Differenzieren

Ich bin nicht für die ProLer und ihr Tun: Ich bin für Meinungsfreiheit; auch Proler haben in unserem Land das Recht, ihre Meinung zu äußern, wann und wo sie wollen – was ja auch die Gerichte bestätigen.

Ich bin nicht gegen die Türkei oder China: Ich bin für die Einhaltung der Menschenrechte auch in diesen Ländern – und bin dafür, dass die jeweiligen Regierungen die Situation nicht verschlimmern.

Wenn ich auf die Gefahren der Opposition in Syrien, Ägypten… hinweise, dann nicht, weil ich für die jeweiligen Regime bin. Aber: Ich bin gegen eine Blauäugigkeit, die übersieht, dass wir es mit der Opposition mit international venetzten extremistischen Gruppen zu tun haben. Und unsere Kinder werden uns in wenigen Jahrzehnten fragen: Wie habt ihr sie nur unterstützen können! (Wie heute gefragt wird: Wie konnten die Väter nur Gaddafi und Mubarak und Assad … unterstützen.)

Ich bin auch nicht gegen die so genannten Palästinenser – warum sollte ich. Ich habe nur etwas dagegen, dass Israel ins Meer getrieben werden soll. Und diese ganze anti-israelitische Propaganda verbunden mit Antisemitismus/Antijudaismus und blindem Hass erniedrigt die Palästinenser selber. Darin will ich sie nicht unterstützen.

Ich bin nicht gegen Muslime in unserem Land – aber: Ich wende mich gegen die (auch stillschweigende) Unterstützung islamistischer Strömungen. Sie setzen auch die liberalere muslimische Bevölkerung unter Druck. Ich bin dafür, dass wir uns als Gesellschaft für die Muslime einsetzen, die frei von aller Gesetzlichkeit und frei von allen Zwängen leben wollen, auch wenn sie in der Minderheit und eher schweigsam sind als die Extremisten.

Ich bin nicht gegen die EU – sondern für eine EU-Kommission, die sich an unsere Werte hält – und wenn sie meint, sie ändern zu müssen, dann diskursiv mit der Bevölkerung der jeweiligen Staaten und nicht mit gesetzlichem Druck.

Ich bin nicht gegen den Islam, nicht gegen den Buddhismus, nicht gegen den Atheismus – sondern dafür, dass wir nicht einfach die so mühsam im Laufe der Geschichte errungenen Werte aufgeben, sondern nur dann auf sie verzichten, wenn wir erkennen, dass die „neuen“ für die Menschen besser sind.

Wenn ich auf pi usw. hinweise, dann darum, weil ich von daher die jeweilige Information habe, die ich sonst nicht gefunden habe. Ich denke, je umfassender wir uns informieren, desto besser können wir uns einen Reim auf manche Sachen machen.

Wenn ich auf bestimmte Reden des Papstes hinweise, dann weise ich damit eben nicht auf andere Reden hin, Reden, die mir als protestantischen Christen eher fremd sind.

Wenn mir jemand sagt, ich differenziere ja, aber wie beim Papst sollte ich mehr positive Inhalte des Islam bringen. Bitte weist mich auf positive Inhalte hin, die ich noch nicht gebracht habe. Ich bin offen für alles – das gilt ebenso für den Atheismus und den Kommunismus. Ich lerne gerne dazu.

Und ich sehe auch, dass ich mit allem, was ich sage, falsch liegen kann. Vielleicht ist es ja so: Die türkische und chinesische Regierungen sind das beste, was die dortige Bevölkerung benötigt, Muslimbrüder, Salafisten gehören einfach zu den islamischen Staaten wie die Wüste zu Libyen – und vor allem: Sie gehören zu Europa, weil die Bevölkerung sonst ganz verlottern würde, da tut ein wenig Scharia echt gut. Oder der Kommunismus gehört hier her, weil zu viel individuelle Meinungsäußerung – anders als das Kollektiv – wirklich nicht gut ist. Atheismus gehört hier her – weil eben eine im Augenblick dominante Strömung, der Utilitarismus, das beste ist, was den Menschen Europas nur blühen kann. Ich bin lernfähig. Aber bitte argumentieren. Nicht mit Wünschen – mit Fakten wäre gut. So hilft es zum Beispiel nicht besonders, mich auf diese Weise überzeugen zu wollen: Der Islam / Kommunismus ist das beste, was es gibt – nur könne man es nicht an den islamischen / kommunistischen Ländern sehen, weil sie alle keine richtigen Muslime / Kommunisten seien. Das sind so Argumente, die – hm – es etwas schwer haben, in mein Hirn zu dringen.

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