Sarrazin-Schluckauf

Manche bekommen allein bei dem Wort Sarrazin übermäßigen Schluckauf. Aber der Name sei hier dennoch genannt: Die FAZ hat ihn zum Euro interviewt: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/im-gespraech-thilo-sarrazin-genug-druckerschwaerze-fuer-papiergeld-gab-es-immer-11757944.html

Dass ein paar Leute Schluckauf bekommen, kann man hieran sehen, dass sie die Diskussion Steinbrücks mit Sarrazin so kommentieren: „mit Sarrazin solle sich niemand mehr in eine Talkshow setzen“ http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/nach-dem-auftritt-bei-jauch-kritik-an-sarrazin-und-steinbrueck-11758736.html – Gibt es dafür ein sachliches Argument? Keins. Also solche Schluckauf-Leute, die es verweigern, mit anderen zu reden, die habe ich in meinem Leben ehrlich und sanft gesagt: nie verstanden. Es gab in meiner Klasse einmal ein Mädchen – ach, Kinder, lang ist es her! – die sagte, dass ihr Vater über eine Woche nicht mit ihr geredet habe, weil sie irgendwas gemacht hatte – ich kann mich nicht mehr daran erinnern, was – was ihm nicht gefallen hatte. Damals schon fand ich das sowas von verblödet – aber diese dummen Spielchen scheinen ein paar auch auf der mittleren politischen Ebene zu spielen. Nun, wer nicht mit anderen reden will, ist nicht zu bedauern, wenn er sich in seinem eigenen Saft eindost – wie Thunfisch in eigenem Saft eigedost wird – freilich dieser unfreiwillig…

Übrigens ruft die BILD-Zeitung empört: „Deutsche sollen wieder Schulden-Suppe auslöffenln!“ http://www.bild.de/politik/inland/euro-krise/deutsche-sollen-schulden-suppe-ausloeffeln-24277898.bild.html Ja, aber solange die anderen mit dem Geld, das sie von uns bekommen, bei uns einkaufen, gehts ja noch. Und was solls. Wie Strom einfach so aus der Steckdose kommt, Wasser einfach so aus dem Wasserhahn, so kommt Geld einfach so aus der virtuellen Druckerpresse. Warum auch nicht? Das wahre Leben findet in PC-Spielen und auf Facebook statt bzw. in den Seifenopern des Fernsehens. Letztendlich in unseren Köpfen. Darum darf die Wirtschaft auch rein virtuell sein. Genauso virtuell wie die, dass das Volk Souverän über seine Finanzen ist, die es sich erarbeitet. Wie Schnitzel aus Soja und Schweinchen aus Marzipan gewünscht werden, wie Plastikblumen schöner aussehen und länger haltbar sind als echte – vor allem kaum mehr zu unterscheiden sind von echten, so auch die Wirtschaft der heutigen Staaten.

Spiegel-online will die SPD vor sich her treiben: SPD solle EuroBonds vertreten – wie Hollande! http://www.spiegel.de/wirtschaft/streit-ueber-euro-bonds-spd-scheut-konflikt-mit-merkel-a-834663.html Ich vermute mal, dass ein Teil der SPD klüger ist als spiegel-online.

Man weist auf die Krawalle gegen Ausländer in Athen hin. Glaubt hier in unserem Land eigentlich ein einziger Mensch, dass das bei uns nicht auch so kommen würde, wenn die Wirtschaft so desolat ist wie in Griechenland? Die Menschen sind anders, als die Träumer sich so denken – und das liegt nicht nur an den Rechtsradikalen. Radikale welcher Couleur auch immer haben Zulauf von vielen Kurzdenkern, wenn ihnen das Wasser bis zum Hals steht. Schönträumende Ausländerpolitik ist unverantwortlich.

Impressum auf www.wolfgangfenske.de