Religionsunterricht

Gestern kam das Thema im Blog auf. http://alperaslan1980.wordpress.com/2012/09/30/turkische-tochter-durfen-keinen-kontakt-zu-mannern-haben-warum-eigentlich/   Alper Aslan meinte, dass man einen Religionsunterricht geben könne, in dem nicht nur eine Religion gelehrt werden würde, sondern alle. Damit – so fahre ich fort – würde man die Frage, dass Islamunterricht installiert werden würde umgehen. Denn der Islamunterricht birgt Gefahren, weil er die Integration hindern kann, wenn er denn in falsche Lehrerhände oder Verbandshände gerät (und die DITIB ist ein solch unsicherer Kantonist, weil sie staatshörig ist).

Im Augenblick sieht es so aus, dass wir Religionsunterricht haben, der mit den Kirchen vertraglich geregelt ist. Der Staat hat Interesse daran, dass es Religionsunterricht gibt, da Religion noch immer eine große Gesellschaft stabilisierende Kraft ist. Das mag man aus ideologischen Gründen anders sehen, aber die Ethik ist in unserem Land noch immer stark religiös geprägt, auch wenn viele Kräfte alles tun, um das zu ändern – und soweit ich es beurteile, mit nicht geringem (die Gesellschaft nicht voranbringendem) Erfolg. Zu sehen ist die stabilisierende Kraft vor allem auch dann, wenn irgendwelche Katastrophen oder Sterbefälle in den Alltag einbrechen. Dann werden eben die Seelsorger gefragt und nicht die Ethiker oder allgemein religiös denkende Leute.

Im Religionsunterricht werden, wenn der Lehrplan eingehalten wird, auch die anderen Religionen als eigene Größen (Judentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus) angesprochen und je nach Thema mit in den jeweiligen Komplex einbezogen (Schöpfung+Islam; Sterben/Auferstehung in den Religionen usw.). Und wer mit Religion nichts anfangen kann oder will, der hat ja die Möglichkeit, Ethik zu besuchen.

Auf den ersten Blick ist das, was Alper Aslan anspricht, sehr ansprechend – und ist auch in Hamburg Thema. Ich frage mich jedoch: Wir haben in unserem Land 60% Christen, 5% Muslime – und soll in unserem Land, wegen 5% Muslime der gesamte Komplex Religionsunterricht verändert werden? Wem kann daran gelegen sein? Den Eltern nicht, den Kirchen nicht, dem Staat nicht. Wenn dieses gesellschaftspolitisch stablisierende Element wegfällt, denn (wenn man einfach nur Religionslehre daraus macht) dann dürfte auch der Staat wenig Interesse an diesem Thema haben und den Religionsunterricht auf kurz oder lang ganz in Ethik überführen (vgl. Berlin).

Nun damit habe ich ganz aus der Sicht der Gesellschaft argumentiert, nicht aus der Sicht der Kirchen. denn Kirchen haben ja nicht als oberstes Prinzip die Stabilisierung des Staates im Blick – auch wenn sie im eigenen Interesse ist. Denn im Religionsunterricht der Kirchen wird auch immer die Autarkie der Religion deutlich – wenn es gut läuft. Suchet der Stadt Bestes – heißt es in der Bibel. Was das Beste für die Stadt ist, muss sich nicht unbedingt mit dem decken, was die Staatsautoritäten vertreten. Kirchen sind keine Handlanger des Staates. Und ein Religionsunterricht, der unter der Oberherrschaft des Staates steht, hat noch einen Nachteil: Der Staat ist nicht für die Werte und Normen zuständig. Ein Staat, der seine Werte und Normen durchsetzen will, ist ideologisch geprägt. Das wollten die Kommunisten, die Nationalsozialisten… Und darum werden die Lehrpläne usw. ja auch von den Religionsgemeinschaften erstellt – freilich nicht ohne den Staat. das Subsidiaritätsprinzip gilt auch hier: Die Bevölkerung – in diesem Fall der Glaube der Bevölkerung, die Eltern… – hat Einfluss auf den Religionsunterricht. Der wird nicht von oben befohlen. Unsere Gesellschaft lebt aus ihrer religiösen Tradition – und die ist nun einmal nicht muslimisch, nicht buddhistisch, nicht hinduistisch, sondern hat andere Wurzeln. Und wenn man einen allgemeinen Religionsunterricht anbietet, agiert man gegen die Tradition unserer Gesellschaft, somit gegen ihren Motor.

In diesem Zusammenhang ist zu sagen, dass in Kanada ein Gericht eine katholische Schule dazu verurteilt hat, alle Religionen gleich neutral zu unterrichten: http://www.kath.net/detail.php?id=39362 Was hinterlässt man in den Schülern? Atheismus nach dem Motto: Alle Religionen sind gleich – und alle sind gleich blöde. Obgleich: Atheismus ist auch neutral zu unterrichten. Was hinterlässt man dann in den Schülern? Ob Religion oder Atheismus, alles ist in den Hirnen von unvollkommenen Menschen entstanden. Und dann? Dann sprechen wir über Karl Barth: Gott muss sich offenbaren, denn der Mensch kann ihn nicht erkennen. Und Gott offenbarte sich in Jesus Christus? Huch, da wäre dem Lehrer aber wieder ein böses Wort aus dem Mund gerutscht. Gott offenbart sich in…? In allen Religionen? Nun, auch im shivaitischen Todeskult? In dem Animismus afrikanischer Ahnenverehrer?  In den Pastaverehrern und den Verherern des Spaghettimonsters? In den Ufoanhängern und den nationalsozialistischen Blut-und-Boden-Kulten? In den Hexenkulten der Gegenwart und dem Satanskult? Alles muss neutral dargestellt werden? Ohne Warnungen? Liebe Kinder, probiert alles aus, wenn ihr Lust habt. Hare Krischna, Hare Hare Rama. Und versenkt euch bis zur psychischen Vernebelung im Zenbuddhismus. Und wenn ihr dabei den religiösen Rattenfängern in die Arme lauft? Macht nichts. Hauptsache neutral? Nein, denn das Ziel ist es die Meta-Religion durchzusetzen: Alles was man heute für gut befindet, muss als Religion gelehrt werden. Und das findet sich dann auf einmal in allen Religionen. Stimmt zwar nicht, aber man kann es doch bei Unwissenden gut behaupten: http://www.evangelische-religion.de/dialog-pluralismus.html Und dass man damit dabei ist, wieder eine neue von Menschen gemachte Religion zu kreieren, das versteht jeder, der sich ein wenig mit Feuerbach beschäftigt hat: Gott ist eine Ausgeburt des Menschen. Womit man es denn bewiesen hätte. Und dann sagt der einzige, der wahre Gott: Hallo, hier bin ich! Und ein paar Menschen lassen sich nicht von der Religionsideologie die Hirne vernebeln, sondern reagieren wachen Herzens und Verstandes auf diese Stimme Gottes. Und was müssen sie dann ertragen? Genau: Verfolgung. Denn auch die besonders ethisch hochwertigen selbstfabrizierten Religionen sind genau so Ideologie wie alle anderen Ideologien auch.

Wie dem auch sei: Wir können als Christen unsere Religion vollkommen neutral darstellen wie andere Religionen auch. Nur an der Wärme der Stimme wird man spüren, wem die Liebe gilt.

Damit habe ich nur ein paar Aspekte genannt, die in der Diskussion häufig übersehen werden.

Übrigens: Der Blog von Alper Aslan ist grundsätzlich sehr zu empfehlen – nicht nur der folgende Beitrag: http://alperaslan.biz/2012/03/14/typisch-turkisch-typisch-deutsch-integration-gastarbeiter/

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