Kirche und Papst + Kirchensteuern

Auch wenn die Überschrift wieder einmal typisch ist „Katholiken aller Milieus gehen auf Distanz zum Papst“ finde ich den Artikel doch interessant, weil er so manche Anregungen gibt: http://www.welt.de/politik/deutschland/article113107429/Katholiken-aller-Milieus-gehen-auf-Distanz-zum-Papst.html Freilich frage ich mich, ob die Basis der Studie wirklich der Wissenschaftlichkeit standhält (100 befragte Personen – befragt mit Hilfe von Einzelgesprächen), denn diese Form lässt allzuviel Interpretationsspielraum. Ich frage mich bei solchen Ergebnissen immer wieder: Warum, werden die Leute, die die katholische Kirche krisitiseren, denn nicht evangelisch? Denn da finden sie ja Frauen als Pfarrerin, keinen Zölibat, alle können am Abendmahl teilnehmen, die sexuallehre – gibt es die? – und Laienengagement gibt es in Fülle.

In dem Artikel wird angesprochen, dass nur sehr wenig von der Kirchensteuer für soziale Dienste ausgegeben werde. Wenn man dann einmal ein wenig herumgooglet, dann findet man im Grunde nur atheistische Gruppen, die hier „aufklären“ wollen, nach dem Motto des Artikels: Kein Geld fürs Soziale, sondern nur für Löhne. Hier haben Kirchen noch immense Aufklärung und Richtigstellungen zu leisten. Bei diesen Pauschalangaben wird freilich übersehen, was zum Beispiel Pfarrerinnen und Pfarrer, Diakoninnen und Diakonie, Musikerinnen und Musiker usw. usw. für das soziale Miteinander leisten. Zur Finanzierung von Seelsorgern in Bundeswehr, Gefängnis, Krankenhaus… siehe auch: http://www.ekd.de/kirchenfinanzen/kirche_und_staat/18262.html Es ist alles etwas komplizierter als sich Otto Atheist es so denkt. Vor allem: Es sei daran erinnert, dass mit der kirchlichen Gebundenheit auch das eherenamtliche soziale Engagement steigt. Das wird zwar nicht entsprechend finanziert, aber trägt zum sozialen Beitrag der Kirchen in den kirchlichen Einrichtungen bei. Und der Staat würde sich ins eigene Fleisch schneiden, wenn er das alles kappen würde. Dennoch: Wie der Papst andeutete und auch in der evangelischen Kirche immer wieder anklingt: So mancher würde sich auch gerne aus dem Allgemeinchristlichen zurückziehen, um sich auf die Kernarbeit konzentrieren zu können. Kirche als Dienstleistungsverein ist vielen ein Greuel. Konzentration auf die Glaubenden – und diese als Pressuregroup – das liegt so manchem Christen mehr, als dieses unverbindliche Christentum. Freilich: So leicht dürfen wir es uns da auch nicht machen, denn wir haben eine Verantwortung für die Gesellschaft, die traditionell gewachsen ist, und wir würden mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn wir uns vor lauter Heiligkeit aus dem unheiligen Betrieb herausziehen würden. Ob diese kirchliche Selbstdarstellung (Heiligkeit) dem Staat gut tun würde – auch den Atheisten? Das wage ich zu bezweifeln. So mancher Atheist lässt sich übrigens lieber in christlichen Krankenhäusern behandeln als in staatlichen – woran das nur liegen mag? Diese Lorberen kann freilich eine Kirche auch sehr schnell verspielen, wenn sie sich allzusehr anpasst.

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