Kirchenväter 6: Origenes

Origenes wurde um 185 geboren. Der Vater des Origenes wurde während der Christenverfolgung getötet – und Origenes selbst wollte auch den Märtyrertod sterben, wurde aber durch seine Mutter daran gehindert (sie nahm ihm die Kleidung weg, so konnte er nicht auf die Straße). Er wurde Lehrer und besuchte parallel dazu die gefangenen Christen. Aufgrund finanzieller Knappheit, trotz Verkaufs seiner Bibliothek, lebte er sehr asketisch – aber nicht nur darum, sondern das entsprach auch seiner Einstellung. Auch wird er Klemens von Alexandrien als Lehrer gehabt haben – zumindest übernahm er später die Schulleitung nach ihm. Während seiner Aufenthalte in Palästina wurde er gebeten, Vorlesungen über biblische Schriften zu halten – und das war auch eine seiner Spezialitäten: Kommentare zu biblischen Schriften zu verfassen – seine Bibelkenntnis war enorm. Origenes wurde von den Bischöfen in Palästina geweiht, was seinem Chef-Bischof Demetrios in Alexandrien überhaupt nicht gefiel und er Origenes verbot zu lehren, und er erklärte die Ordination für unwirksam. Origenes ließ sich auch von keiner kirchlichen Gewalt einschüchtern, denn das Amt ist wichtig, es hat aber keine größere Bedeutung als der Christ als solcher, der Geistesmensch. Und so zog er daraufhin von Alexandria weg und lehrte in Caesarea und entfaltete trotz schwerer Zeiten eine ungeheure literarische Tätigkeit.  Origenes wurde der bedeutsamste Theologe, den die Kirche bis dahin hatte – aber auch bedeutsam darin, dass er mit einigen seiner Ansichten Kontroversen auslöste: Ist Jesus Christus dem Vater untergeordnet? Ist die Seele des Menschen schon vor dessen Zeugung da? Werden auch die Bösen nach einer langen Phase der Reinigung zu Gott kommen? Seine Schule lehrte (vor allem platonisch und stoisch beinflusste) Philosophie, Literatur und Theologie – und darin zeigt sich auch sein Interesse: Wie Justin wollte er Philosophie und christlichen Glauben verbinden, wollte den christlichen Glauben mit der philosophischen Tradition zu einem neuen Ganzen verschmelzen. Und er stand an einem Wendepunkt: Das Christentum wurde noch stärker in der gebildeten Öffentlichkeit wahrgenommen – auch von der Elite, so dass das Wirken des Origenes hier auch Vorzeichen setzte für das Eindringen des Christentums in diese gesellschaftlichen Bereiche. Origenes wurde als Denker wahrgenommen – allerdings gefiel den heidnischen Denkern nicht sein Denken mit christlichem Vorzeichen. Dennoch wurde er berühmt und wurde gebeten, vor der Kaiserin Julia Mammaea zu reden

An dieser Stelle soll nur auf die Schrift „Gegen Celsus“ hingewiesen werden: Der wohl ägyptische Heide Celsus (2. Jahrhundert) war der erste große Kritiker des christlichen Glaubens, der auch das Christentum mit seinen unterschiedlichen Ausformungen kannte – und Origenes unternahm es, ihn zu widerlegen. http://www.unifr.ch/bkv/buch.php?werknr=46 Celsus meinte, es habe eine Urweisheit der Völker gegeben, die Christen zum Teil übernommen, zum Teil verfälscht hätten. Durch die Verfälschungen hätten sie sich abseits des sozialen Miteinanders gestellt. Er bringt so manches Thema auf, das bis heute immer wieder gegen jüdisch-christliche Theologie genannt wird: Er wendet sich gegen alttestamentliche Mythen (z.B. Gott musste am 7. Tag ruhen), gegen christologische Aspekte (es sei unsinnig, dass sich Gott in einem Menschen zeige – und dann noch in einem so bedeutungslosen Menschen wie Jesus), gegen das Geschichtsverständnis (es sei nicht linear von Schöpfung zur Apokalyptik, sondern zyklisch). Zu dem erstgenannten: Origenes lehrte den dreifachen Schriftsinn, das heißt, dass die Bibel in dreifacher Weise ausgelegt werden müsse. Wie der Mensch aus Körper, Seele und Geist bestehe, so wird die Bibel wörtlich/historisch zu verstehen sein, moralisch und geistlich. Entsprechend muss auch die eigentliche Intention, die spirituelle Intention, der Aussage von Gottes Ruhe am 7. Tag herausgearbeitet werden. Was die Bedeutungslosigkeit Jesu betrifft, antwortete Origenes, dass Jesus Christus wie kein anderer die Welt zum Guten in Schwingung versetzt habe.

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