Wie ergeht es ihnen?

Ich überlege mir manchmal, wie es Muslimen in unserem Land ergeht, wenn sie all das lesen, was in den islamischen und nichtislamischen Ländern im Namen des Islam alles so getan wird. Es muss unheimlich frustrierend sein. Verdrängen? Gar nicht weiter darüber nachdenken und einfach die Gemeinschaft, die die örtliche Moschee bietet, genießen? Sagen: Das ist nicht der wahre Islam? Sich einen schönen Islam denken? Manche wenden sich auch ab und werden Atheisten oder Christen – aber das ist wohl nicht die Regel.

Ich selbst würde gern einmal im meinem Blog nicht immer die negativen Nachrichten bringen, sondern eben den schönen Islam. Doch das ist alles so sehr relativ. Denn für die religiöse Führung der Iraner ist es der richtige Islam, wenn Kinder geheiratet werden dürfen, für den Islam an vielen Stellen ist es der richtige Islam, wenn ein Mann mehr Frauen haben darf. Für so manche Gruppe ist es der richtige Islam, der in der radikaleren Scharia ihren Ausdruck findet. Was Menschen in unseren Kreisen als äußerst negative Information über den Islam auffassen mögen, fassen diejenigen, die entsprechend handeln, als Lob auf, dass ihre Handlungsweise selbst in einem so unbedeutenden Blog wie diesen hier erwähnt werden. Weil sie aus ihrer Sicht Allah-gemäß handeln. Wenn mir einer sagen sollte: Du bringst ja nur negative Nachrichten über den Islam, dann muss man immer fragen: Wer empfindet sie als negativ? Außerdem: Ich würde gerne einmal positive Nachrichten bringen, die wir aus unserem Kulturkreis – zumindest überwiegend – als positiv ansehen können. Positiv empfinde ich zum Beispiel, dass manche Muslime sich mit der Kultur, den Werten, der Gesellschaft in der sie hier leben, auseinandersetzen, bereit sind, zuzuhören und ihre Meinung einzubringen. Denn es ist ja nicht alles gut, was hier in der Gesellschaft so abgeht, und da ist es schön zu wissen, dass man in manchen Punkten an einem Strang zieht. Als positiv sehe ich auch an, wenn Muslime das herauspicken, was ihnen am Koran besonders gefällt, denn daran sieht man, dass sie einen Kern für wesentlich halten, der sie mit anderen Gruppen der Menschheit kompatibel macht. Das ist auch zu den Interpretationen zu sagen, die Aussagen des Koran glätten, um akzeptiert werden zu können. Diese Muslime nehmen dabei allerdings in Kauf, dass sie von ihren radikalen Glaubensgenossen angegangen werden – aber das wiederum ist auch positiv, weil sie damit Mut zeigen, gegen den Strom der Abgrenzung und Radikalisierung zu schwimmen.

Im Fokus meines Ärgers stehen manche muslimischen Verbände und ihre Sprecher, weil sie nicht in der Lage sind, den Islam mit seiner positiven Seite darzustellen. Statt dessen ist die Zusammenarbeit mit dem Staat sehr mangelhaft oder die Stellungnahme zum Grundgesetz ist äußerst dürftig, die Öffnung zu den freien und freieren Kräften des Islam ist ein gespanntes. Warum können sie nicht über ihren Schatten springen und die positiven Seiten des Islam in die Gesellschaft einbringen? Die Seiten, die Muslime und Nichtmuslime miteinander verbinden.

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