Atheismus und evolutionäre Religion

Einen sehr anregenden Artikel zum Thema Religion und Atheismus finden wir von Bernd Ehlert: http://www.tabvlarasa.de/30/Ehlert.php

Ehlerts Sicht: Religion gehört zur Evolution, hatte evolutionäre Vorteile für den Menschen und ist so alt wie das Selbstbewusstsein des Menschen: Der Mensch löste sich vom Tier und erwarb neue Möglichkeiten der Informationsaufnahme, -weitergabe -verarbeitung. Er erkennt sich dadurch als Person, als ein Wesen, das vom Tod bedroht ist. Religion gab ihm Selbstbewusstsein, stabilisierte ihn in dieser neuen Weltwahrnehmung, die er in seiner Entfremdung vom Tier erklommen hatte. Da nun der Mensch in der Evolution voranschreitet, übernimmt immer stärker sein Denkvermögen und die Vernunft die Oberhand, bis die Religion irgendwann nicht mehr benötigt wird. Die so genannten “neuen Atheisten” um Dawkins sind noch Teil der alten Evolution, der auch die Religionen zugehören, da sie genauso wie diese kämpfen, nur eben gegen Religion. Die Betonung des Denkvermögens und der Vernunft ermöglicht es den Menschen jedoch, diese alten Formen zu überwinden und neue zu installieren. Dazu gehört angesichts der möglichen Vernichtung der Menschheit der Abbau sozialer Aggression mit Hilfe des Verstandes.

Dieser Ansatz ist insofern anregend, weil er so manches mit unserer christlich religiösen Sicht verbindet. Was Ehlert Evolution der Religion nennt, nennen wir: Gott reagiert auf den Menschen, Gott ist kein starres Etwas, sondern ein den Menschen in Liebe zugewendetes Sein. Gott rief Abraham und sagte ihm seine Gegenwart zu – das Volk rief in der Not Gott – Gott rief Moses, gab dem Volk Gebote, damit die Menschen wissen, wie sie sich verhalten sollten  – Gott versuchte, das Volk auf diese Gebote hin zu trimmen -… – Gott reagierte in der weiteren Geschichte auf die Verlorenheit des Menschen mit der Sendung seines Sohnes Jesus Christus – und mit ihm begann das neue Leben die Welt der Menschen positiv zu durchdringen – was auch Ehlert (allerdings aus einer anderen Perspektive) darlegt. Gott reagiert auf den Menschen und lenkt den Menschen immer weiter. Und Gott gab dem Menschen von Anfang an Verantwortung mit (Entscheiden zwischen gut und böse…) – er gab ihm den Verstand usw. So sehen Christen es mit Blick auf das AT und NT und die Kirchengeschichte – und dazu als treibende Kraft den Geist Gottes. Der Verstand, den Gott uns gegeben hat, den sollen wir zur Nächstenliebe einsetzen – das lehrte im Grunde Jesus: Was denkst du: Wer ist der Nächste…? (Lukas 10,36) Was Christen freilich von Ehlerts Ansatz unterscheidet, ist, dass für Ehlert der Verstand letztendlich Religion nicht mehr benötigt, um die heile Welt – die Welt ohne soziale Aggression – zu erreichen. Das bedeutet: Der Mensch kann nun die weitere Evolution selber in die Hand nehmen? Wie dem auch sei: Hier gibt es Ansätze für ein Miteinander von Atheismus und christlicher Religion zum Wohl der Welt.

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