Wort zum Fronleichnam

Evangelische Christen können mit Fronleichnam nicht so viel anfangen – aber die katholischen Glaubensgeschwister. Was feiern sie an Fronleichnam? Das wird hier dargestellt:

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Evangelische Christen haben sich in der Vergangenheit häufig nicht besonders als Nachfolger Jesu benommen, wenn Katholiken das Fest feierten. Sie haben Schuld auf sich geladen.

In der Kirche spricht man von sichtbarer und unsichtbarer Kirche. Zur sichtbaren Kirche gehören die Menschen, die der Institution Kirche nahestehen – denen aber die enge Beziehung zu Gott in Jesus Christus bzw. zu ihren Mitmenschen fremd ist. Diese Menschen neigen zur Ideologisierung ihres kleinen Glaubens. Was ich glaube, das allein ist richtig – darum habe ich auch das Recht, den Glauben anderer zu treten. Zur unsichtbaren Kirche werden die Menschen gerechnet, die nicht institutionelle Gebundenheit besonders hervorheben, sondern sich über die Kirchengrenzen hinweg als Brüder und Schwestern in Jesus Christus sehen: Pfingstler, Baptisten, Katholiken, Protestanten, Orthodoxe, Adventisten, Anglikaner… Man spürt eine enge Verbundenheit, man anerkennt einander als Eins in Christus, man spürt auch die Zugehörigkeit des anderen zum Herrn, ohne dass man sich bislang kennengelernt hat. Sicher, man mag theologische Auseinandersetzungen führen, man sagt einander: Das sehe ich anders, man kabbelt sich auch in der Auseinandersetzung… – aber das hindert nicht, dass man einander achtet, einander hilft, füreinander betet, einander in Notlagen stärkt. Wir finden in der unsichtbaren Kirche ein bisschen das Echo auf das Gebet Jesu, das Johannes 17 formuliert wird. Nur ein “bisschen Echo” darum, weil wir als Menschen dann doch immer wieder zur sichtbaren Kirche zurückkehren und damit auch zu ihrer Verfestigung. Das Ziel ist erreicht, wenn unsichtbare Kirche und sichtbare Kirche zusammenfallen – so, wie es Paulus sich ersehnte und sah. Wir sind davon noch weit entfernt. Es ist wünschenswert, wenn jeder Einzelne sich dem annähert: Man spürt eine enge Verbundenheit, über die Kirchengrenzen hinweg, man anerkennt einander als Eins in Christus. Die ganzen kleinen Kriteleien schweigen und werden als so nichtig angesehen, angesichts dieser Größe der Gemeinschaft.

 

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