Gelassene Kirche und zeitgeistige Politik

Die Bundesarbeitsgemeinschaft „Kirche und Rechtsextremismus“ hat einen Flyer gegen die „Offensive Junger Christen“ herausgebracht, in dem dieser vorgeworfen wird, Homosexuelle heilen oder umpolen zu wollen. Die Offensive Junger Christen wehrt sich dagegen. Ich frage mich, was hat die Stellung zum Thema Homosexualität mit Rechtsextremismus zu tun? Natürlich hat alles irgendwie mit Rechtsextremismus zu tun – alles, was einige für solches erklären. (Linke kann man nicht sagen, da Homosexualität in China und der Sowjetunion usw. auch nicht gerade gerne gesehen war.) Aber jetzt in echt. Wenn ich alle traditionellen Sichtweisen zu welchen Themen auch immer für Rechtsextremismus erkläre, dann kommt man freilich nicht umhin, Teile der CDU/CSU für rechtsextremistisch zu erklären, oder den Papst und große Teile der Katholischen Kirche, dann werden auf einmal Katholiken, Protestanten und charismatische Kirchen aus Ruanda, aus China, aus Indien, aus Brasilien und Peru, aus dem Kongo – alles Rechtsextremisten, weil sie eine Haltung zum Thema Homosexualität vertreten, die in unserem Land vielen nicht genehm sind. Es ist wie mit dem Thema „Rassismus“. Wenn man alle strittigen Themen einem Stichwort zuordnet, um die Andersdenkenden bequem diskriminieren zu können, dann ist das wenig hilfreich.

Dass die Mitglieder der katholischen Kirche stärker gesellschaftspolitisch tätig werden sollen, um nicht den Atheisten das Feld zu überlassen, wird vom Kurienerzbischof Müller gefordert: http://www.kath.net/detail.php?id=39320 Ich meine, ich hatte die Info schon einmal: Nach dem Einspruch von Brüssel gegen die Heiligenscheine auf den Münzen der Slowakei, und dem verwunderten Augenreiben aller normalen Menschen über diesen Einspruch, darf die Slowakei nun die Heiligenschein-Münzen prägen: http://www.kath.net/detail.php?id=39311

Manchmal freut man sich auch als Protestant darüber, dass die katholische Kirche doch eine ganz andere Weltsicht hat als wir Protestanten. Sie kann es sich erlauben – was heißt, sie kann es sich erlauben – sie erlaubt es sich einfach, ihre Sache durchzuziehen, auch wenn andere aufschreien und aufjaulen, weil sie das als nicht besonders zeitgemäß ansehen, weil einzelne Interessengruppen darüber gar nicht amused sind. Sie hat ja auch schon 2000 Jahre alle möglichen Zeitströmungen und Aggressionen überstanden – und sie wird es weiterhin tun, auch wenn die gegenwärtigen Staaten und Zeitaufgeregtheiten längst vergessen sind. Ich habe manchmal den Eindruck, dass wir Protestanten nur in der Gegenwart leben. Dabei können wir Christen doch äußerst gelassen sein. Wir haben alle Zeit der Welt. Alle, die nicht glauben, haben nur ihre kurzen Jährchen. Und wir? Die christliche Kirche wird alle selbstgemachten Religionen und Ideologien überleben – bis der Herr kommt und auch der Kirche vor Augen hält, wo sie ihn verleugnet hat, indem sie unmenschlich gewesen ist. Und was ist, wenn die Kirche auf ganzer Linie versagt? Ihr Herr wird sie immer wieder zurückpfeifen.

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