Kirchenväter 3: Irenäus

Viel weiß man nicht über das Leben des Irenäus, der um 135 auf dem Gebiet der heutigen Türkei geboren wurde und zweiter Bischof in Lyon, Gallien war. Der erste Bischof ist im Rahmen der Christenverfolgungen dort umgekommen. Er selbst war in dieser Verfolgungszeit als Gesandter der Gemeinde in Rom, entkam somit der Ermordung. Er starb um 202 nach Christus – möglicherweise als Märtyrer, aber das ist nicht sicher.

Das Werk, Gegen die Häretiker/Irrlehrer, das uns heute noch vorliegt, beschäftigt sich mit christlichen Gruppen, die Irenäus nicht mehr als christlich ansieht, dazu gehören die vielen gnostischen Strömungen. Die Gnostiker sahen sich als Elite des Glaubens an und meinten, sie hätten besondere Erkenntnis. Weil sie das Christentum stärker hellenisiert und orientalisiert haben, somit dem Geschmack der Zeit angepasst haben, hatten sie großen Zulauf. Irenäus sieht sich als Schüler des Polycarp von Smyrna in der Tradition des Apostels Johannes. Wir sehen hieran: Es bildete sich im zweiten Jahrhundert eine Gruppe heraus, die sich in der Tradition der Apostel sieht (Sukzession) und sich von daher auch berechtigt sieht, die Richtschnur dessen anzugeben, was christlich ist und was vom christlichen Glauben abweicht. Dazu hat sich auch im Laufe der Zeit die Sammlung des Neuen Testaments herausgebildet, um gegen all die Irrlehren ein festes Argumentationsfundament in der Hand zu haben, darüber hinaus finden wir ein Glaubensbekenntnis (regula fidei), das den Rahmen des Glaubens absteckt. Aus dieser apostolischen Tradition heraus kritisiert Irenäus die anderen Gruppen, die aus dem Rückblick gesehen, zum großen Teil auch wirklich absonderliche Ansichten vertreten hatten. Er kritisiert – indem er argumentiert. Und das macht ihn zu einem der großen Theologen und auch zu einem einflussreichen Theologen. Christlicher Glaube – auch in der Tradition des Apostels Paulus – argumentiert. Und Irenäus argumentiert gegen alle gnostischen Spekulationen über Gott-Götter-Geister für die Einheit Gottes des Vaters, der der Schöpfer der Welt ist, dessen eine Hand der Sohn Gottes, die andere der Geist Gottes ist. Gott will durch die Geschichte bewirken, dass sich der Mensch zwischen gut und böse entscheidet, damit er auf Gottes Zukunft hin reif wird. Anders als die Gnostiker, die den Menschen negativ sehen, sieht Irenäus, dass Gott den Menschen durch Jesus Christus geadelt hat, dass er dem Menschen durch seinen heiligen Geist Anteil an Gott gegeben hat  – und ihm somit die Möglichkeit eröffnet, der besondere Mensch Gottes zu sein. Der Mensch ist Gottes Werk – er muss sich für Gott offen halten – und gelangt so zur Vollkommenheit.