Ewiges Leben im Leben

Im Fernsehen habe ich kurz ein Stück mit Manfred Lütz gesehen. Er hat in der Befragung gesagt, dass man im Leben schon Erfahrungen mit dem ewigen Leben machen könne, eben dann, wenn man von Erlebnissen existentiell betroffen ist. Er sprach von dem Gefühl, das man bei einem Musikstück empfinden kann, bei einem Gespräch.

Man wird – ich führe fort – in etwas mit Leib und Seele hineingenommen, man ist ganz das, was man gerade an Schönem erlebt. Kunst kann das bewirken, das intensive Zusammensein mit einem anderen Menschen, das Eintauchen in einer Gruppe, religiöses und wissenschaftliches Eintauchen, Naturerlebnisse – was auch immer. Man erlebt quasi den Himmel auf Erden. Die Tradition spricht davon, dass man nach dem Sterben ganz in die Gottes-Schau hineingenommen wird. Man ist ganz Erleben der unvergleichlichen Herrlichkeit, eine Wesenseinheit mit der Liebe, man ist Teil des Lichtes in dem man lebt. Diese irdischen Erfahrungen: Sich im Anderen, in Etwas verlieren, Teil von ihm sein mit allen Fasern des Ichs, sind Lichtstrahlen des Kommenden.

Doch auch das ist nicht zu verallgemeinern, denn es gibt auch das ekstatische Eintauchen in die Dunkelheit, die Grausamkeit. Das Teuflische – auch das ist altes Gedankengut – versucht das Göttliche nachzuäffen, und es kommt nur ein dunkler Schatten, der Schatten der Finsternis, dabei heraus. Um es im Diesseits zu fassen, werden Drogen genommen, haben verschiedenste Süchte immer Hochkonjunktur. Sektiererische Versuche, das ewige Leben – aus dem Himmel zu zerren und in der Hand zu halten, über es zu bestimmen. Wie Pascal sieht: der Mensch ist als Geschöpf das Höchste aber auch das Niedrigste.

Christen warten auf den, der sie erwartet – und dürfen das Kommende schon hin und wieder ein wenig in der Gegenwart erfahren. Das ist Geschenk – nicht selbstgebastelter Versuch, das Irdische zu überspringen.

t-Rispe-ok

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