Kritik an Kirche (1): Missbrauch

Gegen die Kirche wird recht viel vorgebracht – ich werde in den nächsten Tagen immer mal ein Thema ansprechen. Es soll keine Apologie der Kirche sein, sondern nur Klarstellung. Die Gesamtdarstellung – so weit sie bislang fertig ist, ist zu finden:  www.w-fenske.de/kritik-an-der-kirche.html

Zunächst zu tagespolitischen Kritikpunkten, dazu gehören in letzter Zeit vor allem der Missbrauch vor allem von Jungs dazu:

– Es hat sich inzwischen leider noch nicht herumgesprochen, dass die Missbräuche in der Kirche nicht stärker sind als in der sie umgebenden Gesellschaft, im Gegenteil.

– Es hat sich auch noch nicht herumgesprochen, dass diese zu einem Teil von der damals herrschenden Zeitströmung gefördert wurden, weil die Pädophilen sich aus ihrer Zurückgezogenheit dazu ermuntert sahen, herauszukommen. Das ist zum Beispiel sichtbar an der Stellung so manches Grünen zu der Frage, ob Pädophilie legalisiert werden solle oder nicht, da sie als eine normale Form der sexuellen Orientierung angesehen wurde (und in manchen Kulturen ja auch als eine solche angesehen wird). (1970 Gründung einer Gruppe, die für die Rechte der Pädophilen eintraten, unterstützt von vielen so genannten alternativen Gruppen.) Es sei dabei auch an die pädagogisch fortschrittliche Odenwaldschule erinnert und an die vielen Mitwisser um den britischen Journalisten und dem deutschen Schauspieler. (Und ich bin mir sicher, wenn man dem allen weiter nachgehen würde, würde noch so manches ans Licht kommen.) Damals wurde unter anderem auch aus diesem Grund der Kirche vorgeworfen, dass sie nicht mit der Zeit ginge, weil sie diese und andere sexuelle Freizügigkeiten abgelehnt und bekämpft hat.

Missbrauchs mag es auch in den vorangegangenen Jahrhunderten gegeben haben, so weiß man ja schließlich, dass gegen Verwahrlosungen von Klöstern immer wieder Reformen von Klöstern stattgefunden haben, denn der Mensch als Sünder ist nun einmal Fakt und schwarze Schafe gibt es in jeder Gruppe. Aber der Vorwurf des Missbrauchs wurde in der Zeit des Nationalsozialismus vielfach zu Propagandazwecken gegen die katholische Kirche verwendet. Wenn man Goebbels Tagebücher liest, begegnet das immer wieder. Die Frage stellt sich also immer wieder: Verbrechen müssen geahndet werden – aber wie wird das Verbrechen propagandistisch gegen eine ganze Gruppe, gegen eine Institution ausgenutzt?

– Ebenso hat sich noch nicht herumgesprochen, dass diese Frage nicht mit dem Thema Zölibat verquickt werden darf, da sich auch verheiratete Männer (und möglicherweise nur wenige Frauen) hier schuldig gemacht haben, eben auch evangelische und aus anderen Bereichen der Gesellschaft.

Das alles soll nicht die Tatsache als solche verharmlosen, wenn hier aufgezeigt wird, dass Menschen nicht nur in der Kirche und zeitbedingt schuldig geworden sind. Das Schlimme ist, dass Eltern den Kirchen junge Menschen anvertrauen und davon ausgehen, dass sie in diesem Raum geschützt sind. Die Schuld der Kirche als Ganze besteht mit darin, dass in einzelnen Fällen die Menschen, die schuldig geworden sind, nicht konsequenter aus dem Verkehr gezogen wurden. Vielleicht hat die Kirche auch zu lange gemeint, das Problem selbst in ihren Reihen bekämpfen zu können. Dass sie dann allerdings konsequent dagegen angegangen ist, das hat sich auch noch nicht herumgesprochen. Und jeder Widerstand – auch gegen ungerechte Geldforderungen – jede normale Diskussion mit irgendwelchen Beauftragten, die das untersuchen sollen, wird medial gegen die Kirche ausgeschlachtet. Warum? Ich enthalte mich einer soziopsychologischen Einordnung. Das heißt freilich, dass in diesem Zusammenhang auch auf Kosten der Opfer Propaganda getrieben wird bzw. sie dafür eingespannt werden. Und das halte ich für schlimm.

Ich bin gespannt, was noch alles ans Tageslicht kommen wird und hoffe, dass Kirche – auch bei anderen Vorkommnissen – auch gegen die Menschen aus ihren Reihen – Klartext reden wird. Wobei freilich – auch das ist für viele Antikirchler nicht zu begreifen – ein angemessenes Verhältnis zwischen Seelsorge und Öffentlichkeit gefunden werden muss. Denn nicht alles darf an die Öffentlichkeit gezerrt werden. Ich vermute, dass da noch gesamtgesellschaftlich gesehen einige Dinge im Dunkeln liegen. Das sollte aus eigenem Antrieb ans Tageslicht gebracht werden – nicht erst warten, bis es andere tun. Wobei die Aufdeckung der Missbrauchsfälle in Deutschland ja durch das Canisius-Kolleg ins Rollen gebracht wurde.

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