Ansprache des Bundespräsidenten

Dass diese Rede nicht besonders gelungen war, das haben sehr viele bemerkt. Die Rede war nicht authentisch. Wer hat sie ihm (um)geschrieben? Und theologisch – nun, dann lieber keine Theologie hineinweben. Aber ich deutete gestern meine Kritik schon an und will sie nicht noch einmal wiederholen.

Nachdem ich das geschrieben hatte, wollte ich mal sehen, was so Volkes Stimme ist, in: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/weihnachtsansprache-gauck-fordert-engagierte-buerger-12005360.html und in Welt-online: http://www.welt.de/politik/deutschland/article112223492/Bundespraesident-Gauck-fordert-Solidaritaet.html in Zeit-online: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2012-12/gauck-weihnachtsansprache-solidaritaet?commentstart=1#comments in der SZ: http://www.sueddeutsche.de/politik/weihnachtsanprache-des-bundespraesidenten-gauck-lobt-engagierte-frauen-und-maenner-1.1558367 in spiegel-online: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/weihnachtsansprache-von-gauck-buerger-zur-mehr-solidaritaet-aufgerufen-a-874547.html#spCommentsBoxPager in Focus ein paar http://www.focus.de/politik/deutschland/bundespraesident-bundespraesident-gauck-ruft-zu-zivilcourage-auf_aid_887485.html

Kritisiert und gefordert wird im Wesentlichen:

– nicht das Volk muss zur Solidarität aufgefordert werden, sondern die Politiker sollen sich mit dem Volk solidarisieren;

– die Rede scheint das Gegenteil von dem zu sagen, was Menschen tatsächlich im Land erleben;

– vielfach wird vermutet, dass der Bundespräsident von der Regierung auf Stromlinienform gebracht worden ist;

– Zivilcourage wird von Gauck selbst erwartet (indem er sagt, was Sache ist und nicht das, was die Regierung will bzw. nicht nur das, was politisch korrekt ist: Thema islamische Migrantengewalt);

– verärgert wird wahrgenommen, dass das Thema: arm-reich mit nur einem Satz abgetan wurde (die unsolidarischen Banken+Raffkes werden nicht kritisiert…) – die gesamten sozialen Brennpunkte wurden ausgeklammert;

– dass Deutschland von der EU vereinnahmt wird und das auch noch gelobt wird,

– der überhebliche Anspruch, der Stil, mit dem das Volk zu guten Menschen erzogen werden soll.

Die Worte der Leserbriefe sind zum Teil sehr harrsch und verbittert und einfach enttäuscht. Aber ich denke, der Bundespräsident sollte das wahrnehmen, dass er Menschen vor sich hat, die wahre Worte erwarten und nicht so etwas. Die Menschen der Leserbriefe, die ich gelesen habe, wissen, dass der Bundespräsident nur Worte hat – aber diese Worte sollten sitzen und nicht – wie es häufig heißt – heiße Luft sein, die die Realität im Land verkennen und die Leute für dumm verkaufen. Natürlich gibt es immer Leute, die alles kritisieren, die mit allem unzufrieden sind, schon darum, weil es Politiker oder Pfarrer sagen. Aber als Redner entwickelt man ein Gespür dafür, welche Rede einem gut gelungen ist und welche nicht. Wenn man sich seine Ansprache einmal aus der Distanz anhört, merkt man sicher selbst, dass sie nicht zu seinen Glanzleistungen gehörte.

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Eine Antwort auf „Ansprache des Bundespräsidenten“

  1. Wie ein rotes Band zieht sich die Enttäuschung durch die Kommentare -und das ist schlimm, sehr schlimm. Ist der Bundespräsident der selbe, dem man nicht allein zutraute, sondern auch glaubte, er stünde über den oft so dumpfen Niederungen der Parteipolitik(er/innen), allein den Menschen des „gemeinen Volkes“ verpflichtet. Ist J. Gauck der Mann, der darum weiß, bei seinem Tun und seinen Entscheidungen nicht allein seinem Gewissen gegenüber verantwortlich zu sein, sondern vor Gott Verantwortung zu tragen für die Menschen, denen zu dienen er gelobte?
    Es schien so zu sein. Und nun das!: Platitüden, Floskeln: Friede, Freude, Eierkuchen -Anpassung an die Phrasen des Mainstreams und seiner Anbeter.
    Traurigkeit, Zorn und eben die gefährliche Enttäuschung bei den Bügerinnen und Bürgern unseres Vaterlandes, die aufrichtige, ehrliche, aus dem Herzen kommende Worte bei diesem Präsidenten meinten erwarten zu dürfen. Statt dessen
    ein Wiederkäuen des von „politisch Korrekten“ Vorgesetzten.
    Dennoch: Die Hoffnung, dass der Bundespräsident J. Gauck zu sich selbst findet, sich löst aus der wohl (noch) vermeintlichen Notwendigkeit, sich der Staatsraison unterwerfen zu müssen, will noch nicht aufgeben das
    Echolot,
    das den Bundespräsidenten auch daran erinnern möchte, seine verpflichtende pastorale Berufung und die damit verbundene „Freiheit der Kinder Gottes“ nicht zu vergessen.

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