Kirchenväter 12+13: Gregor von Nyssa und Nazianz

Der Bruder von Basilius, Gregor von Nyssa, hat seinen Bruder Basilius und vor allem auch seine Schwester Makrina, die Lehrerin, sehr bewundert. Er war aber eher einer, der sich für Philosophie und das Denken interessierte als für das Praktische. Dennoch wurde er von seinem Bruder Basilius aus politischen Gründen zum Bischof ernannt. Doch man hat ihm von Seiten seiner arianischen Gegner Veruntreuung vorgeworfen und abgesetzt. Als die Arianer durch den Tod des arianischen Kaisers schwächer geworden waren, konnte er zurückkehren. Doch seine Begabung bestand im systematischen Denken und so wurde er – trotz seiner Kritik an vielen Zuständen seiner Zeit – der einflussreichste Theologe seiner Zeit, an seinem Maßstab mussten sich alle messen lassen. Seine Bedeutung ist auch daran erkennbar, dass er für eine Prinzessin und für die Kaiserin die Beerdigungsansprache gehalten hat. Er war ein großer Denker hat in der Frage der Dreieinigkeit Gottes intensiv christlichen Glauben und Philosophie Platons bzw. den Neuplatonismus miteinander verbunden: Gott ist unendlich und unbegreifbar; wenn man etwas von ihm erkannt hat, dann wird man noch weiter geführt, wenn man wieder etwas erkannt hat, wird man noch weiter geführt; der Verstand kommt nie an sein Ziel, wenn er über Gott nachdenkt. Doch es ging ihm nicht allein um das Wesen Gottes, es ging ihm darum, herauszuarbeiten, was das für eine Bedeutung für den Menschen hat. Und so ist seine Theologie auch von der Mystik geprägt, davon, dass der Mensch der Güte und Schönheit Gottes nachsinnt, dass er immer weiter in sie hineingenommen wird, aber nie an das Ende kommen wird. Das heißt, die Vereinigung des Menschen mit Gott/der Gottheit, wie sie Mystikern vieler Religionen ein Herzensanliegen ist, wird von Gregor aus seiner christlichen Perspektive nicht vertreten. Der Mensch wird Gott ähnlich, genießt Gott, die Seele tritt aus sich heraus – aber sie wird nicht eins mit dem unedlichen Gott.

Auch Gregor von Nazianz ist in eine tief christliche Familie hineingeboren worden. Sein Vater war Jude, der sich dem Christentum zugewandt hatte und später Bischof geworden ist. Vater, Mutter, Geschwister – alle werden als Heilige angesehen. Gregor war sehr gebildet, lebte zurückgezogen als Einsiedler/Mönch, half jedoch seinem Vater, dem Bischof und wurde selbst aus politischen Gründen von Basilius zum Bischof ernannt. Als Priester konnte er nicht auftreten, weil die arianischen Gemeinden ihn nicht haben wollten, eine kleine Gemeinde in Konstantinopel (heute Istanbul) blieb bei dem dreinigen Gott und dort predigte er in einem Kellerlokal. Er konnte so gut reden, dass viele auf ihn aufmerksam wurden – und je mehr Menschen auf ihn aufmerksam geworden sind, desto stärker wurden die Angriffe der Gegner. Er konnte massiv gegen seine Gegner argumentieren – war aber im wesentlichen eher ein Mensch, der den Frieden suchte und meinte, nicht alle seien schon im Glauben gefestigt und wüssten den Weg. Darum sei Langmut angesagt. Die Stadt wandte sich immer stärker dem Glauben an den dreieinigen Gott zu. Er selbst wurde zum Oberbischof (Metropoliten) ernannt – hat aber allen auf die Füße getreten – und merkte, dass das Amt zu groß für ihn war, er die Streitereien in der Kirche zwischen Arianern und Vertretern des Dreieinigen Gottes nicht schlichten konnte zog er sich wieder zurück. In einem anderen Streitpunkt, der nun aufkam, positionierte er sich: es ging darum, dass gesagt wurde, Christus sei Gott – und die menschliche Seite wurde weitgehend ignoriert. Gregor legte Wert darauf, dass Jesus Christus Gott – aber auch ganz Mensch gewesen ist.

Er hat durch seine Predigten, seine Briefe und seine Gedichte bleibend gewirkt. Mit seinen Gedichten wollte er übrigens auch zeigen, dass das Christentum auch in dieser Hinsicht mit der heidnischen Kultur Schritt halten kann.

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