Kritik an Kirche (2): Abtreibung

Ein weiterer wesentlicher tagespolitischer Kritikgrund ist die Frage nach der Abtreibung, gefördert durch das Beispiel in Köln.

– Es hat sich noch nicht herumgesprochen, dass – wenn ich richtig informiert bin – die Pille danach schon von der einweisenden Notärztin verschrieben worden war.

– Es hat sich noch nicht herumgesprochen, dass – wenn ich richtig informiert bin – die betroffenen Krankenhäuser nicht zu den Häusern gehören, die eine Spurensicherung vornehmen dürfen.

Dennoch scheint mir das nicht das eigentliche Problem gewesen zu sein, sondern es geht darum, dass die katholische Kirche Abtreibung auch dann nicht erlaubt, wenn Frauen vergewaltigt worden sind. Warum nicht? Unser Gesetz erlaubt Abtreibungen nur in Notfällen, auch wenn sich bei vielen in der Gesellschaft die Meinung durchgesetzt hat, Abtreibung sei eine Art der Verhütung. Mit der Verschmelzung von Samenzelle und Eizelle beginnt das menschliche Leben – und darum steht bei einer Abtreibung immer ein Leben auf dem Spiel und die Kirche sieht sich als Lobby der Ungeborenen an. Und Abtreibungen sind, konsequent weiter gedacht, nur dann erlaubt, wenn das Leben der Mutter auf dem Spiel steht. Der Gesetzgeber sieht hier jedoch einen anderen Modus vor, wenn es eine Notlage als Argument mit in die Diskussion einführt, weil nicht nur das Leben der Mutter, sondern auch die Psyche der werdenden Mutter in den Fokus gerückt wird. Wobei die katholische Kirche ebenso die Psyche mit berücksichtigt – nur eben argumentativ auf einer anderen Ebene: Durch die Schwangerschaft verändert sich schon viel in der Frau – und ein Abbruch schadet ihr auch langfristig psychisch. Wie dem auch sei: Wir sehen, dass hier unterschiedliche Menschenbilder und Erfahrungen miteinander ringen. Und darum sollte es gehen: um Argumentation und nicht um Empörung.

Was das Thema Vergewaltigung und Pille danach betrifft, hat sich die Diskussion ja ein wenig dadurch entspannt, dass deutlich wird, dass die modernen Pillen den Eisprung hinauszögern, damit eine Befruchtung nicht stattfinden kann. Und wenn doch eine mögliche Befruchtung stattgefunden haben sollte, der Arzt verantwortlich über die weitere Vorgehensweise entscheiden sollte. (Was von Hardlinern freilich auch abgelehnt wird.)

Meine Frage ist jedoch immer wieder auch die: Tut unsere Gesellschaft genug gegen Vergewaltigungen? Werden Frauen/Mädchen und Jungs/Männer genug in dieser Hinsicht sensibilisiert? Gibt es – unabhängig von Männern anderer Kultur – bei uns noch versteckte Strukturen, die Vergewaltigungen fördern? Der Ruf nach Abtreibung ist leicht geschrien – der Versuch, Vergwaltigungen in einer Gesellschaft einzudämmen, kostet viel Kraft.

Wie stehe ich selbst dazu? Ich möchte ein Kind als Ausdruck der Liebe bzw. des freiwilligen Zusammenseins zweier Menschen sehen, darum denke ich, dass einer Vergewaltigung dann eine Abtreibung folgen kann, wenn die Frau sich nicht in der Lage sieht, auch nicht durch genügend Hilfestellungen, dem sich entwickelnden Menschen in sich Lebensraum zu geben. Freilich sehe ich die Problematik.

Impressum auf www.wolfgangfenske.de  s. auch  www.w-fenske.de/kritik-an-der-kirche.html