Sippenhaft

Rechtsextremismus muss zurückgedrängt werden – das ist klar. http://www.welt.de/debatte/kommentare/article108480897/Der-braune-Sumpf-wird-immer-wieder-kleingeredet.html Aber es kommt auch darauf an, wie man das macht. Und da geht es nicht an, dass man Methoden heranzieht, die Diktaturen eigen sind, und dazu gehört die Sippenhaft. Was an Guantanamo schlimm ist, dass hier ein Staat, der demokratisch ist, Methoden angewendet hat (?), die sich für einen demokratischen Staat nicht gehören. Dazu gehören auch anonyme Denunziationen, dazu gehören körperliche Angriffe auf Andersdenkende… Und da sollten unsere linksorientierten Freunde nicht auch in Fahrwasser geraten, die nationalsozialistischen wie kommunistischen Staaten und anderen Diktaturen zu eigen waren. Zum anderen: Wie viel kommunistische Linke müssten dann in unserem Land in Sippenhaft genommen werden?

Selbstverständlich prägt der Partner einen Menschen – und darum sagen Christen seit alter Zeit, man solle sich vorher gut überlegen, mit wem man sich zusammentut, dass man nicht nur auf körperliche Vorzüge achtet, nicht nur auf das Lächeln – sondern auch auf das, was ihn seelisch, weltanschaulich bestimmt, damit er einen nicht hinabziehen kann. Aber all diese Fragen haben mit dem Sport nichts zu tun. Hinterher haben wir nur Herumschnüffeleien: Wer ist mit wem, warum liiert? Wer hat einen Freund aus dieser oder jener Szene? Wessen Familienangehöriger hat diese oder jene extremistische Weltanschauung? Wer hat einmal in seiner Jugend mit einer solchen geliebäugelt? Wer hat mal wo mit einem solchen in einer Mensa/Kantine zu Mittag gegessen? Hat sich denselben Film zur gleichen Zeit angeschaut? Schaut mal in die Briefkästen, was er da nicht alles an Bösem hat? Merken wir schon, wie sehr wir in einem gesellschaftspolitisch schlimmem Fahrwasser geraten sind? Es wird schon geschnüffelt, es wird schon denunziert, es wird schon getrennt… Unsere Gesellschaft darf sich durch extremistische Weltanschauungen nicht selbst zum Extremismus hinunterziehen lassen. Sie wird dann nur zum Spiegelbild des Bekämpften.

Schaut Euch einmal diesen üblen Artikel an: http://www.welt.de/sport/olympia/article108480866/Ruderin-Drygalla-selbst-in-rechte-Szene-verstrickt.html Es wird alles durchsucht, es wird gebogen und verbogen, was es nur geht: Ist diese Frau D.? D. hat diese Seite zumindest gesichtet… usw. usw. Solche Artikel sind es, die nichts anderes im Sinn haben, als Menschen fertig zu machen. Drygalla hat nichts verbrochen – das scheint den Medien sehr Leid zu tun, und sie suhlen und puhlen herum. Wie Bluthunde sind sie auf die Spur gesetzt und hetzen das Wild und den Menschen zu Tode. Leute, kommt zur Besinnung!

Ich hoffe nur, dass Drygalla nun nicht vor lauter Verfolgung in der Gruppe der Nationalsozialisten Schutz sucht, dass sie – trotz medialer Angriffe – stark genug ist, sich selbst von diesem Sumpf fernzuhalten. Denn sie wird in den Medien schon als Nazi bezeichnet – obgleich überhaupt nichts dazu bekannt ist. Das ist Rufmord. Man könnte ihr nur Kraft und Menschen wünschen, die ihr helfen, gegen all das rechtlich vorzugehen.

Dieser Artikel hat Recht: Man soll sich nicht vor Drygalla stellen, weil man ja gar nicht weiß, wie weit sie in diesem Sumpf mit verstrickt ist: http://www.cdu-politik.de/www/cdupolitik/wordpress314/2012/08/04/kleine-stichworte-zur-blonden-maid-als-aufreger/ Aber eben: Weil man das nicht weiß, ist die Reaktion falsch – und handelt es sich um Sippenhaft. Wenn man weiß, dass sie eine hartcore National-Sozialistin ist, dass sie versucht hat, die Sportlerinnen und Sportler weltanschaulich umzukrempeln und wenn sie sich etwas hat zu Schulden kommen lassen, dann kann man solche Reaktionen verstehen. Und darum sucht man wahrscheinlich jetzt in den Medien krampfhaft, um die eigene hysterische Reaktion erklären zu können, die meinem Verständnis von Rechtsstaat vollkommen widerspricht. Dass die Medien so ungeschickt sind und andere extreme Leute – nur eben linksextreme zu dem Fall zu interviewen – zeigt mir die Verwahrlosung der Medien an. Ideologische Konkurrenten sind einander bekanntlich nicht besonders grün bzw. einander ein rotes Tuch. Da kann man auch gleich einen Veganer auffordern, ein Bratwürstchen zu beurteilen.

Seit ich die letzten Zeilen geschrieben habe hat sich Drygalla ausdrücklich von der rechten Szene distanziert und gesagt, dass ihr Freund seit Mai mit der Szene gebrochen habe. http://www.spiegel.de/panorama/ruderin-drygalla-distanziert-sich-von-rechter-szene-a-848352.html Dazu ein wichtiger Matussek-Beitrag: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/olympische-spiele-matussek-ueber-nazi-worwuerfe-an-ruderin-drygalla-a-848348.html Ob sich Medien damit zufrieden geben? Es gibt immer wieder einzelne Leute, die sich irgendwie profilieren wollen, die ihre Auflage steigern wollen, die meinen, die Welt zu retten, wenn sie einen Menschen fertig machen – sie werden sich sicher kaum so leicht zufriedenstellen lassen.

Apropos keine Ideologie bei den Olympischen Spielen Die libanesischen Judokas wollten nur mit Sichtschutz trainieren, um die israelischen Judokas beim Training nicht sehen zu müssen – und? Man gewährte ihnen mit einer guten Begründung: http://www.focus.de/sport/olympia-2012/judo-libanesen-stellen-trennwand-zu-israelis-auf_aid_788687.html

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