute geht man nicht mehr stolzierend in die Kirche, darum hat man andere Zusammenkünfte, in denen man stolz seine Kleidung zeigen und Ansehen unter Gesinnungsgenossen gewinnen kann.

Aber diese alten unausrottbaren Vorwürfe haben Teil an den anderen uralten Vorwürfen, die ebenso keinen Anhaltspunkt mehr haben: Die Erde ist eine Scheibe – haben die dummen Christen behauptet und sind nicht davon abgewichen. Dieser Vorwurf kommt von den Aufklärern des 18. Jahrhunderts, um sich auch hier hochmütig von den Alten abzusetzen. Denn wie Forschungen zeigen, war diese Weltsicht schon lange vor der Aufklärung passe.

Dann wird der Vorwurf erhoben, dass die Kirche so lange brauchte, um das heliozentrische Weltbild anzuerkennen. Das stimmt so auch wieder nicht, denn Kirchenmenschen haben schon früh versucht, das Weltbild wissenschaftlich darzustellen, – sie konnten es nur nicht beweisen. Und auch der berühmt berüchtigte Galileo Galilei (+1642) konnte es nicht beweisen. Dann verhärtete sich die Sicht der katholischen Kirche gegen das heliozentrische Weltbild, das geozentrische Weltbild wurde dann aber 1757 wieder aufgehoben. Und wie lautet der Vorwurf gegen die Kirchen bis heute? Platte Erde – Sonne dreht sich um sie. Man muss schon eine gehörige Portion Unwissen mitbringen, um das zu vertreten – aber das hält sich bis in die Gegenwart hartnäckig. Übrigens: Heute ist es anders, da werden auch von kirchlicherseits wissenschaftliche Vermutungen einfach nachgeplappert, obgleich sie nicht bewiesen sind – nur um sich nicht irgendwie als Außenseiter darzustellen. In 100 Jahren wird man sagen: Schaut, wie doof die Kirche war, sie hat Vermutungen nachgeplappert, obgleich sie unbewiesen waren.

Nur eine Frage: Wer meiner Leser ist sich dessen bewusst, dass das heliozentrische Weltbild keine Relevanz mehr hat, seit man eben erkannte, dass das Sonnensystem nur ein minikleiner Teil einer der vielen Galaxien ist? Daran sieht man, wie sehr sich auch in dieser Hinsicht Traditionen halten. Übrigens auch in der Sprache: Die Sonne geht auf… 🙂

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