Prioritäten

Ich muss gestehen, dass ich Menschen mit einem gewissen Misstrauen begegne, die mir sagen: Zeit hat jeder – man muss nur die Prioritäten richtig setzen. Warum habe ich so meine Zweifel an dieser Aussage?

– Wenn ich die Blumen nicht gieße und die Wohnung putze, statt dessen Menschen besuche, dann vertrocknen die Blumen und die Staubmäuse rennen durch die Wohnung.

– Wenn ich dem Beruf nachgehe, kann ich nicht gleichzeitig der Familie, in unterschiedlichen Aktionen der Frau + den Kindern + den Eltern + den Verwandten zu Diensten sein und umgekehrt: Und was davon ist wichtiger?

– Wenn ich lesen muss, kann ich nicht gleichzeitig zum Friseur gehen oder Briefe bzw. Mails schreiben. Und was davon ist wichtiger?

– Wenn ich im Verein oder in der Kirchengemeinde oder Kultur oder Umwelt und sonst wie engagiert tätig bin, kann ich nicht gleichzeitig mit Freunden etwas unternehmen. Und was davon ist wichtiger?

– Wenn ich auch einmal schlafen muss, kann ich nicht gleichzeitig den Hund Gassi führen… Und was davon ist wichtiger?

Das heißt, alle Dinge sind wichtig – alle verlangen, dass man sie gleichermaßen wichtig nimmt – und gleichzeitig kann man nicht alles erledigen. Dieser Satz, dass man nur die Prioritäten verschieben muss, hat nur bei den Menschen Sinn, die eine Menge gemütliche, nicht drängende Zeitpuffer haben.

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