Hirntod + Selbstmordgesetz

Ein lesenswerter Beitrag: Ist derjenige, der hirntot ist, tot? „Hirntote sind keine Leichen“: http://www.kath.net/detail.php?id=37913

Soll die assistierte Sebsttötung – wenn sie nicht aus kommerziellen Zwecken erfolgt – erlaubt werden, z.B. bei schwerer Krankheit? http://www.kath.net/detail.php?id=37919 Das ist wieder so ein Gesetzesentwurf, bei dem man schon vorher weiß, welche Folgen er haben wird. Und dann wird man sich später verwundert die Augen reiben, Studien anfertigen lassen usw. usw.

Die Gesellschaft wird umgewandelt – nicht zu ihrem Guten. Manchmal tarnt sich das Übel als Wunsch, Gutes zu tun – und entpuppt sich erst später als Missbrauch der guten Absicht. So war es mit der Abtreibung: Man wollte Frauen helfen – und dann wird das ausgenutzt zu einem Kampf gegen das Kind. In den Niederlanden wollte man Sterbenden helfen – und dann wird das von manchen ausgenutzt, um schneller ans Erbe zu kommen. Organspende: Man will leidenden Menschen helfen – und auch das wird von geschäftstüchtigen Menschen missbraucht. Und das gilt auch für viele andere gesellschaftliche Umwerfungen, die wir erleben. Sicher, das sind zum Teil nur einzelne schwarze Schafe. Aber das Tor ist offen, schwarze Schafe dringen hinein, und wir sehen and anderen Ländern, sie tummeln sich schon eifrig in dem Raum – das geht so weit, dass sie inzwischen ihre Rechte einfordern. Soll man wirklich wegen der Gefahr des Missbrauchs Menschen nicht mehr helfen wollen? Nein. Man sollte Alternativen stärker betonen: Schmerztherapien, Forschungen an Organersatz, Förderung des menschlichen Beistandes, Hilfen, das Leben annehmen zu können, wie es ist…

Wir sind ja erst am Beginn von solchen Entwicklungen. Ich stelle mir ab 2133 eine Gesellschaft vor, in der das, was heute begonnen wird, vollendet werden wird: Da werden Kinder gezeugt, um als Organbank zu dienen, da werden Menschen gar nicht mehr gefragt, sondern zum Nutzen für die Allgemeinheit einfach ihrer Organe beraubt, da werden alle, die ein bestimmtes Alter erreicht haben, beseitigt, weil man sich nicht in der Lage sieht, sie weiter zu ernähren, Schwerkranke werden sowieso schnell dem Tod zugeführt, weil es zu teuer wird für die Versicherungen. Es gibt aus diesem Grund auch keine Behinderten mehr, alle wurden vor bzw. nach der Geburt getötet. Und alles mit dem Argument: Es geht dann den Menschen besser – vor allem den Ermordeten. Möchte irgendjemand ein solches Leben führen bzw. einem ein solches Leben zumuten? Nein! Also: Guten Gewissens: Weg mit diesen Menschen. Und dann werden diese Taten auch noch als schön bezeichnet: Guter Tod zum Beispiel, Freiheit von Krankheit und Behinderung zum Beispiel; Freude am Leben zum Beispiel. Und man wird das auch religiös begründen: Je schneller man einem solchen armen Menschen den Tod schenkt, desto schneller kann die Seele in einen gesunden, schönen, starken Körper wiedergeboren werden. Und alle, die sich dagegen stellen, werden als unmenschlich, bösartig, lieblos bezeichnet. Und dann wird keiner mehr dagegen aufbegehren, wer will schon als unmenschlich, bösartig und lieblos bezeichnet werden? Sieht man denn nicht, dass eine Welt ohne Schwerkranke, Behinderte, Abgetriebene, Arme besser, schöner, frischer, freier, reicher ist? In diese Welt schlittern wir hinein. Zwangsläufig. Weil es keine Werte mehr gibt außer: Gesundheit, Schönheit, Stärke, Jugend, Reichtum. Gleichzeitig ist diese Welt eine Hölle. warum? Weil jeder sich nicht mehr annehmen kann, wie er ist, weil jeder nicht mehr den anderen annehmen kann, wie er ist. Er wird lauern, er wird Angst haben, dass ihm nach den Leben getrachtet wird, weil er eben einen kleinen Makel an sich entdeckt hat, eine kleine Schwäche… Es werden Denunziationen stattfinden: Das Paar hat doch ein behindertes Kind bekommen und sagt auch noch, dass es das liebt! Schande! Das wird der Gesellschaft zu teuer!  Der kranke Mensch möchte nicht sterben und seine Organe spenden und schneller mit seiner Seele in einen anderen Körper eingehen! Schande! Das wird der Gesellschaft zu teuer! Und so wird es Ämter geben, die leise und dezent solche Menschen ohne viel Aufhebens mit Medikamenten ruhiggestellt verschwinden lassen. Es wird klinisch reine Ämter geben, in denen an Menschen geforscht wird, damit nur noch gesunde, vollendet schöne Körper mit großem Geist geschaffen werden. Und in diesen Zimmern der dezenten Mörder und Schöpfer hängt das Bild eines Mannes, in dem man ein paar Jahrzehnte lang das Böse schlechthin wirken sah, der nun aber dieser Generation der Schönen, Starken, Gesunden, Jungen, Reichen als Vorbild dient. Sicher, sein Tun war dilletantisch. Aber es war der Anfang einer großartigen Idee der reinen Menschheit, die diese fortschrittliche Generation der Schönen, Starken, Gesunden, Reichen endlich in die Tat umsetzen kann.

Nun, dieser Alptraum wird nicht siegen. Warum nicht? Weil irgendwo auf der Welt immer ein Bild auftauchen wird, das die Menschen zum Nachdenken bringt: Das Bild des gekreuzigten Jesus Christus, das Bild eines leidenden Menschen. Und er wird sie auf eine eigenartige Weise berühren, sie werden fragen: Wer war das? Und sie werden neue, andere Menschen sein, Menschen, mit einem weiten und mutigen Herzen: einem Herzen, das die Verfolgten, Bedrängten, Missachteten, Geschmähten aufnimmt und ihnen Schutz gewährt, ihnen menschlich, liebevoll beisteht in ihrem langsamen Sterben und mühevollen aber schönem Leben. Sie dürfen sie selbst sein – und müssen sich nicht nach dem Bild einer wahnsinnig gewordenen Gesellschaft beurteilen müssen.

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