Kritik an der Kirche (3): Verhütung

Der dritte Kritikpunkt richtet sich gegen das Verbot von Verhütungsmitteln in der katholischen Kirche – ich muss sagen, dass ich evangelisch bin und einen anderen Standpunbkt einnehme – dennoch nenne ich diese Argumente, weil ich der Empörungsmaschinerie entgegentreten möchte.

Die Grundlage dieses Verbotes besteht darin, dass Sexualität nur im Rahmen der Ehe stattfinden darf. Und in der Ehe benötigt man keine Verhütungsmittel. Nun wird dagegen eingewendet: Aber dann bekommen Frauen ja ununterbrochen Kinder. Sicher, aber nur wenn das Paar es will, denn es besteht ja bekanntlich die Möglichkeit, Zeugung weitgehend dadurch zu vermeiden, dass man nur in den Zeiten miteinander verkehrt, die eine Zeugung unwahrscheinlicher machen. Natürlich kann man sagen: Aber da werden die Leute ja gezwungen, enthaltsam zu leben! Menschen werden auch sonst häufig im Leben gezwungen, enthaltsam zu leben: Krankheiten, Unlust des Partners, räumliche Distanz aus beruflichen Gründen… Ein weiterer Punkt, der gegen die Verhütung eingebracht wird, ist der, dass nicht der verantwortliche Umgang miteinander im Vordergrund steht, sondern die Triebabfuhr. Gegen künstliche Verhütung (Pille) wird unter anderem eingewendet, dass sie nicht ungefährlich sei und dass Frauen, die diese genommen haben, nur noch eingeschränkt bzw. verspätet nach Absetzung Kinder bekommen könnten. Beides ist bekanntlich nicht ganz von der Hand zu weisen.

Eine Kritik, die mit dem Thema Verhütung zusammenhängt ist die, dass gesagt wird, dadurch würde in afrikanischen Ländern Aids eingedämmt werden. Dazu a) Wenn die Voraussetzung eingehalten wird: Kein Sex vor der Ehe, dann ist diese Gefahr auch nicht gegeben; b) Aids wird massiv durch Vergewaltigungen übertragen – und Vergewaltiger werden sich kaum Kondome überziehen; c) auch habe ich gelesen, dass Verhütung von vielen als kolonialer, rassistischer Druck zur Dezimierung der Schwarzen angesehen wird. d) So großen Einfluss hat die katholische Kirche in diesen Ländern auch nicht, dass die Menschen sich an ihre Vorgaben halten. Man kann also auch an dem Thema sehen, dass es nicht um Empörungen gehen sollte, sondern um Argumente. Denn man tut in den Medien immer so, als handele es sich mit dem Verhütungsverbot nur um alte dogmatische Vorgaben – aber es gibt, wie gesehen, Argumente. Ob sie stichhaltig sind oder nicht, das ergibt sich bei einem Austausch der Argumente und nicht bei einer Disqualifizierung des Gesprächspartners, bevor die Argumente ausgetauscht wurden. Ein weiterer Aspekt: Durch die Verhütungsmittel verhindert man freilich auch, dass Jugendliche zu früh ungewollt schwanger werden. Machen Erwachsene sich die Aufklärung dadurch nicht zu leicht? Vermeidet man dadurch nicht auch, Jugendliche zu Menschen zu erziehen, die auch in sexuellen Fragen Verantortung übernehmen können, sollen? Wenn Kinder/Jugendliche gut erzogen werden, nimmt man sie durch Auflegen von verantwortung auch in dieser Hinsicht nicht erst ernst? Oder hat das Denken: Hauptsache Spaß, oder: die schaffen es ja doch nicht im Grunde verhindert, Verantwortung zu verlangen? Sicher: Es ging schon immer etwas schief, so lange es Menschen mit Kultur gab. Vielleicht sollte jedoch dieser Aspekt „Verantwortung übernehmen“ wieder stärker in den Fokus gerückt werden?

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