Wertschätzung + Copyright

Jesus erzählte: “Wenn euer Knecht vom Pflügen oder von der Herde heimkommt, sagt ihr dann zu ihm: Komm, setz dich an den Tisch und iss? Werdet ihr ihm nicht den Auftrag geben: Zieh dich um und mach mir zu essen? Wenn ich gegessen habe, dann darfst auch du essen? Kann ein Knecht besonderen Dank dafür erwarten, dass er den Auftrag erfüllt hat? Es ist sein Job. Das gilt auch für euch: Wenn ihr euren Auftrag erfüllt habt, dann sollt ihr sagen: Wir haben nur das getan, was zu unserem Auftrag gehört. (Lukasevangelium 17,7-10)

Früher habe ich diesen Text nicht so ernst genommen. Aber inzwischen weiß ich, wie wichtig er für eine Gemeinschaft ist. Menschen, die immer auf Dank aus sind, auf Wertschätzung, auf Belobigungen, die sind für eine Gemeinschaft äußerst anstrengend – und tragisch bzw. belustigend, dass jede kleinste Handreichung und Pflicht zu einem Dank-Drama ausartet – gerade auch ein Weihnachtsthema. Dazu gehört auch, dass man stundenlang erzählt, was man nicht alles getan hat, welche Heldentat man vollbracht hat – um Lob einzuheimsen (fishing for compliments).

Wir Christen sollten beherzigen:

1. Wir tun etwas, weil wir das als Auftrag von Gott ansehen.

2. Wir tun es um der Menschen Willen, nicht um der eigenen Anerkennung Willen.

3. Wir haben die Aufgabe, andere zu loben – und nicht, Lob zu erwarten.

4. Es macht Freude, etwas für eine Gemeinschaft zu tun, ohne dass die Gemeinschaft überhaupt bemerkt, merkt, wie wichtig das für ihr Zusammenhalt und Wohlbefinden ist. Die Heinzelmännchen und die Heinzelfrauchen seien unsere Vorbilder. 😉

5. Wir haben die Gaben und Kraft und Segen geschenkt bekommen – und sollen sie nur weitergeben.

6. Manchmal bekommt man auch statt Lob nichts als Ärger. Ja und? Menschen, deren Seele sich vom Lob ernähren, verhungern dann natürlich. Aber wir dienen Jesus Christus – er gibt uns genug Nahrung für die Seele.

In diesem Zusammenhang passt auch: Copyright ist gut, damit Menschen zu ihrem verdienten Brot kommen: Wer arbeitet, soll auch seinen Lohn bekommen (Lukas 10,7). Gleichzeitig gehört manches Erfundene, Erdachte der Menschheit. Es gehört nicht mehr dem Einzelnen, weil es die Menschheit weiter bringt. Durch diese übertriebenen Copyright-Allüren, werden manche gute Ideen und Kunstwerke gar nicht bekannt und verkümmern irgendwo, weil jeder Angst hat, sie zu verwenden. Ich freue mich täglich, dass Gott auf seine Schöpfung kein Copyright verlangt, denn sonst könnte ich all die Naturfotos nicht einstellen.

IMG_1999

Impressum auf www.wolfgangfenske.de

Eine Antwort auf „Wertschätzung + Copyright“

  1. Ich glaube, ein Gebet aus „Frankreich 1913“ – publiziert im katholischen Gotteslob Nr 29-6, formuliert ganz im Sinne dieses sehr zutreffenden Artikels.

    Ich zitiere es hier nur auszugsweise:

    „Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
    daß ich liebe, wo man haßt;
    daß ich verzeihe, wo man beleidigt;
    daß ich verbinde, wo Streit ist;

    daß ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.
    Herr, laß mich trachten,
    nicht, daß ich getröstet werde, sondern daß ich tröste;
    nicht, daß ich verstanden werde, sondern daß ich verstehe;
    nicht daß ich geliebt werde, sondern daß ich liebe.

    und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

Kommentare sind geschlossen.