Traum vom Sozialismus

Auch ich habe den Traum, der in Apostelgeschichte 2 beschrieben wird:

Sie waren ein Herz und eine Seele. Keiner betrachtete seinen Besitz als Eigentum, sondern sie teilten alles miteinander… (Apostelgeschichte 4,32ff.)

Das ist der Traum der Christen – und dieser Traum wird säkularisiert von Sozialisten aufgegriffen. Aus diesem Grund konnten sich auch viele Christen mit dem Sozialismus identifizieren. Der Theologe Gollwitzer sagte:

"Sozialisten können Christen, Christen müssen Sozialisten sein."

Es ist nur so, wenn Menschen auch gute Dinge in die Hand nehmen, gute Ziele verfolgen, dann geht es meist nicht ohne Gewalttätigkeiten aus, kommt nicht aus ohne das Bestreben, den Alltag des Menschen zu beherrschen. Und so ist das auch mit Blick auf den Kommunismus geworden. Auch der nicht gebändigte Sozialismus hat solche autoritären Züge, die andere zu ihrem Glück zwingen wollen. Und das fanden und finden wir in allen Staaten, die sich selbst als kommunistisch/sozialistisch ansahen und ansehen: Sowjetunion, China, Nordkorea, Eritrea, Vietnam, Albanien… – auch wenn Sozialismus selbst eine breite Palette an Lebensweisen aufweist: von Demokratie bis hin zu Anarchismus, von Internationalität bis hin zu Nationalismus…

Von daher muss für einen Christen der Glaube als Korrektur des Menschen im Blick sein, der eben die Nächstenliebe, die Feindesliebe als Maßstab hat – und dieser Maßstab verbietet es, den anderen meine Weltanschauung aufzuzwingen. Dieser Sozialismus im christlichen Sinne, der geht auch mit den so genannten Kapitalisten und anderen Andersdenkenden anders um: Fordernd, aber nicht zwingend. Ich denke, das Prinzip der sozialen Marktwirtschaft ist hier auf gutem Weg, auf gutem Weg ist auch die Entideologisierung des Staates – also das Subsidiaritätsprinzip, das beinhaltet, dass der Staat keine eigenen Weltanschauungen durchsetzen darf, sondern die Bürger in der Durchsetzung sozialer Werte unterstützen muss. Beide Wege müssen jedoch immer wieder neu durchdacht und neu durchgesetzt werden, damit sie nicht in die Irre laufen.

Von Jesus aus gesehen, hat Gollwitzer Recht – aber nur dann, wenn der Sozialismus von der jesuanischen Nächsten- und Feindesliebe diszipliniert wird. Die Freiheit des anderen ist nicht anzutasten – auch wenn es vielfach schwer fällt und man die anderen sowieso für verblendet, verblödet, verrückt hält. Aber jeder muss die Freiheit haben, verblendet, verblödet, verrückt zu sein, wann wie und so viel er will (wenn er den anderen damit nicht in seinen Rechten verletzt).

An einem Sozialismus aus christlicher Verantwortung – darum kommen Christen im Grunde nicht herum, wenn sie das Neue Testament ernst nehmen. Und diese “sozialistische” Tradition ist sowohl für die evangelische Seite als auch für die katholische Seite nichts Neues. Ist das jedoch Sozialismus? Müssen Christen Sozialisten sein? Christen sind Christen – sie haben es nicht nötig, sich einer Weltanschauung, wie auch immer sie geartet ist, anzupassen.

Gottes Garten, so las ich einmal, hat viele Blumen.

Jegliche Mono-Kultur widerspricht göttlicher Schöpfung.

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