Papst + theologisches Denken

Ich muss sagen, ich finde das, was der Papst macht, bewundernswert. Die weltweite katholische Kirche muss, damit sie nicht auseinanderdriftet, irgendwie zusammen gehalten werden. Und so versucht er mit seinen Jesusbüchern, den Kirchenmitgliedern wieder ein nachhaltiges Zentrum zu geben, um das sie kreisen müssen: Jesus Christus. Man kann über exegetische Ergebnisse verwundert sein, man kann die Spötter auf seiner Seite haben und darüber lächeln, man kann das eine oder andere grundsätzlich ablehnen… – aber er versucht es, und das nicht schlecht. Das ist nicht nur nicht schlecht, sondern notwendig. Dass jeder Exeget ein anderes Jesus-Buch geschrieben hätte, jeder seines, ist natürlich klar.

Worin liegt eigentlich der Versuch in unserer protestantischen Kirche, die Menschen zu einigen? Bleiben wir allein einmal in der Evangelischen Kirche. Kann das Zentrum des Denkens für 2013 wirklich Toleranz, Familie und weiß nicht was, sein? Wie können wir den auseinanderdriftenden Gruppen und Grüppchen wieder ein Zentrum geben? Sicher können wir sagen: Das können wir Menschen gar nicht, das muss Werk des Heiligen Geistes sein. Ja, aber können wir etwas dazu tun, uns als Werkzeug des Heiligen Geistes zur Verfügung zu stellen?

Wenn ich an die weltweite Christenheit denke, dann sehen wir freilich alle, dass nicht alles Christ ist was glänzt. In wie vielen Handlungen ist der Wurm drin. Wie viele Kirchen und Kirchengemeinden weltweit stecken noch in den Fesseln der traditionellen Magie? In wie viel Kirchen und Gemeinden stecken noch menschenverachtende Riten (z.B. Mädchenbeschneidung; ein Mann mit vielen Frauen)? In wie viel Kirchengemeinden stecken alter Geister- und Dämonenglauben, Schamanismus, der stärker ist als die befreiende Botschaft Jesu? In wie vielen Gemeinden steckt noch die Abgrenzung der Kastensysteme und der Glaube an die Reinkarnation? In wie vielen Gemeinden stecken noch die Lieblosigkeit, der Egoismus, der Streit, der Neid, die Abgrenzung, der Hochmut? In wie vielen Gemeinden die Kultur des Todes? Kurz: In wie vielen Gemeinden hat man im Grunde noch gar nichts vom Leben Jesu gehört, geschweige denn übernommen, dass wir in seiner Nachfolge, seinen Spuren leben sollen? Selbst bei uns – wo die Bedingungen ideal sind – herrscht in dieser Hinsicht noch ein immenser Analphabetismus, sodass so manche Gruppe dem ideologischen Zeitgeist mehr folgt als Jesus Christus bzw. den Bruder, die Schwester weniger achtet, als die Durchsetzung eines lebensfeindlichen ideologischen Themas.

Um wieder zum Papst zurückzukommen: Seine (geplante) Enzyklika-Trilogie, von der bislang "Deus caritas est" und "Spe salvi" erschienen sind – hat ebenfalls dieses Programm, die Kirche auf das Wesentliche hinzuweisen, eben auf die drei der sieben Haupttugenden: Liebe, Hoffnung, Glaube. http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/encyclicals/index_ge.htm Mit dieser theologischen Arbeit hält er uns Evangelen einen Spiegel vor – und er denkt für uns mit, bis wir selbst wieder verbindlicher zu denken gelernt haben? (Auch wenn das in so manchem evangelischen Kopf ketzerisch klingen mag, weil wir eben kein hierarchisches Prinzip – rein theoretisch freilich – kennen, sage ich es.)

P1040098

Impressum auf www.wolfgangfenske.de

Eine Antwort auf „Papst + theologisches Denken“

  1. Dieser Hommage an den Papst und sein theologisches Denken steht diametral gegenüber die derzeit zunehmende Verleumdung der katholischen Kirche, eine feindliche Medienpropaganda, die nicht allzuweit von „Verfolgung“ entfernt scheint.

    Ob das etwas mit Jesu Wort zu tun hat: haben sie mich verfolgt, werden sie auch euch verfolgen ?

    Ja, der Papst ist nah dran an unserem Herrn und Heiland, und Meister und Gott Jesus Christus.

Kommentare sind geschlossen.