Kultur Sensibilität

Der Artikel zur interkulturellen Kompetenz im Migazin gefällt mir. Da sagt Prof. Hormuth: „Interkulturelle Kompetenz setzt zunächst Wissen voraus. Um adäquat mit anderen Kulturen umzugehen, muss ich wissen, in welchen Punkten sich Kulturen typischerweise unterscheiden. Ich muss die Tabus der anderen Gesellschaft erkennen.“ Soweit so gut. Doch warum muss ich die andere Kultur erkennen? Die Antwort folgt: „Toleranz, Respekt und Anpassungsfähigkeit sind nötig, um mit Angehörigen anderer Kulturen erfolgreich zusammenzuarbeiten.“ Das ist auch richtig: Wenn ich Menschen anderer Kultur besuche, dann muss ich mich anpassen.

Doch die strittige Frage angesichts all dieser tollen Worte ist: Muss sich die Mehrheitsgesellschaft den anderen zugewanderten Kulturen anpassen? Wie weit muss sie das? Hier, genau hier ist das Problem. Toleranz: Ja! Respekt: Ja!, Anpassung: Ja! – Aber: Unterwerfung im eigenen Land, weil ich weiß, was die andere Kultur nicht mag? Hieran wird unsere Gesellschaft arbeiten müssen. Genau hieran. Und bisher wird ständig diese Hausaufgabe, die unsere Nachkommen von uns erwarten, behindert. Und aufgrund dieser Behinderung wird die Gesellschaft radikalisiert. Irgendwann wird allen der Kessel um die Ohren fliegen.

Wie wird das behindert? Wenn man auf das Grundgesetz verweist, wird vom Fetisch Grundgesetz gesprochen. Wenn man auf Tradition und Kultur verweist, dann wird akribisch „nachgewiesen“, dass wir keine eigene Kultur und Tradition oder nur eine Üble Tradition haben. Wenn das Thema überhaupt intensiver angesprochen wird, dann wird sofort Rassismus gewittert und damit abgebügelt.

Sachlich muss mit dieser Frage umgegangen werden, ganz, ganz sachlich: Was wollen wir zulassen? Was wollen wir nicht zulassen? Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Freiheit der Presse, Gleichberechtigung, Recht darauf, körperlich nicht gezüchtigt zu werden, Freiheit, sich für oder gegen etwas zu entscheiden, Gleichheit vor Gericht, Freiheit der Kunst… – das darf sich unsere Gesellschaft nicht nehmen lassen.

Das sind freilich Schlagworte, die der Konkretion bedürfen. Aber solche Art Konkretionen sind inakzeptabel: Eine Frau darf tun und lassen was sie will – sie muss nur von ihren Eltern richtig erzogen worden sein, um den familiären Traditionen Genüge zu tun. Usw. usw. Da gibt es so viele Versuche, all diese unsere Freiheiten mit irgendwelchen Argumenten zu unterlaufen… – das kann man nicht akzeptieren. Man muss es diskutieren. Dazu gehört zum Beispiel auch: Dürfen Muslime einen eigenen Friedhof haben? Wie hängt das mit Rassismus zusammen, wenn man ihnen den gewährt? Ist das eine Form der Apartheit, die wir nicht wollen? Wenn man ihnen einen eigenen überlässt, dann ist es recht und billig, anderen Gruppen auch einen zu überlassen. Oder: Dürfen nur Muslime ihre Toten in Tüchern bestatten? Dann müssen andere auch das Recht dazu bekommen, ihre Angehörigen preiswerter zu bestatten. Oder: Polygamie: Wenn einer Gruppe die Möglichkeit der Polygamie stillschweigend eingeräumt wird, dann muss diese auch anderen Gruppen gewährt werden – auch den Frauen. Das stillschweigende Unterlaufen von Grundbedingungen unserer Gesellschaft, die Bevorzugung mancher Gruppen, geht nicht.

Das ist mühsam der Tradition abgetrotzt worden: Gleichheit. Die dürfen wir durch die Hintertür nicht wieder aufgeben, nur weil andere es so wollen. Wenn ich in eine fremde Kultur komme und mich der dortigen Gesellschaft nicht anpassen kann, dann kann ich da schlicht und ergreifend nicht wohnen. Und das erwarte ich auch von anderen. Das heißt nicht, dass man nicht alles diskutieren kann und darf, dass unsere Gesellschaft nicht verbesserungsbedürftig wäre – das heißt schlicht und ergreifend: Dass wir es diskutieren können, als Gesellschaft diskutieren können. Wir haben keine Diktatur. Jeder – auch Menschen anderer Kultur müssen ihre Meinungen in den Pool werfen können – sie müssen genauso abgehärtet sein wie alle anderen Gruppen der Gesellschaft, die ihre Meinung der Öffentlichkeit aussetzen. Das unterscheidet unsere Kultur eben von (den meisten) islamischen und kommunistischen Staaten und Gruppen. Und daran müssen wir festhalten. Ein Redeverbot für Menschen anderer Kulturen darf es nicht geben. Nur geht es nicht an, die Gesellschaft durch undiskutierte Handlungen vor vollendete Tatsachen zu stellen.

Ich habe den Eindruck, dass so mancher Stadtpolitiker sich der Dimension seines Handelns gar nicht bewusst ist. Na, so ein kleiner Freidhof für Muslieme, na, wenn schon ein Mann mehrere Frauen hat, wenn… das ist doch alles nicht so schlimm. Das ist als solches nicht schlimm. Das widerspricht nur alles der Gleichheit – also eine der Grundpfeiler unseres Landes.

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