Rassismus+Ausländerfeindlichkeit

Wenn ich gefragt werde: Du bist in Brasilien geboren? Wie war es da? Dann empfinde ich diese Fragen nicht als rassistisch, nicht als ausländerfeindlich, sondern als Neugier meines Gegenübers. Und diese Neugier ist menschlich – und ich beantworte die Fragen gerne, wobei ich allerdings immer sage: Es hat sich vieles geändert, weil ich schon äußerst lange nicht mehr da war. Wenn ich manche nicht traditionell Deutsche höre, empfinden sie solche Fragen als Ausgrenzung. Warum? Wir kommen nun einmal aus anderen Ländern, aus anderen Kulturen, aus anderen Religionen – und da wollen die Menschen doch wissen, wie leben die Menschen dort. Die Moschee-Leute haben es begriffen: Darum gibt es den Tag der offenen Moschee – und sie freuen sich über die Neugier der Einheimischen, wenn man diese Besuche wahrnimmt, da kann man ihnen dann alles Mögliche erzählen. Anderserseits leben Menschen aus anderen Kulturen in unserem Land, ohne diese Neugier für Deutschland – und sie leben hier, als wären sie noch in dem Land, aus dem sie ausgewandert sind. Interesse für den anderen ist wichtig. Wenn das nicht wäre, käme wahrscheinlich auch der Vorwurf: Das sind alles Rassisten, die interessieren sich nicht für mich. Wichtig ist freilich, wie diese Fragen gestellt werden. Da muss vielleicht noch mancher an sich arbeiten – doch kann auch Unsicherheit dahinterstecken, die von manchen durch solche Kritiken geschürt werden: Du darfst ja nicht zu erkennen geben, dass du meinst, der andere könnte ein Ausländer sein…

Übrigens ist es noch gar nicht so lange her – und in manchen Gegenden Deutschlands noch immer so, dass die wenigen Katholiken bzw. die wenigen Protestanten in einem Dorf als Exoten angesehen werden. Und wie geht es Bayern in Preußen und Preußen in Bayern? Ist das eine typisch Deutsche Verhaltensweise, diese Neugier bzw. Distanzierung? Nein. Das ist sicher überall so – oder kennen Ethnologen Völker, Stämme, die Zugewanderte einfach so integrieren können, als wären sie schon immer Teil ihres Stammes? Das kann ich mir nicht vorstellen, weil es zum Menschsein seit Anfang an gehört, seinen Stamm über die Runden zu bringen und gegen andere zu verteidigen. Das gab es bei den Griechen – für die die  anderen Barbaren waren, das gab es für die Juden – für die die anderen „Völker“ waren. Jesus hat das aufgebrochen. Die Christen haben das freilich nicht immer und überall durchgehalten – aber als Ziel steht es vor Augen, die Nächstenliebe, die keine Grenzen zwischen Menschen kennt. Göttlich – Unmenschlich für manche – aber lohnend.

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