Bild einer guten Christin

Das Bild, das hier von einer „guten“ Christin gezeichnet wird – sag ich mal so – ist schon sehr interessant: http://www.welt.de/kultur/article110097079/Christen-verzichtet-auf-Wein-von-den-Golanhoehen.html : „Bluse aus Naturbaumwolle, ihrem kratzigen Wollrock, ihren weißen Strümpfen, ihren stahlblauen Augen, ihrem grimmig geschürzten Mund“, freiwillige Arbeit im Dritte-Welt-Laden, boykottiert israelische Waren, „kein Atomstrom, kein Make-up, das an Tieren ausprobiert wurde, keine Chemie im Essen, kein Springerblatt im Briefkasten und kein jüdisches Obst auf den Teller“ – Diese Posener-Christin gibt es. Fast erkenne ich mich in ihr wieder – nur ohne (Christ)“in“. Doch diese Christin gibt es auch als nichtchristliche Ausgabe. Von daher frage ich mich: Warum nimmt Posener gerade das Bild einer Christin, weil es doch eigentlich nur um Menschen geht, die „ursprünglich“ leben wollen, die die Welt auf ihre Art verbessern wollen – ist das für Posener das Kennzeichen einer Christin? Dann ist es ja nicht schlecht. Natürlich kann man über bestimmte politische Standpunkte diskutieren, denn es sind gerade auch viele Christen, die sich für Israel einsetzen. Und man kann Posener fragen, warum er der fiktiven Christin gerade stahlblaue Augen und einen grimmig geschürzten Mund verpasst. Das passt wahrscheinlich zu seinem Bild, dass er von einer Nazi-Frau zeichnen will, weil diese von ihm genannte Christin kein Obst aus Israel kaufen will. Doch geht es den Menschen, die kein Obst aus Israel kaufen wollen um etwas anderes als den Nazis, die nichts bei Juden kaufen. Das weiß auch Posener, darum ist sein Artikel zwar pfiffig formuliert, aber vollkommen abstrus. Ich muss freilich sagen, dass ich auch kein Fan dieser Haltung bin: Kein Obst aus Israel. Aber das wisst Ihr ja schon, weil ich schon in meinem Blog dagegen geschossen habe.

Lest einmal diesen Beitrag, da geht es um einen Sektenführer, dem es nur um Frauen ging und der Waffen hortete. Und dann lest die Leserbriefe. An ihnen sieht man, dass das Niveau dieser Spiegelleser nicht gerade hoch is http://www.spiegel.de/panorama/justiz/dominikanische-republik-sohn-von-sektenfuehrer-peter-b-spricht-a-862881.html – was ich nicht unbedingt Spiegel-online vorwerfen will. Sie werfen alles irgendwie religiös Klingende in einen Topf. Nun, das kennen wir schon. Aber diese Selbstentblößung der Unwissenden und wahrscheinlich auch vollkommen Desinteressierten, die finde ich doch immer wieder spannend. Und alles in einen Topf werfen ist Kennzeichen von Ideologen. Und atheistische Ideologen kennen wir auch schon zur Genüge.

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